[Rückblick] Juli 2018

Dieses Jahr ist der Sommer wirklich ein Hochsommer mit viel Hitze und wenig Regen, und zumindest bei mir hat das zu einem riesigen Motivationsloch geführt. Hoffentlich gibt sich das mit den etwas kühleren Temperaturen wieder, denn allmählich haben sich so einige Themen (vor allem natürlich Bücher) angehäuft, über die man jede Menge sagen und schreiben könnte… aber fangen wir jetzt mal mit dem Monatsrückblick an!

Höhepunkt: Sourdough
Tiefpunkt: The Beginning of the World in the Middle of the Night
Hörbücher: These Broken Stars. Lilac und Tarver | Die Meisterin | Monster 1983 – Die komplette 3. Staffel
Gelesene Seiten: ca. 5.829
Ø Bewertung: 2,88 / 5 

Von der Bewertung her sieht es ja nach keinem so guten Monat aus, aber da trügen die Zahlen mal wieder: Ich bin durch einige Hörbücher bzw. -spiele gerauscht, habe neue Lieblingsbücher entdeckt, trotz Hitze viel gelesen und dabei gleich drei dicke Wälzer vom SuB befreien können. Und da einige Titel mich nicht ganz überzeugen konnten, können diese direkt aus den übervollen Regalen ausgemistet werden. Also schon alles sehr erfolgreich. Mein Highlight war dabei auf jeden Fall Sourdough von Robin Sloan, was mich für ein paar Tage vollkommen in seinen Bann gezogen und inspiriert hat. Dazu wird auch noch eine Besprechung folgen, denn ich hätte nie gedacht, dass mich eine Geschichte über Brot einfach so glücklich machen kann! Dicht dahinter kommt Strange the Dreamer, an das ich jetzt im zweiten Anlauf mein Herz etwas verloren habe. Das beste Bild, was mir dazu einfällt, ist ins Wasser zu gehen: Zuerst will man gar nicht mehr als einen Zeh reinstrecken weil es so kalt ist, aber je mehr mein reingeht, desto angenehmer wird es – bis man komplett drin ist und das Zögern am Anfang gar nicht mehr versteht. Genauso ist dieses Buch, am Anfang sehr langsam und noch etwas gewöhnungsbedürftig, aber dann ist man drin und alles wendet sich in eine Richtung, die vom Anfang her gar nicht zu erahnen ist. Es gibt verschiedene Handlungsstränge, wobei mir am besten gefällt, wie Taylor Trauma aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und man jede Seite verstehen und gleichzeitig verdammen kann.

Rückblick | Juli 2018Rückblick | Juli 2018

Rückblick | Juli 2018
Zusammensetzung: 10 Printbücher; 3 Manga; 6 Comics; 3 Hörbücher

Von den Comics, die ich im Juli gelesen habe, hat mir ganz klar Kill or be Killed am besten gefallen – und so sind die Folgebände auch prompt eingezogen. Ich finde es fast schade, dass hier nur noch ein Sammelband kommt bevor die Reihe beendet ist, aber wenn es eine Punktlandung wird soll es mir recht sein. Dylan schließt einen Teufelspakt als er bei einem Suizidversuch merkt, dass er doch noch nicht sterben will: Fortan muss er eine Person pro Monat töten um weiterzuleben. Aber ist das Wesen, welches er sieht, real? Und rechtfertigt seine Auswahl an Personen seine Taten? Der innere Monolog von Dylan ist super dargestellt und im allgemeinen gefällt mir die Farbpalette in dieser Reihe super! Reborn, Redlands und The Realm waren dagegen nur bedingt unterhaltsam – The Realm gebe ich noch eine Chance, die anderen beiden Comics werden ausgemistet. Da waren einfach etwas zu viele Klischees drin. Bei To Your Eternity bin ich ebenfalls noch etwas am grübeln… manche Elemente gefallen mir ganz gut, dann aber bin ich über weite Teile der Geschichte gelangweilt.

