[Gelesen] The Girl Before – Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot

Zwei Frauen, zwei unterschiedliche Schicksalsschläge und ein besonderes Haus – Folgate Street Nummer 1 zieht sowohl Emma als auch Jane von Anfang an in seinen Bann, genauso wie sein Architekt. In zwei verschiedenen Zeitebenen verfolgt man als Leser, wie es den Frauen in diesem hochmodernen, minimalistisch eingerichtetem Haus ergeht und welche Auswirkungen es auf sie und ihre Umgebung hat.

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„Ich denke“, erwidert sie, blinkt und wechselt auf die linke Fahrspur, „dass wir uns die Wohnung erst ansehen sollten, um festzustellen, ob Sie sich in sie verlieben. Danach erkläre ich Ihnen, wo der Haken ist.“ – S. 15

The Girl Before ist der erste Psychothriller, der unter dem Namen JP Delaney erscheint, wobei der Autor hinter dem Pseudonym bereits mehrere Romane verfasst hat. Mich hat sowohl der Klappentext als auch die tolle Aufmachung der Klappenbroschur sofort angesprochen und ich war sehr gespannt darauf – nicht zuletzt, weil ich Thriller nicht sehr häufig lese. Die Geschichte war dann allerdings doch etwas anders als erwartet.

Damals: Emma | Heute: Jane

Die Kapitel springen immer zwischen Emmas und Janes Geschichte hin und her. Beide Frauen haben schlimmes durchgemacht und sehnen sich nach einem Neustart. Es gab Momente, wo mir die Schicksalsschläge fast zu viel wurden – es kam immer noch eine Enthüllung, noch eine Einzelheit dazu und eigentlich war beides an für sich schon schlimm genug: Emma erlebt einen Wohnungseinbruch samt Bedrohung durch die Einbrecher, Jane macht eine Totgeburt durch.

Für den Neustart wollen beide Frauen in eine neue Wohnung ziehen und der Makler führt ihnen nach etlichen nicht passenden Objekten Folgate Street Nummer 1 vor. Das Haus kommt mit einem ganzen Regelwerk, Bewerbungsstress und und und daher, aber sowohl Emma als auch Jane sind Feuer und Flamme. Sowohl das Haus als auch der Architekt, der über die Bewerbung entscheidet, fasziniert. Was aber sowohl der Leser als auch Jane bald erfährt: Ihre Vormieterin Emma ist in dem Haus gestorben. Einerseits folgt man also Emma auf ihrem Weg zum Ende, andererseits stellt Jane Ermittlungen zu dem Fall an.

Folgate Street Nummer 1

Der Hauptschauplatz der Geschichte ist immer wieder dieses Haus und ich bin sehr gespannt, wie es Ron Howard später in der bereits geplanten Verfilmung umsetzen wird. Ein Traum in Grau, beinahe karg eingerichtet – Regeln wie keine Hauspflanzen, Bücher oder Sachen auf dem Boden verlangen dem Mieter schon einiges ab. Unterstützt wird das ganze durch Housekeeper, das Programm, welches das Haus kontrolliert. Haustürschlüssel? Braucht es nicht, Housekeeper erkennt ein spezielles Armband oder das Smartphone seines Mieters und öffnet die Tür. Lichtverhältnisse, Wasserdruck, Nutzung der Räume… Housekeeper steuert und registriert alles und in regelmäßigen Abständen gibt es Fragebögen, um zu sehen, wie sich diese Verhältnisse auf den Mieter auswirken beziehungsweise wie Housekeeper angepasst werden muss. Zwischendurch werden auch immer wieder diese Fragen aus dem Fragebogen im Buch eingestreut, sodass man als Leser selbst über seine Antworten nachdenken kann. Die Vorstellung vom Smart Home finde ich generell sehr faszinierend und JP Delaney hat mit diesem Haus sehr gut die Vor- und Nachteile dahinter dargestellt.

Neustart?

So begeistert die Frauen in diesem Buch von dem neuen Haus sind, so verhalten reagiert ihre Umwelt darauf. Die Regeln erfordern ein hohes Mass an Disziplin und die Beziehung mit dem Architekten Edward Monkford verschwimmt immer mehr. Hier schafft der Autor einige Spiegelungen in den Kapiteln, bei denen man sich als Leser doch etwas unwohl fühlt… gerade zum Ende hin. Und so wird der Traum vom Neustart schnell zu einem Alptraum in beiden Zeitebenen.

Es ist wie eine Festung, habe ich zu Simon gesagt. Aber was, wenn das Haus selbst beschließt, mich nicht zu beschützen? Wie sicher bin ich dann hier noch? Plötzlich bekomme ich Angst. – S. 326

JP Delaney schafft es, alle losen Fäden am Ende zusammenlaufen zu lassen und die Hinweise fürs Ende gut im gesamten Buch zu verstreuen. Die Handlung selbst bleibt allerdings bis auf ein, zwei Wendungen relativ gradlinig und wenig überraschend. Für einen Thriller hätte ich mir doch etwas mehr Spannung gewünscht. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Geschichte selbst als Film etwas besser funktionieren könnte. Die Geschichte von Emma fand ich etwas besser als Janes, obwohl beide Frauen ihre Markel hatten und nicht sonderlich sympathisch sind. Die Fragen zwischendurch zwingen einen als Leser immer wieder zur Selbstreflexion, was mir sehr gefallen hat. The Girl Before ist mit ein paar Abstrichen ein sehr solides Buch und ich bin sehr gespannt, was der Autor als nächstes schreiben wird.

Vielen Dank an Penguin für das Rezensionsexemplar! 

Weitere Eindrücke zu The Girl Before – Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot gibt es hier:
eulenmatz | live your life with booksBuchstabenstadt | lavender books


BUCHDETAILS

Verlag: Penguin
Übersetzer: Karin Dufner
ISBN: 9783328100997
Erscheinungsdatum: 25.04.2017
 Rating: 3/5

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