[Leseplan] Juli 2017

Das erste Halbjahr ist um – und was soll ich sagen? Der Leseplan funktioniert einfach perfekt für mich. 30 Bücher sind so schon nach Plan in 2017 gelesen, 30 Bücher habe ich noch vor mir… und ich freue mich sehr auf jedes einzelne! Für den Juli dürfen es jetzt diese Titel sein:

  • Carlos Ruiz Zafón: The Angel’s Game (The Cemetery of Forgotten Books #2)
    Den ersten Band habe ich die letzten Tage verschlungen und wenn ich schon mal dabei bin (und ihn eh da habe), kann ich auch gleich im nächsten Teil weiterlesen.
  • Cora Carmack: Die Rebellin (Stormheart #1)
    Ein Buch, um das ich bereits mehrfach in der Buchhandlung drumherum geschlichen bin – und dann hatte ich es jetzt in einer Buchbox! Meine Freude darüber war groß und deswegen will ich es auch direkt lesen.
  • Morgan Matson: Since You’ve Been Gone
    Sowohl die Beschreibung als auch das Cover schreien für mich ‚Sommerbuch‘, also ist jetzt der perfekte Zeitpunkt dafür! Lustige Sache am Rande: Immer, wenn ich den Titel lese, bekomme ich einen Ohrwurm..
  • Ken Kesey: One Flew Over the Cuckoo’s Nest
    Diesen Klassiker habe ich zu Weihnachten geschenkt bekommen und ach, warum habe ich noch keinen (funktionstüchtigen) Zeitumkehrer? Irgendwie kam immer was dazwischen bislang, aber diesen Monat kommen wir definitiv zueinander!
  • Wesley Chu: Die Leben des Tao (Tao #1)
    Dieses Buch wirkt auf mich irgendwie optimal für die Reisezeiten, die es im Juli totzuschlagen geht – und falls mich die Geschichte komplett fesselt, sind die anderen Teile der Trilogie bereits erschienenen und somit schnell zu besorgen 😉

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Lesepensum: 2.163 Seiten | ~ 70 Seiten pro Tag

 

“Sometimes we must fall forward to keep moving. Remain motionless—remain unyielding—and you are as good as dead. Death follows indecision, like a twisted shadow. Fall forward. Keep moving. Even if you must pick yourself up first.”

Renée Ahdieh: Flame in the Mist

[Gelesen] Cavaliersreise – Die Bekenntnisse eines Gentlemans

Heute ist es soweit: Nachdem die Geschichte um Monty, Percy und Felicity bereits seit einigen Monaten auf Deutsch als Cavaliersreise erhältlich ist, erscheint jetzt auch die englischsprachige Ausgabe unter dem wundervollen Titel The Gentleman’s Guide to Vice and Virtue. Ich hatte diesen Monat das Vergnügen das Buch von Mackenzi Lee gemeinsam mit pingwingTV zu lesen und mich darüber austauschen zu können – und die Lesereise hat sich –mit kleinen Abstrichen- wahrlich gelohnt!

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„Das hier ist keine Cavaliersreise mehr, sondern ein Abenteuerroman.“ – S. 474

Cavalierswas?

Eine Tradition mit vielen Namen -Kavalierstour, Grand Tour, Bildungsreise um nur einige zu nennen- bildet die Rahmenhandlung von Cavaliersreise. Von der Renaissance bis zum 19. Jahrhundert an wurden junge Männer aus dem Adel (später auch aus dem Bürgertum) zum Abschluss ihrer Erziehung auf eine Reise durch Europa bis teilweise hin zum Heiligen Land geschickt. In dem Roman von Lee begleiten wir hierbei eine etwas ungewöhnliche Reisegesellschaft im 18. Jahrhundert: Den englischen Grafensohn Henry -genannt Monty- Montague, seine Schwester Felicity und Percy, Montys besten Freund.

Hatten die jungen Männer (oder zumindest Monty) auf ein unabhängiges, feierfreudiges Jahr auf dem Kontinent gehofft, so macht Montague Senior ihnen gleich zu Anfang einen Strich durch die Rechnung: Er ist die Eskapaden seines Ältesten satt und stellt ihnen einen Tutor zur Seite. Statt auf Trinkgelage, Spielrunden und ähnlichem, soll sich lieber endlich auf das Knüpfen von Kontakten und die kulturellen Errungenschaften konzentriert werden.

