Rezensionsexemplar | Ubisoft nutzt schon seit einigen Jahren erfolgreich transmediales Erzählen, um die Welt von Assassin’s Creed auch neben den Hauptspielen der Reihe fortzuführen oder diese auszuschmücken. Das letzte Hauptspiel, Valhalla, war -trotz diverser Probleme und Kritiken- ein großer Erfolg, und hat direkt mehrere Comics und Romane spendiert bekommen. Das Schwert des weißen Pferdes von Elisa Sjunneson ist dabei eine Original-Saga, in der Eivor zwar einen kleinen Gastauftritt hat, es aber primär um die Hexenkriegerin Niamh geht.
‚Hexenkriegerin‘ gibt dabei schon Preis, dass Niamh nicht den Verborgenen angehört, sondern einer anderen Gruppierung und zwar den Frauen vom See. Valhalla greift allgemein mehr auf die übernatürlichen Elemente von Assassin’s Creed zurück, und so existieren hier Avalon sowie das Schwert Excalibur. Das ist auch Teil des Problems, welches es für Niamh zu lösen gilt: Excalibur ist im Besitz der Verborgenen, muss aber zurück nach Avalon. Wie also das Schwert zurückgewinnen? Und was genau treiben die Verborgenen als neue Gruppierung eigentlich auf der Insel? Sie schleust sich in die noch junge Zelle in Lunden ein, und lernt peu à peu die Verborgenen, ihre Kampftechniken und auch gemeinsame Feinde kennen.
Ich mochte Niamh und ihre Geschichte, wobei ich eine größere Integration ins Spiel spannend gefunden hätte. In Valhalla kann man zwar das Schwert selbst finden, aber Eivor trifft auf keine Hexenkriegerin oder kann gar nach Avalon reisen… Das ist schade, gerade da sich die Saga über weite Strecken sehr spielehaft wie eine Hauptquest mit diversen Nebenquests für Niamh liest. Und Valhallas Spielewelt ist so groß, dass man zumindest einen Verweis oder Dokument hätte unterbringen können.
Obgleich Niamh eine Kriegerin ist und sie durch die Verborgenen sowohl typische Trainingseinheiten mit verborgener Klinge, Schleicheinheiten als auch Kampfmissionen erhält, steht dabei die Action nicht wirklich im Vordergrund. Viel mehr folgt man Niamhs persönlicher Entwicklung und ihre Sicht auf die Verborgenen, was ich durchaus als reizvoll empfinde – zu häufig sieht man Assassinen und Templer (oder ihre Vorreiter) nur aus der Sicht der jeweils anderen Gruppe, was die Sicht logischerweise trübt. Ist Niamh über große Teile des Romans auch eher kritisch eingestellt, so hegt sie doch Sympathien für die Verborgenen und ich mochte vor allem ihre Interaktionen mit Hytham sehr.
Das Schwert des weißen Pferdes ist kein Muss, um Valhalla zu verstehen oder bestimmte Entwicklungen von wichtigen Charakteren des AC Universums nachvollziehen zu können. Für Fans ist die Saga eine schöne Ergänzung, gerade da es zu den Verborgenen noch nicht viel Material gibt und Niamhs Geschichte gut auserzählt wird; für Neulinge stellt die Saga hingegen eine gute Möglichkeit zum Reinschnuppern dar.
Weitere Eindrücke zum Buch findet Ihr bei TVSC’s kleine Welt und TrekZone.
Neben diesem Roman ist zu Assassin’s Creed: Valhalla noch Giermund’s Saga erschienen, sowie die Comics Song of Glory, Blood Brothers und Forgotten Myths.

