[Gesehen] The Lizzie Bennet Diaries

Die Zeit, die rennt… abgedroschen, aber immer wieder wahr. Vor bereits fünf Jahren, am 9. April 2012, ging die erste Folge der wundervollen Webserie The Lizzie Bennet Diaries online. Knapp ein Jahr  konnte man der Geschichte um Lizzie, ihre Schwestern und dem berüchtigten Darcy folgen, bis die Serie am 28. März 2013 mit der hundertsten Folge endete. Webserien, das ist etwas, was in den USA als Format schon länger angekommen ist. In Deutschland fängt es jetzt langsam mit Serien wie Wishlist an sich zu entwickeln – ein spannendes Format mit viel Potential ist die Webserie als solche aber auf jeden Fall!

Vlogs, Vorurteile, aber keine Zombies

Elizabeth „Lizzie“ Bennet ist eine Studentin, die irgendwas mit Medien (bzw. sie studiert ‚mass communications‘ aber ich wüsste nicht, welchem Studiengang das bei uns am ehesten entspricht?) studiert und für ihre Abschlussarbeit mit dem Vloggen beginnt. Die einzelnen Vlogs variieren dabei in ihrer Länge von 2 bis 8 Minuten und werden hauptsächlich in Lizzies Zimmer aufgenommen. Dazu werden häufig die Ereignisse der letzten Tage durch Lizzie, ihre Schwestern und Freunde mit Hilfe von Requisiten nacherzählt und man lernt die tatsächlichen Charaktere erst nach und nach kennen. Gerade bei Charakteren wie Darcy, Bing Lee oder Wickham hört man im Vorfeld erst mal eine ganze Menge über sie, bevor es die Schauspieler das erste Mal im Vlog zu sehen gibt. Neben Lizzies Vlogs ergänzen Vlogs von anderen Charakteren wie Charlotte oder Gigi die Handlung etwas, wobei die Vlogs von Lydia am wichtigsten sind.

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„My year long video diary of my sisters, my best friend Charlotte, and eventually a guy named Darcy.“

Stolz und Vorurteil von Jane Austen ist ein herrlicher Klassiker, der immer wieder und wieder neu aufbereitet wird. The Lizzie Bennet Diaries ist eine sehr moderne Interpretation, die aber in ihrem Format super umgesetzt ist. Die Handlung bleibt dabei trotz einiger Änderungen erstaunlich nahe am Original und die Folgen haben eine angenehme Länge. Abgesehen von den tollen Schauspielern und Dialogen gefällt mir besonders an dieser Adaption, wie die Handlung um Lydia aufbereitet wird: Durch die zeitgemäße Analogie wird ihr Charakter (zumindest für mich) das erste Mal verständlich und sympathisch.

Durch die Laufzeit von knapp einem Jahr waren auch die zeitlichen Entwicklungen super greifbar und man hat richtig mit den Charakteren mitgefiebert. Eigentlich schade, dass die Produzenten das mit keiner der folgenden Webserien wieder so gut hinbekommen haben. Denn egal, ob man die klassischen Stoffe im Vorfeld bereits kennt oder nicht: Klassiker als Webserie bieten eine ganz neue Möglichkeit, sich den Texten zu nähern.

Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass Bücher immer eine gute Idee sind

Bei DFTBA gibt es eine Handvoll Fanartikel zu The Lizzie Bennet Diaries, wobei die Preise leider etwas wehtun. Vor allem von der DVD-Box würde ich eher abraten, da ihr euch die eher selber zusammenstellen könnt – die Gestaltung ist nicht besonders hochwertig und ich musste damals erst mal neue Hüllen kaufen, da diese beim Versand gebrochen waren. Und es ist ja nicht so, als könnte man die Serie nicht komplett online ansehen 😉

Ganz nett finde ich allerdings die Bücher, die zur Webserie erschienen sind:

