[Gelesen] Zwischen zwei Sternen

Gut ein Jahr ist es bereits her, dass sich die Crew der Wayfarer auf ihrem Weg zu einem kleinen zornigen Planeten in mein Herz schlich – wie schnell doch die Zeit vergeht! Der erste Roman von Becky Chambers war definitiv eines meiner Jahreshighlights und lange habe ich nicht mehr so sehnlichst auf eine Fortsetzung gewartet. Klar hätte ich Zwischen zwei Sternen schon längst auf Englisch lesen können, aber ich hatte bereits bei der Übersetzung im ersten Roman das Gefühl, dass ich auf Deutsch doch viel mehr Feinheiten und Nuancen erfassen kann – gerade was zum Beispiel die Personalpronomen anbelangt. Denn diese Zukunftsvision, die Chambers uns in ihren Romanen erleben lässt, lebt vor allem durch ihre Diversität und wunderbare zwischenmenschliche Interaktionen, bei denen viel im Detail steckt. Im Fokus von Zwischen zwei Sternen steht dabei vor allem ein Charakter: Lovelace, das frühere KI-System der Wayfarer.

Becky Chambers: Zwischen zwei Sternen

Ding oder Wesen?

Zwischen zwei Sternen ist keine direkte Fortsetzung zu Chambers‘ erstem Roman, sondern ist ein Roman aus dem Wayfarer-Universum. Wer den ersten Roman gelesen hat, hat die wunderbare Lovelace bereits kennengelernt und weiß, vor welch schwerer Entscheidung sie stand. Mit den Konsequenzen dieser Entscheidung gilt es sich nun in diesem Roman zu arrangieren: Statt ein Raumschiff zu überwachen, ist sie nun regelrecht eingepfercht in ein beschränktes Bodykit und muss sich mit diversen Eigenarten, die ein Körper so mit sich bringt, anfreunden. Dabei stellt die Autorin nicht nur an Lovelace die Frage, ab wann eigentlich die Grenze zwischen Wesen und Maschine verschwimmt, wie sich das Konzept Körper mit und ohne Modifikationen verändert und generell Miteinander funktioniert. Zwischen zwei Sternen bleibt dabei ein Buch, welches einen zwar zum Nachdenken anregt, sich aber nicht ausschließlich um diese philosophischen bzw. ethischen Fragen dreht – Chambers flechtet sie einfach nur geschickt mit ein. Ebenso wie den wieder großartigen und respektvollen Umgang zwischen den verschiedenen Kulturen und Spezies.

Mütter und Töchter

Neben Lovelace lernt der Leser noch Pepper sehr gut kennen, die sich in der Gegenwart als gute Freundin für Lovelace erweist – und in einem Handlungsstrang, der rund 20 Jahre zuvor einsetzt, ganz ähnliche Erfahrung wie sie macht. Mit Pepper gibt es einige Parallelen, allen voran zur Thematik von Müttern und Töchtern, und ich kann schwer sagen, welchen Handlungsstrang ich am Ende gelungener fand. Man wünscht beiden Charakteren einfach nur das Beste und fiebert bis zum Schluss mit, ob sich doch noch alles ins Positive wandelt und wie genau die Handlungsstränge ineinander laufen. Zwar schreibt Chambers eine Wohlfühl-Space-Opera wenn man so mag, aber das bedeutet halt nicht, dass ihren Charakteren keine schlimmen Dinge widerfahren und sie nur mit rosaroten Brillen auf den Augen durchs Weltall stapfen. Eigentlich ist das fast mit eine der Tatsachen, die ich so sehr an beiden Romanen schätze: Dass diese Charaktere trotz allem sich ihre Hoffnung bewahren, und immer noch mit so viel Respekt und Wertschätzung anderen begegnen. Sich ihren eigenen Vorurteilen bewusst werden und diese hinterfragen. Einfach, dass der Wille für ein gutes Miteinander da ist und gelebt wird.

