[Gelesen] Ich bin Princess X

Princess X – das ist die Figur, die sich die besten Freundinnen Libby und May in der fünften Klasse ausdenken. May schreibt die Abenteuer der Prinzessin, Libby setzt sie als Comic zeichnerisch um. Das findet allerdings ein abruptes Ende, als Libby bei einem Unfall stirbt. Als May ein paar Jahre darauf aber plötzlich überall in der Stadt Sticker der Prinzessin findet, fängt sie an zu zweifeln. Was ist damals wirklich mit ihrer Freundin geschehen?

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Gemeinsam mit Patrick, der im selben Mietshaus wohnt wie sie, versucht May dem ganzen Mysterium auf die Schliche zu kommen.Ist Libby damals vielleicht gar nicht gestorben oder hat irgendjemand den Charakter der beiden Mädels adaptiert? Die Sticker verweisen auf einen Webcomic, dessen Geschichte Hinweise zu enthalten scheint.

Eine Prinzessin in Text und Bild

Cherie Priest schickt May in Ich bin Princess X auf eine spannende Suche nach der Wahrheit, die immer wieder mit tollen Illustrationen von Kali Ciesemier versetzt ist. Denn wie kann man besser eine Geschichte mit und über (Web-)Comics schreiben, als mit Comicseiten zwischendrin?! Die Entscheidung, die Illustrationen dabei alle in Lilatönen zu halten, finde ich sehr gelungen und passend. Dadurch hat die Prinzessin gleich was eigenes und knallbunte Seiten zwischendrin würden einfach nicht so gut passen. Durch das Wechselspiel des Textes und der Illustrationen lassen sich immer wieder Parallelen in den Geschichten entdecken. Das gibt der Autorin die Möglichkeit, auch teilweise sehr düstere Themen altersgerecht zu verarbeiten – denn auch wenn May bereits 17 Jahre alt ist, ist das Buch für die etwas jüngere Altersstufe ab 14 Jahren gedacht.

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Der Bildschirm flackerte und der Rechner fuhr hoch. Jetzt begann das Märchen richtig. May las und las und las. – S. 90

Diese Altersempfehlung muss man auch etwas im Hinterkopf behalten: Die Geschichte ist an manchen Stellen etwas vorhersehbar und sehr fantastisch. Ich habe trotzdem sehr mit May mitgefiebert und war gespannt, was sich hinter der Geschichte um Princess X versteckt.

Freundschaft überwindet alles

Jugendbücher greifen sehr häufig Liebe als Thematik auf. Da bei Ich bin Princess X die noch etwas jüngeren Jugendlichen angesprochen werden soll, ist das ausnahmsweiße mal nicht der Fall. Ich fand es sehr angenehm mal eine Geschichte in diesem Genre zu lesen, in der so ein starker Fokus auf die Freundschaft gelegt wird! Und das auch zwischen Jungen und Mädchen. Drei verschiedene Freundschaften tauchen in der Geschichte von Priest auf, jede mit einem etwas anderem Aspekt, aber einer großen Gemeinsamkeit: Sie schweißt die Charaktere zusammen und hilft ihnen, sich ihren Problemen zu stellen und diese zu überwinden.

Cherie Priest hat mit dieser Geschichte ein kleines Kleinod geschaffen, dass ich sicher noch das ein oder andere mal in die Hand nehmen werde. Man fliegt nur so durch die 268 Seiten und ist gespannt, wie es für Libby und May ausgehen wird. Im Buch gibt es ein paar technische Verweise, die vermutlich etwas vereinfacht dargestellt werden beziehungsweise in den Bereich des Fantastischen fallen… Aber hey, es ist ein Jugendthriller mit Comicelementen, da kann ich in diesem Fall auch mal drüber wegsehen.


Weitere Meinungen zu Ich bin Princess X findet ihr bei
Buchstabenträumerei | Büchersüchtiges Herz | Books Are True Adventures


BUCHDETAILS

Verlag: Bloomoon
Illustrationen: Kali Ciesemier
Übersetzerin: Doris Hummel
ISBN: 9783845812298
Erscheinungsdatum: 12.01.2016
 Rating: 4/5

[Gelesen] Der Raum

Hohe Mieten, nicht immer auch hohe Löhne – Los Angeles ist wie viele Großstädte nicht leicht zu finanzieren. Umso gelegener kommt es Nate Tucker, als er durch Zufall vom Kavach-Haus erfährt und dort ein Ein-Zimmer-Apartment beziehen kann. Ob er sich damit aber wirklich einen Gefallen getan hat, beleuchtet Peter Clines in seinem Roman Der Raum.

