Gelesen | The Southern Book Club’s Guide to Slaying Vampires von Grady Hendrix

Manche Autoren erfinden sich mit jedem Projekt neu, während andere ihre Nische suchen, finden und behaupten. Zu letzterer Sorte gehört definitiv auch Grady Hendrix. Seine Nische? Romane, die Horrortropen mit einem Twist präsentieren. Sei es ein verfluchtes (Möbel-)Haus, die Dämonen besessene beste Freundin oder ein Pakt mit dem Teufel – immer findet sich was vertrautes, das dann doch eine ganz andere Wendung nimmt. In seinem neusten Roman The Southern Book Club’s Guide to Slaying Vampires geht es um eine Kleinstadt, die eventuell, eventuell aber auch nicht ein Vampirproblem hat. Und wer könnte sich dem besser annehmen als ein Buchclub?

Grady Hendrix: The Southern Book Club's Guide to Slaying Vampires

Trigger-/Contentwarnungen
Rassismus und Klassismus | Vergewaltigung | Kindesmissbrauch | Machtmissbrauch in der Ehe | Sexismus | Gaslighting | Blut | Ratten / Kakerlaken | Suizidversuch

Klappentext

Patricia Campbell had always planned for a big life, but after giving up her career as a nurse to marry an ambitious doctor and become a mother, Patricia’s life has never felt smaller. The days are long, her kids are ungrateful, her husband is distant, and her to-do list is never really done. The one thing she has to look forward to is her book club, a group of Charleston mothers united only by their love for true-crime and suspenseful fiction. In these meetings, they’re more likely to discuss the FBI’s recent siege of Waco as much as the ups and downs of marriage and motherhood.

But when an artistic and sensitive stranger moves into the neighborhood, the book club’s meetings turn into speculation about the newcomer. Patricia is initially attracted to him, but when some local children go missing, she starts to suspect the newcomer is involved. She begins her own investigation, assuming that he’s a Jeffrey Dahmer or Ted Bundy. What she uncovers is far more terrifying, and soon she–and her book club–are the only people standing between the monster they’ve invited into their homes and their unsuspecting community.

 

Das ist gut

Im Fokus von The Southern Book Club’s Guide to Slaying Vampires steht eine Gruppe Hausfrauen, die dank einem gemeinsamen Buchclub über Jahre hinweg eine starke Freundschaft aufgebaut haben. In ihrer Kleinstadt kennt sich in den 80er und 90er Jahren noch gefühlt jeder, Türen werden nicht verschlossen und die Männer haben bei fast allem immer noch das letzte Wort. Hendrix zeigt wie Patricias Familie ein Teil dieser Gemeinschaft wird, und wie diese zu kippen beginnt als ein junger Mann kurze Zeit später ebenfalls zuzieht. Patricia lebt fast ausschließlich für ihre Familie und den Haushalt, und ich fand ihre Entwicklung sowie die starken Freundschaften, die sie mit den anderen Frauen schließt, unglaublich gut gezeichnet. Man bekommt durch jede einzelne Frau einen Blick hinter die Fassade und erkennt, wie viel Arbeit diese eigentlich leisten, um ihren Familien eine heile Welt bieten zu können. Der Vampir als ultimativer Parasit stellt da natürlich eine furchtbare Bedrohung da – aber er ist nicht der einzige Parasit, den Hendrix hier beschreibt, und fast sogar nicht der schlimmste. Und dabei bleibt es immer offen, ob es sich bei dem jungen Mann tatsächlich um ein übernatürliches Wesen handelt oder die Frauen nur sehen, was sie bedingt durch Patricias Interpretation sehen wollen.

“Sometimes she craved a little danger. And that was why she had book club.” | S. 31

Unterteilt ist das Buch nicht in Kapitel, sondern in Zeitabschnitte, die immer durch das Datum und die jeweilige Lektüre des Buchclubs gekennzeichnet sind. Wer True Crime Fiction mag, bekommt so nebenbei noch eine Handvoll Buchtipps geliefert.

Das ist weniger gut

Ich mochte The Southern Book Club’s Guide to Slaying Vampires sehr, da es irgendwie genau meinen Geschmack getroffen hat – aber es ist definitiv nicht ohne. Was sich vor allem stark durchzieht ist Gewalt gegen Frauen. Das schließt körperliche Gewalt wie eine Vergewaltigung ebenso ein wie Machtmissbrauch in der Ehe, und so ziemlich jeder männliche Charakter ist furchtbar. Hendrix hat ein eigentlich recht gelungenes Vorwort vor den eigentlichen Roman gesetzt, indem er unter anderem erklärt, weshalb hier drin Hausfrauen die Heldinnen sind, aber eine Liste mit Content- oder Triggerwarnungen wäre definitiv besser gewesen.

Fazit

Wer Lust auf einen Vampirroman der anderen Art und einen famosen fiktiven Buchclub hat, der wird mit The Southern Book Club’s Guide to Slaying Vampires seine helle Freude haben. Im Vorfeld lohnt allerdings ein Blick auf die Content- und Triggerwarnungen, denn dieser Horrorroman birgt einige unschöne Thematiken und Szenen in sich.


Weitere Eindrücke zum Buch findet Ihr bei The Library Ladies, The Coycaterpillar Reads, Hamlets & Hyperspace und What Jess Reads.


BUCHDETAILS | ANZEIGE

TASCHENBUCH: 408 SEITEN | VERLAG: QUIRK BOOKS (07.04.2020) | ISBN:  978-1683691457|  MEINE BEWERTUNG: 5/5

8 Gedanken zu “Gelesen | The Southern Book Club’s Guide to Slaying Vampires von Grady Hendrix

  1. Also ich habe Lust auf den Roman :D
    Bin hier über eine andre Kritik gelandet „we sold our souls“ und muss sagen, dass du mich da auf einen interessanten Autor aufmerksam gemacht hast.
    Das klingt so seltsam, dass ich das Buch auf jeden Fall lesen möchte!

    edit: ich mag diese eingeklappt-Funktion – hast du das n html code verwendet oder ein Plugin?

  2. Sehr spannend, dass du das Buch gelesen und besprochen hast – vielen Dank für den Einblick! Ich kenne von Grady nur „Horrorstör“ und fand das einerseits sehr cool, aber irgendwas fehlte mir. Ich kann bis heute schwer in Worte fassen, was es war. Vielleicht, dass sich soviele Konventionalitäten in das eigentlich irrwitzige Setting geschlichen haben.
    Aber auf Goodreads sah ich dann das und weil ich selber Teil eines Buchclubs bin, war ich da schon sehr angefixt, es nochmal mit ihm zu probieren. Bin ich jetzt umso mehr!

    • Im Laufe des Jahres möchte ich ‚Horrorstör‘ und ‚My Best Friend’s Exorxism‘ noch mal rereaden, einfach um zu sehen, inwiefern sich Hendrix entwickelt hat und ob mich diese Bücher jetzt noch begeistern. ‚Horrorstör‘ punktet am meisten durch sein witziges Design, und man hätte noch viel mehr rausholen können… mal sehen, welches Horrorthema er als nächstes bearbeitet.

      ‚The Southern Book Club’s Guide to Slaying Vampires‘ ist definitiv sein stärkstes Buch bisher! Und wenn du Teil eines Buchclubs bist, wird dir der Aspekt im Buch bestimmt auch Spaß machen :)

  3. Liebe Janine.
    allein der Titel ist ja schon der Knaller, und dank deiner Rezension ist das Buch gleich auf meiner Wunschliste gelandet. Vielen Dank dafür und liebe Grüße
    Kerstin

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