Zuhause

Waren wir mit der Wayfarer im Weltraum selbst unterwegs, so befinden sich Lovelace und Pepper in diesem Roman mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Zwei sehr unterschiedliche Planeten lernt man durch ihre Augen kennen, wobei sich der Begriff von Zuhause immer wieder anders definiert. Wie sehr prägt uns unsere Umwelt eigentlich? Und was sagt unser Zuhause über uns aus? Es wird immer wieder auf Details eingegangen, die mal mehr oder weniger relevant für die Handlung sind, die Welt aber sehr greifbar und glaubhaft gestalten. So ist Pepper zum Beispiel vernarrt in eine Art Virtual Reality Spielereihe, von der sie ebenfalls Figuren sammelt. Sind diese Figuren wichtig? Nein. Aber ratet mal, wer sich sofort an Funko Pops erinnert fühlte und Peppers Sammelwut verstand.

„Sie tauchten in die Menge ein, Hunderte von Gesichtern, Hunderte von Namen, Hunderte noch andauernde Geschichten. Noch nie hatte sie sich so allein gefühlt.“ | Seite 233

Es gibt in Zwischen zwei Sternen keine Weltraumschlachten oder epische Abenteuer. Tatsächlich ist es vielmehr der Weg von Lovelace durch Krisen des Alltags hin nach Hause – diesem einen Ort, an dem wir uns alle sicher und geborgen fühlen. Dieser Ort wird dabei nicht nur durch Räumlichkeiten definiert, sondern auch durch die Personen, mit dem wir unser Leben teilen. Und obwohl ich auch gerne von Weltraumschlachten und dergleichen lese: Ab und an braucht es solche Romane wie die von Chambers einfach. Im Sommer erscheint im Englischen das dritte Buch aus dem Wayfarer-Universum, und ich hoffe, dass wir auf die deutsche Übersetzung nicht allzu lange warten müssen.


Weitere Eindrücke zum Buch findet Ihr bei WeltenwandererCocuriRuby und Der phantastische Bücherschrank.


BUCHDETAILS

Verlag: FISCHER Tor
ISBN:  9783596035694
Erscheinungsdatum: 25.01.2018
Übersetzerin: Karin Will
Bewertung: 5/5

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[Momentan] KW 7 / 2018

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ARTIKEL
to all the (fictional) boys i’ve loved before | [Aufgestöbert] Tipps, Snacks und Empfehlungen | »Es muss nicht immer alles explodieren«: Interview mit Becky Chambers | ‘Descendants 3’ is coming to The Disney Channel in 2019 | Harry Potter’s Legacy Is Under Attack By The Very People Who Created It — But Potterheads Are Fighting Back | Children’s Book Industry Has Its #MeToo Moment | Anatomy of Melancholy: The Best of A Softer World

BÜCHER
Warum wir auch andere Literatur lesen sollten. | Triggerwarnungen in Büchern: Hilfe oder Verschlimmbesserung? | Wann bin ich zu einem Neuerscheinungs-Leser geworden? | [Rezension] Audrey & Ich von Lucy Holliday | On the Come Up: Angie Thomas unveils the striking cover for her next book | Revealing the New Seanan McGuire Wayward Children Book:In An Absent Dream

FILME
Manchmal hat man einfach mit der Filmauswahl Pech: Sowohl Arès als auch Miss Pettigrews großer Tag haben mich so furchtbar gelangweilt, dass ich sie nach einer Weile ausgemacht habe und die DVDs aussortieren werde. Tja nun, passiert. Ein richtiges Erlebnis war dagegen Blade Runner 2049. Trotz seiner Länge sah sich dieser Film unglaublich schnell und ich war nicht nur dank der unfassbaren Bildgewalt gefesselt. Die Geschichte regt sehr zum Nachdenken an und hat eine gewisse Tragik in sich. Zwar kann man über die Rolle der Frauen und die generelle Besetzung mit fast ausschließlich weißen Schauspielern streiten… aber es ist eine würdige Fortsetzung zum ersten Film, die ich sicherlich noch das ein oder andere Mal sehen werde.