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„Ich hatte Zeit, mich daran zu gewöhnen, Kumpel“, sagte Roger. „Mit kleinen Schritten in den Wahnsinn.“ Xela lächelte ihn an. „Wie poetisch.“ – S. 415

Ein Haus voller Geheimnisse

Nate ist Anfang Dreißig und sitzt in einem schlechtbezahlten Job fest. Irgendwie hat er nie den Sprung vom College auf die Karriereleiter geschafft, und als seine Mitbewohner die gemeinsame WG verlassen, muss eine neue, günstige Bleibe her. Das Kavach-Haus klingt da wie ein Traum: Das Haus aus dem 19. Jahrhundert liegt relativ zentral und bietet sehr erschwinglichen Wohnraum. Die Gelegenheit ergreift Nate beim Schopf, auch wenn sich gleich nach seinem Einzug gewisse Merkwürdigkeiten, sowohl in der Wohnung als im Haus an sich, zeigen. Glühbirnen aller Art strahlen immer nur Schwarzlicht in der Küche aus, Wohnungstüren sind versiegelt oder mit zig Schlössern gesichert… Nates Neugier wird geweckt, und das Abwimmeln des Hausmeisters unterstützt dies nur noch. Gemeinsam mit Nate geht der Leser auf Erkundungstour durch das Haus und lernt nach und nach die anderen Bewohner kennen. Schnell verbindet diese ungleiche Gruppe die gemeinsame Neugier, was sich hinter ihrem Wohnort verbirgt.

Wenn die Handlung Purzelbäume schlägt

Man muss sich darauf einlassen, dass Der Raum immer wieder Wendungen in petto hält. Nach Klappentext und Titel hatte ich erwartet, dass sich die Geschichte hauptsächlich um Nates neue Wohnung dreht, aber es wird schnell deutlich, dass es um das gesamte Haus und einen ganz anderen Raum gehen wird. Das Kavach-Haus ist ein Mysterium, und je mehr die Mieter versuchen, etwas über das Haus und seine Ursprünge zu erfahren, desto mehr verstricken sie sich in dessen Geschichte. Erfreulicherweise nimmt einem der Klappentext wenig von der Handlung vorneweg, sodass die verschiedenen Überraschungen, die Peter Clines für den Leser bereithält, allesamt funktionieren. Der Roman hat allerdings eine Übernatürliche Komponente, auf die man sich im Vorfeld vielleicht einstellen sollte.

Kommst du mit die Welt retten?

Alle Mieter, von der Künstlerin über den Glaubensfanatiker bis hin zum pensioniertem Verleger, wachsen einem über die 592 Seiten ans Herz und die Dialoge sind einfach nur herrlich. Ab und an fließen auch Popkultur Referenzen ein, die sich aber sehr organisch einfügen und nicht herausstechen. Peter Clines unterteilt das Buch in Abschnitte, deren Überschriften immer grob die kommenden Ereignisse beschreiben… was man aber immer erst wirklich am Ende des jeweiligen Abschnitts versteht. Und das sich die Einsätze mit jedem Abschnitt erhöhen und am Ende sogar das Schicksal der Welt in den Händen unserer Mietergemeinschaft liegt, wirkt zu keinem Zeitpunkt übertrieben. Die einzelnen Kapitel haben eine gute Länge und es treten nie Längen per se im Text auf. Normalerweise brauche ich immer eine gewisse Zeit für solche Wälzer, aber Der Raum las sich mit gut fünf Tagen fast viel zu schnell. Einerseits bin ich daher traurig, dass für den Autoren laut Nachwort diese Geschichte zu ende erzählt ist – andererseits hat Clines auch einfach einen super Abschluss gefunden! Generell gibt es nichts, was ich an Der Raum verändern würde… Das Kravach-Haus ist -genauso wie das Gebäude aus House of Leaves– eines der literarischen Bauwerke, zu denen ich gerne später zurückkehren werde. Und da die Geschichte es eigentlich hergibt, hoffe ich, dass sich vielleicht irgendwann ein Filmemacher vielleicht für den Stoff begeistert und dieses großartige Haus in einer Miniserie oder Film zum Leben erweckt wird.