    1. Pride and Prejudice – The Lizzie Bennet Diaries Edition
      Eine Sonderausgabe von Jane Austens Text mit einem Vorwort von Hank Green. Leider absolut nicht mein Cover, mal abgesehen davon, dass ich den Klassiker schon in einer anderen Ausgabe hier habe. Aber die Idee ist gut!
    2. The Secret Diary of Lizzie Bennet | Das geheime Tagebuch der Lizzie Bennet
      Im Prinzip erzählt der Roman noch mal die Ereignisse aus der Webserie nach, wobei man einen etwas größeren Einblick ins Unileben von Lizzie und wie es überhaupt zu den Vlogs kommt bekommt. Das es als Tagebuch von Lizzie aufbereitet ist, finde ich eine schönere Idee als es in einen normalen Roman umzuarbeiten – dafür gibt es schließlich bereits den Klassiker. Dieses Buch ist sowohl auf Englisch als auch Deutsch erschienen.
    3. The Epic Adventures of Lydia Bennet
      Zu diesem Buch habe ich bereits letztes Jahr einen Beitrag geschrieben und ich mag es tatsächlich einen großen Ticken mehr als The Secret Diary of Lizzie Bennet. Hier wird Lydias Geschichte weitererzählt und ich liebe es, wie wunderbar die Autorinnen Mary Kate Wiles‘ Version von Lydia eingefangen haben.

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Egal, ob nur für ein paar Episoden oder die komplette Playlist mit allen Nebenvideos: Ich tauche auch noch nach fünf Jahren unheimlich gerne in diese Adaption von Stolz und Vorurteil ab und kann sie jedem nur ans Herz legen. In diesem Sinne:

Happy 5th Birthday, The Lizzie Bennet Diaries!

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[Gesehen] Filme/Serien zu Versailles

Manchmal verliert man an bestimmte Orte sein Herz und hat von Zeit zu Zeit großes Fernweh nach ihnen, egal, ob man schon mal dort war oder nicht. Ich bin immer noch unglaublich glücklich, dass wir im Parisurlaub 2014 die Möglichkeit genutzt haben, einen solchen Ort für mich zu besuchen: Versailles.

Versailles Versailles

Die Anlage rund um das Schloss ist sehr weitläufig und neben dem eigentlichen Schloss sind auch die weiteren Gebäude wie der Trianon oder die Domaine Marie-Antoinette absolut sehenswert -auch wenn sich die meisten Besucher natürlich eher im Schloss und dort vor allem im Spiegelsaal tummeln- und den Tagesausflug allemal wert gewesen. Versailles ist auch definitiv ein Ort, zu dem ich gerne zurückkehren mag. Da dieser Wunsch aber im Moment nicht ohne weiteres zu erfüllen ist, muss das Fernweh auf andere Art und Weise gestillt werden… und Filme beziehungsweise Serien bieten sich dafür super durch ihre Bilder an!

Es gibt sicher noch viel mehr Titel, aber erstmal halten diese aus meiner Sammlung das Fernweh etwas in Schach:

Versailles (seit 2015) | Trailer
„Your palace of dreams is becoming a haven of plotting, treachery, depravity, infidelity and immortality.“ 

Die teuerste französische Fernsehproduktion und sie sieht einfach blendend aus! Die Handlung ist in 1667 angesiedelt: Louis XIV ist zu dieser Zeit 28 und beginnt mit dem Ausbau des Jagdschlosses Versailles in das spätere Residenzschloss. Der französische Hof wird von Paris hier hin verlegt und schnell gibt es Intrigen, Verrat, Liebelein und allerlei Stolpersteine für den jungen König. An ein paar Stellen gibt es vielleicht schon wieder zu viel nackte Haut zu sehen, aber die verschiedenen Handlungsstränge machen großen Spaß und ich mag diese Art Serie sehr gerne. Der Konflikt zwischen den königlichen Brüdern ist dabei wahrscheinlich mein liebster. IMG_3214Die Gärtnerin von Versailles (2014) | Trailer
↳ „Das Schloss Versailles soll der Stolz Frankreichs sein, mit Gärten von unvergleichlicher, einmalige Schönheit. Es soll der Himmel auf Erden sein.“

Die Handlung dieses Films hat mit der tatsächlichen Geschichte sehr wenig gemein und man sieht auch nicht viel vom Schloss. Allerdings ist die Idee zu zeigen, wie viel Arbeit allein hinter einer Anlage in den Gärten steckt, doch ganz nett.

Marie Antoinette (2006) | Trailer
„This, Madame, is Versailles.“

Bei meinem ersten Parisbesuch waren überall in der Stadt Poster für diesen Film zu sehen und ich habe mich irrsinnig darauf gefreut, ihn später in Deutschland zu sehen. Im Kino habe ich ihn dann doch verpasst, aber dafür die DVD sofort nach Erscheinen besorgt – und seitdem bin ich restlos verliebt in Marie Antoinette. Die Bilder, der anachronistische Soundtrack und die perfekt besetzte Kirsten Dunst sind einfach nur großartig! Bei diesem Film mag man wirklich ständig auf Pause drücken und in die Szenen geradezu hineinsteigen. Hach, einer meiner allerliebsten Lieblingsfilme!

