[Gelesen] Veit Etzold: Final Cut

Man erwartet mehr von dem Buch, als wie man schlussendlich kriegt – der Plot ist ab einem gewissen Punkt einfach zu vorhersehbar. Ich hätte mir gewünscht, dass man nichts oder nur wenig über den Täter erfährt und sie ihn am Ende nicht kriegen; das hätte besser in den Kontext gepasst.


Das Internet ist ein allgegenwärtiges, weltumspannendes Netzwerk, das die Kommunikation von jedem mit allen ermöglicht, den beinahe gedankenschnellen Austausch von Informationen, der die Welt gleichsam auf die Größe eines Computerchips schrumpfen lässt. Die Menschen reden nicht mehr miteinander, sondern mit Webseiten, sie treffen sich nicht mehr, sondern tauschen sich über soziale Netzwerke aus. Sie setzen sich Reizen aus, die auf die gleichen Nervenbahnen im Hirn einwirken wie Nikotin und Kokain. Elektronische Drogen. 60 Milliarden E-Mails werden täglich weltweit verschickt, eine digitale Kakophonie der Kommunikation, die die Lebenswelt der Menschen immer mehr aus der Wirklichkeit in eine künstliche Welt aus Bits und Bytes verlagert. Frühere Endgeräte musste man mittels klobiger Knöpfe bedienen, während die heutigen iPhones und iPads gestreichelt und liebkost werden wollen wie eifersüchtige Geliebte, die niemanden neben sich dulden. Und so, wie jeder Himmel seine Hölle hat, schafft das Internet sich seine eigene Schattenwelt und seine eigene Negierung der vernetzten und scheinbar aufgeklärten Gesellschaft. Denn das Internet ist nicht nur das größte Kommunikationsmedium und der umfassendste Wissensspeicher aller Zeiten. Das Internet ist zugleich der größte Tatort der Welt. Von Kinderpornos bis zu Horrorclips – echt oder gestellt –, von Anleitungen zum Suizid bis zu Bauanleitungen für Bomben, von Happy-Slapping-Videos zu Aufnahmen tödlicher Unfälle und Katastrophen bis hin zu Bildern betrunkener Jugendlicher, die in einer Ecke liegen, nackt inmitten der eigenen Exkremente und für alle Welt sichtbar, ist das Internet ein moderner Pranger voller Obszönitäten und Abartigkeiten, eine Schattenwelt, in der sich die dunkelsten Begierden, die perversesten Abgründe und die grausamsten Phantasien manifestieren.

„Ist das Bier gut?“, fragte Myers.
„Becks“, sagte Torino. „Spitzenqualität aus Bremen! Liegt in Norddeutschland. War früher `ne stolze Hansestadt. Hat sich leider in den letzten Jahren Richtung Sozi-Schuldenhochburg verwandelt. Aber Bierbrauen können die immer noch.

Die Menschen sind wie Zigaretten, dachte sie. Sie werden von Emotionen in Brand gesetzt und von Versprechungen und Hoffnungen am Glühen gehalten. Und sind sie dann ausgebrannt, werden sie zerquetscht und weggeworfen. Die Welt ist nichts weiter als ein riesiger, stinkender Aschenbecher.
Sie musste lachen über diesen Vergleich, verstummte aber sofort. Denn Lachen klingt manchmal verrückt, wenn man ganz allein lacht.

Tu trembles, carcasse? Tu tremblerais bien davantage, si tu savais où je te mène.
Du zitterst, Leiche? Du würdest noch mehr zittern, wenn du wüsstest, wohin ich dich führe.


BUCHDETAILS

Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-16687-9
Erscheinungsdatum:18.05.2012

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s