[Gelesen] The Crucible

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Der Auslöser hierfür ist nicht klar zu definieren: Fakt ist, dass 1692 Hexenprozesse in Salem stattfanden, in deren Rahmen 20 Menschen zum Tode  verurteilt und mehr als 200 beschuldigt wurden. In The Crucible bedient sich Arthur Miller den historischen Ereignissen, und zeigt eine Möglichkeit, wie sich die Massenhysterie in der Gemeinde aufbaut.

Auf der einen Seite gibt es die Mädchen der Gemeinde, die auf der Schwelle zum Erwachsenenalter stehen. Sie werden erwischt, als sie nachts im Wald tanzen: etwas, was ihnen durch ihren Glauben, den Puritanismus, untersagt ist. Um Bestrafung zu entgehen, verhalten sie sich seltsam, so als wären sie verhext – und treten damit einen Prozess in Gang, der sich verselbstständigt. John Proctor stellt ein wenig das Gegenstück dazu da. Er erkennt mit gesundem Menschenverstand, dass Hysterie und denunzieren zum eigenen Vorteil erfolgt – wie er und seine Frau versuchen, sich gegen die Vorwürfe zu wehren, macht den Großteil des Stückes aus.

Insgesamt verfügt The Crucible über vier Akte, die sich recht schnell durchlesen. Das Stück ist sehr spannend gehalten, und mit nicht ganz 130 Seiten mag man es auch kaum aus der Hand legen. Viel historisches Vorwissen braucht es nicht, und auch von der Sprache ist es gut verständlich. Sehr angenehm finde ich, dass Miller im ersten Akt Textblöcke mit Erklärungen zu einzelnen Persönlichkeiten gibt. Dadurch wird viel deutlicher, wo diese zu Beginn des Stücks stehen, und wieso sie zum Beispiel den Mädchen glauben schenken.

Theaterstücke zu lesen ist immer etwas schwierig – ich selber lese sie eigentlich lieber erst, wenn ich sie bereits einmal auf der Bühne gesehen habe. Letztes Jahr wurden zwei Aufzeichnungen von Millers Werken im Kino übertragen, unter anderem eben auch The Crucible mit Richard Armitage als John Proctor (wer das verpasst hat, kann über Digital Theatre die Aufzeichnung auch leihen oder als Digitalversion kaufen).

Beim Lesen des Stücks hatte ich wieder das selbe Gefühl von Ohnmacht, wie beim Sehen. Man erkennt die Zusammenhänge hinter den Anschuldigungen, aber diese lassen sich eben kaum kommunizieren – schon gar nicht, wenn man sich selber dadurch irgendeiner anderen Schuld bekennen muss. In den 50er Jahren war das Thema durch die Kommunistenjagd brandaktuell, und hat immer noch nichts von dieser Aktualität eingebüßt.

Auch wenn es Miller nicht um unbedingte historische Korrektheit geht, gibt es nach dem Stück noch einen kurzen Abschnitt zu den Schicksalen der Personen. Für meinen Geschmack hätte dieser ruhig etwas länger ausfallen dürfen, aber man kann erkennen, dass es bei den Prozessen keine Gewinner gab. Vielleicht kein besonders fröhliches Theaterstück, aber dafür ein sehr, sehr wichtiges!


BUCHDETAILS

Verlag: Penguin Classics
ISBN: 9780141182551
Erscheinungsdatum: 31.08.2011
Rating: 4.5/5

 

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