[Gelesen] Herr der Fliegen

Eine Insel ganz für sich alleine: Genau das bekommen die Schuljungen in William Goldings Herr der Fliegen, als sie einen Flugzeugabsturz überleben und sich plötzlich auf der unbewohnten Tropeninsel wiederfinden.  Das vermeintliche Paradies ohne Erwachsene verwandelt sich aber mehr und mehr von einem Abenteuer in einen Alptraum, an dessen Ende der Verlust der Unschuld steht.

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„‚Steht das Tier! Macht es tot! Blut fließt rot!‘ Jetzt entstieg dem Entsetzen ein anderes, gieriges, heißes, blindes Verlangen.

Was ein intensives, fesselndes Buch! Ich wusste im Vorfeld nichts über Herr der Fliegen und hatte es spontan in der Buchhandlung nur wegen dem tollen Cover und ansprechenden Klappentext mitgenommen. Das wurde definitiv belohnt – ich wollte das Buch wirklich kaum aus der Hand legen. Die Geschichte der Jungen, die auf einer einsamen Insel versuchen müssen zu überleben, war so gut durchdacht und spannend erzählt, dass ich sehr mit Ralph, Piggy, Jack und all den anderen mitgefiebert habe.

Überleben – um jeden Preis?

Am Anfang wirkt die Insel wie das Paradies: Keine lästigen Erwachsenen, keine Schule, jeden Tag im Freien spielen und herumtollen. Die Jungen sind zwischen sechs und zwölf Jahre alt, die Kinder benötigen die Anleitung durch die Älteren, um bestimmte Aufgaben erledigt zu bekommen. Ein paar Hütten am Strand werden errichtet, Nahrung gesammelt und nach Möglichkeiten gesucht um die Insel wieder verlassen zu können. Die Insel scheint weitestgehend ungefährlich, zumindest entdecken die Jungen keine Gefahr bei ihrer Erkundungstour. Trotzdem schleicht sich die Gefahr langsam in den Alltag, ebenso wie ein Verfall der neu überlegten Abläufe. In Ralph und Jack erschafft Golding zwei Charaktere, die mit ihrem Charisma auf unterschiedliche Art die Kinder um sich scharren können, und deren Dynamik die Gruppe bald in verschiedene Lager spaltet. Nicht zuletzt, da sie grundverschiedene Ansätze zum Überleben der Kinder haben, obwohl sie durch die gleichen Dinge geprägt wurden.

Zwei Lager, zwei Ansätze

Die Gruppe um Ralph versucht rational die Probleme anzugehen und logische Erklärungen zu finden, während die Kinder um Jack mehr und mehr ins Animalische abgleiten. Der Konflikt zwischen den einzelnen Individuen und der Gruppe als solche wird immer mehr verschärft, bis auch die Gewalt sich entsprechend hochschaukelt. Der Debütroman von Golding ist 1954 erschienen, liest sich aber auch noch nach 63 Jahren unglaublich fesselnd und beinahe zeitlos. Für das Grauen, dass immer mehr und mehr in der Geschichte Einzug hält, nutzt Golding so einfache Wörter und Metaphern, dass man teilweise einen Absatz nochmal liest, weil man gar nicht glauben mag, was man da gerade gelesen hat. Die Geschehnisse werden durch die Tatsache, dass es sich hier um Kinder handelt, nur noch verstärkt. Bis zur letzten Seite war ich mir nicht sicher, wie Golding die Zuspitzung auflösen will. Vielleicht bedient sich das Ende etwas zu sehr eines Stilmittels, aber es war der bestmögliche Abschluss für diese Geschichte. Ralph und all die anderen Jungen vergisst man nach der Lektüre nicht so schnell und irgendwann werde ich nochmal mit ihnen zusammen auf der Insel abstürzen.


BUCHDETAILS

Verlag: Fischer Klassik
Übersetzer: Hermann Stiehl
ISBN: 9783596903238
Erscheinungsdatum: 17.08.2012
Rating: 5/5

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3 Gedanken zu “[Gelesen] Herr der Fliegen

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