[Gesehen] Filme/Serien zu Versailles

Manchmal verliert man an bestimmte Orte sein Herz und hat von Zeit zu Zeit großes Fernweh nach ihnen, egal, ob man schon mal dort war oder nicht. Ich bin immer noch unglaublich glücklich, dass wir im Parisurlaub 2014 die Möglichkeit genutzt haben, einen solchen Ort für mich zu besuchen: Versailles.

Versailles Versailles

Die Anlage rund um das Schloss ist sehr weitläufig und neben dem eigentlichen Schloss sind auch die weiteren Gebäude wie der Trianon oder die Domaine Marie-Antoinette absolut sehenswert -auch wenn sich die meisten Besucher natürlich eher im Schloss und dort vor allem im Spiegelsaal tummeln- und den Tagesausflug allemal wert gewesen. Versailles ist auch definitiv ein Ort, zu dem ich gerne zurückkehren mag. Da dieser Wunsch aber im Moment nicht ohne weiteres zu erfüllen ist, muss das Fernweh auf andere Art und Weise gestillt werden… und Filme beziehungsweise Serien bieten sich dafür super durch ihre Bilder an!

Es gibt sicher noch viel mehr Titel, aber erstmal halten diese aus meiner Sammlung das Fernweh etwas in Schach:

Versailles (seit 2015) | Trailer
„Your palace of dreams is becoming a haven of plotting, treachery, depravity, infidelity and immortality.“ 

Die teuerste französische Fernsehproduktion und sie sieht einfach blendend aus! Die Handlung ist in 1667 angesiedelt: Louis XIV ist zu dieser Zeit 28 und beginnt mit dem Ausbau des Jagdschlosses Versailles in das spätere Residenzschloss. Der französische Hof wird von Paris hier hin verlegt und schnell gibt es Intrigen, Verrat, Liebelein und allerlei Stolpersteine für den jungen König. An ein paar Stellen gibt es vielleicht schon wieder zu viel nackte Haut zu sehen, aber die verschiedenen Handlungsstränge machen großen Spaß und ich mag diese Art Serie sehr gerne. Der Konflikt zwischen den königlichen Brüdern ist dabei wahrscheinlich mein liebster. IMG_3214Die Gärtnerin von Versailles (2014) | Trailer
↳ „Das Schloss Versailles soll der Stolz Frankreichs sein, mit Gärten von unvergleichlicher, einmalige Schönheit. Es soll der Himmel auf Erden sein.“

Die Handlung dieses Films hat mit der tatsächlichen Geschichte sehr wenig gemein und man sieht auch nicht viel vom Schloss. Allerdings ist die Idee zu zeigen, wie viel Arbeit allein hinter einer Anlage in den Gärten steckt, doch ganz nett.

Marie Antoinette (2006) | Trailer
„This, Madame, is Versailles.“

Bei meinem ersten Parisbesuch waren überall in der Stadt Poster für diesen Film zu sehen und ich habe mich irrsinnig darauf gefreut, ihn später in Deutschland zu sehen. Im Kino habe ich ihn dann doch verpasst, aber dafür die DVD sofort nach Erscheinen besorgt – und seitdem bin ich restlos verliebt in Marie Antoinette. Die Bilder, der anachronistische Soundtrack und die perfekt besetzte Kirsten Dunst sind einfach nur großartig! Bei diesem Film mag man wirklich ständig auf Pause drücken und in die Szenen geradezu hineinsteigen. Hach, einer meiner allerliebsten Lieblingsfilme!

Leb wohl, meine Königin! (2012) | Trailer
↳ „Ihnen zu dienen ist mein größter Wunsch, Eure Majestät.“

Dieser Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Chantal Thomas: Durch die Augen der fiktiven Vorleserin der Königin, Sidonie Laborde, erlebt man die Tage vom 14 bis 16 Juli 1789. Hier bekommt man Versailles aus der Sicht der Dienerschaft zu Gesicht, was sehr spannend ist. Generell ist der Film weniger auf seine Dialoge oder Bilder aus, sondern es geht vielmehr um die beedrückte Stimmung, die im Schloss rund um den Fall der Bastille und die einbrechende Revolution herrscht. 