„Mag sein, dass es das ist, was die Cavaliersreise mich lehren soll: wie andere Leute leben, die mit mir nichts gemein haben. Zum ersten Mal geht mir auf, dass ihr Leben nicht weniger erfüllt ist als meines, ohne dass es mit meinem in Berührung käme.“
– S. 165-166

Ein Trio wider Willen

Die Begeisterung hierüber hält sich in Grenzen und die Reisegemeinschaft muss erst miteinander warm werden. Dem Leser geht es nicht viel anders, denn zu Anfang ist vor allem Monty etwas schwierig. Umso schöner ist es zu sehen, wie jeder der Drei im Laufe der Reise an seinen eigenen Problemen wächst! Und genug Probleme gibt es tatsächlich, egal, ob von innen oder außen. Um nur ein paar unserer Helden zu benennen: Monty hadert mit seinem gesellschaftlichen Stand, Sexualität und der unerwiderten Liebe zu seinem besten Freund, Percy hat mit seiner Hautfarbe, einer Krankheit und eher düsteren Zukunftsaussichten zu kämpfen – und Felicity hadert mit dem Frauenbild ihrer Zeit. Viele dieser Thematiken lesen sich sehr zeitgemäß, wobei es Lee gelingt, sie angemessen in der Handlung einzubinden und nicht aus der Zeit zu fallen. Das unterstützt sie vor allem durch viele großartige Wörter, die in der Übersetzung von Gesine Schröder eine wahre Freude sind. Egal, ob eher bekanntes wie Wegelagerer, Taugenichts oder seltener genutztes wie greinen, gebenedeit und Häscher – die Sprache ist etwas gehobener ohne abzuheben. Dazu hat Monty ein absolut großartigen Humor, bei dem man das ein oder anderer mal am schmunzeln ist.

Die Sache mit der Bewertung

Die Bewertung von Cavaliersreise bereitet mir auch mit einigen Tagen Abstand immer noch Kopfzerbrechen. Das gemeinsame Lesen mit Austausch über die Abschnitte und Theorien aufstellen zum weiteren Verlauf hat mir großen Spaß bereitet und mein Lesevernügen deutlich erhöht. Nicht zuletzt, weil ich dadurch gefühlt auch das Buch viel intensiver gelesen und viel mehr über einzelne Abschnitte nachgedacht als normalerweise. Cavaliersreise ist auch ein Buch, dass ich gerne noch mehrfach lesen mag und bei dem es in jedem Lesedurchgang etwas zu entdecken oder anders wahrzunehmen geben wird, gerade weil es an einigen Stellen so plötzlich umschlägt.

„Es hat sich nichts verändert, und doch ist nichts, wie es war.“ – S. 196

Mackenzi Lee hat sich mit der Grand Tour ein tolles Thema als Rahmenhandlung ausgesucht und anstatt in einem typischen Jugendbuch befindet man sich plötzlich in einem Abenteuerroman, der unglaublich viele aktuelle Themen anspricht: Sexualität, Geschlechterrollen, Vorurteile und Unwissen, Epilepsie, Privilegien und und und. An keinem Punkt wirkt es dabei zu belehrend oder zu gewollt und allein dafür ist die Geschichte etwas besonderes. Dazu noch der tolle Humor von Monty und schöne Dialoge…

Warum also kann ich diesem Buch einfach nicht die volle Punktzahl geben?! Das hängt zum einen mit einem Handlungsstrang und zum anderen mit dem Schluss zusammen. Ich war der festen Überzeugung, dass Cavaliersreise nicht ins Fantastische geht – und nun, irgendwie tut es die Geschichte doch. Für mich passte das nicht so gut in die Geschichte, aber da ich es beim nächsten Lesen weiß, wird es mich nicht noch einmal so überrumpeln.  Zum Schluss kommt dann noch mal alles zuerst ganz anders als erwartet, dann auch viel zu plötzlich und ohne große Erläuterungen, auch im Nachwort nicht. Vielleicht wird das nächste Abenteuer da etwas Licht ins Dunkle bringen? Denn für Herbst 2018 wurde gerade erst das Spin-off The Lady’s Guide to Petticoats and Piracy rund um Felicity Montague angekündigt.