SPIELE
Das erste DLC zu Assassin’s Creed Origins ist erschienen: Die Verborgenen. Da ich nicht die schnellste Spielerin bin und auch zuerst noch etwas leveln musste, habe ich recht viel Spielzeit damit verbracht  – der Season Pass hat sich in der Hinsicht bereits ausgezahlt. Die Handlung spielt vier Jahre nach den Ereignissen der Hauptquest und gibt einen guten Eindruck davon, wie die Verborgenen weiter wachsen – sowohl an Personen als auch Überzeugungen. Mit Aya könnte man zwar immer noch viel, viel mehr machen, ansonsten hätte ich aber keine wirklichen Kritikpunkte. Selbst das Leveln wird durch die deutlich höher dotierten Quests recht einfach gemacht und nervt nicht so arg.

VIDEO

[Eindrücke] The Fandom, Die Ermordung des Commendatore 1: Eine Idee erscheint, Hydra, orange: future

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Anna Day: The Fandom
Verlag: Chicken House (04.01.2018) | ISBN: 9781910655672 | Engl. Taschenbuch, 402 Seiten | Auf Deutsch erschienen als Fanatic bei Chicken House | Meine Bewertung: 1/5

Love. People talk about it like it’s a mental illness. Crazy in love, addicted, lovesick, obsessed… And maybe they’re right. Alice has loved Willow for two years. And I don’t just mean the actor Russell Jones. I mean the fictitious character, Willow. That’s verging on insanity, surely? And if anyone should know, it’s me, having suffered from the same affliction.

Oh je, was war das für ein Buch. Ich wusste im Vorfeld bereits, dass die Stimmen sehr gemischt ausfallen, aber der Titel und das Grundthema haben mich dann doch zu sehr gereizt. The Fandom hat eine Handlung, die sich in ihren Grundzügen vermutlich jeder Fan wünschen würde: Violet gerät mit ein paar Freunden im Gepäck plötzlich von der Londoner Comic Con in ihr Lieblingsfandomuniversum. Blöd nur, dass sie sich dafür ausgerechnet eine Dystopie ausgesucht hat und sich sowohl Buch- als auch Filmhandlung vermischen – und teilweise der Plot komplett neben dem Canon verläuft! Wie also wieder nach Hause in die echte Welt kommen?

Der Weg durch die Welt von The Gallows Dance mit diesem Ziel vor Augen macht den Großteil des Buches aus. Violet erzählt den groben Plot bereits zu Beginn des Buches in einem Schulvortrag, sodass man als Leser ebenfalls weiß, wo die Reise hingehen wird. Das ist gleichzeitig mit eines der Probleme des Buches: Es weicht viel zu wenig davon ab, sodass der Fokus mehr auf den Beziehungen der Charaktere liegt und nicht auf dem nächsten Plottwist, auf den reagiert werden muss. Und wow, was für tolle Charaktere wir doch haben! Nicht. Die „Freundschaft“ allein zwischen Violet und Alice ist so unglaublich toxisch, dass es wehtut. Im Allgemeinen fand ich es schwierig, hier eine -für mich- unsympathische Hauptperson zu haben plus nur problematische weibliche Charaktere plus nur zwei Sorten von männlichen Charakteren (Plot Device oder Love Interest).

Die Geschichte leidet allerdings am meisten von der Botschaft, die hier drin steckt. Was erwarte ich von einem Buch über Fandoms? Natürlich, dass Elemente davon auftauchen, sei es jetzt die Geschichte, auf der das Fandom basiert, oder Fankultur wie eben Cosplay oder Fanfiction. Das bietet The Fandom zwar, aber es las sich für mich zu sehr nach einem ’sei vorsichtig, was du dir wünscht‘, das Fansein etwas ungutes, negatives, ja, wirklich etwas Fanatisches ist – und genau das ist es für mich eben nicht.


Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore 1: Eine Idee erscheint
Verlag: Hörbuch Hamburg (01.02.2018) | ISBN: 9783957131218 | Dt. Hörbuch, Spieldauer: 12 Std. 59 Min.  Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe | Sprecher: David Nathan | Meine Bewertung: -/- 

„Man sollte die Augen weit aufmachen und genau hinschauen. Sein Urteil sollte man später fällen.“

Ich finde es ziemlich schwierig diesen ersten Band zu bewerten… man merkt, dass diese Geschichte nicht für sich steht, sondern halt wirklich Band I von II darstellt. Werden die Andeutungen und Vorbereitungen aus diesem Band alle greifen? Wie hängt alles zusammen? Sind wir jetzt mit allen unnötigen Sexszenen durch oder gibt es diese wieder zuhauf in Band II? In zwei Monaten geht’s weiter und dann wird man sehen. Ich mochte die Kunstthematik, sowohl die Geschichte zur Nihonga als auch das Schaffen des Künstlers selbst und die Beschreibung von Kunst. Als musikalische Thema zieht sich dieses mal Klassik durchs Buch, gerade Don Giovanni und der Rosenkavalier sind Opern, welche ich jetzt selber entdecken mag. Der Ausflug in Richtung Geistergeschichte war ebenfalls geglückt, und hat mich an einen Bericht über einen mumifizierten Mönch in  einer Buddha-Statue von vor ein paar Jahren erinnert. David Nathan liest das Hörbuch gewohnt großartig und man kommt schnell durch. Die schon erwähnten Sexszenen stören allerdings wieder, da sie für die Handlung nicht wirklich relevant sind, zu viel eingesetzt werden und ein schwieriges Frauenbild vermitteln. Dazu ist dieser Band sehr, sehr ruhig und rückblickend passiert nicht wirklich viel – an für sich nichts schlimmes, aber wenn es in dem Tempo weitergeht, wird Band II Schwierigkeiten bekommen. An sich würde ich diesen Band bei 2.5 oder 3 Sternen einordnen, aber die Geschichte wirklich final erst in ihrer Gesamtheit beurteilen.


Matt Wesolowski: Hydra (Six Stories #2)
Verlag: Orenda Books (15.01.2018) | ISBN: 9781910633977  | Engl. Taschenbuch, 258 Seiten | Fortsetzung zu Six  Stories, die unabhängig davon gelesen werden kann | Meine Bewertung: 5/5

„For new listeners, I should make it clear that, as frustrating as it may be, this isn’t an investigation that will reveal any new evidence – I am not a policeman, a forensic scientist or an FBI profiler. My podcast is more like a book hroup – a discussion  about an old crime screne. We discuss things with the help of others, those who have agreed to look back on a tragedy.“

Six Stories fand ich schon großartiges und Hydra steht dem in nichts nach! Bis zuletzt war ich mir nicht sicher, welche Geschichten King alles ausgräbt und auch wenn ich ein paar Phrasenwiederholungen unglücklich fand – die Auflösung quasi im allerletzten Satz?! Brilliant! Und nicht der einzige Moment, bei dem ich Gänsehaut hatte. Die Einbindung von den obskuren Spielen aus den tiefen des Internets ebenso wie Trollkultur waren super interessant, und der Fall an sich vielleicht etwas zugänglicher als der erste. Ich hoffe sehr, dass es hier im Laufe der nächsten Monate noch eine Hörbuchadaption gibt, da ich die Geschichte gerne noch mal in dem Format hören würde… und hoffentlich war das nicht das letzte, was Wesolowski in diesem Podcastformat schreibt!


Ichigo Takano: orange: future (orange #6)
Verlag: Seven Seas (23.01.2018) | ISBN: 9781626927797 | Engl. Taschenbuch, 180 Seiten | Aus dem Japanischen von Amber Tamosaitis | Auf Deutsch sind alle 6 Bände bei CARLSEN erschienen | Meine Bewertung: 3/5

„I wondered what… you would have thought… if you could see this.“

Das Nachwort hat nochmal die Wertung etwas hochgezogen, und ich mag gerne noch den Film mir anschauen – aber diese Geschichte tut einfach nicht Not. Die Geschichte von Orange ist in den 5 ursprünglichen Volumes bzw. 2 Sammelbänden im Englischen absolut rund, perfekt und erzählt. future wirkt etwas gezwungen, man muss immer achten, in welcher Zeitebene man sich befindet und Suwa… ach, irgendwie verdient dieser Charakter einfach mehr. Vielleicht hätte diese Geschichte mit einem tatsächlichen Abstand von zehn Jahren zum Original besser gewirkt. Der Gruß zum Ende des Nachworts hilft da auch nicht weiter – Volume 7?! Manche Geschichten sollte man einfach beendet lassen und nicht weiter ausbauen.