Leb wohl, meine Königin! (2012) | Trailer
↳ „Ihnen zu dienen ist mein größter Wunsch, Eure Majestät.“

Dieser Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Chantal Thomas: Durch die Augen der fiktiven Vorleserin der Königin, Sidonie Laborde, erlebt man die Tage vom 14 bis 16 Juli 1789. Hier bekommt man Versailles aus der Sicht der Dienerschaft zu Gesicht, was sehr spannend ist. Generell ist der Film weniger auf seine Dialoge oder Bilder aus, sondern es geht vielmehr um die beedrückte Stimmung, die im Schloss rund um den Fall der Bastille und die einbrechende Revolution herrscht. 

Midnight in Paris (2011) | Trailer
„Nostalgia is denial – denial of the painful present… the name for this denial is golden age thinking – the erroneous notion that a different time period is better than the one one’s living in – it’s a flaw in the romantic imagination of those people who find it difficult to cope with the present.“

Gut, dieser Film hat sich hier etwas rein geschummelt: Zwar gibt es zwei Szenen in Versailles, aber sie sind schon arg kurz. Trotzdem verursacht dieser Film sofort das Bedürfnis nach Paris und das nahe gelegene Versailles zu fahren, und gefällt mir von anschauen zu anschauen immer besser. Daneben wird die Thematik des Golden Age Thinking super erläutert und vorgeführt.

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Auf meiner Liste standen noch drei Titel, die ich gerne zumindest noch erwähnen mag, selbst wenn sie nicht hundertprozentig passen:

  • Outlander – Season 2 (2016)
    In der zweiten Staffel von Outlander geht es nach Frankreich und ja, Jamie und Claire sind auch in Versailles. Allerdings sind das nur sehr wenige Szenen und gefühlt hätte das auch ein anderer Schauplatz sein können? Daher eher ungeeignet für diese Liste.
  • Die Rosen von Versailles (1979-1980)
    Ich habe ein Talent dafür, dann Manga lesen zu wollen, wenn sie vergriffen und nur noch zu astronomischen Preisen zu bekommen sind… ich hatte mit ca. 14 Jahren den ersten Band rund um Lady Oscar François de Jarjayes in der Bücherei gelesen und habe in Erinnerung, dass ich ihn mochte. Da die darauf basierende Animeserie eher erschwinglich ist, werde ich sie mir im Laufe der nächsten Monate sicher holen und überraschen lassen wie es mir jetzt gefällt. Aufgrund der Zeichnungen wird es allerdings nicht den selben Effekt beim Schauen haben wie Aufnahmen an den Originalorten, daher ebenfalls nur bedingt für diese Liste geeignet.
  • The King’s Daughter (2015? 2017?)
    Der mysteriöseste Film auf dieser Liste. Zwischendurch hieß er The Moon and the Sun und das Erscheinungsdatum wurde gefühlt bereits mehrfach nach hinten geschoben. Hier soll wieder Louis XIV eine Rolle spielen, da er irgendwie eine Meerjungfrau fängt, um Unsterblichkeit zu erlangen… Nichts genaues weiß man, aber Pierce Brosnan und Kaya Scodelario spielen in den Hauptrollen mit und von den wenigen Promobildern, die es bislang u. a. auf IMDB gibt, verspricht die Optik gut zu werden. Sollte er also irgendwann erscheinen, werde ich ihn sicherlich gucken!

Und dann gibt es natürlich noch einige Dokumentationen zu Versailles, von denen ich zwei Stück empfehlen kann. Zum einen wäre da die -passend zur Erstausstrahlung der Serie Versailles in Großbritannien- von der BBC produzierte Doku The Real Versailles, welche immer wieder mit Ausschnitten aus der Serie versetzt ist. In der knapp einstündigen Doku wird sich stark auf Louis XIV und den Ursprung des Schlosses konzentriert. Zum anderen gibt es noch die dreiteilige  Doku The Rise and Fall of Versailles, welche sich mit allen drei Königen, die in Versailles residiert haben, beschäftigt: Louis XIV, Louis XV und Louis XVI.

Könnt ihr mir noch weitere Filme oder Serien empfehlen, die einen Bezug zu Versailles haben? Oder habt ihr vielleicht auch einen Ort, nach dem ihr Fernweh habt?

