[Gelesen] Das Feld des Regenbogens

So gerne ich als Jugendliche Manga gelesen habe – in den letzten Jahren kam immer das Gefühl auf, aus diesem Medium einfach „herausgewachsen“ zu sein. Umso gespannter war ich jetzt auf die Werke von Inio Asano, die sich an eher an eine erwachsene Leserschaft mit dementsprechenden Themen richten.

Die deutschen Übersetzungen sind bei Tokyopop erschienen, und unterscheiden sich schon optisch von typischen Mangas: die broschierten Bände sind im Überformat (etwa A5) und in einem schlichten schwarzen Design gehalten. Es gibt einen kleinen Bildausschnitt, der das Gesicht eines der Hauptcharaktere zeigt, und knallige Farben für den Titel und Autoren. Gefällt mir persönlich sehr gut, und sticht sofort aus der Masse heraus!

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»Für dich – die Memme, für dich – den Faulenzer, für dich – den Lügner, für dich – den Angsthasen.«

Hinter einer Grundschule findet sich sowohl ein Wiese -das so genannte Regenbogenfeld- als ein Tunnel, in letzterem haust angeblich ein Monster. Die Fantasie der Schüler wird durch diese Legende beflügelt und das Schicksal von drei von ihnen (insbesondere durch ihre Taten) miteinander verknüpft. Als Erwachsene treffen sie wieder aufeinander und Stück für Stück enthüllt Inio Asano über die gut 300 Seiten alle Ereignisse der Vergangenheit.

Das Feld des Regenbogens ist der erste Manga, den ich von Asano gelesen habe, und wirklich alles andere als leichte Kost. Die Handlung erstreckt sich über ungefähr zehn Jahre, springt vor und zurück, behandelt Missbrauch und Mobbing ebenso wie Mord und übernatürliche Elemente… überdreht, überzeichnet, trotzdem bleibt es über große Teile realistisch. Die teilweise wirklich wunderschönen Zeichnungen stehen dabei immer in einem krassen Kontrast zu der düsteren Handlung. Asano’s Charaktere sind alle auf ihre eigene Weise kaputt und desillusioniert, fröhliche Momente sind Mangelware. Der Schmetterling zieht sich unter anderem als Symbol hierfür durch die gesamte Geschichte, wird zu einer Plage, und überzieht die Seiten. Mich hat das ganze stark an Anti-Pop à la Dirk Bernemann erinnert.

Der Zeichenstil von Asano ist durchweg sehr klar und schlicht und man kann den Panels und Sprechblasen gut folgen. Durch die Zeitsprünge ist es am Anfang sehr verwirrend, vor allem, wenn erwachsene Charaktere auf einmal wieder Kinder sind – sobald man aber in der Geschichte drin ist, legt sich diese Verwirrtheit wieder. Ich bin mir auch sicher, dass man bei weiteren Lesedurchgängen über viele Details und Anspielungen stolpert, die beim ersten Lesen untergehen, gerade zu Beginn, wenn man noch nicht so sehr mit den Charakteren vertraut ist.

Das Feld des Regenbogens fordert die Konzentration des Lesers, aber belohnt einen dafür auch. Für den Einstieg in Asano’s Werk eignet sich das zweibändige Solanin allerdings besser.


BUCHDETAILS

Verlag: Tokyopop
ISBN: 9783842008496
Erscheinungsdatum: 08.10.2013
Rating: 4/5

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Ein Gedanke zu “[Gelesen] Das Feld des Regenbogens

  1. questingorc schreibt:

    Leider gibt es im deutschen Raum nicht so viele Manga, die an Erwachsene gerichtet sind im Vergleich, aber es gibt doch einige empfehlenswerte!

    Folgende Titel fand ich bislang interessant:
    – Ghost in the Shell
    – Akira
    – Battle Angel Alita
    – Eden – It’s an Endless World
    – Chobits
    – Clover
    – Monster (!!!)
    – Oldboy
    – Oh My Godess (Erste Bände super hässlich, danach toll gezeichnet O.o)

    Gefällt 1 Person

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