[Gelesen] Robert Löhr: Das Erlkönig-Manöver

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Im Februar 1805 setzt eine bunte Truppe im Schutz der Dunkelheit über den Rhein: Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich von Schiller, Achim von Arnim und Bettine Brentano sowie Heinrich von Kleist und Alexander von Humboldt. Ihr Auftrag: den wahren König von Frankreich aus dem französisch besetzten Mainz zu befreien. Ihr Gegner: Kaiser Napoleon I., der mächtigste Mann der Welt. Mit intelligentem Witz und fundierter Sachkenntnis beschert uns Robert Löhr einen hinreißenden historischen Roman um die Ikonen der deutschen Literatur. [x]

Der Klappentext zum Erlkönig-Manöver liest sich sehr ansprechend und man hat sofort Lust auf mehr. Leider ist Löhr’s Buch dann doch etwas schwerere Kost…

Eine handvoll deutscher Literaten wird 1805 auf ein Abenteuer geschickt – Piper nennt das historischen Roman, ich würde es eher als Fanfiction mit Einflüssen von alternativer Geschichtsschreibung verordnen. Das Abenteuer steht dabei hinten an; Löhr geht es mehr darum, Zitate und Anspielungen auf seine Hauptcharaktere und ihre Werke einzustreuen. Die Sprache ist daher auch etwas altbacken um diese besser einflechten zu können.

Nun ist die Angst eines Menschen, der weiß, dass er sterben muss, vollkommen andersartig als die Angst dessen, der weiß, dass er sterben könnte. Ein Soldat in der Schlacht, ein Wanderer unter Wölfen, ein Matrose auf hoher See klammert sich mit aller Kraft am Leben fest und lässt keine Aussicht auf Rettung unversucht – und nimmt den Tod dennoch an, wenn er kommt. Dem Todgeweihten aber bleibt keine andere Tätigkeit, als sich auf den Tod vorzubereiten, und er ist dennoch bis zuletzt unfähig, sich mit ihm zu arrangieren.

Die erste Hälfte des Buches liest sich relativ schnell weg, danach wird die Geschichte zusammen mit dem Schreibstil immer träger. Leider ist Löhr mit seinem relativ großen Trupp etwas überfordert und konzentriert sich vornehmlich auf Schiller, Goethe und Bettine wodurch die anderen sehr farblos erscheinen. Auch wird zwar mit Fiktion und Fakten gespielt aber schlussendlich sich an einige Eckdaten gehalten – wodurch vor allem beim Event, dass das letzte Drittel auslöst, keine Überraschung aufkommen kann da man schon im Vorfeld davon wissen kann.

Von der Idee und den Charakteren her macht das Buch trotzdem Spaß und auch immer noch genug Lust auf den zweiten Band – wenn man aber so gar nichts von einem der Literaten kennt oder mag, wird dieses Buch daran auch leider nichts ändern.

rating: 2/5


BUCHDETAILS

Verlag: Piper
ISBN: 9783492049290
Erscheinungsdatum:01.08.2007

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