[Gesehen] Die Schöne und das Biest (2017)

Dank meiner Mutter habe ich seit klein auf eine große Liebe für Disney-Filme und kann mir diese einfach immer wieder ansehen. In den letzten Jahren sind einige schöne Titel dazugekommen, aber die älteren Filme haben natürlich noch einen etwas höheren, nostalgischen Faktor: Mulan ist immer noch mein Lieblingsfilm, aber dicht dahinter ist schon Die Schöne und das Biest. Die Geschichte, welche auf dem gleichnamigen Märchen von Gabrielle-Suzanne Barbot de Villeneuve basiert, gibt es in den unterschiedlichsten Fassungen, aber die Interpretation von Disney ist vermutlich auch noch nach 26 Jahren eine der bekanntesten und beliebtesten.

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„And, as I always say, ‚If it’s not Baroque, don’t fix it!'“ – Cogsworth, Beauty and the Beast (1991)

Ich mag gar nicht so sehr ins Detail gehen oder intensiv den Film besprechen – dafür müsste ich ihn auch definitiv erst ein weiteres Mal sehen – aber zumindest ein paar Aspekte habe ich raus gesucht, zu denen es ein wenig was zu schreiben gibt:

Aus alt mach neu (oder so)

Die Neuauflage bzw. Neuinterpretation der alten Klassiker als Realverfilmungen ist etwas, dass Disney jetzt schon seit ein paar Jahren macht (Bsp.: Das Dschungelbuch und Cinderella) und in deren Zuge auch noch einige Filme angekündigt sind (u. a. Aladdin und Mulan!). Das kann man auf jeden Fall kritisch sehen und auch hinterfragen, inwiefern es diese Neuauflagen neben den Zeichentrickfilmen denn überhaupt braucht… gerade bei Die Schöne und das Biest steht diese Frage definitiv im Raum, denn: An der Handlung ändert sich nicht viel, über weite Strecken des Films wird das Original fast identisch adaptiert. Das ist sowohl eine Stärke als auch Schwäche des Films,  denn das Original ist nun mal fast perfekt. Warum sollte Disney das Rad also komplett neu erfinden und so womöglich alte Fans vergraulen? Ein bisschen mehr Mut wäre aber wirklich wünschenswert gewesen, weil einige interessante Ansätze definitiv da waren…

Lieder so weit die Ohren hören

Disney bedeutet häufig auch Musik und das ist auch in diesem Film nicht anders. Die Schöne und das Biest geht in Richtung Musical und Gott sei Dank ist ein Großteil der alten Lieder mit von der Partie. Etwas schade ist, dass Human Again (dt. Mensch wieder sein) nicht dabei ist, aber Days In The Sun (dt. Tage im Licht) ist ein netter Ersatz. Die größte Ergänzung ist sicherlich das Lied Evermore (dt. Ich warte hier auf dich), welches ich wunderschön finde. Alan Menken, der bereits am Originalsoundtrack mitgewirkt hat, konnte ebenfalls für das Projekt gewonnen werden und man hört es. Was man auch hört, ist, dass ein paar Schauspieler zwar gut auf die Rollen passen, ihre Stimmen für Gesang aber nur mittelmäßig geeignet sind. Ein Hoch auf Autotune und schöne Bilder, die davon ablenken!

Mein schwuler bester Freund

Vermutlich der Punkt, der die Tage vor dem Filmstart am meisten Gesprächsstoff geliefert hat: Ein offener, schwuler Charakter in einem Disney-Film. Das Thema wurde auf alle Fälle hochgebauscht und ist eher unspektakulär im Film, aber nun gut – ich hatte mit einer schlimmeren Umsetzung gerechnet und fand zumindest ein, zwei Ansätze für den Charakter ganz nett. Allerdings ist die Ergänzung des Charakters um diese Komponente fast überflüssig? Sie bringt weder groß etwas für die Handlung oder den Charakter selbst, sondern wirkt eher noch überdeutlich ‚auf schwul gemacht‘ wenn man so will. In der Hinsicht muss Disney echt noch eine Menge lernen.

Effekte und Logik ahoi!