[Rückblick] Januar 2018

Es gibt so Phasen, da hat man Lust auf alles und nichts und der Fokus auf eine Sache zur Zeit fehlt einfach. Man sieht das diesem Lesemonat auf den ersten Blick gar nicht an -und es ist eigentlich sogar ein überragend guter Monat gewesen!-, aber die Konzentration und Muße für Romane wahr kaum vorhanden und das hat doch etwas gefrustet. Glücklicherweise setzt sich das im Februar bislang nicht so fort, und ich habe damit einhergehend gleich wieder viel mehr Lust aufs Schreiben von Beiträgen. Also, wie war er denn, der Januar?

Höhepunkt: Die Stadt, in der es mich nicht gibt
Tiefpunkt: Nikotin
Hörbücher:
 Kill Shakespeare – Die komplette Serie | It Devours!
Gelesene Seiten: ca. 5.119
Ø Bewertung: 4,1 / 5 

Diese durchschnittliche Bewertung kann ich mir vermutlich rot im Kalender markieren – so gut war wirklich ewig kein Monat mehr! Großen Anteil hatte daran vor allem die wunderbare Manga-Reihe Die Stadt, in der es mich nicht gibt von Kei Sanbe, die mich sowohl als Manga als auch Netflixserie vollkommen in ihren Bann gezogen hat. Die Geschichte um Satoru Fujinuma mit ihren Zeitreise- und Krimielementen ist super durchdacht und man fiebert mit, wer hinter allem steckt und ob Satoru die Dinge in die rechte Bahn lenken kann. Die Bände habe ich allesamt aus der Bücherei ausgeliehen, aber über kurz oder lang werde ich diese Reihe nochmal fürs heimische Regal kaufen.

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Zusammensetzung: 11 Manga; 3 Comics; 2 Hörbücher; 6 Printbücher

Wie im Dezember schon, habe ich diesen Monat wieder ein Herzensbuch nach langer Zeit erneut gelesen – dieses mal Deathless von Catherynne M. Valente. Ich kann selber nicht so ganz fassen, dass ich das Buch 2013 gelesen habe? Wo ist die Zeit hin?! Das Buch war als Wanderbuch hier und es war super faszinierend, die Kommentare der anderen zu lesen. Gerade weil ich es selber in so positiver Erinnerung hatte und Valente nun mal meine Lieblingsautorin ist. Es hilft, dass ich seit dem ersten Lesen viel mehr über russische Geschichte und Folklore gelernt habe – viele Zusammenhänge und Anspielungen waren so viel klarer. Die Mischung aus Fantastischem und Geschichtlichen spricht mich immer noch an und es bleibt weiterhin mein liebstes Buch von ihr.

Mit Fate of the Gods endet die Jugendbuchreihe zu Assassin’s Creed zwar vorerst, aber dieser Band war wieder top! Wikinger, die Isu, Tropen und das kollektive Gedächtnis… alle Handlungssträngen hatten einiges zu bieten und die Suche nach dem Edensplitter konnte gut zu ende gebracht werden. Es stört eigentlich nur etwas, dass die Templer etwas besser wegkommen und diese Geschichte vermutlich isoliert von den parallel ablaufenden Ereignissen in diesem Universum stehen wird.