Midnight in Paris (2011) | Trailer
„Nostalgia is denial – denial of the painful present… the name for this denial is golden age thinking – the erroneous notion that a different time period is better than the one one’s living in – it’s a flaw in the romantic imagination of those people who find it difficult to cope with the present.“

Gut, dieser Film hat sich hier etwas rein geschummelt: Zwar gibt es zwei Szenen in Versailles, aber sie sind schon arg kurz. Trotzdem verursacht dieser Film sofort das Bedürfnis nach Paris und das nahe gelegene Versailles zu fahren, und gefällt mir von anschauen zu anschauen immer besser. Daneben wird die Thematik des Golden Age Thinking super erläutert und vorgeführt.

IMG_3220

Auf meiner Liste standen noch drei Titel, die ich gerne zumindest noch erwähnen mag, selbst wenn sie nicht hundertprozentig passen:

  • Outlander – Season 2 (2016)
    In der zweiten Staffel von Outlander geht es nach Frankreich und ja, Jamie und Claire sind auch in Versailles. Allerdings sind das nur sehr wenige Szenen und gefühlt hätte das auch ein anderer Schauplatz sein können? Daher eher ungeeignet für diese Liste.
  • Die Rosen von Versailles (1979-1980)
    Ich habe ein Talent dafür, dann Manga lesen zu wollen, wenn sie vergriffen und nur noch zu astronomischen Preisen zu bekommen sind… ich hatte mit ca. 14 Jahren den ersten Band rund um Lady Oscar François de Jarjayes in der Bücherei gelesen und habe in Erinnerung, dass ich ihn mochte. Da die darauf basierende Animeserie eher erschwinglich ist, werde ich sie mir im Laufe der nächsten Monate sicher holen und überraschen lassen wie es mir jetzt gefällt. Aufgrund der Zeichnungen wird es allerdings nicht den selben Effekt beim Schauen haben wie Aufnahmen an den Originalorten, daher ebenfalls nur bedingt für diese Liste geeignet.
  • The King’s Daughter (2015? 2017?)
    Der mysteriöseste Film auf dieser Liste. Zwischendurch hieß er The Moon and the Sun und das Erscheinungsdatum wurde gefühlt bereits mehrfach nach hinten geschoben. Hier soll wieder Louis XIV eine Rolle spielen, da er irgendwie eine Meerjungfrau fängt, um Unsterblichkeit zu erlangen… Nichts genaues weiß man, aber Pierce Brosnan und Kaya Scodelario spielen in den Hauptrollen mit und von den wenigen Promobildern, die es bislang u. a. auf IMDB gibt, verspricht die Optik gut zu werden. Sollte er also irgendwann erscheinen, werde ich ihn sicherlich gucken!

Und dann gibt es natürlich noch einige Dokumentationen zu Versailles, von denen ich zwei Stück empfehlen kann. Zum einen wäre da die -passend zur Erstausstrahlung der Serie Versailles in Großbritannien- von der BBC produzierte Doku The Real Versailles, welche immer wieder mit Ausschnitten aus der Serie versetzt ist. In der knapp einstündigen Doku wird sich stark auf Louis XIV und den Ursprung des Schlosses konzentriert. Zum anderen gibt es noch die dreiteilige  Doku The Rise and Fall of Versailles, welche sich mit allen drei Königen, die in Versailles residiert haben, beschäftigt: Louis XIV, Louis XV und Louis XVI.

Könnt ihr mir noch weitere Filme oder Serien empfehlen, die einen Bezug zu Versailles haben? Oder habt ihr vielleicht auch einen Ort, nach dem ihr Fernweh habt?

