[Gelesen] Station Eleven

Ein wenig hat mich Station Elven an den Film Contagion und seine Ausgangslage erinnert: Ein tödlicher Virus verbreitet sich dank Reisenden auf der ganzen Welt, und löst einen Zusammenbruch der Zivilisation, so wie wir sie kennen, aus. Tatsächlich ist das aber nur ein kleiner Teil der Fragmente, die sich schlussendlich zu dem Romangebilde Station Eleven von Emily St. John Mandel zusammenfügen.station-eleven.jpg

In Station Eleven passiert viel gleichzeitig, aber auch sehr wenig. Im Zentrum steht der Schauspieler Arthur Leander: er stirbt auf der Bühne während einer Vorstellung von King Lear, kurz bevor die Georgia Flu eine Pandemie auslöst. Die Charaktere, die man während des Romans kennen lernt, stehen alle irgendwie in Verbindung zu ihm oder wurden von ihm beeinflusst. Mandel springt in den Kapiteln immer wieder zwischen verschiedenen Zeitpunkten in der Vergangenheit und der Gegenwart dieser Charaktere hin und her. Die Gegenwart ist dabei nicht besonders rosig: zwanzig Jahre danach gibt es kleine, verstreute Siedlungen aller Art, aber keine wirkliche Technologie. Als ein kleiner Lichtpunkt reist die Travelling Symphony von Siedlung zu Siedlung, und führt Musik und Theaterstücke (hauptsächlich Shakespeare) für die Überlebenden auf. Dabei ist immer etwas Gefahr mit im Spiel, da es auch fanatische Siedlungen gibt – und die selbsternannten Propheten lassen nicht mit sich diskutieren.

Ich habe mich sehr schwer getan mit dem Buch. Der Zusammenbruch der Zivilisation – sei es jetzt durch eine Pandemie wie eine Grippe oder einem Zombievirus – ist ein spannendes Thema, aber nicht neu. Sowohl im Bereich der Jugendbücher findet sich dazu einiges, als auch in anderen Abteilungen, von Serien und Filmen braucht man gar nicht erst anfangen. Während des Romans bleibt die Handlung fast konstant in der Gegend um Lake Michigan in Nordamerika/Kanada, sodass auch das Setting nichts vollkommen neues birgt.Warum also diese große Begeisterung und zahlreiche Auszeichnungen für Station Eleven? Die Frage blieb mir beim Lesen immer im Hinterkopf, und nach 336 Seiten kann ich sie immer noch nicht beantworten.

The beauty of this world where almost everyone was gone. If hell is other people, what is a world with almost no people in it?

Mir waren so gut wie alle Charaktere und ihre Geschichten in diesem Buch egal. Es gibt immer wieder kurze, unabhängige Passagen, die Mandel unheimlich schön schreibt (zum Beispiel eine Auflistung, was alles verloren ging), genauso wie einige berührende Sätze. Mein größtes Problem war der pure Stillstand der Überlebenden: selbst wenn viele Menschen durch die Pandemie sterben, es gibt kein kollektives Vergessen von Wissen (und selbst in dem Fall existieren durch Bibliotheken). Warum kann mit den vorhandenen Ressourcen nicht Aufbau betrieben werden?

Eine weitere wichtige Komponente sind die Comics, die Station Eleven seinen Namen geben. Während der Vergangenheitspassagen erfährt man als Leser, wie diese Comics geschaffen wurden, und wie sie Jahre später für Kirsten eine Rolle spielen. Ich hätte es toll gefunden, wenn hier auch die tatsächlichen Panels im Buch aufgetaucht wären – so liest man immer nur von den Comics, und ich fand es schwer, diese zu visualisieren. Die Geschichte von Dr. Eleven spiegelt dabei die tatsächlichen Ereignisse wieder, und versucht, diese mit mehr Tiefe zu füllen.

Als Gedankenexperiment zu einer Pandemie und ihrer Folgen ist Station Eleven nicht schlecht – aber kein Titel, der in dem Meer von anderen Medien, die sich mit der gleichen oder ähnlichen Thematik beschäftigen, sonderlich heraussticht.

Vielen Dank an Steffi, die das Buch über das TBPG zur Verfügung gestellt hat!


BUCHDETAILS

Verlag: Picador
ISBN: 9781447268970
Erscheinungsdatum: 01.01.2015
Rating: 2/5

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