[Ausgepackt] Leseflut – April 2018

Buchboxen an sich sind mittlerweile in allen möglichen Variationen erhältlich, und haben sich am Markt gut etabliert. Nach und nach kommen nun auch Boxen direkt aus Deutschland dazu, und eine davon ist die Leseflut-Buchbox. Diese Box erscheint monatlich unter einem Thema und enthält eine „aktuelle Neuerscheinung, in der Regel als Hardcover, ein Lesezeichen und 3-6 passende Überraschungen“ (Quelle: Leseflut FAQ). Sehr sympathisch fand ich sofort, dass bei der Leseflut die hauptsächlichen Genre eingegrenzt sind -Fantasy, Science-Fiction, Jugenbücher/Junge Erwachsene- und diese von den Machern der Box im Vorfeld selber gelesen werden, um eine gute Auswahl sicher zu stellen.

Zum Reinschnuppern habe ich mir die Aprilbox bestellt, welche unter dem Thema ‚verlesen‘ stand. Leseflut bietet verschiedene Abonnements an, wobei eine Box 29,95 € zzgl. Versand kostet. Übrigens auch sehr sympathisch: In den FAQ wird direkt beantwortet, wann das Geld für die Box bei einem Abo abgebucht wird.

Wer den weiteren Inhalt der Box nicht lesen oder sehen mag, sollte hier jetzt stoppen!


Leseflut | April 2018

Die Überraschungen

In der Aprilbox waren neben dem versprochenem Lesezeichen noch fünf Überraschungen enthalten. Da das Thema „verlesen“ lautete, haben sie alle einen Bezug zum Lesen bzw. der eigenen Leseleidenschaft, und Blau als Thema hat sich etwas durchgezogen. Als erstes wäre da ein Seitenhalter, der die aufgeschlagene Seite für einen offen hält. Mit dem Helfer muss ich erst noch etwas üben, finde ihn aber eine tolle Idee! Gerade bei einigen meiner dickeren Taschenbücher könnte das Lesen damit etwas angenehmer werden. Generell gefällt mir sehr gut, dass die enthaltenen Überraschungen alle etwas praktisches, alltagstaugliches haben. Eine Buchstütze aus Metall kann man ebenso gut gebrauchen wie Textildrucke, mit denen sich Shirts, Beutel oder ähnliches leicht buchig verschönern lassen. Auch die Buchecken sind originell und praktisch, wobei ich da erst noch ein passendes Buch für auswählen muss. In einer Schachtel verbarg sich außerdem eine Kette mit einem kleinen Anhänger in Buchform – und dieses lässt sich sogar öffnen! Die Kette ist für mich zwar etwas kurz geraten, und ich war am Anfang unsicher, ob es vielleicht ebenfalls eine Art Lesezeichen darstellt, aber das lässt sich ja leicht korrigieren.

Das Buch

Wie immer bei einer Buchbox ist natürlich das Buch der Dreh- und Angelpunkt. Beim Auspacken hatte ich kurzzeitig Sorge, dass es vielleicht Animant Crumbs Staubchronik von Lin Rina sein könnte (irgendwie hatte ich das noch als neuer in Erinnerung, wobei es ja schon im November 2017 erschienen ist), was ich ja bereits besitze – es war dann jedoch etwas ganz anderes und zwar Das tiefe Blau der Worte von Cath Crowley. Von dem Buch habe ich bisher noch gar nichts mitbekommen – und dabei verspricht es eine Liebesgeschichte in einem Buchladen. Hach! Ich freu mich sehr über diesen Titel und darüber gestolpert zu sein.

Leseflut | April 2018 Leseflut | April 2018

Alles in allem bin ich mit meiner ersten Leseflut-Buchbox überaus glücklich – und auch die anderen bisherigen Boxen gefallen mir von der Zusammenstellung her. Ein großer Pluspunkt für die Box ist zum einen die praktische Note und das hier keine Werbung enthalten ist (die Illumicrate übertreibt es da teilweise arg), zum anderen die Liebe fürs Detail. Das Paket war in Geschenkpapier mit Leseflut Motiv eingewickelt, der Inhalt mit blauem Schredderzeugs gut geschützt und die einzelnen Überraschungen überwiegend liebevoll verpackt. In der Spoilerkarte sind zwar keine individuellen Händler aufgelistet, aber es wird gut erklärt, wofür die einzelnen Gegenstände gedacht sind und wieso sie ausgewählt wurden. Bei Boxen, die unter wechselnden Themen stehen, muss man zwar immer schauen, aber wenn mich ein Thema anspricht, würde ich hier auf alle Fälle wieder bestellen.


