[Gelesen] Cavaliersreise – Die Bekenntnisse eines Gentlemans

Heute ist es soweit: Nachdem die Geschichte um Monty, Percy und Felicity bereits seit einigen Monaten auf Deutsch als Cavaliersreise erhältlich ist, erscheint jetzt auch die englischsprachige Ausgabe unter dem wundervollen Titel The Gentleman’s Guide to Vice and Virtue. Ich hatte diesen Monat das Vergnügen das Buch von Mackenzi Lee gemeinsam mit pingwingTV zu lesen und mich darüber austauschen zu können – und die Lesereise hat sich –mit kleinen Abstrichen- wahrlich gelohnt!

cavaliersreise

„Das hier ist keine Cavaliersreise mehr, sondern ein Abenteuerroman.“ – S. 474

Cavalierswas?

Eine Tradition mit vielen Namen -Kavalierstour, Grand Tour, Bildungsreise um nur einige zu nennen- bildet die Rahmenhandlung von Cavaliersreise. Von der Renaissance bis zum 19. Jahrhundert an wurden junge Männer aus dem Adel (später auch aus dem Bürgertum) zum Abschluss ihrer Erziehung auf eine Reise durch Europa bis teilweise hin zum Heiligen Land geschickt. In dem Roman von Lee begleiten wir hierbei eine etwas ungewöhnliche Reisegesellschaft im 18. Jahrhundert: Den englischen Grafensohn Henry -genannt Monty- Montague, seine Schwester Felicity und Percy, Montys besten Freund.

Hatten die jungen Männer (oder zumindest Monty) auf ein unabhängiges, feierfreudiges Jahr auf dem Kontinent gehofft, so macht Montague Senior ihnen gleich zu Anfang einen Strich durch die Rechnung: Er ist die Eskapaden seines Ältesten satt und stellt ihnen einen Tutor zur Seite. Statt auf Trinkgelage, Spielrunden und ähnlichem, soll sich lieber endlich auf das Knüpfen von Kontakten und die kulturellen Errungenschaften konzentriert werden.

„Mag sein, dass es das ist, was die Cavaliersreise mich lehren soll: wie andere Leute leben, die mit mir nichts gemein haben. Zum ersten Mal geht mir auf, dass ihr Leben nicht weniger erfüllt ist als meines, ohne dass es mit meinem in Berührung käme.“
– S. 165-166

Ein Trio wider Willen

Die Begeisterung hierüber hält sich in Grenzen und die Reisegemeinschaft muss erst miteinander warm werden. Dem Leser geht es nicht viel anders, denn zu Anfang ist vor allem Monty etwas schwierig. Umso schöner ist es zu sehen, wie jeder der Drei im Laufe der Reise an seinen eigenen Problemen wächst! Und genug Probleme gibt es tatsächlich, egal, ob von innen oder außen. Um nur ein paar unserer Helden zu benennen: Monty hadert mit seinem gesellschaftlichen Stand, Sexualität und der unerwiderten Liebe zu seinem besten Freund, Percy hat mit seiner Hautfarbe, einer Krankheit und eher düsteren Zukunftsaussichten zu kämpfen – und Felicity hadert mit dem Frauenbild ihrer Zeit. Viele dieser Thematiken lesen sich sehr zeitgemäß, wobei es Lee gelingt, sie angemessen in der Handlung einzubinden und nicht aus der Zeit zu fallen. Das unterstützt sie vor allem durch viele großartige Wörter, die in der Übersetzung von Gesine Schröder eine wahre Freude sind. Egal, ob eher bekanntes wie Wegelagerer, Taugenichts oder seltener genutztes wie greinen, gebenedeit und Häscher – die Sprache ist etwas gehobener ohne abzuheben. Dazu hat Monty ein absolut großartigen Humor, bei dem man das ein oder anderer mal am schmunzeln ist.

Die Sache mit der Bewertung

Die Bewertung von Cavaliersreise bereitet mir auch mit einigen Tagen Abstand immer noch Kopfzerbrechen. Das gemeinsame Lesen mit Austausch über die Abschnitte und Theorien aufstellen zum weiteren Verlauf hat mir großen Spaß bereitet und mein Lesevernügen deutlich erhöht. Nicht zuletzt, weil ich dadurch gefühlt auch das Buch viel intensiver gelesen und viel mehr über einzelne Abschnitte nachgedacht als normalerweise. Cavaliersreise ist auch ein Buch, dass ich gerne noch mehrfach lesen mag und bei dem es in jedem Lesedurchgang etwas zu entdecken oder anders wahrzunehmen geben wird, gerade weil es an einigen Stellen so plötzlich umschlägt.

