[Gelesen] Slaughterhouse-Five

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All moments, past, present and future, always have existed, always will exist.

Ein Potpouri aus unterschiedlichen Dingen, von schwarzem Humor über Sci-Fi-Elemente hin zu Beschreibungen des Krieges und Metafiktionalität: Slaughterhouse-Five, or, The Children’s Crusade: A Duty-Dance with Death ist ein Roman, der sich schwer in Worte fassen lässt.

Billy Pilgrim ist ein junger amerikanischer Soldat, der sich in deutscher Kriegsgefangenschaft befindet. Über mehrere Stationen wird er nach Dresden gebracht, und erlebt hier den Luftangriff auf die Stadt im Februar 1945. Gleichzeitig ‚fällt‘ er durch die Zeit, und besucht unterschiedliche Momente seines Lebens – sowohl bereits geschehene als auch zukünftige Momente – wobei er immer wieder in die Zeit der Gefangenschaft zurückkehrt. Die Momente können trivial sein (sein Vater bringt ihm schwimmen bei) oder auch surreal (Außerirdische vom Planeten Tralfamadore entführen und stellen ihn im Zoo aus), und fügen sich nach und nach zu einem Gesamtbild.

Kurt Vonnegut hat in Slaughterhouse-Five seine eigenen Erlebnisse als Kriegsgefangener eingearbeitet. Bevor man als Leser Billy Pilgrim begegnet, beschreibt Vonnegut den Schreibprozess und wie er nach dem Krieg nach Dresden zurückkehrt, später erscheint er selbst sehr kurz in der eigentlichen Geschichte.

Everybody is supposed to be dead, to never say anything or want anything ever again. Everything is supposed to be very quiet after a massacre, and it always is, except for the birds. And what do the birds say? All there is to say about a massacre, things like “Poo-tee-weet?”

Billy ist kein typischer Held. Den Krieg überlebt er mehr durch Zufall als Können oder Geschick, und die Geschehnisse lassen ihn auch Jahrzehnte später nicht los. Das fast unberührte Dresden verwandelt sich im Rahmen der Luftangriffe in eine Mondlandschaft, die später nach Leichen durchsucht wird – die Geschehnisse in Dresden selbst beschreibt Vonnegut nicht im kleinsten Detail (generell ist der Teil der Geschichte im Krieg kürzer als erwartet), aber was er beschreibt, reicht, um den Schrecken dahinter zu vermitteln.

Der Roman greift auf unterschiedliche Techniken zurück. Neben Elementen der Metafiktionalität durch Vonneguts Charakter, der das Buch und seinen Entstehungsprozess als solches beschreibt, wäre da das Vorgreifen der Geschehnisse – Vonnegut sagt dem Leser zum Beispiel, wie die Geschichte von Billy beginnt und endet, das Schicksal einiger Nebencharakter wird gleich nach ihrem Auftauchen genannt, durch die zukünftigen Momente wird das Danach Billys vorweggegriffen etc. Die Wendung „so it goes“ folgt immer der Beschreibung von Tod, und dient damit sowohl als immer wiederkehrender Textübergang als auch fast einer Gleichsetzung aller beschriebenen Todesfälle. Daneben gibt es eine Reihe Beschreibungen, die sich in unterschiedlichen Momenten spiegeln und erneut aufgegriffen werden.

Am meisten irritiert hat mich neben den Sci-Fi-Elementen an Slaughterhouse-Five, wie gern ich das Buch gelesen habe. Das Grundthema des Krieges bleibt schrecklich, auch wenn einige Angaben seit der Veröffentlichung korrigiert werden können (die Opferzahlen in Dresden sind unter anderem von 150.000 auf 20-25.000 abzusenken). Durch das Hin- und Herspringen in der Zeit ist man die ganze Zeit über gespannt, wie Billy zu den einzelnen Momenten gelangt und wie diese in Zusammenhang stehen. Der schwarze Humor trägt auch einiges zum Lesespaß bei, und mit der schieren Gewöhnlichkeit von Billy kann man sich ein Stück weit identifizieren.

Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an mo für die Bereitstellung des Buches übers TBPG!


BUCHDETAILS

Verlag: Mass Market Paperback
ISBN: 9780440180296
Erscheinungsdatum: 03.11.1991
Rating: 4/5

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