VIELEN DANK AN HEYNE FÜR DAS REZENSIONSEXEMPLAR!

Weitere Eindrücke zu Der Raum gibt es hier:
Lesenswertes aus dem Bücherhaus | Kultplatz | KreachivBuchwelten


BUCHDETAILS

Verlag: Heyne
Übersetzer: Marcel Häußler
ISBN: 9783453316423
Erscheinungsdatum: 10.04.2017
 Rating: 5/5

[Gelesen] Des Teufels Gebetbuch

Auf manche Bücher freut man sich im Vorfeld so sehr, dass dann beim tatsächlichen Lesen schnell eine gewisse Ernüchterung auftritt. Ein Kartenspiel, das tötet, ein Pik auf dem Cover – mehr hat Des Teufels Gebetsbuch neben Markus Heitz als Autor nicht gebraucht, um zuerst auf meine Wunschliste und kurz darauf in mein Regal zu wandern. Nach knapp zwei Monaten habe ich es nun ausgelesen – und irgendwie konnte es mich nie wirklich in seinen Bann ziehen.

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Die verflixten Karten

Tadeus Boch ist ein ehemaliger Spielsüchtiger, welcher nun versucht seine über die Jahre angehäuften Schulden peu à peu abzustottern. Durch eine Verkettung von allerlei Umständen landet er als Begleitperson bei einer privaten Spielrunde, welche das Kartenspiel Supérieur nach besonderen Regeln spielt: Sobald ein Spieler das Pikass zieht, muss er sich entweder selber richten oder töten lassen, sein Einsatz geht dann in den Pott für die restlichen Spieler. Unter den Einsätzen befindet sich ein außergewöhnliches Exemplar einer historischen Spielkarte, deren Deck bei Sammlern heiß begehrt ist – und auch Boch in ihren Bann zieht. Gemeinsam mit Hyun, die Boch bei dieser Spielrunde kennenlernt, geht es den Großteil des Buches auf eine Schatzsuche nach weiteren Karten aus dem Deck und der Magie dahinter.

Von A nach F über K zu Z

Neben dem Handlungsstrang von Boch und Hyun springt die Geschichte zum einen in der Welt und auch in der Zeit hin und her. Die Entstehung der Karten im Leipzig des 18. Jahrhundert wird durch Heitz dabei genauso beschrieben wie die Spurensuche in der Gegenwart – den natürlich jagen nicht nur die Hauptfiguren sondern auch einige zwielichtige Gestalten den Karten hinterher. Mich hat das tatsächlich etwas gestört, denn immer wenn es spannend wurde, wechselte der Schauplatz und Charakter. Da dabei zum Beispiel die Gegenspieler nicht wirklich an Tiefe dazugewinnen, wirkte es etwas erzwungen und es gibt viele kleine Kapitel, die die Handlung nicht wirklich voranbringen.

Mythen und Legenden

Ein Aspekt, den Heitz auch in einem recht ausführlichen Anhang ergänzt, ist die Geschichte hinter dem Kartenspiel und der titelgebenden Begrifflichkeit. Darüber mehr zu erfahren, hat mir sehr gefallen, und die Geschichte hätte sicherlich auch gut ohne Einbindung einer übernatürlichen Komponente funktionieren können. Diese hatte ich im Vorfeld nicht in diesem Buch erwartet und mochte sie leider auch nicht sonderlich. Heitz verliert sich hierfür zu sehr in der Faust-Thematik und nennt im Verlauf zu viele unterschiedliche Religionen ohne näher auf diese einzugehen. Eine schöne Ergänzung allerdings sind die Zitate, die den einzelnen Kapiteln vorstehen, und welche immer einen Bezug zu Karten und dem Glückspiel haben.

Ich mag es mit etwas Abstand noch einmal mit diesem Buch probieren, weil in der Theorie einfach zu viele Aspekte vertreten sind, die mir sehr zusagen. Und wer weiß, vielleicht habe ich einfach den falschen Zeitpunkt zum Lesen von Des Teufels Gebetbuch erwischt?