Egal, ob Biest, die verzauberte Dienerschaft oder Rose, Effekte gibt es einige im Film, um das ganze Spektakel so anschaulich wie nur irgend möglich zu machen. Bei Be Our Gast (dt. Sei unser Gast) ist es manchmal schon etwas zu viel (wobei hier vermutlich das 3D ausgenutzt wird), aber ansonsten vergisst man schnell, dass es nicht Realität ist. Disney stopft auch ein paar der Logiklöcher aus dem Original, was ebenfalls positiv auffällt. Vor allem was die Dorfbewohner angeht, fand ich die Lösung super. Wahrscheinlich fallen manche Kleinigkeiten aber erst auf, wenn man den Film häufiger gesehen hat. Und hallo erst, späte Barock-/Rokokomode beim Ball! Fragt nicht, aber mich hat das glücklich gemacht, genauso wie die Einbindung der Schminke und die Kameraführung im Prolog.

Anschauen, ja, nein, vielleicht?

Beim Tippen hatte ich gerade das Gefühl etwas negativ gestimmter zu sein als es tatsächlich der Fall ist? Ich hatte großen Spaß während der knapp 130 Minuten Laufzeit des Films und habe mit den Charakteren gelacht genauso wie gelitten (diese e i n e Szene bricht einem einfach das Herz!). Fakt ist allerdings, dass ich genau die Zielgruppe bin, die mit diesem Film abgeholt werden soll und das man das Original schon lieben sollte. Wenn ihr den ersten Schöne und das Biest Film nicht mochtet, werdet ihr auch hiermit keinen Spaß haben. Vielleicht wäre eine etwas offenere Neuinterpretation à la Cinderella gar nicht schlecht gewesen, aber dafür kann man immer noch auf den wunderbaren La belle et la bête (2014) ausweichen. Ich freue mich darauf, die DVD später noch mehrmals sehen zu können, aber erstmal bleibt das Original für mich der bessere Film.

Die Schöne und das Biest (2017) läuft seit dem 16. März 2017 in den deutschen Kinos.

[Gesehen] Anastasia – Die rätselhafte Geschichte der letzten Zarentochter

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Nächsten Monat starten am Broadway die Previews zum Musical Anastasia, welches vom gleichnamigen Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1997 inspiriert ist. Ich liebe diesen Film und fiebere schon sehr dem Cast Recording entgegen, da vorerst ein Trip nach New York nicht drin ist… Gott sei Dank muss man aber manchmal gar nicht so weit weg, um etwas ähnliches erleben zu können: Im Musical Theater Bremen hatte ich letzte Woche das Glück, Anastasia – Die rätselhafte Geschichte der letzten Zarentochter zu sehen.

„Die Menschheit will doch glauben, dass Anastasia noch lebt! Also geben wir Ihnen, was sie wollen!“ – Oleg Rasputin

Dieses Musical setzt sich unabhängig von dem Zeichentrickfilm mit der Legende um Anastasia Nikolajewna Romanowa und ihrem vermeintlichen Überleben auseinander. Ähnlich wie in der Filmversion existieren auch hier Gerüchte dazu und ihre Großmutter schreibt eine Belohnung für jeden aus, der Hinweise auf den Verbleib der letzten Zarentochter bringen kann. Die Handlung wechselt daneben immer zwischen den Geschehnissen um Anna, die ihre Erinnerungen verloren hat und in einem Waisenhaus in Sankt Petersburg lebt, und von einem ehemaligen Palastangestellten als Anastasia erkannt wird und den Geschwistern Rasputin. Diese beiden sind Nichte und Neffe von Grigori Rasputin und besitzen ein Tagebuch von diesem, mit dem sie erhoffen an das große Vermögen der Romanows zu kommen.
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Anastasia ist als Familienmusical konzipiert und kann gut verstanden werden, selbst wenn man die historischen Hintergründe nicht kennt. Schön fand ich, wie trotzdem Franziska Schanzkowska und das kleine Paar eingebaut wurden und das ab und zu auch russische Wörter fallen durften. Die Songs haben mir durch die Bank gefallen, vor allem Ist das gerecht?, Rasputins Rache und Ist sie Anastasia? (Battle). Bei meiner Vorstellung hatte das Team leider noch etwas Probleme mit der Musik, sodass ein paar Übergänge nicht ganz geklappt haben, aber das war zu verschmerzen. Dafür gab es viele tolle Choreografieren und die Kinderdarsteller haben alle großartige Leistungen abgeliefert. Vor allem die tanzenden Schaufensterpuppen in Kleider machen Leute waren der Hammer!