BUCHDETAILS

Hardcover: 400 Seiten | Originaltitel: Words in Deep Blue | Übersetzerin: Claudia Feldmann | Verlag: Carlsen (21.03.2018) | ISBN: 9783551583727 | Vom Verlag empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren

[Momentan] KW 17 / 2018

wanderlust
ARTIKEL
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BÜCHER
FAIRYTALES | Auf den Spuren von… Cinderella | Ab Herbst 2019 keine gedruckten Vorschauen mehr | Marah Woolf zum Thema Buchhandel versus Amazon | Margaret Atwood on How She Came to Write The Handmaid’s Tale 

FILME
Wenn man es geschafft hat diese Woche nichts von Avengers: Infinity War zu hören, ist das eine reife Leistung – der Film war einfach in aller Munde! Ich habe ihn am Donnerstag mit einer Freundin gesehen und wurde super unterhalten. Die Avengers Filme mag ich eh gerne durch das Zusammentreffen vieler verschiedener Marvel Charaktere und in diesem Teil kam ein absolutes Wechselbad der Gefühle dazu. Glücklicherweise konnte ich den Abend zuvor noch Thor 3: Tag der Entscheidung abhaken und müsste jetzt theoretisch nur noch den Spiderman Film sehen, um auf dem aktuellen Stand zu sein… Thor 3 war etwas durchgeknallt, aber ich mochte ihn sehr. Definitiv der beste Film zu diesem Charakter und einer meiner liebsten Marvel Filme.

In letzter Zeit habe ich wieder vermehrt Trailer geschaut und zwei Filme sind dadurch auf meine Merkliste gewandert: Crazy Rich Asians und Hotel Artemis. Gerade letzterer erinnert mich an die Welt von John Wick, was prinzipiell immer eine gute Sache ist.

SERIEN
Zu der Spielfilmtrilogie gibt es mittlerweile eine gleichnamige Serie mit The Quest. Die erste Staffel hat etwas auf ihren Einsatz warten dürfen, aber wurde dann so schnell geguckt, das bereits die zweite Staffel eingezogen ist. Der Humor und das Zusammenspiel der Charaktere ist super, die Handlungen der einzelnen Folgen gut durchdacht und es gibt erstaunlich viele Spezialeffekte (auch wenn diese nicht immer gut aussehen). Wie gut, dass gerade die vierte Staffel erschienen ist, da ist der Nachschub bereits gesichert!

SPIELE
Zwei Titel habe ich durchgespielt: Einmal endlich Emily Is Away Too und Marie’s Room. Bei Emily Is Away Too mochte ich wieder sehr die Gestaltung à la ICQ Chat und die kleinen Spielereien, die seit dem ersten Teil dazugekommen sind. Allerdings gibt es im letzten Kapitel eine Entwicklung, die mich nur wütend gemacht hat und das Ende war  dadurch nicht besonders berauschend. Marie’s Room hat mich dagegen vollkommen begeistert, und das bei noch nicht mal einer Stunde Spielzeit! Ich habe etwa eine Dreiviertelstunde gebraucht und das Spiel ist so konzipiert, dass man es am Stück durchspielen muss: Ihr besucht das Zimmer eurer besten Freundin und Stück für Stück wird rekonstruiert, was vor zwanzig Jahren zwischen euch passiert ist. Für ein kostenloses Spiel ist es sehr hochwertig und die Geschichte kommt mit einer ziemlich krassen Wendung daher… mal sehen, was von den Entwicklern noch so kommen wird.

VIDEO

[Gelesen] Das Eis

Rezensionsexemplar | Ich finde alte Weltkarten, vor allem Radkarten, unglaublich faszinierend. Das fängt schon damit an, dass Menschen im allgemeinen einen Weg gefunden, Himmelskörper, Landschaften und vieles mehr mittels Kartografie darzustellen, gleichzeitig kann man anhand dieser Karten aber auch nachvollziehen, wie mehr und mehr die Welt erforscht und vermessen wurde… und mittlerweile sind wir an einem Punkt, wo man mithilfe von Google Maps nicht nur die normale Kartenansicht zurate ziehen kann, sondern dank Streetview quasi durch die wirkliche Landschaft reisen kann. Aber obwohl fast alles nur wenige Klicks für uns entfernt ist – manche Orte oder Naturschauspiele bewahren sich ihre Faszination. Gerade, wenn diese durch Umwelteinflüsse gefährdet sind oder ein Extrem darstellen. Genau so ein Ort steht mit der Arktis im Mittelpunkt von Laline Paulls Roman Das Eis.