Advertisements

[Gesehen+Gelesen] Assassin’s Creed

Im November 2007 erschien das erste Spiel der Reihe Assassin’s Creed, dass den Spieler gemeinsam mit Desmond Miles in die Welt der Templar und Assassinen geworfen hat. Fast zehn Jahre – und neun Spiele in der Hauptreihe – später ist die gleichnamige Realverfilmung zum Franchise da. Gecastet wurden für die Hauptrollen unter anderem Michael Fassbender, Marion Cotillard und Jeremy Irons, Regie führte Justin Kurzel. Die Kombination klang super und die Vorfreude auf den Film war von meiner Seite aus groß. Dementsprechend rasch war ich auch im Kino, um den Film zu sehen.

as-movie-novel

We work in the dark to serve the light. We are assassins.

Videospielverfilmungen haben immer den Ruf nicht besonders gut zu sein und teilweise ist das auch begründet. Ist Assassin’s Creed die perfekte Verfilmung geworden? Nein. Der Film ist aber solide und auf einem guten Weg! Sollte ein zweiter Teil produziert werden, bin ich mir sicher, dass er eine gute Basis hat, um sich wirklich steigern zu können. Mit der lieben Katrin gab es eine etwas längere Unterhaltung zu unseren Eindrücken vom Film und auch etwas Drumherum – diese findet ihr weiter unten im Beitrag. Wir halten uns in dem Video allerdings nicht mit Spoilern zurück, seid also gewarnt!

Einer der Schwachpunkte des Films ist sicherlich, dass für viele Hintergrundgeschichten oder innere Entwicklungen der Figuren wenig Zeit da ist. Assassin’s Creed konzentriert sich sehr stark auf die Figur des von Fassbender verkörperten Callum Lynch, wodurch selbst die Szenen innerhalb des Animus begrenzt werden. Die Handlung ist nicht wie in den Spielen primär in der Vergangenheit, sondern fast gleichwertig in Vergangenheit und Gegenwart angesiedelt. Dazu kommt, dass der Film etwas an Dialogen spart: Vieles muss man der Körpersprache und Mimik der Schauspieler entnehmen. Genauso scheuen die Filmemacher davor, eine zu hohe Altersbeschränkung zu erhalten, wodurch der Film für das bearbeitete Thema erstaunlich harmlos daherkommt.

Interessanterweise sind viele diese Punkte dem Film zwar anzukreiden, in einem anderen Medium können sie aber aufgegriffen und teils anders dargestellt werden. Christie Golden hat (basierend auf dem Drehbuch) einen Roman zu Assassin’s Creed verfasst, der mir im Vergleich zum Film viel mehr Spaß gemacht hat. Gerade, weil hier Szenen mehr ausgearbeitet sind oder man den Gedankengängen der Figuren folgen darf. Vor allem die Gedankengänge der Figuren sorgen teilweise dafür, dass mehr Tiefe in die Handlung kommt, und die starke Schwarz-Weiß Zeichnung der Charaktere relativiert wird. Zwar folgt Golden natürlich den Geschehnissen des Films, aber es kommt nie das Gefühl von Lieblosigkeit auf. Der Roman liest sich fließend und spannend und kann auch ohne den Film auf eigenen Beinen stehen. Ich würde sogar fast so weit gehen zu sagen, dass der Film die bessere Ergänzung zum Buch ist… Wobei ja noch zu hoffen bleibt, dass sich auf der DVD/Blu-Ray einige geschnittene Szenen verstecken.

Aprospos DVD/Blu-Ray: Die Veröffentlichung dieser ist bereits  für Ende April angekündigt. Aktuell läuft der Film sowohl in 2D als auch 3D in den deutschen Kinos (das 3D lohnt dabei nur bedingt) und ist ab 16 Jahren freigegeben. Ich hätte auf jeden Fall nichts dagegen, eine weitere Verfilmung mit Fassbender und co. zu sehen und freue mich schon auf meine DVD 🙂

Trivia: 2015 hat das Gespann Kurzel-Fassbender-Cotillard bereits gemeinsam Macbeth gedreht; Jed Kurzel war bei beiden Filmen für die Musik zuständig.