Mit Bookburners habe ich die leicht trashige Serie in Buchformat gelesen, und war positiv überrascht von der Geschichte: Eine Spezialeinheit des Vatikan sucht nach alten Büchern voller Magie, die Unheil in der Welt anstiften, und die Polizistin Sal Brooks gerät eher zufällig in die Geschehnisse hinein. Die Geschichte ist dabei wirklich wie eine Fernsehserie mit verschiedenen Schreibern pro Episode (=Kapitel) aufgebaut, es gibt Charakter- und Füllepisoden und der generelle Aufbau ist gleich. Ich musste beim Lesen immer wieder an The Quest oder Warehouse 13 denken und werde auch in die zweite Staffel bei Zeiten rein lesen. Generell entdecke ich jetzt dank Bookburners Serial Box für mich, und wünschte, ich hätte wirklich einen Zeitumkehrer um all die vielen Geschichten und Bücher am besten gleichzeitig und sofort zu lesen.

Alle verschlungenen Titel des Monats:
• 
Solomonica de Winter: Die Geschichte von Blue Bewertung: 2/5 
• Jen Campbell: The Beginning of the World in the Middle of the Night Bewertung: 1/5 
• Diverse: 
Monster 1983 – Die komplette 3. Staffel Bewertung: 3/5 
• Beth Revis: 
Godspeed – Die Reise beginnt Bewertung: 2/5 
• Elizabeth Acevedo: The Poet X Bewertung: 2/5 
• E. Brubaker; Sean Phillips; Elizabeth Breitweiser: Kill or be Killed, Vol. 1 Bewertung: 4/5 
• Markus Heitz: Die Meisterin Bewertung: 4/5 
• Yukito Ayatsuji; Hiro Kiyohara: Another +Zero Bewertung: 2/5 
• Yoshitoki Ohima: To Your Eternity 01 Bewertung: 3/5 
• Yoshitoki Ohima: To Your Eternity 02 Bewertung: 3/5 
Robin Sloan: Sourdough Bewertung: 5/5 | Beitrag
• Wladimir Kaminer: Russendisko Bewertung: 1/5 
• C.E. Bernard: Palace of Silk – Die Verräterin Bewertung: 2/5 
Amie Kaufman; Meagan Spooner: These Broken Stars. Lilac und Tarver Bewertung: 2/5 
• M. Gladstone; M. Dunlap; M. Lafferty; B. Slattery: Bookburners Bewertung: 4/5
• E. Brubaker; Sean Phillips; Elizabeth Breitweiser: Kill or be Killed, Vol. 2 Bewertung: 5/5 
• E. Brubaker; Sean Phillips; Elizabeth Breitweiser: Kill or be Killed, Vol. 3 Bewertung: 4/5 
• Jordie Bellaire; Vanessa Del Rey: Redlands, Vol. 1 Bewertung: 2/5 
• Seth M. Peck; Jeremy Haun; Nick Filardi; T. Mauer: The Realm, Vol. 1 Bewertung: 2/5 
Laini Taylor: Strange the Dreamer Bewertung: 4.5/5
• Mark Millar; Greg Capullo; Jonathan Glapion: Reborn Bewertung: 2/5
• Joaquim Maria Machado de Assis: Das babylonische Wörterbuch Bewertung: 4/5 | Beitrag

“Of course, of course. Drugs, music, a new age dawning … and you came for an old book.” ― Robin Sloan: 
Ajax Penumbra 1969

[Gelesen] Sourdough

Der erklärte Feind meiner Mutter in der Küche ist Hefe. Egal, um welches Rezept es geht, sobald Hefe im Spiel ist, ist es keine Option mehr. Umso aufregender war es für mich eine Backmischung für Brot auszuprobieren und zu sehen, wie die Hefe über die verschiedenen Durchgänge gearbeitet hat. Aus dem kleinen Klumpen wurde immer mehr und mehr, und das fertige Brot frisch aus dem Ofen war allein vom Geruch her schon ein Genuss. Und der erste Biss in die erste Scheibe erst! Inspiriert dazu hat mich ein dünnes Buch, dass sich ganz unerwartet in mein Herz geschlichen hat: Sourdough* von Robin Sloan.