Ich würde es dem Musical gönnen, wenn es etwas mehr Aufschwung bekäme um auch über einen etwas längeren Zeitraum als einige Tage aufgeführt zu werden – Lust es noch mal zu sehen und die Songs zu hören, hätte ich alle Mal! Auf der Präsentations-CD finden sich vorerst nämlich leider nur vier der achtzehn Songs… Es gibt auch eine Videovorschau, für die auf Material aus der Aufführungsphase von 2013 zurückgegriffen wurde. Man merkt, dass zwischenzeitlich noch einmal am Stück gefeilt wurde, aber für einen ersten Eindruck finde ich das Video gar nicht verkehrt:

[Gesehen+Gelesen] Assassin’s Creed

Im November 2007 erschien das erste Spiel der Reihe Assassin’s Creed, dass den Spieler gemeinsam mit Desmond Miles in die Welt der Templar und Assassinen geworfen hat. Fast zehn Jahre – und neun Spiele in der Hauptreihe – später ist die gleichnamige Realverfilmung zum Franchise da. Gecastet wurden für die Hauptrollen unter anderem Michael Fassbender, Marion Cotillard und Jeremy Irons, Regie führte Justin Kurzel. Die Kombination klang super und die Vorfreude auf den Film war von meiner Seite aus groß. Dementsprechend rasch war ich auch im Kino, um den Film zu sehen.

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We work in the dark to serve the light. We are assassins.

Videospielverfilmungen haben immer den Ruf nicht besonders gut zu sein und teilweise ist das auch begründet. Ist Assassin’s Creed die perfekte Verfilmung geworden? Nein. Der Film ist aber solide und auf einem guten Weg! Sollte ein zweiter Teil produziert werden, bin ich mir sicher, dass er eine gute Basis hat, um sich wirklich steigern zu können. Mit der lieben Katrin gab es eine etwas längere Unterhaltung zu unseren Eindrücken vom Film und auch etwas Drumherum – diese findet ihr weiter unten im Beitrag. Wir halten uns in dem Video allerdings nicht mit Spoilern zurück, seid also gewarnt!

Einer der Schwachpunkte des Films ist sicherlich, dass für viele Hintergrundgeschichten oder innere Entwicklungen der Figuren wenig Zeit da ist. Assassin’s Creed konzentriert sich sehr stark auf die Figur des von Fassbender verkörperten Callum Lynch, wodurch selbst die Szenen innerhalb des Animus begrenzt werden. Die Handlung ist nicht wie in den Spielen primär in der Vergangenheit, sondern fast gleichwertig in Vergangenheit und Gegenwart angesiedelt. Dazu kommt, dass der Film etwas an Dialogen spart: Vieles muss man der Körpersprache und Mimik der Schauspieler entnehmen. Genauso scheuen die Filmemacher davor, eine zu hohe Altersbeschränkung zu erhalten, wodurch der Film für das bearbeitete Thema erstaunlich harmlos daherkommt.

Interessanterweise sind viele diese Punkte dem Film zwar anzukreiden, in einem anderen Medium können sie aber aufgegriffen und teils anders dargestellt werden. Christie Golden hat (basierend auf dem Drehbuch) einen Roman zu Assassin’s Creed verfasst, der mir im Vergleich zum Film viel mehr Spaß gemacht hat. Gerade, weil hier Szenen mehr ausgearbeitet sind oder man den Gedankengängen der Figuren folgen darf. Vor allem die Gedankengänge der Figuren sorgen teilweise dafür, dass mehr Tiefe in die Handlung kommt, und die starke Schwarz-Weiß Zeichnung der Charaktere relativiert wird. Zwar folgt Golden natürlich den Geschehnissen des Films, aber es kommt nie das Gefühl von Lieblosigkeit auf. Der Roman liest sich fließend und spannend und kann auch ohne den Film auf eigenen Beinen stehen. Ich würde sogar fast so weit gehen zu sagen, dass der Film die bessere Ergänzung zum Buch ist… Wobei ja noch zu hoffen bleibt, dass sich auf der DVD/Blu-Ray einige geschnittene Szenen verstecken.

Aprospos DVD/Blu-Ray: Die Veröffentlichung dieser ist bereits  für Ende April angekündigt. Aktuell läuft der Film sowohl in 2D als auch 3D in den deutschen Kinos (das 3D lohnt dabei nur bedingt) und ist ab 16 Jahren freigegeben. Ich hätte auf jeden Fall nichts dagegen, eine weitere Verfilmung mit Fassbender und co. zu sehen und freue mich schon auf meine DVD 🙂

Trivia: 2015 hat das Gespann Kurzel-Fassbender-Cotillard bereits gemeinsam Macbeth gedreht; Jed Kurzel war bei beiden Filmen für die Musik zuständig.