BUCHDETAILS

Verlag: Ubisoft Publishing
ISBN: 9781945210235
Erscheinungsdatum: 21.12.2016
 Rating: 5/5

Filmtipps für den Advent

Alle Jahre wieder steht der Dezember und damit Advent vor der Tür. Während manche der Vorweihnachtszeit das ganze Jahr hinüber entgegenfiebern, muss ich mich erst dazu zu zwingen in Stimmung dafür zu kommen. Teilweise fühle ich mich wirklich mit dem Grinch seelenverwandt in der Hinsicht… Neben weihnachtlicher Deko funktioniert das eigentlich am besten durch Weihnachtsfilme. Jeder hat wahrscheinlich seinen eigenen liebsten Weihnachtsfilm, da es für diese Nische auch wirklich viele Klassiker gibt – mir sind auf alle Fälle gleich zehn Filme eingefallen, die ich in den nächsten Wochen sehen mag!20161204_123815

    1. Kevin – Allein zu Haus (1991)

      Dieser Film ist einer, denn ich schon seit etlichen Jahren gerne sehe. Die Familie Mc Callisters hetzt zum Flieger und vergisst in aller Aufregung ein Familienmitglied Zuhause: Kevin. Dieser muss sich später gegen Einbrecher erwehren und es ist immer wieder ein großer Spaß!

    2. Der Polarexpresss (2004)

      Ein guter Animationsfilm, mit einem Jungen, der schon fast den Glauben an Weihnachten aufgegeben hat. Der Polarexpress bringt ihn und einige Kinder zum Nordpol und die Ereignisse der Nacht bleiben nicht ohne Spuren.

    3. Stirb langsam (1988)

      Kurz bevor der fünfte Teil der Reihe erschien, habe ich mir die Box gekauft und relativ zeitnah alle Stirb langsam Teile durchgesehen – keine Ahnung, wie diese großartigen Actionfilme bis dahin an mir vorbeigehen konnten! Der erste Teil spielt tatsächlich zu Weihnachten und bietet neben Bruce Willis einen super aufgelegten Alan Rickman als Bösewicht.

    4. Tatsächlich… Liebe (2003)

      Dieser Film steht seit Jahren auf meiner Merkliste und ich habe ihn immer noch nicht gesehen, bis auf ein paar Szenen. Und dabei spielen so viele Schauspieler mit, die ich gerne mag! Hoffentlich komme ich dieses Jahr endlich dazu ihn zu sehen 🙂

    5.  The Nightmare Before Christmas (1993)

      The Nightmare Before Christmas hat das Glück gleich für zwei Feiertage perfekt zu passen: Halloween und Weihnachten. Dieses Jahr habe ich ihn zwar schon zu Halloween gesehen, aber das schließt ein weiteres Ansehen im Dezember nicht aus.

    6.  Das Wunder von Manhattan (1994)

      Ich mag Geschichten von Charakteren (vor allem Kindern!), die den Glauben an Weihnachten verloren haben und dann im Film eines besseren belehrt werden. Das Wunder von Manhattan ist genauso eine Geschichte.

    7.  Der Grinch (2000)

      Es gibt vermutlich niemanden, der Weihnachten so sehr hasst wie der Grinch und es ist einfach immer wieder erfrischend anzusehen, wie er versucht Weihnachten kurzer Hand abzuschaffen.

    8.  Santa Clause – Eine schöne Bescherung (1994)

      Es gibt keinen Weihnachtsfilm, den wir so oft als Familie angesehen haben wie diesen. Scott glaubt als erwachsener Mann nicht an den Weihnachtsmann. Dumm nur, dass dieser durch einen Unfall bei ihm ausfällt und er statt dessen in die Rolle schlüpfen muss.

    9.  Versprochen ist versprochen (1996)

      Einkaufen zu müssen in der Vorweihnachtszeit ist per se die Hölle. Etwas kurz vorm Fest noch zu bekommen, kann wirklich leicht in den größten Stress ausufern – ich sag’s euch, probiert nie erst am 23.12. Schokoweihnachtsmänner kaufen zu wollen – und daher kann ich mich immer wieder sehr gut mit Arnold Schwarzenegger in diesem Film identifizieren.