Andere Stimmen zum Buch findet ihr bei
Captain Fantastic | Buchblögchen | Bella’s Wonderworld | reisswolfblog 


BUCHDETAILS

Verlag: Knaur
ISBN: 9783426654194
Erscheinungsdatum: 01.03.2017
Bewertung: 3/5

[Momentan] KW 23 / 2017


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FILME
Der erste Trailer zu Murder on the Orient Express ist da und gefällt mir visuell sehr. Bisher kenne ich von Agatha Christie nur And Then There Were None als Buch und Serienadaption, aber bis zum Starttermin mag ich auf jeden Fall die Vorlage zum Film lesen.

MUSIK
Wenig überraschend, aber Lang Lebe der Tod von Casper erscheint nicht Ende Juni sondern (vielleicht) am ersten September. Bis auf den gleichnamigen Song ist von diesem Album auch noch nichts bekannt, daher heißt es erstmal weiter warten. Apropos warten: Nur noch fünf Monate bis zum Konzert mit L.!

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[Ausgepackt] illumicrate # 7 | Mai 2017

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Illumicrate ist eine Bücherbox aus Großbritannien, die einen vierteljährlich mit Büchern und Co. überrascht. Die Versandkosten variieren, je nachdem wo man lebt, zwischen 4,99 und 13,99 Pfund, die Box selber kostet 29,99 Pfund.

Mit der Illumicrate ist es immer ein auf und ab -ich werde das Abo am Ende des Jahres mal überdenken- aber die Box fürs zweite Quartal hat mir insgesamt gut gefallen. Es gab viele Goodies, mit denen ich etwas anfangen kann bzw. mit denen ich anderen eine Freude mache, und die Bücher hören sich zumindest interessant an, obwohl ich vorher noch nichts von ihnen gehört habe.

Wer den Inhalt der Box nicht lesen oder sehen mag, sollte hier stoppen!


Die Goodies

In der Maibox waren drei Goodies aus der Rubrik Papeterie: Zum einen ein Türhängeschild sowie ein Druck von TJ Lubrano mit herzallerliebsten Die Schöne und das Biest Motiven, zum anderen ein Lesezeichen von Penguin Co. Zum Buch Taste of Blue Light von Lydia Ruffles war ein Schwung Postkarten dabei, sowie ein Poster zu Windfall von Jennifer E. Smith.

Eine Tasse mit Feyre Illustrationen von Merwild war eines der größeren Goodies, ebenso wie die Mermaid Lagoon Kerze von Flickerink. Zu Juno Dawsons The Gender Games gab es einen Button und von Nutmeg and Arlo dazu noch einen Schlüsselanhänger mit Swish and Flick (wutschen und wedeln <3)  Motiv.

Die Bücher

In dieser Box waren erneut zwei Bücher drin und zwar -wie in der Box zuvor- ein Taschenbuch und ein ARC (=advance reader copy bzw. Leseexemplar). Von beiden Titeln hatte ich im Vorfeld gar nichts mitbekommen, es waren also definitiv Überraschungen!

Das Hauptbuch in dieser Box ist Truth or Dare von Non Pratt, welches direkt von der Autorin signiert ist. Einen Klappentext hat das Buch nicht, da das Cover mit zwei verschiedenen Hintergründen (Blau und Gelb) auf die Vorder- und Rückseite gedruckt ist. Das Buch fällt auf jeden Fall ins YA Contemporary Genre. Mit dabei lag auch ein Brief der Autorin, in dem sie etwas auf die Entstehung des Buches eingeht.

Als Zugabe fand sich The Waking Land von Callie Bates nebst passendem Lesezeichen und Brief der Autorin in der Illumicrate. Dieses Buch ist der Auftakt zu einer Fantasy Trilogie, die perfekt für Fans von Leigh Bardugo und Naomi Novik sein soll. Leigh Bardugo mag ich ja furchtbar gerne, also hoffen wir mal, dass mich dieses Buch tatsächlich begeistern wird.
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BUCHDETAILS

Truth or Dare
Verlag: Walker Books
ISBN: 9781406366938
Erscheinungsdatum: 01.06.2017

The Waking Land
Verlag:
Hodder & Stoughton
Das Buch erscheint am 29. Juni 2017

[Gelesen] Geständnisse

Der letzte Schultag vor den Sommerferien ist gleichzeitig auch der letzte Arbeitstag der Lehrerin Moriguchi. Wenige Wochen zuvor ist ihre vierjährige Tochter in der Schule, in der ihre Mutter unterrichtet, ums Leben gekommen. Der Vorfall wurde als tragischer Unfall eingestuft, aber Moriguchis Klasse wird bald eines besseren belehrt: In einem unglaublichen Monolog eröffnet die Lehrerin ihnen in der letzten Stunde, dass ihre Tochter ermordet wurde. Die Täter, die sie nur als Schüler A und Schüler B bezeichnet, sitzen mitten unter den Kindern. Mit einer Racheaktion, die es in sich hat, fängt damit eine verherende Kettenreaktion an.

