[Gelesen] Anton hat kein Glück

Anton hat kein Glück – und das in mehrfacher Hinsicht. Seine Karriere als Berufszauberer geht den Bach runter, er hat keine Freunde und zu allem Übel hat er einen Autounfall mitten im nirgendwo auf einer Landstraße. Bei der Suche nach einem Haus oder ähnlichem, von wo aus er den Abschleppdienst anrufen kann, begegnet er einem kleinen Mädchen, dass ihn fragt, ob er ihr beim Blumenpflücken helfen kann. Anton lässt sie stehen und damit fangen die Probleme erst richtig an: Das Mädchen ist eine Waldfee und mit seiner Unfreundlichkeit handelt sich der Zauberer prompt einen Todesfluch ein. Fortan gilt es, drei Prüfungen zu bestehen, um den Fluch zu brechen, was sich als viel schwerer entpuppt als gedacht.

anton-hat-kein-gluck

„Hallo, ich heiße Anton, bin fünfundvierzig Jahre alt und von einer Waldfee mit einem Todesfluch belegt worden“, murmelte ich vor mich hin. – S. 179

Der erste Roman von Lars Vasa Johansson hat einen herrlich griesgrämigen Hauptcharakter mit dem unglückseligen Anton, der mir sehr viel Spaß gemacht hat. Er wird durch Zufall in die magische Welt des Waldes von Tiveden geworfen und will eigentlich nichts lieber, als diese schnellstmöglich zu verlassen. An Flüche, Feen oder sonstige Geschichten glaubt Anton schon aus Prinzip nicht, und das er auf einmal doch damit konfrontiert wird, führt zu einigen absurd-lustigen Szenen. Ich musste beim Lesen mehrfach an Dickens‘ Weihnachtsgeschichte denken, da Anton gewisse Parallelen zu Ebenezer Scrooge aufweist – beide sind sehr schwierige, anstrengende Mensch, die gleichzeitig gar nicht verstehen können, warum ihre Mitmenschen sie meiden.

Die Geschichte unterteilt sich grob in zwei Hälften: Einmal erfährt der Leser, wie Anton zu dem Mann und Berufszauberer wurde, der er jetzt ist, und daneben begleitet man ihn als Leser bei dem Versuch, seinen Fluch wieder loszuwerden. Das Ganze ist sehr gradlinig erzählt und man hat nie Schwierigkeiten, der Geschichte beim Lesen zu folgen. Leider ist das auch ein Punkt, der mir etwas missfallen hat, denn große Überraschungen oder Wendungen sucht man in Anton hat kein Glück vergebens. Vielmehr geht es Johansson um die charakterliche Entwicklung von Anton und seine Prüfungen.

Johansson gelingt es, sowohl Antons beruflichen Werdegang glaubhaft nachzuzeichnen, als auch die magischen Elemente passend einzubauen. Man kann sich als Leser sehr gut vorstellen, dass es tatsächlich solche Abschnitte in schwedischen Nationalparks gibt, wo es noch von Fabelwesen und Nachkommen von Hexen wimmelt, und das Anton über zwanzig Jahre relativ gut von seiner Zauberei leben kann. Die Prüfungen, die Anton von der Königin des Waldes auferlegt bekommt, waren mein liebster Teil des Buches. Die Prüfungen selber sind zwar klassisch, aber werden elegant gelöst und gerade in diesen Abschnitten ist die Vermischung von Realität und magischem Realismus super geglückt. Obwohl er durch den Fluch vom Unglück verfolgt wird, hat Anton doch teilweise doch mehr Glück als erwartet… Neben Anton gibt es noch eine bunte Schar an Nebencharaktere, von denen mir das ältere Ehepaar aus Tiveden, für die Biskuitrolle fast alles löst, am besten gefallen hat (mal abgesehen davon, dass auch eine Janine vorkommt, die aus verständlichen Gründen mir auch sofort sympathisch war). Da Anton von seiner Grundeinstellung her sehr negativ ist, gleicht das die Mehrzahl seiner Weggefährten zum Glück (ha!) wieder aus.

Auch wenn das gewisse Etwas beziehungsweise ein gesondertes Alleinstellungsmerkmal bei Anton hat kein Glück fehlt, hat mir das Buch alles in allem gut gefallen. Ich finde es schön, Charaktere kennenzulernen, die auch über die Jugendjahre hinaus noch in solche Abenteuer verstrickt werden und es schaffen, ihr Leben insgesamt zum Besseren zu verändern. Durch seinen außergewöhnlichen Beruf wirkt es eigentlich nur noch witziger, dass Anton in diesen magischen Schlammassel hineingezogen wird und manche seiner Gedankengänge sind herrlich komisch. Manchmal fand ich es nur unverständlich, dass Anton allen anderen so übel aufgestoßen ist, wenn sie sich selbst merkwürdig verhalten? Mir hat der sympathische Griesgram zumindest den ein oder anderen Lacher entrungen.

Vielen Dank an  und den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar!


BUCHDETAILS

Verlag: Wunderlich
ISBN: 9783805203876
Kaufen? Hier entlang.
Erscheinungsdatum: 21.10.2016
Rating: 3/5

Advertisements

2 Gedanken zu “[Gelesen] Anton hat kein Glück

  1. Melanie schreibt:

    Guten Morgen Janine,
    danke für deine schöne Rezi!🙌
    Das Buch hört sich total interessant an, vielleicht auch dank des muerrischen Hauptdarstellers. Kommt auf die Wunschliste!😃
    Liebe Gruesse

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s