Kill Shakespeare und Nikotin waren die Geschichten, die mich im Januar nicht wirklich überzeugen konnten. Erstes ist ein Hörspiel, welches auf einer Comicreihe basiert: Die verschiedensten Charaktere aus Shakespeares Werken treffen aufeinander, ihren Schöpfer wollen einige töten, andere beschützen. Man muss sich recht gut in den Stücken des Barden auskennen, um hier zu verstehen, warum manche Charaktere tun, was sie eben tun… und die Handlung ist teilweise schon etwas erzwungen, damit halt alles halbwegs zueinander passt. Gerade zum Schluss fällt das besonders negativ auf. In Nikotin rätselt man wieder mit den Charakteren mit, wer hinter einer Reihe Morde steht, wobei das Buch an ein Theaterstück angelegt ist (einer der Hauptcharaktere ist Schauspieler). Der Fall kam mir recht durchschaubar vor, da ich an ein anderes Buch erinnert wurde, und hatte viel zu wenig Hercule Poirot in sich.

Neben Die Stadt, in der es mich nicht gibt habe ich noch die Manga-Reihe Puella Magi Madoka Magica durchgelesen. Die drei Bände krempeln das Magical Girl Genre jetzt nicht um, aber die Geschichte hält durchaus ein paar Überraschungen parat. Den Anime dazu mag ich auch noch schauen! Etwas überrascht hat mich auch, wie übernatürlich es in A Torch Against the Night zuging. Beim ersten Teil wäre mir das gar nicht mehr so bewusst – gut, den mochte ich auch nicht besonders und habe ihn fast gänzlich verdrängt. Neben Elias und Laia kommt hier eine dritte Perspektive dazu, und diese finde ich einfach hundertmal interessanter? Na mal sehen, wie das im dritten Band fortgeführt wird.

Alle verschlungenen Titel des Monats:
• Kei Sanbe: Die Stadt, in der es mich nicht gibt, Bd. 1-8 Bewertung: 5/5
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• Magica Quartet: Puella Magi Madoka Magica, Bd. 1-3 Bewertung: 3/5
• Kieron Gillen; Jamie McKelvie: The Wicked + The Divine, Vol. 6:
   Imperial Phase 2 Bewertung: 3/5
• Brian K. Vaughan; Fiona Staples Saga, Volume 8 Bewertung: 5/5
• Matthew Rosenberg; Tyler Boss: 4 Kids Walk Into A Bank Bewertung: | Video
• Sabaa Tahir: A Torch Against the Night Bewertung: 3/5
• Catherynne M. Valente: Deathless Bewertung: 5/5
• Gesa Schwartz: Scherben der Dunkelheit Bewertung: 3.5/5 | Beitrag
• Brom: Krampus Bewertung: 3/5
• Anthony Del Col; Conor McCreery: Kill Shakespeare – Die
   komplette Serie Bewertung: 2/5
• Joseph Fink; Jeffrey Cranor: It Devours! Bewertung: 4/5
• Agatha Christie: Nikotin Bewertung: 2/5
• Matthew J. Kirby: Fate of the Gods Bewertung: 5/5

“So long as you fight the darkness, you stand in the light.” ― Sabaa Tahir: A Torch Against the Night

[Gelesen] Die Stadt, in der es mich nicht gibt

Wenn man die Vergangenheit ändern könnte, würde man das tun? Welche Konsequenzen würde es haben? Wie viel kann man überhaupt ändern, wenn man nur einzelne Teile des ganzen Zeitgefüges kennt? Und wie viele Chancen würde man erhalten? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich Kei Sanbe in seiner Manga-Serie Die Stadt, in der es mich nicht gibt, welche  ursprünglich zwischen 2012 und 2016 in Japan erschienen ist. Die Geschichte um Satoru Fujinuma vereint Zeitreise- und Krimielemente in sich, und hat mich sowohl als Manga als auch Netflixserie restlos begeistern können.

