[Gelesen] Lullaby

Lullaby ist die englische Bezeichnung für ein Schlaf- bzw. Wiegenlied. Eigentlich etwas beruhigendes, könnte man meinen… Aber Chuck Palahniuk wäre nicht Chuck Palahniuk, wenn er aus einem Lullaby im gleichnamigen Roman nicht etwas zutiefst bedrohendes machen könnte!
lullaby

Carl Streator ist ein amerikanischer Journalist, der zur Thematik des plötzlichen Kindstodes eine fünfteilige Reportage verfassen soll. Im Rahmen seiner Recherche begegnet ihm dabei immer wieder ein Detail: Ein Buch mit Gedichten und Liedern aus aller Welt, welches immer auf einer bestimmten Seite aufgeschlagen neben den Betten der Kinder liegt. Schnell kommt Streator die Theorie, dass das Lullaby auf Seite 27 die Ursache für die Tode sein könnte – nach einer kurzen Probe am Redakteur bewahrheitet sich diese auch prompt.

Was bedeutet es, wenn man mit wenigen Zeilen problemlos und ohne Beweise töten kann? Große Gewissensbisse kommen Streator nicht auf, aber er sucht sich eine Mission: Alle Kopien des Lullaby zu vernichten, bevor noch mehr unfreiwillige Morde geschehen. Dabei begegnet er der Maklerin Helen Hoover Boyle, die mehrere Jahre zuvor ihren Mann und Sohn durch das Lied verloren hat, und um seine Macht weiß. Gemeinsam mit ihr und zwei weiteren Mitstreitern im Schlepptau geht es auf Tour durch die USA, auf die Suche nach den wenigen noch übrigen Kopien des Buches.

Mit jedem Verbrechen, sagt Mona, entfremdet man sich etwas mehr der Welt. Und das Gefühl, dass die ganze Welt gegen einen ist, wird immer stärker. […] Der einzige Ausweg, sagt Mona, ist die Kapitulation: Helen und ich müssen der Welt erlauben, uns für unsere Verbrechen umzubringen. Oder wir bringen uns selbst um.

Chuck Palahniuk hat einen besonderen Schreibstil, den man sicherlich mögen muss, um seine durchgedrehten Geschichten genießen zu können. Von den Büchern, die ich bisher von ihm gelesen habe, ist Lullaby aber noch am ehesten massentauglich. Dank dem schnellen Tempo und vielen Wendungen hält die Handlung einige Überraschungen parat und ist nicht von Beginn an zu durchschauen. Es wird viel über die Macht des Wortes und wofür man diese Macht einsetzt in Lullaby philosophiert, was mit dem persönlichen Hintergrund von Palahniuk zusammenhängt: Nach der Ermordung seines Vaters und dessen Freundin war er im Prozess der Urteilsfindung bezüglich eines Todesurteils für den Täter involviert.

Vor ein paar Monaten lief eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne, um Lullaby als Film zu verwirklichen. Palahniuk wird das Drehbuch besteuern, und ich bin gespannt, wie der Film diese Geschichte umsetzen wird.


BUCHDETAILS

Verlag: Goldmann Manhattan
ASIN: B00B5B7V0K
Erscheinungsdatum: 30.01.2013
Rating: 4/5

Advertisements

2 Gedanken zu “[Gelesen] Lullaby

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s