    10.  Die Geister, die ich rief… (1988)

      Charles Dickens‘ Weihnachtsgeschichte gibt es in verschiedensten Adaptionen. Ich mag die Version aus denAchtzigern mit Bill Murray am liebsten.

Neben diesen Weihnachtsfilmen gibt es noch ein anderes Genre, dass sich in die Vorweihnachtszeit schleicht: Horrorfilme. Auch wenn ich selber sehr schreckhaft bin, mag ich dieses Genre doch und mag dieses Jahr auch in Weihnachtsfilme aus selbigen rein schauen. Ersteren Film kenne ich bereits, die anderen werden komplette Neuentdeckungen:

  1. Gremlins (1984)

    Spielbergs Film ist eine Horrorkomödie und daher hält sich der Schrecken etwas in Grenzen – aber er macht immer wieder Spaß. Billy bekommt ein etwas anderes Haustier geschenkt, was zu Anfang sehr süß ist, bald aber zum Alptraum wird.

  2. Black Christmas (2006)

    Eine relativ klassische Horrorgeschichte, die bereits 1974 verfilmt wurde. Katie Cassidy und Michelle Trachtenberg sind beides Schauspielerinnen, die ich gerne mag, daher will ich lieber diese Version ansehen.

  3. Silent Night (2012)

    Ein Mörder, der sich als Weihnachtsmann verkleidet und jedes Jahr eine andere Stadt heimsucht. Der Trailer sieht gar nicht so schlecht aus, wenn die Motivation des Mörders stimmig ist, könnte es eine kleine Perle sein.

  4. Krampus (2015)

    Letztes Jahr habe ich mich nicht ins Kino zu diesem Film getraut, aber mittlerweile ist die DVD ja draußen. Eine Familie kommt zu Weihnachten zusammen und es ist so ein Fiasko, dass sie vom Krampus heimgesucht werden: Quasi der dunklen Seite des Weihnachtsmanns, seinem Schatten.

Das wären meine vierzehnten Filmtipps für diesen Advent. Ich werde sicherlich nicht die Zeit haben alle Filme zu sehen (ich kämpfe mich parallel immer noch durch die Gilmore Girls), aber gerade für die Adventssonntage und Weihnachtsfeiertage sind zumindest eine Handvoll ein Muss.

Welche Filme guckt ihr gerne in der Vorweihnachtszeit?


Nachtrag: Falls ihr nach weiterer Inspiration für den nächsten weihnachtlichen Filmeabend sucht, findet ihr diese entweder bei weihnachtsfilme.de oder auf weihnachts-filme.com – beides Seiten im deutschsprachigen Raum, die probieren, eine Übersicht zu diesem doch erstaunlich komplexen Thema zu bieten.

[Gesehen] The Neon Demon

Aktuell bin ich in einer kleinen Leseflaute, habe dafür aber große Lust auf Filme. Am Wochenende hatte ich endlich die Gelegenheit The Neon Demon zu sehen und bin immer noch etwas hin- und her gerissen, ob ich ihn nun mochte oder nicht…neon-demon

Die junge Jesse, hübsch aber naiv, kommt nach Los Angeles, um Model zu werden. Durch ihre frische und unverbrauchte Schönheit wird sie schnell zu einem Liebling der Fotografen, Designer und ihrer Agentur – ein Umstand, der auch ihrer Konkurrenz, den älteren Models, nicht lange verborgen bleibt. Ruby, eine Maskenbildnerin, die Jesse bei einem Shooting kennen lernt, wird zu einer Art Mentorin und Freundin, die ihr hilft in der gefährlichen (Mode-)Welt von LA zurecht zu kommen.