Kei Sanbe: Die Stadt, in der es mich nicht gibt

Zeitsprünge

Der 28 Jahre alte Satoru Fujinuma führt ein relativ einfaches und ereignisloses Leben. Seine angestrebte Karriere als Manga-Autor kommt nicht recht in Gang, so das er seinen Lebensunterhalt als Pizzabote verdienen muss. Eigentlich ist an ihm nichts besonderes, bis auf eine Gabe von der niemand weiß: Wenn sich Unglücke in seiner Nähe ereignen, kann Satoru wenige Minuten in der Zeit zurückspringen und diese verhindern. Als sich ein Mord ereignet, wird Satorus Gabe ausgelöst – doch statt weniger Minuten springt er dieses mal ganze 18 Jahre in die Vergangenheit zurück und ist wieder sein zehnjähriges Ich. In der Kleinstadt, in der Satoru großgeworden ist, ereigneten sich zu dieser Zeit mehrere Morde an Grundschulkindern und ihm kommt der Verdacht, dass diese Taten mit der in der Gegenwart verbunden sind. Was wäre also besser als diese zu verhindern, um so auch den Mord in der Gegenwart ungeschehen zu machen?

Taten und Konsequenzen

Das erste und größte Problem, worüber Satoru stolpert, ist ein ganz natürliches. Erinnern wir uns an gewisse Begebenheiten? Natürlich. Aber je weiter wir zurück gehen, desto größere Schwierigkeiten wird es beim Erinnern geben. Meistens bleiben nur große oder außergewöhnliche Ereignisse im Gedächtnis, gerade aus der Kindheit. Satoru erinnert sich zwar an die Opfer und den groben Zeitraum, in dem die Mordserie geschah, aber alle Details und Feinheiten müssen rekonstruiert werden. Gar nicht so leicht, wenn man gerade im Körper eines Zehnjährigen steckt. Seine Taten führen immer unmittelbar zu Änderungen für beide Zeitlinien und es ist nicht zu viel verraten, dass Satoru mehr als einmal zwischen diesen hin und her springt und sich neu orientieren muss.

„Ob ich irgendwann die Person werde, die ich gern sein will? Gibt es wirklich etwas, das ich zu diesem Zeitpunkt tun kann? Wird es für mich jemals ein Happy End geben? Ich sollte es einfach aussprechen… Ich will die Zukunft verändern.“ | aus Die Stadt, in der es mich nicht gibt, Band 2, Kapitel 8

Ritter der Gerechtigkeit

Die Stadt, in der es mich nicht gibt vereint einige Dinge in sich, die ich gerne lese: Neben dem Zeitreisen an sich rätselt man gemeinsam mit Satoru, wer der Täter ist und wie man diesen stoppen kann, erlebt die Entwicklung von großartigen Freundschaften und bleibt bis zur letzten Seite gespannt, wie das alles nur enden mag. An Sanbes Stil musste ich mich im ersten Band etwas gewöhnen, gerade bei den weiblichen Figuren, aber schnell ist man in der Geschichte drin und fliegt nur so durch die Seiten. Trotz der diversen Zeitstränge verheddert sich Sanbe nicht und alles bleibt konstant logisch und nachvollziehbar. Gerade die Erklärung für die Zeitsprünge fand ich sehr gelungen, sowie das Zusammenlaufen aller Hinweise und wichtigen Charaktere fürs Finale. Bei acht bzw. neun Bänden (Band 9 ist eine Art Zusatz) ist Die Stadt, in der es mich nicht gibt ein kurzes, intensives Leseerlebnis, welches ich Euch nur ans Herz legen kann.


Die Stadt, in der es mich nicht gibt ist auf Deutsch bei TOKYOPOP in neun Bänden erschienen (Übersetzung: Gandalf Bartholomäus). Die darauf basierende Serie Erased ist seit Dezember 2017 auf Netflix verfügbar und umfasst 12 Folgen. Ein Anime sowie eine Realverfilmung existieren ebenfalls.