*dt. Der zauberhafte Sauerteig von Lois Clary

Robin Sloan: Sourdough

Lois Clary ist für den vermeintlichen Traumjob quer durchs Land nach San Francisco gezogen, und verbringt ihre Tage im Büro mit dem Programmieren von Robotern.  Klingt im ersten Moment toll, wirklich erfühlend ist es aber leider nicht: Ihr Sozialleben ist  dank Überstunden über Überstunden quasi nicht existent und sie ist meist abends zu müde, um was vernünftiges zu essen. Wie viele ihrer Kollegen hat sie den Kühlschrank voll mit Flüssignahrung, wobei sie es teilweise noch nicht mal nach Hause schafft und im Büro übernachtet. Ein kleiner Lichtblick ist da der Lieferservice zweier Brüder, über den Lois zufällig stolpert. Immer wieder ordert sie die Suppe mit Sauerteigbrot, welche auch  den miserabelsten Tag wieder hinbiegen. Als die Brüder die Stadt verlassen, bekommt Lois als Stammkundin eine Starterkultur ihres Sauerteiges geschenkt – und damit startet ein ganz zauberhaftes Abenteuer rund um Brot, Zufriedenheit und das kleine Glück.

I needed a more interesting life. I could start by learning something. I could start with the starter. | Seite 35

Als kleine Vorwarnung: Dieses Buch macht unsagbar hungrig! Normalerweise esse ich sehr wenig Brot, aber ich hatte noch nie so einen riesigen Appetit darauf wie beim Lesen dieses Buches. Es kommen noch andere Lebensmittel vor, aber der Sauerteig ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Wie ich weiß Lois am Anfang recht wenig über den Teig oder wie man ihn richtig behandelt, sodass man gemeinsam mit ihr unglaublich viel lernt. Hat es einen Einfluss, welches Mehl man nutzt? Welcher Ofen ist am besten geeignet? Wie maximiert man seine Backkapazität? Dazu kommt die Freude, etwas selber zu machen: Wie bei allem schmeckt das selbstgebackene Brot ganz anders als gekauftes, und Lois schafft es schnell ihre Umwelt ebenfalls dafür zu begeistern.

Die Starterkultur öffnet für Lois aber nicht nur eine neue kulinarische Welt, sondern auch neue Seiten an San Francisco. Hat sich ihre Lebenswelt bis dorthin auf ihre Arbeit und Wohnung beschränkt, so kommt sie jetzt immer mehr raus und lernt die verschiedensten Leute kennen, die zwar auf eine gewisse Art sehr speziell sind, aber ihr Leben bereichern. Das war auch einer der Punkte, die mir so gut an diesem Roman gefallen haben: Nicht nur kann man als Erwachsener noch neues lernen bzw. entdecken, nein, man kann auch abseits der festgefahrenen Routine immer wieder neue Freund- und Bekanntschaften knüpfen. Da man allzu schnell eine Art Tunnelblick entwickelt und das vergisst, finde ich sowas immer toll zu lesen! Generell schafft es Lois dank der Starterkultur einen neuen Blick auf ihr Leben zu bekommen und ihre Lebensqualität deutlich zu verbessern, wobei unterschwellig eine Liebesgeschichte mitschwingt. Eigentlich sogar mehrere Liebesgeschichten, wenn man die zu Brot, Nachhaltigkeit, lokalen Produkten und Märkten mit einrechnet.

Man kann Sloan vielleicht vorwerfen, dass sein Roman wenig große Überraschungen parat hält – dafür wirken die wenigen fantastischen Elemente allerdings umso besser. Und ja, in gewisser Weise ist Essen ein Trendthema, aber eins, das gefühlt immer aktuell ist. Mit Lois bekommt man als Leser einen soliden, sympathischen Hauptcharakter an die Seite gestellt, mit dem mitfiebert und sich über Etappenziele unglaublich freut. Dadurch lesen sich die noch nicht mal dreihundert Seiten fast viel zu schnell, und es ist sicher eine Geschichte, zu der ich das ein oder andere Mal zurückkehren werde. Und sei es nur in Gedanken, wenn ich den klebrigen Teig meines nächsten Brots knete. Darauf jetzt eine dicke Scheibe Brot mit Suppe. Wohl bekomm’s!


In dem Artikel Making the Music of the Mazg schreibt Sloan über den Entstehungsprozess der Musik, die in Sourdough eine große Rolle spielt und somit auch Teil des Hörbuchs ist. Weitere Eindrücke zum Buch selbst findet Ihr bei Miss Bookiverse, The Game Of Nerds und Das Filter.


