[Gesehen] Ich bin dann mal weg

2001 lebt Hape Kerkeling auf der Überholspur und hört nicht auf seinen Körper. Nach Hörsturz, Zusammenbruch, Gallenblasen-Operation und knappem Entgehen eines Herzinfakts lässt sich aber nicht mehr leugnen, dass eine Pause dringend nötig ist. Nachdem ihm Zuhause beinahe die Decke auf dem Kopf fällt, kommt schließlich die fixe Idee – er möchte den Jakobsweg bestreiten.

Gesagt, getan!

Ich bin dann mal weg ist die Verfilmung zum gleichnamigen Reisebericht von Kerkeling, der 100 Wochen in den Bestsellerlisten verharrte. Bisher hat es mich nicht gereizt, das Buch zu lesen, aber der Trailer hat mich neugierig genug gestimmt, es einmal mit dem Film zu probieren – bereut habe ich es nicht!

Die Wanderschaft von Hape bzw. Hans Peter nimmt den Großteil des Films ein. Es gibt immer wieder kleine Rückblenden in die Kindheit, die einem nicht nur Kerkelings Anfänge im Showgeschäft vorführen, sondern auch seine Beziehung zu Gott in jungen Jahren. Die Einstellung vom Jungen und vom Erwachsenen gehen auseinander, und wirklich sicher ist sich Hans Peter zunächst nicht, ob er überhaupt an Gott glaubt.Während seiner Reise schreibt er in einem Notizbuch seine Eindrücke und (mein persönliches Highlight!) Erkenntnisse des Tages nieder. Teilweise wird dies visuell dargestellt, teilweise hören wir seine Stimme aus dem Off plaudern, während er unterwegs ist. Unter den Pilgern gibt es einige, die man zusammen mit Hans Peter immer wieder auf dem Weg trifft, und deren Geschichte und Beweggründe verschiedener nicht sein könnten. Ob es wirklich realistisch ist, dass sie sich immer wieder begegnen sei mal dahingestellt, aber einige von ihnen wachsen einem wirklich ans Herz, und man drückt die Daumen, dass sie es schaffen. Denn: nicht jeder kommt am Ende in Santiago de Compostela an, nur etwa 20 Prozent der Pilger beenden ihre Reise.

Manchmal vielleicht etwas zu viel Pathos, aber im Großen macht die Verfilmung viel richtig. Die Aufnahmen sind herrlich, und Kerkelings Ringen an einigen Stellen mit sich selber wird gut transportiert. Es gibt komische Momente, aber auch bewegendes. Ich mochte vor allem, wie auf den religiösen Aspekt eingegangen wird. Kerkeling zweifelt an dem, was er da tut und dem warum. Seine Erkenntnis ist eine persönliche, keine allgemeine.

Ein ruhiger, nachdenklicher Film, der in schönen Bildern den Zuschauer auf die Reise mitnimmt.

Trivia: Sitzen bleiben am Ende lohnt! Im Abspann sind Originalbilder von Kerkelings Reise zu sehen.

rating: 4/5

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