„On one level, Jessie can be seen as, you know, a deer in the headlights, an innocent coming to a giant city of sin. At the same time, she could be an evil Dorothy, coming to the city in order to poison the Wizard.“ – aus: Interview: Nicolas Winding Refn on The Neon Demon, Steve Macfarlane für Slant Magazine 24.06.2016 [x]

Es ist schwierig, einzelne Szenen zu beschreiben, da in The Neon Demon viel ineinander greift und manche Szenen erst zum Schlussakt ihre Wirkung entfalten. So gibt es zum Beispiel ein sehr triviales Gespräch über Lippenstift, welches in seiner dreifachen Bedeutung nicht direkt ersichtlich wird. Generell hält Refn den Dialog sehr knapp und vieles wird eher durch die Bilder kommuniziert. Und in diesen Bildern kann man sich gut und gerne verlieren: Es wird viel mit Farbe und ihrer Bedeutung gearbeitet (vor allem Blau und Rot!) und Refn setzt immer wieder auf lange, ruhige Kamerafahrten, wodurch manche Aufnahmen fast wie Gemälde oder Fotografien wirken.

Die Geschichte in The Neon Demon wird klar mehr gezeigt statt erzählt und der Film ist mehr Kunstfilm als Unterhaltung. Mit der Erwartung sollte man auch lieber an den Film herangehen, denn viel Handlung hat der Streifen für 117 Minuten nicht gerade anzubieten. Viele der Bilder und gezeigten  Metaphern muss man sich als Zuschauer selbst erschließen, wobei Assoziationen mit der Geschichte von Narziss oder der Gestalt Elizabeth Báthory definitiv gewollt sind. Ein teilweise sehr merkwürdige Film und nicht ganz das, was ich mir unter dem Trailer vorgestellt hatte…

[Gesehen] Smaragdgrün

Nachdem der letzte Teil der Edelstein-Trilogie jetzt schon etwas länger im Kino läuft, habe ich es diese Woche auch endlich rein geschafft. Ich mochte die Bücher sehr gerne, und die beiden ersten Filme waren (gerade für deutsche Verfilmungen) erstaunlich gut gelungen. Smaragdgrün dagegen hat mich nach gut zwei Stunden etwas ratlos zurückgelassen.Smaragdgrün Zeitreisegeschichten werden immer kompliziert, wenn hin und her gereist wird, ohne Frage. Auch in Smaragdgrün geht es wieder relativ munter durch die Zeit, und die Handlung setzt zeitnah nach Saphirblau ein. Gwen und Gideon sind zerstritten, hegen aber beide Zweifel an den Zielen der Loge und des Grafen. Es gilt weiterhin, die Vollendung des Blutkreislaufs im Chronographen zu verhindern und irgendwie über den verflixten Liebeskummer hinweg zu kommen. So weit, so gut.

Weniger gut dagegen ist das Drehbuch. Ich hatte mich eigentlich geärgert, dass ich keinen Reread der Bücher mehr geschafft hatte, aber im Endeffekt bin ich froh drüber: Ein Großteil der Handlung wurde umgeschrieben und zwar ordentlich. Vielleicht wären ein paar der Ideen gar nicht schlecht, aber sie haben absolut keinen Raum und Zeit (ha!) im dritten Teil, um sich zu entfalten. Dadurch schleichen sich einige Logiklöcher ein, und es wird einfach nicht klar, warum diese Entscheidungen getroffen worden. Zahlreiche überflüssige Szenen sind nämlich noch da, warum also das Buch neu erfinden?

Genauso verwirrend empfand ich die zig Anspielungen auf Hamlet, und wie viele Charaktere im Endeffekt einfach hintenüberfallen. Bestes Beispiel dafür ist Grace. Wieso nicht einfach einen Nebensatz einbauen à la „Loge hat sie weggeschickt“? Vielleicht wäre auch diese Schwäche nicht so krass ins Auge gesprungen, wenn die Darsteller der gesamten Trilogie nicht noch einmal in den Credits auftauchen würden… Maria Ehrich und Jannis Niewöhner haben mir in den Hauptrollen wieder sehr gut gefallen, wohingegen Johannes von Matuschka komplett überdreht seine Rolle spielt. Der restliche Cast schrumpft im Lauf des Films immer mehr zusammen, wobei Laura Berlin noch einiges aus ihrer Figur raus holen darf.

