[Gelesen] Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten

Was für eine unglaubliche Reise, die man als Leser mit der Wayfarer unternimmt! Auch mit mehreren Tagen Abstand bin ich immer noch hin und weg von diesem Buch und könnte mich sofort wieder in diese Geschichte stürzen. Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten, das ist der Debütroman von Becky Chambers, was man im ersten Moment gar nicht glauben mag, so gut ausgearbeitet ist das Universum und die Charaktere.img_3110Die Geschichte spielt in einer fernen Zukunft, in der die Menschheit schon lange im Weltall reist und mit anderen Spezies in Kontakt tritt. Um die Reisezeiten zwischen den verschiedenen Teilen des Weltalls zu verkürzen, gibt es Tunnel, die nur von speziellen Tunnelerschiffen geschaffen werden können. Die junge Rosemary heuert zu Beginn des Buchs auf genau einem solchen Schiff, der Wayfarer, an und lernt schnell die buntgemischte Crew des Schiffs kennen und lieben.

Wie der Titel des Buchs schon vermuten lässt, geht es hauptsächlich um einen Auftrag für die Wayfarer, für den sie sich auf den langen Weg zu einem entfernten Planeten begeben müssen. Das ist im ersten Moment nicht allzu spektakulär, aber der Fokus liegt weniger auf einer actionlastigen Weltraumfahrt als auf den verschiedenen Charakteren und ihren Interaktionen. Im Verlauf des Buches wechseln die Perspektiven, jeder hat seine eigene Geschichte und zu keinem Zeitpunkt wirken die Figuren flach oder nur wie Mittel zum (Erzähl-)Zweck.

„Wir dürfen uns nicht die Schuld an den Kriegen geben, die unsere Eltern anfangen. Manchmal ist Fortgehen das Beste, was wir tun können.“

Vom Umgang mit Vorurteilen anderen Personen oder Kulturen gegenüber zu Körpermodifikationen wie Tattoos bis hin zu Sterbehilfe: In kurzen, klaren Sätzen lässt Chambers die Charaktere sich mit den verschiedensten Themen auseinandersetzen, die auch dem Leser Denkanstöße liefern. Dabei mag man vielleicht ankreiden, dass die Charaktere alle sehr selbstreflektierend, selbstkristisch und weltoffen geraten sind – als Gegenentwurf zur Dystopie und einem Zustand der Gesellschaft, den man sich nur für die Zukunft wünschen kann, ist das aber genau richtig. Das schöne ist, dass Chambers auch niemals belehrend wirkt und man jedem Charaktere die Dialoge und Standpunkte abnimmt.

Bei mir hat Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten so viele Emotionen ausgelöst, wie länger kein Buch mehr, und es liest sich viel zu schnell. Ich bin froh, dass ich das Buch theoretisch jederzeit aus dem Regal nehmen und zurück aufs Schiff kann. Auch wenn man im Grunde die Handlung in ein, zwei Sätzen zusammenfassen kann, habe ich mich unglaublich wohl auf der Wayfarer gefühlt. Die Routineaufgaben lesen sich genauso spannend wie ein Landgang und es ist wirklich unter den ganzen Dystopien und Dramen einfach etwas erfrischend anderes. Im Englischen ist bereits ein zweiter Band erschienen, wobei die Bände in sich abgeschlossen und unabhängig voneinander zu lesen sind.


BUCHDETAILS

Verlag: Fischer Tor
ISBN: 9783596035687
Erscheinungsdatum: 27.10.2016
 Rating: 5/5

Advertisements

4 Gedanken zu “[Gelesen] Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s