[Gelesen] Die Schule der Nacht

Rezensionsexemplar | Bevor ich Die Schule der Nacht von Ann A. McDonald gelesen hatte, war Oxford gar nicht so auf meinem Schirm – und jetzt habe ich große Lust, diese Stadt irgendwann mal bei einer Rundreise durch Großbritannien zu besuchen. Die Beschreibung der ganzen Universitäten, Bibliotheken und ja, ganz eigenen Welt von Oxford sind McDonald in ihrem Roman einfach wunderbar geglückt! Leider nicht ganz so gut geglückt sind ihr die Auflösung aller Mysterien ihrer Geschichte…

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„Doch Cassie war klar, dass das ein Tagtraum war. Sie konnte unmöglich aufhören, nicht solange so vieles unerklärt war. Das Foto. Das geheime Leben ihrer Mutter. Und all die Geheimnisse, die ihre Mutter mit ins Grab genommen hatte.“ – S. 192

Cassandra -Cassie- Blackwell hat mit jungen Jahren ihre Mutter verloren und weiß kaum etwas über ihre Familie. Ein mysteriöses Päckchen nebst Brief, der mehr Fragen als alles andere aufwirft, führen sie zu Beginn des Buchs an das Raleigh College in Oxford, wo sie sich Antworten über die Vergangenheit ihrer Mutter erhofft. Die Recherche gestaltet sich jedoch schwerer als erwartet – nicht zuletzt, da Cassie sich als Studentin noch mit Hausarbeiten und Tutorien herumschlagen muss. Und je mehr Cassie herauszufinden scheint, desto weniger Fragen scheinen sich tatsächlich zunächst zu beantworten.

Am Anfang stehen Fragen – und die Immatrikulation

Was geschah 1994? Und was verbirgt sich hinter der Schule der Nacht? Fragen sind definitiv ein großer Bestandteil des Romans und ein bedeutender Motivationsgeber für Cassie und den Leser. Gerade zu Anfang ist Cassie selbst noch sehr unnahbar und wirkt durch den Studienbeginn etwas desorientiert. Als Amerikanerin muss sie sich erstmal in Oxford zurechtfinden und versuchen, bei ihrem Auslandssemester mit dem Lerntempo und den Ansprüchen der Professoren mitzuhalten. Ich fand es schön, dass McDonald den Alltag ihrer Protagonistin recht logisch in die Geschichte einbringt und nicht nach wenigen Seiten einfach vergisst, dass Cassie am studieren ist. Dadurch braucht es allerdings seine Zeit, bis die eigentliche Recherche richtig in Gang kommt und Cassie die ersten Antworten findet bzw. auf weitere Fragen stößt. Denn nicht jeder will, dass sie die Wahrheit erfährt und die Recherche endet häufig in Sackgassen.

Geheimgesellschaften und düstere Machenschaften

Immer wieder stolpert Cassie über Anspielungen auf eine Geheimgesellschaft in den Mauern von Oxford, und irgendwie lauert man nur darauf, früher oder später über geheime Zusammenkünfte und dergleichen zu lesen. Daneben macht Cassie allerdings auch einige neue Bekanntschaften, von denen nicht alle glimpflich verlaufen und bei denen man immer wieder hinterfragt, wie viel Vertrauen man den jeweiligen Personen entgegenbringen darf. Es macht Spaß zu sehen, wie McDonald hier verschiedene Hinweise streut und Cassie immer wieder ins Unklare führt. Und auch für den Leser sind vielerlei Entwicklungen nicht sofort vorhersehbar.

Am Ende liegt die Auflösung

Im Vorfeld wusste ich bereits, dass Die Schule der Nacht ein paar übernatürliche Elemente beinhalten sollte und war dadurch nicht mehr komplett überrascht, als diese in der Handlung auftauchten. Für mich liegt hier allerdings die Schwäche des Romans, denn man hätte die Geschichte auch gut ohne diesen Aspekt erzählen können bzw. McDonald schöpft nicht das volle Potential aus. Gefühlt wird diesem Aspekt erst auf den letzten gut 50 Seiten Raum gegeben und ich hätte sehr gerne mehr dazu -gerade auch in Hinblick auf Cassie- gelesen. Die Auflösung des Romans passiert allgemein sehr rasch und ich hatte auf den letzten Seiten noch auf eine überraschende Wendung gehofft. Rückblickend habe ich das Gefühl, dass die Autorin eigentlich zwei sehr unterschiedliche Geschichten im Kopf hatte und diese dann versucht hat in einer zu vermischen. Als reine Unterhaltungslektüre mit leicht düsteren Untertönen ist der Roman gerade für die regnerischen Sommer- und Herbstnächte aber perfekt geeignet!

Vielen Dank an den Penhaligon Verlag für das Rezensionsexemplar!