Es gibt eine kurze Referenz an die Bankenkrise und Totalüberwachung genauso, wie eine eigentlich recht traurige Szene, bei der im Kino so ziemlich alle lachen mussten: An manchen Stellen weiß man wirklich nicht, ob Smaragdgrün sich selbst ernst nimmt beziehungsweise welche Zielgruppe überhaupt angesprochen werden soll. Trotz der vielen negativen Aspekte bin ich froh, dass die gesamte Trilogie mit einem einheitlichen Cast verfilmt wurde und zur Abwechslung mal nicht gekünstelt auf vier Verfilmungen gestreckt werden musste. Smaragdgrün ist für mich zwar der schwächste Film der Reihe, bis zu einem bestimmten Punkt hat er aber bestens unterhalten. Wenn man die Bücher ausklammert (oder vielleicht noch nicht gelesen hat), ist Smaragdgrün für einen DVD-Abend nächstes Jahr nicht verkehrt – einen Kinogang kann man sich aber sparen.

rating: 2.5/5

[Gelesen + Gesehen] The Woman in Black

Ich kann die Horrorfilme, die ich im Kino gesehen habe, wirklich an einer Hand abzählen – ich bin furchtbar schreckhaft, und mag mich lieber Zuhause als in einem riesigen Saal gruseln. Lustigerweise habe ich sowohl The Woman in Black als auch The Woman in Black 2: Angel of Death auf der großen Leinwand gesehen. Beim ersten Teil war ich mit einer guten Freundin in einer Nachmittagsvorstellung (weil neuer Film mit Daniel Radcliffe in der Hauptrolle), der zweite Teil lief im Rahmen einer Sneak. Mir war nicht bewusst, dass die Geschichte auf einer Novelle von Susan Hill basiert: umso mehr hat es mich gefreut, das Buch geschenkt zu bekommen!

womaninblack.jpg

Im Grunde ist The Woman in Black eine ganz klassische Gruselgeschichte: Arthur Kipps ist ein junger Rechtsanwalt aus London, der in eine abgelegene Gegend Englands reisen muss, um dort den Nachlass einer Mandanten durchzugehen. Dafür muss er in das Eel Marsh House, das durch die Flut regelmäßig vom Festland abgeschnitten wird – und scheinbar treibt auch der Geist einer Frau in Schwarz sein Unwesen.

The Woman in Black ist das zweite Buch, dass ich von Susan Hill gelesen habe und so wusste ich bereits, dass man mit ihrem Schreibstil Geduld haben muss. Wie in Das Gemälde wird man erst sehr gemächlich in die Handlung eingeführt und der eigentliche Horror kommt erst weit nach Mitte des Buches. Ich mag dabei, wie ihre Hauptpersonen eigentlich mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen, nicht an das Übernatürliche glauben – und dann doch eines besseren belehrt werden.

A man may be accused of cowardice for fleeing away from all manner of physical dangers but when things supernatural, insubstantial and inexplicable threaten not only his safety and well-being but his sanity, his innermost soul, then retreat is not a sign of weakness but the most prudent course.

Schön fand ich die Beziehung zu dem kleinen Hund Spider, den man Kipps mit gibt, als er zum zweiten Mal in das Haus aufbricht. Die Abgelegenheit und Isolation von Eel Marsh House wird sehr deutlich, und der Hund als Gefährte gibt Kipps sehr viel Halt. Trotzdem wollte aber das eigentliche Gruselige bei dieser Novelle nicht überschwappen… es passiert nichts, was man nicht bereits aus anderen Erzählungen dieser Art kennt. Die Bewohner des nächstgelegenen Dorfes haben alle Angst vor dem Haus und der Frau in Schwarz, aber die Erklärung hierfür ist sehr dünn. Vielleicht hätte es der Novelle gut getan, wenn man mit Kipps länger im Eel Marsh House geblieben wäre.