 

[Momentan] KW 5 / 2018

happy mailARTIKEL
Catherine the Great: Helen Mirren übernimmt Titelrolle | Pursuing the Muse Against the Clock | Ikenaga Yasunari – The Japanese Art of Nihonga Redefined | Archeologists Find 2,100-Year-Old City On The Silk Road Using Remote Sensing Technique | [Japan] Nerdige Themen-Cafés in Tokyo

BÜCHER
Bookout – Die App für Leser, die auf Statistiken stehen | Braucht das Konzept Rezension ein Relaunch? | Leseliste –  Hilfe oder Fluch? | [Blogtalk] 9 Apps, die das Bloggen erleichtern | Pimp my book: Bücher aufbereiten für den kleinen Geldbeutel Outlander Kochkurs (Teil 3/5): Millionaire’s Shortbread der MacKenzies | VIVIAN THE DOG: Moves to the Big City 

FILME
Auf The Villainess hatte ich schon sehnsüchtig gewartet, da der Film leider in keinem der Kinos bei uns gezeigt wurde, ich aber die Trailer sehr genial fand. Erzählt wird die Geschichte von Sook-hee, die schon seit ihrer Kindheit ein Leben voller Gewalt führt. Nachdem sie quasi im Alleingang eine Gang nebst Drogenküche ausschaltet, wird sie vom südkoreanischen Geheimdienst geschnappt und als Killerin ausgebildet. Nach und nach erfährt man immer mehr von den Hintergründen und Intrigen rund um Sook-hee, wobei das vorherrschende Thema Rache ist. Die Eingangsszene erinnert stark an Hardcore Henry und ist grandios gemacht, wenn gleich sie wirklich keine Minute länger gehen dürfte (Motion Sickness lässt grüßen). Es ist durch die sich erst langsam erklärende Geschichte ein Film, den man definitiv mehrfach sehen kann, und ich mochte ihn sehr.

SERIE
Ich schiebe immer noch die letzte Folge etwas vor mir her, aber Yuri!!! On Ice hat mein Herz gestohlen. Die Musik ist toll, das Thema des Eiskunstlaufs ist wunderbar animiert und die Charakter alle absolute Liebe.

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Bücher, Bücher! Neuzugänge im Januar 2018

Neue Bücher braucht das Regal! Nun gut, eigentlich ist das schon sehr vollgestopft, aber ein wenig geht da noch rein. Stapeln hilft zur Not ebenfalls. Viele meiner Vorbestellungen kommen direkt zu Jahresanfang, sodass es wieder eine ordentliche Anzahl Neuzugänge ist – im Vergleich zu den letzten Monaten geht es aber bereits in die richtige Richtung, wobei es noch nicht ganz geklappt hat mit nur zwei ungeplanten, spontanen Käufen… an einem zusätzlichen Comic kam ich im Comic Cafe einfach nicht vorbei. Ich werde probieren dafür im Februar nur einen Titel zu kaufen, damit sich das wieder einpendelt.

Neuzugänge Januar 2018

  • Von den 11 neuen Bücher habe ich bereits 4 Stück (=36 Prozent) gelesen
  • 8 Bücher sind auf Englisch, 3 auf Deutsch
  • Mir wurden 2 Bücher geschenkt
  • The Cruel Prince sieht man gerade so häufig überall, dass ich es gerade gar nicht lesen mag?
  • Es sind 3 Reihenauftakte, 5 Fortsetzungen und 3 Einzelbände eingezogen (73:27)
  • Das kleine Pflänzchen heißt Flashmob

Jenn Bennett: Night Owls / Matthew J. Kirby: Fate of the Gods  / Brian K. Vaughan; Fiona Staples: Sage, Vol. 8 / Kieron Gillen; Jamie McKelvie; Matt Wilson: The Wicked + The Divine, Vol. 6: Imperial Phase, Part 2 Holly Black: The Cruel Prince  / Becky Chambers: Zwischen zwei Sternen Matthew Rosenberg; Tyler Boss: 4 Kids Walk Into A Bank / Bettina Belitz: Damirs Schwur / Veronica Rossi: Schatten und Licht Diana Gabaldon:Written in My Own Heart’s Blood / Anna Day: The Fandom

“The purpose of a storyteller is not to tell you how to think, but to give you questions to think upon.”
 Brandon Sanderson: The Way of Kings