Andere Eindrücke zu Die Schule der Nacht findet ihr bei:
Das Bücherregal | Buchstabenträumerei | Armarium nostrum | The Book Hubble | Tintentick


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Verlag: Penhaligon
Übersetzer: Christoph Göhler
ISBN:  9783764531775
Erscheinungsdatum: 22.05.2017
Bewertung: 3/5

[Gelesen] Since You’ve Been Gone

Die Freundinnen Sloane und Emily haben bereits alles geplant und eigentlich dürfte somit den perfekten Sommerferien nichts mehr im Wege stehen. Eigentlich, denn Sloane ist auf einmal unauffindbar und nicht zu erreichen. Bevor Emily sich viele Gedanken darüber machen kann, erhält sie bereits von ihrer besten Freundin per Post eine Liste mit dreizehn Aufgaben. Und vielleicht steht am Ende dieser Liste ja ein Wiedersehen mit Sloane…?

Aufgaben / Herausforderungen

Ich liebe to-do Listen und dementsprechend fand ich die Ausgangssituation für Since You’ve Been Gone (dt. Dreizehn Wünsche für einen Sommer) von Morgan Matson bereits großartig. Natürlich geht es in dieser Geschichte auch um viele andere Themen wie Freundschaft, Liebe, Missverständnisse und den Ferienjob, aber im Vordergrund steht ganz klar Emily und ihre Entwicklung. Die Rollen zwischen ihr und Sloane sind klar verteilt: Sloane gibt den Ton an, Emily folgt. Alles wird gemeinsam gemacht oder zumindest noch mal bis ins kleinste Detail nachbesprochen, falls doch mal was alleine gemacht werden muss. Durch die Abwesenheit von Sloane muss Emily erstmals aus dieser Rolle ausbrechen und die Liste ist dabei eine große Hilfe. Die Aufgaben variieren dabei vom Schwierigkeitsgrad und manchmal braucht es auch mehrere Anläufe, bis etwas abgehakt werden kann. Mir kam das sehr realistisch vor und ich mochte Emily einfach sehr.sinceyouvebeengone

Liebe ist kompliziert

Beziehungen sind in Since You’ve Been Gone ein spannendes Thema, weil Matson es schafft, sehr reale Probleme gut zu verpacken. Sowohl das Nichtmögen des Freundes der besten Freundin als auch das sich betrogen fühlen, wenn Beziehungen scheitern – all das kennt man. Und auch die Schwierigkeit für jemanden Gefühle zu entwickeln, der gerade nicht verfügbar ist… Die Charaktere dürfen Fehler machen, müssen aber auch für diese gerade stehen. Gerade bei einer Sache in diesem Buch reflektieren auch Emilys Freunde ihr, dass es nicht in Ordnung war, was sie getan hat – großartig! Mir ist das sehr positiv aufgefallen, vor allem, da es so stark von sonst typischen Liebeshandlungen im Contemporary Genre abweicht.

Sommer, Sonne, Neuanfang

Trotz aller ernsteren Anklänge: Since You’ve Been Gone bleibt seinem Handlungszeitraum -den Sommerferien- treu und ist das perfekte Buch für die Sommermonate. Emily lernt ihren eigenen Weg zu kennen, auch mal spontan zu sein, und sich nicht immer nur hinter Sloane zu verstecken. Durch den kleinen Roadtrip gegen Schluss wurde ich beim Lesen immer mal wieder an Paper Towns von John Green erinnert -auch hier verschwindet ein Charakter spurlos und die Hauptperson versucht sie anhand von Hinweisen zu finden-, wobei ich vor allem das Ende bei Matson als gelungener empfinde. Sloane ist die Freundin, die jeder kennt und sich zu großen Teilen wahrscheinlich auch wünscht, aber Matson macht aus ihr keinen ungreifbaren Mythos. Man versteht ihre Seite am Ende genauso wie die von Emily.

“I looked like someone who’d had a night, and had a story to tell about it. Which was, I realized as I collected my dress and heels in my arms and made my way, yawning, to the front door in the cool early light, exactly what had happened.” – S. 348

Die Geschichte ist rund in sich geschlossen und lässt kaum Fragen offen. Zwar hätte mich noch etwas mehr zu Emilys Exfreund gewünscht beziehungsweise mehr Szenen gegen Ende mit Collins und Dawn, aber das hätte wahrscheinlich den Rahmen des Buches gesprengt. Since You’ve Been Gone ist nach einigen Nieten in dem Genre mal wieder ein zuckersüßer Contemporary Roman, der mit ein, zwei Kugeln Eis dazu ein wirklich schönes Leseabenteuer ist.


Andere Eindrücke zu Since You’ve Been Gone findet ihr hier:
Die Lesetante | Bookaholics | Bücherfantasien | Wortmalerei | The Emotional Life of Books


BUCHDETAILS | ANZEIGE

Verlag: Simon & Schuster
ISBN:  9781442435001
Erscheinungsdatum: 06.04.2014
Bewertung: 4/5