Weitere Eindrücke zu Cavaliersreise findet ihr bei
Kathrine Everdeen | Buchstabenstadt | May4la | Miss Foxy reads | Andrada’s Books


BUCHDETAILS

Verlag: Königskinder
Übersetzerin: Gesine Schröder
ISBN: 9783551560384
Erscheinungsdatum: 24.03.2017
Bewertung: 3,5/5

[Momentan] KW 25 / 2017

M+N

ARTIKEL
Analoge Fotografie: Von Magie & Nostalgie | Steam summer sale: our giant recommendations list | ‘Downton Abbey’ movie aiming to film next year | Why the Big Change to Bilquis’ Story Is the Best Part of Starz’s American Gods 

BÜCHER
Tips for Packing Books | Tony Takitani – Short Story von Haruki Murakami | Ziemlich gute Gründe über Depressionen zu lesen? The Secret Maps Buried Beneath the “Choose Your Own Adventure” Books

SPIELE
Der Steam Summer Sale ist da und -bis auf eins- waren alle Spiele von meinem Wunschzettel im Angebot. Nochmal schwupps aussortiert, was mich mittlerweile nicht mehr anspricht, und dann habe ich auch gleich drei Spiele gekauft: The Walking Dead: A New Frontier, Stardew Valley und Orwell.

Bei Orwell habe ich gerade die zweite Episode beendet und auch wenn es quasi nur aus Text besteht, macht es riesigen Spaß! Die komplette erste Episode ist als Demo übrigens kostenlos verfügbar – damit kann man auch super austesten, ob es überhaupt was für einen ist.

FILME
John Wick: Kapitel 2 ist endlich auf DVD und co. erhältlich und musste beim Einkauf direkt mit an die Kasse. Mir hat dieser Teil wieder sehr viel Spaß gemacht und ich finde es toll, dass man mehr über die Regeln der Unterwelt erfährt. Und Gott sei Dank ist sowohl der dritte Teil schon angekündigt, als auch ein Comic über die Vorgeschichte der Figur.

MUSIK
Die nächste Single aus Lang Lebe der Tod von Casper ist da… und joa, gefällt mir noch nicht so wirklich. Das Video zu Sirenen ist allein schon mega anstrengend mit den Lichtern und hätte eigentlich eine Epilepsiewarnung nötig. Vielleicht ist das Lied aber auch eher was für Konzerte? Abwarten, wie sich das Album im gesamten jetzt weiter entwickelt.

Dank dem Life is Strange: Before the Storm Trailer läuft hier gerade sehr viel Numbers von Daughter und ich bin sehr verliebt in das Lied. Irgendwann muss ich mich mal wirklich hinsetzten, und mich durch Daughters Diskografie durchhören!

SERIEN
Die erste Staffel von American Gods ist vorbei – und sie ist einfach nur großartig! So viele tolle Charaktere, Verknüpfungen, Anspielungen.. ich freue mich jetzt bereits riesig darauf, die Staffel nochmals anzusehen. Und bis zur zweiten Staffel ist auch noch genug Zeit für die Bücher!

VIDEO

[Gelesen] Ich bin Princess X

Princess X – das ist die Figur, die sich die besten Freundinnen Libby und May in der fünften Klasse ausdenken. May schreibt die Abenteuer der Prinzessin, Libby setzt sie als Comic zeichnerisch um. Das findet allerdings ein abruptes Ende, als Libby bei einem Unfall stirbt. Als May ein paar Jahre darauf aber plötzlich überall in der Stadt Sticker der Prinzessin findet, fängt sie an zu zweifeln. Was ist damals wirklich mit ihrer Freundin geschehen?

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Gemeinsam mit Patrick, der im selben Mietshaus wohnt wie sie, versucht May dem ganzen Mysterium auf die Schliche zu kommen.Ist Libby damals vielleicht gar nicht gestorben oder hat irgendjemand den Charakter der beiden Mädels adaptiert? Die Sticker verweisen auf einen Webcomic, dessen Geschichte Hinweise zu enthalten scheint.

