[Gelesen] The Love That Split The World

The Love That Split The World von Emily Henry ist ein Buch, bei dem ich öfter mit dem Gedanken gespielt habe, es abzubrechen… und ich bereue es, doch noch bis zum bitteren Ende durchgehalten zu haben. In Henry’s Debütroman geht es um Natalie, die gerade die Highschool beendet hat und nach dem Sommer ihre Heimatstadt fürs College verlassen wird. Durch eine, nennen wir sie mal „Erscheinung“, erhält sie den Hinweis, dass ihr nur drei Monate Zeit bleiben ihn zu retten: Fortan verschwimmen für sie die Grenzen zwischen zwei Welten, die sich nur in Kleinigkeiten unterscheiden, und Natalie muss herausfinden, was zu tun ist.thelovethatsplittheworld.jpgAlternative bzw. Parallelwelten finde ich immer wieder spannend, und dank dem ebenfalls gelungenen Cover war meine Neugier noch mehr geweckt. Leider umschifft der Klappentext gekonnt einige der Themen, die mir am Ende Probleme bereit haben, und die tatsächlich auch schwer ansprechbar in Worte gefasst werden können. Ein paar dieser Probleme werde ich im Folgenden so spoilerfrei wie möglich beschreiben.

Namen und kultureller Hintergrund

Die Hauptperson in The Love That Split The World ist Natalie Cleary: sie wird als Baby von ihrer indigenen Mutter zur Adoption freigegeben, und fällt dadurch allein schon ihr ganzes Leben in der amerikanischen Kleinstadt Union etwas aus dem Rahmen. Die ganze Art, wie mit dem Thema ihrer Adoption und Herkunft umgegangen wird, ist bedenklich, und es lohnt sich, den Artikel von Debbie Reese hierzu durchzulesen.

Der Grund, weshalb Natalie überhaupt diesen indigenen Hintergrund benötigt, liegt in den eingebundenen Geschichten: die „Erscheinung“ erzählt ihr Sagen der indigenen Völker, die als Parabeln immer in Bezug zu der Handlung stehen. Eigentlich eine spannende Idee, aber da Natalie keine bestimmte Zugehörigkeit erhält, pickt Henry sich munter aus allen möglichen Stämmen Geschichten heraus… und die Einbindung dieser gelingt auch nicht wirklich immer.

Ein weiterer wichtiger Charakter ist Beau Wilkes: er teilt sich einen Namen mit einem Charakter in Vom Winde verweht, worüber auch ein Kommentar im Buch selbst fällt. Ob das Not tut? Eigentlich sollte es genug andere Namenskombinationen geben, wenn es denn schon unbedingt dieser Vorname sein muss…

Psychologie 101

Die „Erscheinung“, die Natalie seit ihrer Kindheit begleitet und von ihr Großmutter genannt wird, spielt eine große Rolle. Man könnte sie zum Beispiel unter einer nächtlichen Halluzination verbuchen – aber glücklicherweise begegnet Natalie einer Wissenschaftlerin mit einer Theorie, die solche „Erscheinungen“ mit Charaktertypen in Verbindung setzt und dieses Thema erforscht. Hierfür gibt es eine sehr kurze Erklärung zum Myers-Briggs-Typenindikator und neben normaler Gesprächstherapie auch Hypnose. Aha. Mir wäre da eine übernatürliche oder sogar gar keine Erklärung lieber. Im Laufe der Geschichte kommen immer mehr abenteuerliche Erklärungen für die „Erscheinung“ und Parallelwelt hinzu, die dann sehr platt aufgelöst werden.

Beziehungsprobleme

Es gibt zwei junge Männer, die in The Love That Split The World eine Rolle spielen: Matt und Beau. Matt ist Natalie’s Exfreund, Beau die potentielle neue Liebe. Natalie beendet die Beziehung mit Matt aus unterschiedlichen Gründen, teils, weil sie demnächst aufs College geht, teils, weil sie keine Zukunft mit ihm sieht und auch keine tiefen Gefühle für ihn hat. Es gibt mehrere Szenen, in denen Matt ihre Entscheidung nicht akzeptiert, ihr sogar Angst macht – aber so wirklich reflektiert werden diese Momente von Henry auch nicht. Es reicht gefühlt nicht aus, dass Natalie nein sagt, und das fand ich sehr problematisch. Dadurch ist mir sein Handlungsbogen auch sehr egal geblieben.

Beau hat das Problem, dass es sich um einen typischen Fall von Insta-Love handelt. Was Natalie so großartig an ihm findet? Ich weiß es nicht. Die Beziehung ist einfach da, ohne Chemie oder Tiefe.

Andere Welten, andere Möglichkeiten

Die Parallelwelten in The Love That Split The World unterscheiden sich nur in sehr wenigen Punkten. Das hat mit der schlussendlichen Begründung für die ganzen Ereignisse zu tun, ändert aber nichts daran, dass dieser Aspekt dadurch seinen Reiz verliert. Man bemerkt als Leser den Wechsel zwischen den Welten kaum, und es macht keinen großen Unterschied. Warum sich die Parallelwelten dann auf einmal in einem großen Punkt anfangen zu unterscheiden am Ende? Keine Erklärung.

Innerhalb der Geschichte vergehen um die drei Monate, aber das Buch vermittelt diese Zeitspanne schlecht. Man vergisst immer, wie viel Zeit Natalie noch bleibt und gefühlt könnten die Ereignisse auch in einer Woche passieren.

Ein Obstsalat an angeschnittenen Themen

Henry stopft ihr Buch sehr, sehr voll und verzettelt sich dadurch. Was unter anderem angesprochen wird: Psychologische und wissenschaftliche Aspekte (Typenindikator, Wurmlöcher, etc.), Selbstfindung, Adoption, PTSD, Trauma, Zeitreise, indigene Herkunft und Geschichten, Feminismus, gleichgeschlechtliche Liebe, Leihmutterschaft, (Jugend-)alkoholismus… zu viel und nichts richtig. Info dumbing ist ein Problem, genauso wie die Selbsterklärung der „Erscheinung“ zum Ende. Gleichzeitig lässt Henry eine Szene absichtlich verwirrend, weil auf einen früheren Entwurf des Buchs angespielt wird… wäre Natalie wenigstens ein ansprechender Charakter! Leider ist sie furchtbar unsicher, und definiert sich immer nur über andere.Vielfältigkeit und Multikulturität schön und gut, aber sie könnte auch leicht umgeschrieben werden und aus einem anderen Kulturkreis mit anderen Geschichten kommen.

Lionsgate hat die Rechte für eine Verfilmung von The Love That Split The World erworben. Vielleicht funktioniert es als Film mit entsprechendem Cast ja besser? Das Buch selbst war für mich leider eine Enttäuschung.


BUCHDETAILS

Verlag: Razorbill
ASIN: B015NTIXS8
Erscheinungsdatum: 26.01.2016
Rating: 1/5

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