Ein Kochbuch, zwei Frauen und eine Prise Geheimnisse: Todsichere Rezepte für die moderne Hausfrau von Karma Brown

Kochen ist so eine Sache, die mir mal mehr oder weniger gut gelingt – aber ein besonderes Händchen habe ich dafür nicht. Umso verlockender sind Rezepte, bei denen quasi nichts schief gehen, anbrennen oder überkochen kann, die also „todsicher“ sind – und dieser Aspekt hat mich bei Karma Browns Buch direkt abgeholt, den hier steht direkt ein ganzes Kochbuch eben solcher Rezepte im Fokus! Frisch mit ihrem Mann in die Vorstadt gezogen, finde Alice die Rezeptsammlung der Vorbesitzerin Nellie, die fast jede Seite um handschriftliche Notizen ergänzt hat, im Keller. Immer abwechselnd folgt man als Leser den Erlebnissen der beiden Frauen, die im selben Haus mit 50 Jahren Zeitabstand doch erschreckend ähnliche Erlebnisse machen und fiebert in Todsichere Rezepte für die moderne Hausfrau nur so den Gerichten entgegen, die am Ende die Männer aus den Socken hauen.

Karma Brown: Todsichere Rezepte für die moderne Hausfrau

Das Grundgerüst

Karma Brown erzählt Todsichere Rezepte für die moderne Hausfrau in zwei Zweitebenen: Da ist einmal Alice mit ihrem Mann, die 2018 in das adrette Vorstadthäuschen mit Traumgarten ziehen, und Nellie mit ihrem Mann, die in den 1950ern dort leben. Beim Wechsel der Perspektiven gibt es mal Zitate aus Haushalts- bzw. Eheratgebern oder reale Rezepte, die teils auch in der Handlung eine Rolle spielen. Gerade das fand ich super, weil es einen noch mehr in die 50er Jahre und die verinnerlichten Ansichten der Charaktere zieht – und theoretisch könnte man auch Rezepte aus dem Buch nachkochen, wobei ich a) diese nicht so ansprechend fand und b) die mir eher weniger todsicher oder Anfängerfreundlich wirkten. Cover und Titel finde ich dazu auch super, und in einem Kochbuch mit so einer Aufmachung würde ich definitiv erstmal blättern!

Zwei Seiten einer Münze: Nellie/Alice

Mann ist Alleinverdiener, Frau ist Hausfrau mit Aussicht auf Muttersein und hat als Gastgeberin und gute Nachbarin dazu aufzutrumpfen… runtergebrochen sind sich die Schicksale der beiden Frauen sehr ähnlich, und ich fand es beim Lesen fast schade, dass die beiden nicht aufeinandertreffen können. Allerdings ist Nellies Geschichte von Anfang an die stärkere, und das nimmt im Verlauf der Handlung nur mehr und mehr zu . Sie ist zwar immer noch ein Kind ihrer Zeit, aber wo Nellie sich fast schon emanzipiert, da macht Alice direkt zehn Schritte zurück? Zu Beginn wird bereits klar, dass irgendwas vorgefallen sein muss, weswegen sie ihren Job aufgegeben hat, und dieses Geheimnis Stück für Stück zu lüften hat mich bei ihr dran bleiben lassen. Allerdings ist Alice einfach furchtbar passiv? Egal, ob es ihr Mann, die Eltern, die ehemalige Vorgesetze oder eine Freundin ist, von allen lässt sie sich rumschuppsen. Es gibt zwar ein bisschen aufbegehren, aber das flacht sehr rasch wieder ab und sie macht eine krasse 180° Drehung, was ihre Lebensziele angeht. Bei Nellie dagegen fand ich nicht nur die Entwicklung insgesamt stimmiger, sondern auch die Handlung spannender: Durch ihren Mann, der zu unvorhersehbaren Gewaltausbrüchen neigt, stolpert man als Leser gemeinsam mit ihr durch das Minenfeld ihres Alltags und will wissen, was auf den nächsten Seiten geschieht.

Erwartung und Realität

Das ist dann aber wahrscheinlich auch der Knackpunkt bei Todsichere Rezepte für die moderne Hausfrau: Man möchte wissen, was geschieht – nicht zuletzt, weil Titel und Klappentext eine gewisse Marschrichtung vorgeben. Dementsprechend habe ich erstmal geduldig darauf gewartet, dass Alice das Kochbuch findet, dann, das Nellie etwas dort drin notiert, was sie umsetzen könnte… ich hatte eine ganze Handvoll an Ideen, was Brown da für den Leser in petto haben kann, und umso ernüchternder war dann die Enthüllung am Schluss. Was die Autorin nämlich da groß aufkocht, dass weiß man zu dem Zeitpunkt nur noch nicht, wenn man zwischendurch mit offenen Augen beim Lesen geschlafen hat. Und tatsächlich stellt sich Brown selber mit Nellie ein Bein: Weil sie sie und ihr Denken und Handeln so greifbar und nachvollziehbar zeichnet, sabotiert sie Alice vollkommen. Gerade zum Ende hin hate ich immer weniger Lust auf Alice‘ Kapitel, und wirklich was verpasst hätte ich auch nicht, wenn ich sie einfach übersprungen hätte. Irgendwie habe ich im Vorfeld zwar die Einstufung als Roman wahrgenommen, aber ich hätte mir doch etwas mehr Krimi in diesem erhofft und weniger traurige, unglückliche Frauen, die vor sich hin existieren und Seiten mit nichts füllen. Vor allem, wenn diese Seiten dann auch noch in einer winzigen Schrift bedruckt werden müssen.


Weitere Eindrücke zum Buch findet Ihr bei Nina Gold, Bücherbaronin und Krimi Couch.


BUCHDETAILS | ANZEIGE

TASCHENBUCH: 416 SEITEN | ORIGINALTITEL: RECIPE FOR A PERFECT WIFE | ÜBERSETZT AUS DEM KANADISCHEN VON HANS M. HERZOG | VERLAG: PENGUIN (13.09.2021) | ISBN: 978-3328106618 | MEINE BEWERTUNG: 2/5

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