„Es hat sich nichts verändert, und doch ist nichts, wie es war.“ – S. 196

Mackenzi Lee hat sich mit der Grand Tour ein tolles Thema als Rahmenhandlung ausgesucht und anstatt in einem typischen Jugendbuch befindet man sich plötzlich in einem Abenteuerroman, der unglaublich viele aktuelle Themen anspricht: Sexualität, Geschlechterrollen, Vorurteile und Unwissen, Epilepsie, Privilegien und und und. An keinem Punkt wirkt es dabei zu belehrend oder zu gewollt und allein dafür ist die Geschichte etwas besonderes. Dazu noch der tolle Humor von Monty und schöne Dialoge…

Warum also kann ich diesem Buch einfach nicht die volle Punktzahl geben?! Das hängt zum einen mit einem Handlungsstrang und zum anderen mit dem Schluss zusammen. Ich war der festen Überzeugung, dass Cavaliersreise nicht ins Fantastische geht – und nun, irgendwie tut es die Geschichte doch. Für mich passte das nicht so gut in die Geschichte, aber da ich es beim nächsten Lesen weiß, wird es mich nicht noch einmal so überrumpeln.  Zum Schluss kommt dann noch mal alles zuerst ganz anders als erwartet, dann auch viel zu plötzlich und ohne große Erläuterungen, auch im Nachwort nicht. Vielleicht wird das nächste Abenteuer da etwas Licht ins Dunkle bringen? Denn für Herbst 2018 wurde gerade erst das Spin-off The Lady’s Guide to Petticoats and Piracy rund um Felicity Montague angekündigt.


Weitere Eindrücke zu Cavaliersreise findet ihr bei
Kathrine Everdeen | Buchstabenstadt | May4la | Miss Foxy reads | Andrada’s Books


BUCHDETAILS

Verlag: Königskinder
Übersetzerin: Gesine Schröder
ISBN: 9783551560384
Erscheinungsdatum: 24.03.2017
Bewertung: 3,5/5

Advertisements

7 Gedanken zu “[Gelesen] Cavaliersreise – Die Bekenntnisse eines Gentlemans

  1. Sara schreibt:

    Hey,
    vielen Dank fürs Verlinken 😉
    Ein toller Beitrag, ich habe das Ende gar nicht als so phantastisch wahrgenommen 🤔 Warum hast du das so empfunden?
    Ich hab gar nicht gewusst, dass eine Fortsetzung/Spin-Off geplant ist, aber jetzt bin ich schon mega gespannt 🙂

    Alles Liebe ❤
    Sara

    Gefällt mir

    • poesielos schreibt:

      Danke dir für den schönen Beitrag, Sara!

      Ich war einfach sehr überrumpelt von der Sache mit dem Herz… so ganz verstanden mit dem tot/untot habe ich das nicht und ich hatte auch irgendwie was anderes für den Showdown in Venedig erwartet? Beim nächsten Mal kann ich mich da drauf einstellen 🙂

      Jaaaa, und dann auch noch zu Felicity! Ich freu mich da sehr drüber, ihren Charakter mochte ich eh am liebsten ♥

      Gefällt 1 Person

      • Sara schreibt:

        Ja gut das strapaziert die eigene Fantasie schon etwas, da muss ich dir Recht geben. Der Showdown mit der sinkenden Insel hat mir gut gefallen. Ich konnte mir richtig vorstellen wie ich da durch die schon etwas überflutete Insel in so ein düsteres Grab steige 😊

        Oh ja ich würde auch sehr gerne mehr von ihr lesen 😉
        Ich habe gelesen, dass die Autorin auch ein Buch über die Tulpenmanie für 2018/19 plant, das habe ich mir auch schon einmal vorgemerkt 🙂

        LG ❤

        Gefällt 1 Person

      • poesielos schreibt:

        Oh ja, das hatte ich auch schon gesehen! Ich glaube, Lee könnte wirklich eine dieser „egal was du schreibst, ich muss es lesen“-Autoren werden… Das Buch über die Tulpenmania klingt toll und ihr Debüt ‚This Monstrous Thing‘ reizt mich auch sehr.

        Liebe Grüße und noch eine schöne Woche für dich, Sara!

        Gefällt 1 Person

      • Sara schreibt:

        Dito! 😀 ist bei mir ganz genauso. This Monstrous Thing habe ich auch auf meiner WuLi vorgemerkt und werde es mir bei Lust und Laune mal besorgen 😉
        Vielen Dank dir auch! ❤

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s