BUCHDETAILS | ANZEIGE

TASCHENBUCH: 272 SEITEN | EINZELBAND | VERLAG: FSG ADULT (05.09.2017) | ISBN: 9780374903343 | DIE DEUTSCHE ÜBERSETZUNG ERSCHEINT UNTER DEM TITEL ‚DER ZAUBERHAFTE SAUERTEIG DER LOIS CLARY‘  AM 22.10.2018 IM BLESSING VERLAG | MEINE BEWERTUNG: 5/5

Bücher, Bücher! Neuzugänge Juli 2018

Im Juli sind drei große Kartons voller Bücher ausgezogen, sodass ich mich mit dreizehn Neuzugängen gar nicht allzu schlecht fühle. Vielleicht sollte ich das Ausmisten auch mal für den Blog festhalten? Im Juli durfte ich wieder zum Zoll und ein Buch abholen: The Future is Blue von Catherynne M. Valente. Im Gegensatz zu meinen anderen Titeln von Subterranean Press hatte ich dieses direkt über den Verlag bestellt, und trotz Aufenthalt beim Zoll hatte ich es noch vor dem offiziellen Erscheinungstermin. Echt super organisiert, auch wenn die Versandkosten aus den USA immer weh tun.

Neuzugänge | Juli 2018Rebecca Ross: The Queen’s Rising / Julie Murphy: Ramona Blue / Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone. Goldener Zorn / Rachel Caine: Smoke and Iron / Claude Cueni: Der Henker von Paris / Shin’ichi Sakamoto: Innocent Vol. 6 / Minae Mizumura: A True Novel / Helene Wecker: The Golem and the Jinni Ed Brubaker; Sean Phillips; Elizabeth Breitweiser: Kill or be Killed, Vol. 2 +3 / Catherynne M. Valente: The Future is Blue / Mirjam H. Hüberli: Phoenicrus: Die Trilogie / Florence Welch: Useless Magic 

Von Innocent und Kill or be Killed mussten die Folgebände her, und passend zum ersteren habe ich einen Roman über Charles-Henri Sanson entdeckt: Der Henker von Paris. Vermutlich eher was für den Herbst, aber ich bin sehr darauf gespannt – gerade da Cueni wirklich eine ganze Reihe von weiteren Büchern hat, die mich potentiell interessieren würden. Eine wirkliche Überraschung diesen Monat war das Paket mit A True Novel. Ich hatte schon mehrfach probiert das Buch gebraucht zu bestellen, da es neu nicht mehr verfügbar war, und jedes mal nur einen der zwei Bände erhalten (kurioserweise auch immer nur den zweiten Teil) – bei Amazon hatte ich aber anscheinend noch die Bestellung drin und da der Schuber wieder kurz auf Lager war, kann ich ihn jetzt mein eigen nennen. A True Novel soll Wuthering Heights im Japan der Nachkriegszeit umsetzen, und die Leseprobe hat mich bereits absolut gefesselt. Vermutlich aber ebenfalls eher eine Lektüre für den Herbst oder Winter.

  • Im Juli sind 13 neue Bücher eingezogen, wobei es sich bei zweien um Comics und bei einem um einen Manga handelt.
  • Zwei Titel sind bereits gelesen, kein so guter Schnitt dieses Mal…
  • Mir fehlen aktuell Ideen um so viele Bücher ansprechend zu fotografieren, daher gibt’s nur zwei Stück zu sehen – aber das blühende Usambaraveilchen ist eh viel hübscher!
  • Vier Vorbestellungen sind eingetroffen, eine sogar mit persönlicher Widmung über die ich mich sehr gefreut habe.
  • Mir fehlen theoretisch nur noch zwei Einzelbände von Valente, die ich bereits in einem Sammelband habe. Mein Sammlerherz ist sehr glücklich!
  • 9 Bücher sind auf Englisch, 4 auf Deutsch.
  • Beim Zoll eine Freundin getroffen, so klein ist die Welt! Ich hoffe trotzdem, dass ich die nächsten Monate nicht mehr dorthin fahren muss.
  • Bei Thalia gibt es immer wieder gebundene englische Bücher für 3,99 €, sodass ich bei The Queen’s Rising und Ramona Blue nicht nein sagen konnte.
  • Es sind 2 Reihenauftakte, 4 Fortsetzungen, 2 Sammelband und 5 Einzelbände eingezogen (15:31:15:39).

“What’s a horizon?‘ Lazlo asked, straight-faced. ‚Is it like the end of an aisle of books?” ― Laini Taylor: Strange the Dreamer