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„Gestörte Liebe, gestörte Disziplin, gestörte Erziehung, gestörte menschliche Beziehungen.“ – S. 108

Geständnisse von Kanae Minato ist ein Buch, in das man sich zuerst etwas einfinden muss. Dialoge finden sich nur wenige in den 272 Seiten, und allein das erste Kapitel liest sich fast wie eine gut 70 Seiten lange Kurzgeschichte. Dadurch gelingt es Minato, die Gedanken- und Gefühlswelt ihrer Charakter dem Leser unheimlich nah zu bringen – und in Anbetracht der Ereignisse ist das eine echte Meisterleistung!

Kinder können grausam sein

Haben die Schüler wirklich etwas mit dem Tod der kleinen Manami zu tun? Wie ist das Mädchen in das Schwimmbecken gefallen? Und was löst die Mutter mit ihrer Eröffnung vor der Klasse aus? Das ist nur ein kleiner Bruchteil der Fragen, die in Geständnisse aufkommen. Jedes Kapitel wird von einem anderen Charakter erzählt, mal als Vortrag, dann als Brief oder Tagebucheintrag. Nach und nach setzt sich so für den Leser ein Gesamtbild dessen zusammen, was Manamis Tod herbeigeführt hat, sowohl im davor als auch danach. Die Charaktere hingegen sehen diese Zusammenhänge nicht, was einige Konsequenzen mit sich bringt. Denn wie geht man allein mit vermeintlichen Mördern in der eigenen Klasse um? Die betroffenen Kinder sind in der Mittelstufe und noch strafunmündig, können also nicht durch offizielle Kanäle bestraft werden. Kurzerhand übernimmt die Klasse die Bestrafung und zeigt einiges an perfider Kreativität dabei.

Mütter aller Couleur

Die einzelnen Kapitel von Geständnisse bauen aufeinander auf und mit jeder Seite zeigen sich neue Facetten. Handlungen, die vorher unbegreiflich schienen, erhalten dadurch Tiefe und man kann nachvollziehen, wie die Charaktere zu bestimmten Schlüssen und Reaktionen kommen. Ein spannendes Thema, welches sich ebenfalls durch das Buch zieht, ist die Person der Mutter. Drei verschiedene Mütter mit unterschiedlichen Ansätzen tauchen im Laufe der Geschichte auf, und keine ist die ‚perfekte‘ Verkörperung dieser Rolle. Aber gibt es sowas überhaupt? Und inwiefern ist eine Mutter Schuld an den Handlungen ihres Kindes?

Der Flügelschlag eines Schmetterlings

Verschiedene Ereignisse führen zu der Tat von Moriguchi, ebenso löst sie weitere Grausamkeiten aus. Das dichte Netz, das Minato spinnt, zieht sich mit jeder Seite enger und macht Geständnisse zu einem vielschichtigen, komplexen Roman. Als Leser kann man auf die nächste Wendung warten, genauso aber viele moralische und ethische Fragen an sich selbst stellen. Die Sprache ist zwar relativ einfach gehalten, aber die Geschichte ist keineswegs nur etwas für Schüler in der Mittelstufe! Milch werde ich sicherlich für längere Zeit nicht mehr mit den selben Augen sehen…

Zu dem Buch existiert bereits eine Verfilmung, den Trailer könnt ihr h i e r sehen. 

Vielen Dank an C. Bertelsmannfür das Rezensionsexemplar!