Als wir aus dem Kino kamen, schien draußen die Sonne – und wir haben erst mal einen Moment gebraucht, um wieder im Hier und Jetzt anzukommen. The Woman in Black ist ein erstaunlich guter Horrorfilm! Vom Trailer bekommt man schon einen guten Eindruck: die Trostlosigkeit und Isolation wird sehr gut vermittelt, und Eel Marsh House ist fast ein eigener Charakter. Die Handlung variiert leicht von der der Novelle, gefällt mir im Film allerdings besser. Es wird auf viele klassische Gothic Horror Elemente zurückgegriffen, aber keines wird überreizt. Auch die Frau in Schwarz wird sehr bedacht eingesetzt, und man erschrickt sich teilweise schon, weil man einfach damit rechnet, dass sie gleich einfach irgendwo im Bild stehen wird.

Daniel Radcliffe spielt die Hauptrolle in The Woman in Black, und es ist eine seiner besten Rollen. Die Entwicklung von Kipps wird hervorragend von ihm gespielt, gerade auch im Hinblick auf das Ende des Films. Für mich eigentlich auch bisher das Beste, was er seit Harry Potter filmisch abgeliefert hat.

Irgendwie hat es der Film geschafft, einen zweiten Teil zu bekommen – The Woman in Black 2: Angel of Death. Grundsätzlich klingt die Ausgangslage schon ganz interessant. Kinder werden während des Krieges mit ein paar Lehrkräften in Eel Marsh House untergebracht, um vor Luftangriffen in den Städten sicher zu sein. Dumm nur, dass die Frau in Schwarz dort immer noch ihr Unwesen treibt! Falls man ein Fan von Jumpscares ist, kommt man hier voll auf seine Kosten. Viel mehr, sei es Handlung, Stimmung, Schauspielkunst, ist leider nicht drin. Wenn man die Wahl hat, wirklich lieber zum ersten Teil greifen!


BUCHDETAILS

Verlag: Vintage
ISBN: 9780099288473
Erscheinungsdatum: 1998
Rating: 2/5

 

[Gesehen] Ben X

benx

Ben ist ein Jugendlicher mit Asperger-Syndrom. In der Schule wird er gemobbt und von seinen Mitschülern nicht verstanden; vor allem zwei Mitschüler haben ihn dabei als „ihren besten Freund“ stark auf dem Kieker. Zuhause versinkt Ben in das MMORPG Archlord, in dem sein Charakter stark und alles ist, was er selbst im wahren Leben nicht ist. Dort trifft er sich auch mit einer seiner einzigen Bezugspersonen: der Heilerin Scarlite. Schleichend wird das Mobbing immer schlimmer und Ben plant immer mehr das ultimative Endgame.

Mobbing, Drogen, Autismus, Unverständnis, Suizid… Ben X aus dem Jahr 2007 von Nic Balthazar ist kein schöner Film, auch wenn er teilweise sehr schön anzusehen ist (vor allem die Einarbeitung der Spielelemente in den Film ist einfach gelungen!). Der Film ist so realistisch gedreht, dass vor allem die Szenen in der Schule und auf dem Weg hin und zurück sehr schwer anzusehen sind. Durch sein Asperger ist es für Ben sehr schwer verständlich, ob das, was passiert, eigentlich normal ist oder nicht – und so gehen einige Versuche, es allen recht zu machen, gründlich schief. Zu seiner Familie findet er genauso wenig Zugang wie zu seinen Mitschülern, nur zu Scarlite findet Ben Anschluss. Je mehr das Endgame in Bens Fokus gerät, desto stärker bietet sie ihm Halt. Vermischt Ben Spiel und Realität, um seinen Alltag zu bewältigen, so vermischt sich bei Scarlite ebenfalls wieder Spiel und Realität, als ein Treffen der Beiden im realen Leben im Raum steht.

Die Handlung von Ben X ist von wahren Gegebenheiten inspiriert, und vor der Filmumsetzung hat Nic Balthazar den Stoff bereits als Buch aufbereitet. Es lohnt, vor allem in Hinblick aufs Ende, an diesem Film dran zu bleiben – auch wenn es an manchen Stellen schwer fällt.

Trivia: Ben X klingt fast wie das Niederländische bennicks, was so viel wie „Ich bin Nichts“ bedeutet.