Eine Prinzessin in Text und Bild

Cherie Priest schickt May in Ich bin Princess X auf eine spannende Suche nach der Wahrheit, die immer wieder mit tollen Illustrationen von Kali Ciesemier versetzt ist. Denn wie kann man besser eine Geschichte mit und über (Web-)Comics schreiben, als mit Comicseiten zwischendrin?! Die Entscheidung, die Illustrationen dabei alle in Lilatönen zu halten, finde ich sehr gelungen und passend. Dadurch hat die Prinzessin gleich was eigenes und knallbunte Seiten zwischendrin würden einfach nicht so gut passen. Durch das Wechselspiel des Textes und der Illustrationen lassen sich immer wieder Parallelen in den Geschichten entdecken. Das gibt der Autorin die Möglichkeit, auch teilweise sehr düstere Themen altersgerecht zu verarbeiten – denn auch wenn May bereits 17 Jahre alt ist, ist das Buch für die etwas jüngere Altersstufe ab 14 Jahren gedacht.

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Der Bildschirm flackerte und der Rechner fuhr hoch. Jetzt begann das Märchen richtig. May las und las und las. – S. 90

Diese Altersempfehlung muss man auch etwas im Hinterkopf behalten: Die Geschichte ist an manchen Stellen etwas vorhersehbar und sehr fantastisch. Ich habe trotzdem sehr mit May mitgefiebert und war gespannt, was sich hinter der Geschichte um Princess X versteckt.

Freundschaft überwindet alles

Jugendbücher greifen sehr häufig Liebe als Thematik auf. Da bei Ich bin Princess X die noch etwas jüngeren Jugendlichen angesprochen werden soll, ist das ausnahmsweiße mal nicht der Fall. Ich fand es sehr angenehm mal eine Geschichte in diesem Genre zu lesen, in der so ein starker Fokus auf die Freundschaft gelegt wird! Und das auch zwischen Jungen und Mädchen. Drei verschiedene Freundschaften tauchen in der Geschichte von Priest auf, jede mit einem etwas anderem Aspekt, aber einer großen Gemeinsamkeit: Sie schweißt die Charaktere zusammen und hilft ihnen, sich ihren Problemen zu stellen und diese zu überwinden.

Cherie Priest hat mit dieser Geschichte ein kleines Kleinod geschaffen, dass ich sicher noch das ein oder andere mal in die Hand nehmen werde. Man fliegt nur so durch die 268 Seiten und ist gespannt, wie es für Libby und May ausgehen wird. Im Buch gibt es ein paar technische Verweise, die vermutlich etwas vereinfacht dargestellt werden beziehungsweise in den Bereich des Fantastischen fallen… Aber hey, es ist ein Jugendthriller mit Comicelementen, da kann ich in diesem Fall auch mal drüber wegsehen.


Weitere Meinungen zu Ich bin Princess X findet ihr bei
Buchstabenträumerei | Büchersüchtiges Herz | Books Are True Adventures


BUCHDETAILS

Verlag: Bloomoon
Illustrationen: Kali Ciesemier
Übersetzerin: Doris Hummel
ISBN: 9783845812298
Erscheinungsdatum: 12.01.2016
 Rating: 4/5

[Gelesen] Der Raum

Hohe Mieten, nicht immer auch hohe Löhne – Los Angeles ist wie viele Großstädte nicht leicht zu finanzieren. Umso gelegener kommt es Nate Tucker, als er durch Zufall vom Kavach-Haus erfährt und dort ein Ein-Zimmer-Apartment beziehen kann. Ob er sich damit aber wirklich einen Gefallen getan hat, beleuchtet Peter Clines in seinem Roman Der Raum.

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„Ich hatte Zeit, mich daran zu gewöhnen, Kumpel“, sagte Roger. „Mit kleinen Schritten in den Wahnsinn.“ Xela lächelte ihn an. „Wie poetisch.“ – S. 415