BUCHDETAILS

Verlag: Ubisoft Publishing
ISBN: 9781945210235
Erscheinungsdatum: 21.12.2016
 Rating: 5/5

[Gelesen+Gesehen] Fantastic Beasts and Where to Find Them

2016 ist für Potterheads ein ausgesprochen gutes Jahr. Mit Harry Potter and the Cursed Child gibt es seit dem Sommer eine neue Geschichte von J.K. Rowling, in der wir unter anderem auch dem goldenen Trio wiederbegegnen, drei kurze Anthologien mit Hintergrundinformationen kamen im September heraus und seit Mitte November ist es möglich, in ein ganz neues, anderes Kapitel der Zaubererwelt einzutauchen: Fantastic Beasts and Where to Find Them.

fbawtftDie Geschichte, die Rowling in fünf Filmen erzählen möchte, spielt zeitlich gut sechzig Jahre vor den Ereignissen in Harry Potter. Der Zauberer Newt Scamander reist 1926 nach New York mit einem mysteriösen Koffer, in dem etliche magische Tierwesen verstaut sind. Man nimmt der Handlung nicht zu viel voraus, wenn man sagt, dass ihm dadurch einige Schwierigkeiten entstehen -sowohl in der magischen Welt als auch in der der No-Maj (der amerikanische Begriff für Muggle).

Fanastic Beasts ist als Schulbuch bereits 2001 im Rahmen von Comic Relief erschienen. Dem dem Leser wird Autor Scamander eigentlich nur am Rande kurz vorgestellt, da es in erster Linie ein kleines Lexikon zu magischen Tierwesen ist. Gespickt mit Anmerkungen von Harry und Ron im Text ist das Buch keine hundert Seiten lang, wodurch im Vorfeld schon die Frage war, wie daraus eine mehrteilige Filmreihe konzipiert wird.

Newt Scamander : „My philosophy is that worrying means you suffer twice.“

Es gibt zwei große Handlungsbögen in der Geschichte von Fantastic Beasts: Die Tierwesen aus Newts Koffer und Gellert Grindelwald. Ich finde es spannend, wie Rowling diese beiden verknüpft und gerade mit letzterem den (wahrscheinlich) übergreifenden Handlungsstrang für die ganze Filmreihe anlegt. Ebenso gefallen mir die Querverweise zwischen Fantastic Beasts und der Harry Potter Reihe bisher sehr gut!

Als Ergänzung zum Film finde ich das Drehbuch sehr gelungen und hatte sehr viel Vergnügen dabei, die Geschichte nach dem Kinobesuch so noch einmal Revue passieren zu lassen. Das Design und die Illustrationen durch MinaLima sind im wahrsten Sinne des Wortes goldig! Das Drehbuch wurde ebenfalls von J.K.Rowling geschrieben und ist in einer wirklich wunderschön gestalteten Ausgabe ein paar Tage nach Filmstart erschienen. Ob es Not tut, neben dem Film auch eine Buchausgabe des Drehbuchs zu haben, ist sicherlich diskutierbar. Mir hat es im Nachhinein aber doch geholfen, einiges noch mal in Ruhe nachlesen zu können. Der Dialog des Films ist vollgestopft mit Informationen, Anspielungen, Humor und und und, was manchmal neben dem Visuellen beim Schauen einfach untergegangen ist. Deswegen bin ich unter anderem auch überzeugt, dass mir der Film noch mehr gefallen wird, wenn ich ihn öfter gesehen habe. Beim Lesen des Drehbuchs fand ich es außerdem interessant zu sehen, wie anders manche Szenen sich lesen im Gegensatz dazu wie sie im Film wirken. Besonders bei einer Szene verändert sich die Wirkung komplett durch ein Komma und eine angegebene Emotion für mich.

