The Girl with all the Gifts: book group questions

Manchmal haben Bücher noch kleine Extras wie Leseproben, Interviews oder Fragen zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Text – ich mag vor allem letzteres total gerne! Zu The Girl with all the Gifts von M. R. Carey gibt es am Ende zehn Fragen, die eigentlich für Buchgruppen gedacht sind, aber genauso gut jeder Leser für sich selbst beantworten kann. Ihr solltet das Buch bereits gelesen haben, falls ihr euch beim Weiterlesen jetzt nicht spoilern wollt!thegirlwithallthegifts-questions

 1. Hoes does the book portray the relationship between Melanie and Miss Justineau? Do you find it unsettling or reassuring? Does it change in the course of the novel?

Melanie und Miss Justineau haben beide je zwei Rollen – Kind und Erwachsener sowie Schüler und Lehrer. Helen Justineau wird als die Lehrkraft beschrieben, die am engagiertesten mit den Kindern arbeitet (sie liest Geschichten vor, bringt den Frühling in den Raum etc.), und sie ist lange Zeit die einzige Person in der Gruppe, die Melanie als Kind statt Monster sieht. Für Melanie ist sie die Lieblingslehrerin, die von ihr stark idolisiert wird, und die Vertrauensperson schlechthin – ich fand nicht, dass sich das groß im Verlauf der Geschichte ändert. Helen bricht im Klassenzimmer die Regeln, als sie Melanie berührt, und teilweise schwingt bei ihr eine leicht mütterliche Komponente mit. Zwischendrin muss sie erkennen, dass Melanie nicht vollkommen unbeeinflusst von dem Parasit ist, aber sie bringt dem Mädchen nie Hass oder andere negative Gefühle bewusst entgegen. Am Anfang ist Melanie auf Helen angewiesen, am Ende sind die Rollen vertauscht – aber Helen bleibt weiter die Lehrerin, und Melanie eine der SchülerInnen. Das Helen so gefasst mit der Endlage umgeht und wie sie Melanie allgemein behandelt, finde ich sehr beruhigend und hoffnungsvoll zugleich.

2. Do you view the ending as tragic or hopeful? And what do you think will happen next?

Für Helen und Eddie ist das Ende auf alle Fälle tragisch! Eddie stirbt mehr oder weniger im Wissen, gerade zig Millionen Menschen (oder wie viele auch immer den ersten Ausbruch überstanden haben) zum Tode verurteilt zu haben, Helen ist fortan auf Gedeih und Verderb den Kindern ausgeliefert. Wenn man das große Ganze betrachtet, erscheint das Ende aber sehr hoffnungsvoll: die Menschheit hört nicht auf zu existieren, sondern entwickelt sich weiter/erlebt quasi einen Neustart. Die Gruppe in London gibt bereits einen Einblick, wie sich neue Kommunikation entwickelt, und weitere Dinge wie Sesshaftigkeit, Werkzeuge etc. werden sicher auch in absehbarer Zeit folgen.

3. Education is a theme of the novel, with questions raised about the value of education, what we choose to teach our children and what that choice says about a society. Does Melanie’s education equib her for the world she lives in? Do you agree with the choices that her teachers make?

Die Frage ist sofern interessant als das es im Buch selbst dazu klar unterschiedliche Positionen gibt. Caldwell möchte einfach nur erforschen, ob die „spooky little monsters“ lernen können, der Inhalt ist da nur Nebensache. Parks hingegen empfindet es als ein Kriegsverbrechen, was den Kindern beigebracht wurde, und die Passage hat mich unheimlich beeindruckt:

But Parks is thinking, with a sort of dull wonder: as far as the kid is concerned, the world never ended. They taught her all these old, old things, filled her head with all this unserviceable shit, and they thought it didn’t matter because she was never going to leave her cell except to be dismantled and smeared on microscope slides. His stomach lurches. He has a sense, for the first time in his soldering career, of what a war crime might look like from the inside.

Ich bin da etwas zwiegespalten. Carey geht im Interview in den Extras unter anderem auf den mythic archetype ein, wie die alten Sagen, Mythen, Religionen… zentrale Themen beleuchten und so auch nach Jahrhunderten noch relevant sind und aufgegriffen werden. Hilft Melanie Pandoras Geschichte um in der Apokalypse zu überleben? Eher nicht. Aber es werden dadurch unterschwellig zum Beispiel Moralvorstellungen vermittelt, die auf jeden Fall wichtig sind. Was diskutabel ist (und das stößt Parks auch so auf), ist die Beschränkung des Lernstoffs auf die Welt davor. Melanie erkennt erst sehr spät im Buch, dass sie selbst von dem Parasiten befallen ist und warum sie hungries genannt werden –  im Klassenzimmer sind Erklärungen darüber einfach unter den Tisch gefallen, die Kinder wurden also über ihre eigene Art im dunklen gelassen… für die Lehrer war das sicherlich der einfachere Weg, aber richtig macht es ihn deswegen nicht!