Ein Haus voller Geheimnisse

Nate ist Anfang Dreißig und sitzt in einem schlechtbezahlten Job fest. Irgendwie hat er nie den Sprung vom College auf die Karriereleiter geschafft, und als seine Mitbewohner die gemeinsame WG verlassen, muss eine neue, günstige Bleibe her. Das Kavach-Haus klingt da wie ein Traum: Das Haus aus dem 19. Jahrhundert liegt relativ zentral und bietet sehr erschwinglichen Wohnraum. Die Gelegenheit ergreift Nate beim Schopf, auch wenn sich gleich nach seinem Einzug gewisse Merkwürdigkeiten, sowohl in der Wohnung als im Haus an sich, zeigen. Glühbirnen aller Art strahlen immer nur Schwarzlicht in der Küche aus, Wohnungstüren sind versiegelt oder mit zig Schlössern gesichert… Nates Neugier wird geweckt, und das Abwimmeln des Hausmeisters unterstützt dies nur noch. Gemeinsam mit Nate geht der Leser auf Erkundungstour durch das Haus und lernt nach und nach die anderen Bewohner kennen. Schnell verbindet diese ungleiche Gruppe die gemeinsame Neugier, was sich hinter ihrem Wohnort verbirgt.

Wenn die Handlung Purzelbäume schlägt

Man muss sich darauf einlassen, dass Der Raum immer wieder Wendungen in petto hält. Nach Klappentext und Titel hatte ich erwartet, dass sich die Geschichte hauptsächlich um Nates neue Wohnung dreht, aber es wird schnell deutlich, dass es um das gesamte Haus und einen ganz anderen Raum gehen wird. Das Kavach-Haus ist ein Mysterium, und je mehr die Mieter versuchen, etwas über das Haus und seine Ursprünge zu erfahren, desto mehr verstricken sie sich in dessen Geschichte. Erfreulicherweise nimmt einem der Klappentext wenig von der Handlung vorneweg, sodass die verschiedenen Überraschungen, die Peter Clines für den Leser bereithält, allesamt funktionieren. Der Roman hat allerdings eine Übernatürliche Komponente, auf die man sich im Vorfeld vielleicht einstellen sollte.

Kommst du mit die Welt retten?

Alle Mieter, von der Künstlerin über den Glaubensfanatiker bis hin zum pensioniertem Verleger, wachsen einem über die 592 Seiten ans Herz und die Dialoge sind einfach nur herrlich. Ab und an fließen auch Popkultur Referenzen ein, die sich aber sehr organisch einfügen und nicht herausstechen. Peter Clines unterteilt das Buch in Abschnitte, deren Überschriften immer grob die kommenden Ereignisse beschreiben… was man aber immer erst wirklich am Ende des jeweiligen Abschnitts versteht. Und das sich die Einsätze mit jedem Abschnitt erhöhen und am Ende sogar das Schicksal der Welt in den Händen unserer Mietergemeinschaft liegt, wirkt zu keinem Zeitpunkt übertrieben. Die einzelnen Kapitel haben eine gute Länge und es treten nie Längen per se im Text auf. Normalerweise brauche ich immer eine gewisse Zeit für solche Wälzer, aber Der Raum las sich mit gut fünf Tagen fast viel zu schnell. Einerseits bin ich daher traurig, dass für den Autoren laut Nachwort diese Geschichte zu ende erzählt ist – andererseits hat Clines auch einfach einen super Abschluss gefunden! Generell gibt es nichts, was ich an Der Raum verändern würde… Das Kravach-Haus ist -genauso wie das Gebäude aus House of Leaves– eines der literarischen Bauwerke, zu denen ich gerne später zurückkehren werde. Und da die Geschichte es eigentlich hergibt, hoffe ich, dass sich vielleicht irgendwann ein Filmemacher vielleicht für den Stoff begeistert und dieses großartige Haus in einer Miniserie oder Film zum Leben erweckt wird.

VIELEN DANK AN HEYNE FÜR DAS REZENSIONSEXEMPLAR!

Weitere Eindrücke zu Der Raum gibt es hier:
Lesenswertes aus dem Bücherhaus | Kultplatz | KreachivBuchwelten


BUCHDETAILS

Verlag: Heyne
Übersetzer: Marcel Häußler
ISBN: 9783453316423
Erscheinungsdatum: 10.04.2017
 Rating: 5/5

[Gelesen] Des Teufels Gebetbuch

Auf manche Bücher freut man sich im Vorfeld so sehr, dass dann beim tatsächlichen Lesen schnell eine gewisse Ernüchterung auftritt. Ein Kartenspiel, das tötet, ein Pik auf dem Cover – mehr hat Des Teufels Gebetsbuch neben Markus Heitz als Autor nicht gebraucht, um zuerst auf meine Wunschliste und kurz darauf in mein Regal zu wandern. Nach knapp zwei Monaten habe ich es nun ausgelesen – und irgendwie konnte es mich nie wirklich in seinen Bann ziehen.