Geht ein Muggle in ’ne Bank…

Ich hatte das Vergnügen den Film gemeinsam mit der lieben Orc im Kino zu sehen und wir haben einige Tage später mit Katrin über das Gesehene gesprochen. Mein Internet mochte an dem Abend zwar leider nicht so ganz, aber das Gespräch mit den beiden hat einige spannende und lustige Aspekte mit sich gebracht – vielen Dank noch einmal an euch beide dafür 🙂


BUCHDETAILS
Verlag: Little, Brown Book Group
ISBN: 9781408708989
Erscheinungsdatum: 19.11.2016
Rating: 5/5

[Gesehen] The Picture of Dorian Gray

In den letzten ein, zwei Jahren kann ich mich immer mehr und mehr für Theater begeistern und sehe sehr regelmäßig Stücke – sei es direkt vor Ort oder mittels der wunderbaren Übertragungen von National Theatre Live im Kino. Theater hat immer etwas flüchtiges: Keine Aufführung ist eins zu eins identisch mit der nächsten, man kann sie nicht ‚festhalten‘ und nach einer gewissen Laufzeit enden die Stücke in der gezeigten Form… Aber diese Umstände machen es auch wieder zu etwas besonderem und einem sehr persönlichen Erlebnis. In Frankfurt am Main wird noch bis zum 27. Oktober ein ganz spannendes Stück im English Theatre aufgeführt: The Picture of Dorian Gray. Eigentlich ein Roman von Oscar Wilde, wurde es von seinem Enkel Merlin Holland und John O’Connor in ein Theaterstück adaptiert. Relativ spontan haben die liebe K. und ich uns Karten geholt und das Stück Anfang Oktober zusammen gesehen.

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Um die Handlung kurz zu umranden: The Picture of Dorian Gray spielt im viktorianischen London. Dorian Gray ist ein junger, unschuldiger Mann, der von einem Maler porträtiert wird. Beim Anblick des fertigen Gemäldes äußert er den Wunsch, es möge an seiner statt altern – und der Wunsch wird Realität. Fortan bleibt Gray trotz seines sich rapide ändernden Lebensstils makellos und nur im Gemälde zeigen sich die Auswirkungen seines Handelns.

„Each of us has heaven and hell in him.“

Fürs Theater wird das Stück in die Gegenwart geholt. Statt eines Malers ist Basil nun zum Beispiel ein Künstler, der mit Videotechnik das Gemälde von Dorian in einem fast schon klinisch-weißen Studio filmt. Die Einbindung von Laptop, Videokamera, Smartphone und co. funktioniert erstaunlich gut und auch die leichte Elektromusik während der Szenenwechsel ist stimmig. Es gibt kein großes Ensemble, sondern sämtliche Rollen werden von vier Schauspielern gespielt, die dafür Requisiten und Akzente einzusetzen verstehen. Um die Modernisierung etwas stärker herauszuarbeiten, gibt es quasi eine Geschichte in der Geschichte – die Auflösung dieses Kunstgriffs am Ende fand ich sehr genial, wenn ich auch erst etwas über die Verschachtelung nachdenken musste. Die Entwicklung von Dorian wird durch das Bühnenbild unterstützt: Die Farben variieren von einem fast grellen unschuldigem Weiß in Akt I zu einem sehr düsteren und leicht bedrückenden Akt II. Als Zuschauer sieht man das Gemälde selbst nicht, sondern nur den Rahmen von der Rückseite; man wird selber zum Spiegel. Teilweise sind auch verspiegelte Flächen im Bühnenbild, sodass sich das Publikum tatsächlich spiegelt.

Es ist natürlich immer wieder schade, dass ein Theaterstück nur für kurze Zeit und an einem festen Ort zu sehen ist, sodass nur eine gewisse Menge es erleben und rezipieren kann. Daher will ich auch nicht zu sehr diese spezifische Adaption besprechen. Was mir dieser Theaterbesuch allerdings wieder verdeutlicht hat ist, wie toll und erfrischend es doch sein kann, auch bereits bekannte Werke mal aus einem ganz anderen Blickwinkel zu sehen und auf sich wirken zu lassen. Die Bühnenadaption hat ganz andere Aspekte ins Stück eingebracht als zum Beispiel die Verfilmung von 2009 und generell besteht natürlich ein Unterschied zu den eigenen Gedanken und Interpretation, die beim Lesen des Werkes kommen. Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde ist eines meiner liebsten Bücher und es sollte spannend werden, es in absehbarer Zeit mit diesen neuen Ideen und Ansätzen im Hinterkopf zu lesen. Das ich diese wirklich gelungene Theateradaption zusammen mit K. erleben und mich später etwas mit ihr darüber austauschen konnte, freut mich umso mehr – vielen, vielen Dank auch an dieser Stelle noch einmal! ♥