[Gelesen] Sommer 1927

Nachdem mich die beiden Sachbücher Berlin 1936 und 1913: Der Sommer des Jahrhunderts so sehr begeistert haben, wollte ich gerne noch mehr in dieser Art lesen. Da beide Bücher einen sehr deutlichen Fokus auf den deutschsprachigen Raum legen, sollte es aber mal ein anderer Blickwinkel sein. Gefunden habe habe ich diesen bei Sommer 1927 von Bill Bryson, welches den Leser in die USA mitnimmt. IMG_2508

Die goldenen Zwanziger in Amerika – eigentlich hat man da sofort Bilder im Kopf. Dieses Jahrzehnt hat gefühlt immer etwas sehr faszinierendes an sich, egal unter welchem Gesichtspunkt man sich ihm nähert, und Bill Bryson geht es da nicht anders wie den meisten von uns. Der Sommer 1927 ist ursprünglich aus dem Wunsch heraus entstanden, ein Buch über Charles Lindberghs spektakulären Flug sowie den Wettstreit um die Atlantiküberquerung generell zu schreiben. Bei den Vorbereitungen hierzu hat Bryson immer mehr und mehr Material zu Ereignissen in diesem Jahr gesammelt, dass es schlussendlich für diesen doch sehr üppigen Einblick in die Sommermonate gereicht hat. Neben einzelnen Personen wie Lindbergh, Ford oder Babe Ruth geht Bryson dabei auch auf gesellschaftliche und politische Thematiken ein und wie sich die Geschehnisse dieser Monate auf die Weltgeschichte insgesamt auswirken.

Innerhalb von neun Monaten waren elf Menschen beim Versuch, den Atlantik zu überfliegen, ums Leben gekommen. Genau zu diesem Zeitpunkt traf ein schlaksiger junger Mann mit dem Spitznamen »Slim« aus dem Westen ein und verkündete sein Vorhaben, den Ozean allein mit dem Flugzeug zu überqueren. Sein richtiger Name lautete Charles Lindbergh.
Der Beginn eines außergewöhnlichen Sommers stand unmittelbar bevor. – (S. 37)

Ich hatte vor Sommer 1927 noch nichts von Bill Bryson gelesen und insgesamt habe ich mich sehr schwer mit seinem Schreibstil getan. Zu oft schweift er vom eigentlichen Thema ab, holt zu weit aus oder erschlägt den Leser mit einer schieren Faktenflut. Gerade bei den Biografien merkt man dies deutlich: Anstatt zum Beispiel nur kurz den Lebensweg von Lindbergh bis zum Jahr 1927 anzureißen, geht Bryson bis zur Einwanderung des Vaters zurück und dröselt die Geschichte detailliert von dort an auf. Wäre Sommer 1927 eine Lindbergh Biografie, wäre das auch nicht verkehrt – bei einem 640 Seiten starken Wälzer, der gerade keine reine Biografie sein mag, ermüdet es aber auf Dauer ungemein. Dadurch verschwimmen auch immer die Zeiträume und als Leser muss man sich ständig neu orientieren, in welcher Zeit man sich gerade befindet. Für mich hat das Buch auf jeden Fall die Erkenntnis gebracht, dass ich lieber reine Biografien oder Sachbücher zu speziellen Themen wie die Prohibition lese.

Was man bei aller Detailverliebtheit Bryson definitiv zu Gute halten kann: Alle Ereignisse und geschichtlichen Zusammenhänge wirken ausgesprochen gut und intensiv recherchiert. Als Leser muss man absolut kein Vorwissen mitbringen, sondern findet alle erforderlichen Informationen zum Verständnis im Text selbst vor. Die Zielgruppe ist ganz klar eine breite Leserschaft und kein rein akademisches Publikum. Für den Einstieg in die Ära ist Sommer 1927 sicherlich ein schöner Ausgangspunkt, der viele spannende Themen und Persönlichkeiten anschneidet und näher bringt.

Vielen Dank an den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar!


BUCHDETAILS

Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 9783442158836
Erscheinungsdatum: 14.03.2016
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Bewertung: 2/5

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