4. „Which weights the most, Helen? Which will do the most good in the end? Your compassion or my commitment to my work?“ (spoken by Dr Caldwell to Helen Justineau) Does The Girl with all the Gifts offer us an answer to this question? What does the book have to say about scientific inquiry?

Caldwell und Justineau stehen für zwei sehr extreme Positionen, und ich glaube, ein Mittelweg wäre das Beste… Caldwell erkennt ja auch zum Ende hin, dass Teile ihrer Forschung total sinnloses im dunkeln stochern waren, und ist einfach zu entrückt in ihrem wahren Forschungswahn. Helen muss zwischendrin erkennen, dass sie Melanie zwar als Kind sieht, sie aber nun mal nicht nur Kind ist und auch eine Gefahr darstellen kann. Zwar wiegt im Endeffekt immer die Mehrheit über das Wohl des Einzelnen, aber deswegen darf man seine Menschlichkeit nicht einfach vergessen.

5. How effectively does the novel present a post-apocalyptic Britain? And how much does it depend on this setting for its emotional impact?

Vom Gefühl her hätte The Girl with all the Gifts auch sonst wo spielen können – außer Birmingham und London kannte ich keine Ortsnamen, und es gibt auch andere Großstädte in der Welt. Wirklich wichtig ist nur der Wechsel von der ländlichen Gegend mit relativ wenig hungries hin zu dem gefährlichen Terrain einer ursprünglich extrem dichtbesiedelten Fläche.

6. Discuss: the book ultimately portrays the future of humankind as hopeless.

Die Tatsache, dass bereits in der zweiten oder dritten Generation eine so schnelle Anpassung an die neuen Gegebenheiten einsetzt, empfinde ich als sehr hoffnungsvoll. Die Menschheit hat sich ja jetzt auch noch nicht fertig entwickelt!

7. Caroline Caldwell would have been a more sympathetic and likeable character if she was a man. Do you agree with this statement? Why? Why not?

Nein. Es spielt schon eine Rolle, dass Caldwell eine Frau ist: man erwartet grundsätzlich eher mehr Einfühlungsvermögen oder Muttergefühle bei Frauen… daher eckt diese Charakter von Beginn schnell an. Warum sollte ihre Gefühlskälte als Mann sympathischer rüberkommen? Das einzig bewundernswerte an ihr ist für mich, dass sie keine unrealistische 180° Drehung vollzieht, sondern ihrer Persönlichkeit bis zuletzt treu bleibt.

8. The accepted definition of a road movie includes the idea that the journey the characters undergo changes their perspectives on their own lives and the world they live in. Is The Girl with all the Gifts a „road novel“?

Ich bin mir nicht sicher, ob diese Definition für alle Charaktere greift… aber man kann dafür argumentieren. „Road novel“ wäre aber mit eine der letzten Definitionen, die mir für dieses Buch einfallen würden.

9. What difference, if any, does the use of the present tense for the narrative voice make to our experience in reading the novel? Why do you think the author chose it?

Man ist als Leser quasi mitten im Geschehen und schaut den Charakteren teilweise direkt in den Kopf, Gedankengänge wirken wie in Echtzeit… die Geschichte passiert im Hier und Jetzt während des Lesens, was eine gewisse Sogwirkung hat. Man mag das Buch nicht aus der Hand legen, gerade zum Ende hin.

10. The book has been compared with Never Let Me Go by Kazuo Ishiguro. How far does each of these books characterise children as grotesque and to be feared?

Das Buch steht noch auf meiner Leseliste, daher kann ich diese Frage nicht wirklich beantworten… aber bei Kindern hat man immer eine bestimmte Erwartungshaltung (unschuldig, gut, müssen beschützt werden etc.), und dadurch eignen sie sich auch gut für zum Beispiel Horrorfilme. In The Girl with all the Gifts sieht Helen ja auch primär das Kind in Melanie und erschreckt erst später (das die Kinder nicht wie Monster sondern wie normale Kinder aussehen, verstärkt das Groteske ja nur noch mehr!).

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