Weitere Eindrücke zu Geständnisse gibt es hier:
Claudias Wortwelten | Sinas Lesewelt | Eulenmatz Liest | Sternenbrise | Tentakelbuch


BUCHDETAILS

Verlag: C. bertelsmann
Übersetzerin: Sabine Lohmann
ISBN: 9783570102909
Erscheinungsdatum: 27.03.2017
 Rating: 4/5

[Gelesen] Wer war Alice

Je länger ich darüber nachdenke, desto faszinierter bin ich von Wer war Alice. Die Geschichte entfaltet sich nur über Dokumente wie Briefe, Mails, Tweets, Forenbeiträge, etc. und wird von der Titelfrage beherrscht: Wer war Alice, diese Frau, die im Fluss ertrank? Hat sie den Tod selbst gewählt, war es ein tragischer Unfall oder war es vielleicht sogar Mord? Alice lernt man dabei nur durch ihr Umfeld und alte Tagebucheinträge kennen, und es steht dadurch natürlich die Frage im Raum, wie weit das die tatsächliche Person wiedergibt.

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„Mein Name ist Alice Salmon. Fünf von ungefähr tausend Wörtern. Ich hoffe, ich bin mehr als zweihundertmal fünf Wörter. Vielleicht noch nicht jetzt, aber hoffentlich eines Tages.“ – S. 13

Ein Projekt aus tausend Teilen

Schon auf den ersten Seiten erfährt der Leser von Alice Salmons Tod. Von diesem Ereignis werden eine ganze Reihe ihrer Mitmenschen betroffen und ein Professor ihrer alten Universität nimmt dies als Anlass zu einem Projekt: Anhand ihres digitalen Fußabdrucks sowie Gesprächen mit Freunden und Verwandten will er die Person Alice wieder zusammensetzen und rekonstruieren, was in ihren letzten Stunden geschah. Das stößt natürlich bei den Hinterbliebenen nicht auf ungeteilte Freude und hat etwas voyeuristisches -auch für den Leser- an sich. Obwohl man dabei schon weiß, wie Alice‘ Schicksal aussieht, entwickelt T.R. Richmond einen Sog, der einen schnell durch die Seiten fliegen lässt. Keiner der Charakter war mir sympathisch, aber man will einfach immer mehr zum Davor und Danach erfahren und wie alles zusammenhängt.

Möglichkeiten, aber keine Antworten

Ich fand es vor allem sehr spannend, wie sich T.R. Richmond in Wer war Alice dem Thema des digitalen (Nach-)Leben der Hauptfigur widmet. Salmon gehört mit zu der ersten Generation, deren Leben durch die sozialen Netzwerke erweitert wird – und diese Inhalte verschwinden nicht automatisch mit dem Tod einer Person. Der Leser muss genauso wie Professor Cooke versuchen zwischen Gerüchten und Halbwahrheiten zu unterscheiden und sich auch bei Inhalten direkt von Alice immer darüber im klaren bleiben, dass diese mit bestimmten Intentionen ins Netz gestellt wurden. An diesem Punkt schwächelt Wer war Alice ein wenig, denn teilweise verläuft sich das Buch zwischen dieser Rekonstruktion und den Möglichkeiten Geschehnissen an Alice‘ letztem Tag.

Was ist wahr?

Neben den Erkenntnissen aus Gesprächen mit ihren Mitmenschen, Mails und öffentlichen Internetbeiträgen ergänzt Richmond die Geschichte mit Tagebucheinträgen von Alice. Rückblickend hätte ich es besser gefunden, wenn es diese nicht gegeben hätte, da sie sehr unrealistisch wirken. Ein Tagebuch schreibt man nicht für die Öffentlichkeit und sich selbst braucht man manche Dinge wie Personen einfach nicht erklären. Außerdem wäre Alice dadurch noch ein größeres Enigma für den Leser gewesen… dafür hätte lieber ein anderer Charakter mehr Raum bekommen, der für den Schluss sehr wichtig ist. Denn auf den letzten paar Seiten geht alles auf einmal sehr plötzlich und ohne wirkliche Hinweise im Vorfeld.

Mir hat Wer war Alice Spaß gemacht, nicht zuletzt, weil immer wieder Theorien aufkamen, was vielleicht geschehen sein könnte und Richmond den Leser nicht zu sehr in bestimmte Bahnen lenkt. Allerdings vergisst das Buch zwischendrin immer mal wieder, wo es eigentlich hin möchte, und bei manchen Szenen habe ich das Gefühl, dass sie erst beim zweiten Lesen ihre volle Wirkung entfalten.


BUCHDETAILS

Verlag: Goldmann
Übersetzer: Charlotte Breuer; Norbert Möllemann
ISBN: 9783442205080
Erscheinungsdatum: 29.02.2016
Rating: 3/5