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Die verflixten Karten

Tadeus Boch ist ein ehemaliger Spielsüchtiger, welcher nun versucht seine über die Jahre angehäuften Schulden peu à peu abzustottern. Durch eine Verkettung von allerlei Umständen landet er als Begleitperson bei einer privaten Spielrunde, welche das Kartenspiel Supérieur nach besonderen Regeln spielt: Sobald ein Spieler das Pikass zieht, muss er sich entweder selber richten oder töten lassen, sein Einsatz geht dann in den Pott für die restlichen Spieler. Unter den Einsätzen befindet sich ein außergewöhnliches Exemplar einer historischen Spielkarte, deren Deck bei Sammlern heiß begehrt ist – und auch Boch in ihren Bann zieht. Gemeinsam mit Hyun, die Boch bei dieser Spielrunde kennenlernt, geht es den Großteil des Buches auf eine Schatzsuche nach weiteren Karten aus dem Deck und der Magie dahinter.

Von A nach F über K zu Z

Neben dem Handlungsstrang von Boch und Hyun springt die Geschichte zum einen in der Welt und auch in der Zeit hin und her. Die Entstehung der Karten im Leipzig des 18. Jahrhundert wird durch Heitz dabei genauso beschrieben wie die Spurensuche in der Gegenwart – den natürlich jagen nicht nur die Hauptfiguren sondern auch einige zwielichtige Gestalten den Karten hinterher. Mich hat das tatsächlich etwas gestört, denn immer wenn es spannend wurde, wechselte der Schauplatz und Charakter. Da dabei zum Beispiel die Gegenspieler nicht wirklich an Tiefe dazugewinnen, wirkte es etwas erzwungen und es gibt viele kleine Kapitel, die die Handlung nicht wirklich voranbringen.

Mythen und Legenden

Ein Aspekt, den Heitz auch in einem recht ausführlichen Anhang ergänzt, ist die Geschichte hinter dem Kartenspiel und der titelgebenden Begrifflichkeit. Darüber mehr zu erfahren, hat mir sehr gefallen, und die Geschichte hätte sicherlich auch gut ohne Einbindung einer übernatürlichen Komponente funktionieren können. Diese hatte ich im Vorfeld nicht in diesem Buch erwartet und mochte sie leider auch nicht sonderlich. Heitz verliert sich hierfür zu sehr in der Faust-Thematik und nennt im Verlauf zu viele unterschiedliche Religionen ohne näher auf diese einzugehen. Eine schöne Ergänzung allerdings sind die Zitate, die den einzelnen Kapiteln vorstehen, und welche immer einen Bezug zu Karten und dem Glückspiel haben.

Ich mag es mit etwas Abstand noch einmal mit diesem Buch probieren, weil in der Theorie einfach zu viele Aspekte vertreten sind, die mir sehr zusagen. Und wer weiß, vielleicht habe ich einfach den falschen Zeitpunkt zum Lesen von Des Teufels Gebetbuch erwischt?


Andere Stimmen zum Buch findet ihr bei
Captain Fantastic | Buchblögchen | Bella’s Wonderworld | reisswolfblog 


BUCHDETAILS

Verlag: Knaur
ISBN: 9783426654194
Erscheinungsdatum: 01.03.2017
Bewertung: 3/5

[Momentan] KW 23 / 2017


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FILME
Der erste Trailer zu Murder on the Orient Express ist da und gefällt mir visuell sehr. Bisher kenne ich von Agatha Christie nur And Then There Were None als Buch und Serienadaption, aber bis zum Starttermin mag ich auf jeden Fall die Vorlage zum Film lesen.

MUSIK
Wenig überraschend, aber Lang Lebe der Tod von Casper erscheint nicht Ende Juni sondern (vielleicht) am ersten September. Bis auf den gleichnamigen Song ist von diesem Album auch noch nichts bekannt, daher heißt es erstmal weiter warten. Apropos warten: Nur noch fünf Monate bis zum Konzert mit L.!

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