Laline Paull | Das Eis
Vielen Dank an Tropen für das Rezensionsexemplar!
Freundschaft

Sean Cawson und Tom Harding sind recht unterschiedliche Männer, die dank ihrer geteilten großen Liebe für die Arktis in jungen Jahren zu besten Freunden geworden sind. In ihren jeweiligen Gebieten sehr erfolgreich -Sean als Geschäftsmann, Tom als Umweltaktivist- kommen sie für ein gemeinsames Geschäftsprojekt mit ein paar anderen Personen zusammen, welches vorrangig dem Schutz der Arktis dienen soll. Doch von der letzten gemeinsamen Expedition kommt nur Sean zurück und der Leichnam des verschollenen Tom wird erst drei Jahre später vom Eis freigegeben. Für den Leser stellen sich gleich zu Beginn viele Fragen: Was ist auf dieser Expedition geschehen? Verfolgt das Geschäftsprojekt wirklich nur ehrbare Ziele? Welche Konsequenzen hat das Eingreifen des Menschen in gewisse Bereiche? Und wen kann man in dieser Geschichte eigentlich trauen?

Auch Knud Rasmussen und Peter Freuchen haben gelernt, wie man so etwas macht. Die zwei waren beste Freunde, genau wie er und Tom. Rasmussen und Freuchen, Cawson und Harding. | Seite 298

Naturschutz

Zwar spielen relativ wenige Abschnitte des Buches tatsächlich in der Arktis, aber diese ist stets im Buch präsent. Nicht nur Sean und Tom wollen diese Landschaft schützen, sondern auch einige der Nebencharaktere hegen eine tiefe Bewunderung und Liebe für diese – ganz zu schweigen von dem Potential, welches neue Handelsrouten durchs Eismeer und Bodenschätze in dieser Region bedeuten könnten. Dieser Widerspruch wird zum einen sehr gut durch die Freundschaft der beiden Männer verkörpert, zum anderen unterbricht Paull die Geschichte zwischen den Kapiteln immer mit Ausschnitten aus Berichten von Arktisforschern/-reisenden vergangener Tage. Gerade letztere fand ich sehr faszinierend, wenngleich sie mit der eigentlichen Geschichte außer dem Schauplatz in keinem Zusammenhang standen.

Verrat

Paull lässt sich viel Zeit, um ihre Figuren und die Verhältnisse zwischen ihnen zu zeichnen. Fast schon zu viel Zeit, denn wirklich los geht es eigentlich erst ab der Mitte des Buches: Eine gerichtliche Untersuchung soll feststellen, ob ein Gerichtsverfahren eingeleitet werden soll oder man Toms Tod als Unfall deklarieren kann. Stück für Stück erfährt man, was bei der letzten Expedition der Freunde geschah, wobei die Gegenwart immer von Flashbacks unterbrochen wird. Als Leser erlebt man Seans Perspektive, welcher ein doch recht schwieriger Charakter ist. Mit ihm bin ich nie wirklich warm -ha!- geworden und fand ihn viel mehr unsympathisch bis zum geht nicht mehr. Aus einem mir nicht ganz verständlichen Grund versucht Paull ihm auch eine 180° Wendung in den letzten Kapiteln zu verpassen, die einfach furchtbar kitschig und unglaubhaft wirkt.

„Der Überlebende ist selten der Held“, sagte Sawbridge. „Wir müssen große Vorsicht walten lassen.“ | S. 306

Der Aspekt des Umweltschutzes ist zwar in der Geschichte verankert, allerdings ohne je so richtig in die Tiefe zu gehen. Ja, weiße Weihnachten werden seltener, aber was für negative Aspekte hat der Rückgang des Eises noch? Da das Thema der Autorin am Herzen zu liegen scheint, hätte ich mir da etwas mehr gewünscht, gerade, da die Sichtweise der Geschäftsleute doch sehr stark herausgearbeitet wurde. Ein paar Szenen waren durchaus gelungen und sind solche, die im Kopf bleiben – zum Beispiel der Anfang auf dem Kreuzfahrtschiff oder Seans Kanufahrt – aber leider konnte mich Das Eis in seiner Gänze nicht überzeugen.



Weitere Eindrücke zum Buch findet Ihr unter anderem bei Martins Buchgelaber, Endlose Seiten und Of Books And Men.


BUCHDETAILS | ANZEIGE

Verlag: Tropen
ISBN: 9783608503524
Erscheinungsdatum: 31.03.2018
Rating: 2/5