[Gesehen] Smaragdgrün

Nachdem der letzte Teil der Edelstein-Trilogie jetzt schon etwas länger im Kino läuft, habe ich es diese Woche auch endlich rein geschafft. Ich mochte die Bücher sehr gerne, und die beiden ersten Filme waren (gerade für deutsche Verfilmungen) erstaunlich gut gelungen. Smaragdgrün dagegen hat mich nach gut zwei Stunden etwas ratlos zurückgelassen.Smaragdgrün Zeitreisegeschichten werden immer kompliziert, wenn hin und her gereist wird, ohne Frage. Auch in Smaragdgrün geht es wieder relativ munter durch die Zeit, und die Handlung setzt zeitnah nach Saphirblau ein. Gwen und Gideon sind zerstritten, hegen aber beide Zweifel an den Zielen der Loge und des Grafen. Es gilt weiterhin, die Vollendung des Blutkreislaufs im Chronographen zu verhindern und irgendwie über den verflixten Liebeskummer hinweg zu kommen. So weit, so gut.

Weniger gut dagegen ist das Drehbuch. Ich hatte mich eigentlich geärgert, dass ich keinen Reread der Bücher mehr geschafft hatte, aber im Endeffekt bin ich froh drüber: Ein Großteil der Handlung wurde umgeschrieben und zwar ordentlich. Vielleicht wären ein paar der Ideen gar nicht schlecht, aber sie haben absolut keinen Raum und Zeit (ha!) im dritten Teil, um sich zu entfalten. Dadurch schleichen sich einige Logiklöcher ein, und es wird einfach nicht klar, warum diese Entscheidungen getroffen worden. Zahlreiche überflüssige Szenen sind nämlich noch da, warum also das Buch neu erfinden?

Genauso verwirrend empfand ich die zig Anspielungen auf Hamlet, und wie viele Charaktere im Endeffekt einfach hintenüberfallen. Bestes Beispiel dafür ist Grace. Wieso nicht einfach einen Nebensatz einbauen à la „Loge hat sie weggeschickt“? Vielleicht wäre auch diese Schwäche nicht so krass ins Auge gesprungen, wenn die Darsteller der gesamten Trilogie nicht noch einmal in den Credits auftauchen würden… Maria Ehrich und Jannis Niewöhner haben mir in den Hauptrollen wieder sehr gut gefallen, wohingegen Johannes von Matuschka komplett überdreht seine Rolle spielt. Der restliche Cast schrumpft im Lauf des Films immer mehr zusammen, wobei Laura Berlin noch einiges aus ihrer Figur raus holen darf.

Es gibt eine kurze Referenz an die Bankenkrise und Totalüberwachung genauso, wie eine eigentlich recht traurige Szene, bei der im Kino so ziemlich alle lachen mussten: An manchen Stellen weiß man wirklich nicht, ob Smaragdgrün sich selbst ernst nimmt beziehungsweise welche Zielgruppe überhaupt angesprochen werden soll. Trotz der vielen negativen Aspekte bin ich froh, dass die gesamte Trilogie mit einem einheitlichen Cast verfilmt wurde und zur Abwechslung mal nicht gekünstelt auf vier Verfilmungen gestreckt werden musste. Smaragdgrün ist für mich zwar der schwächste Film der Reihe, bis zu einem bestimmten Punkt hat er aber bestens unterhalten. Wenn man die Bücher ausklammert (oder vielleicht noch nicht gelesen hat), ist Smaragdgrün für einen DVD-Abend nächstes Jahr nicht verkehrt – einen Kinogang kann man sich aber sparen.

rating: 2.5/5

[Gelesen + Gesehen] The Woman in Black

Ich kann die Horrorfilme, die ich im Kino gesehen habe, wirklich an einer Hand abzählen – ich bin furchtbar schreckhaft, und mag mich lieber Zuhause als in einem riesigen Saal gruseln. Lustigerweise habe ich sowohl The Woman in Black als auch The Woman in Black 2: Angel of Death auf der großen Leinwand gesehen. Beim ersten Teil war ich mit einer guten Freundin in einer Nachmittagsvorstellung (weil neuer Film mit Daniel Radcliffe in der Hauptrolle), der zweite Teil lief im Rahmen einer Sneak. Mir war nicht bewusst, dass die Geschichte auf einer Novelle von Susan Hill basiert: umso mehr hat es mich gefreut, das Buch geschenkt zu bekommen!

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Im Grunde ist The Woman in Black eine ganz klassische Gruselgeschichte: Arthur Kipps ist ein junger Rechtsanwalt aus London, der in eine abgelegene Gegend Englands reisen muss, um dort den Nachlass einer Mandanten durchzugehen. Dafür muss er in das Eel Marsh House, das durch die Flut regelmäßig vom Festland abgeschnitten wird – und scheinbar treibt auch der Geist einer Frau in Schwarz sein Unwesen.

The Woman in Black ist das zweite Buch, dass ich von Susan Hill gelesen habe und so wusste ich bereits, dass man mit ihrem Schreibstil Geduld haben muss. Wie in Das Gemälde wird man erst sehr gemächlich in die Handlung eingeführt und der eigentliche Horror kommt erst weit nach Mitte des Buches. Ich mag dabei, wie ihre Hauptpersonen eigentlich mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen, nicht an das Übernatürliche glauben – und dann doch eines besseren belehrt werden.

A man may be accused of cowardice for fleeing away from all manner of physical dangers but when things supernatural, insubstantial and inexplicable threaten not only his safety and well-being but his sanity, his innermost soul, then retreat is not a sign of weakness but the most prudent course.

Schön fand ich die Beziehung zu dem kleinen Hund Spider, den man Kipps mit gibt, als er zum zweiten Mal in das Haus aufbricht. Die Abgelegenheit und Isolation von Eel Marsh House wird sehr deutlich, und der Hund als Gefährte gibt Kipps sehr viel Halt. Trotzdem wollte aber das eigentliche Gruselige bei dieser Novelle nicht überschwappen… es passiert nichts, was man nicht bereits aus anderen Erzählungen dieser Art kennt. Die Bewohner des nächstgelegenen Dorfes haben alle Angst vor dem Haus und der Frau in Schwarz, aber die Erklärung hierfür ist sehr dünn. Vielleicht hätte es der Novelle gut getan, wenn man mit Kipps länger im Eel Marsh House geblieben wäre.

Als wir aus dem Kino kamen, schien draußen die Sonne – und wir haben erst mal einen Moment gebraucht, um wieder im Hier und Jetzt anzukommen. The Woman in Black ist ein erstaunlich guter Horrorfilm! Vom Trailer bekommt man schon einen guten Eindruck: die Trostlosigkeit und Isolation wird sehr gut vermittelt, und Eel Marsh House ist fast ein eigener Charakter. Die Handlung variiert leicht von der der Novelle, gefällt mir im Film allerdings besser. Es wird auf viele klassische Gothic Horror Elemente zurückgegriffen, aber keines wird überreizt. Auch die Frau in Schwarz wird sehr bedacht eingesetzt, und man erschrickt sich teilweise schon, weil man einfach damit rechnet, dass sie gleich einfach irgendwo im Bild stehen wird.

Daniel Radcliffe spielt die Hauptrolle in The Woman in Black, und es ist eine seiner besten Rollen. Die Entwicklung von Kipps wird hervorragend von ihm gespielt, gerade auch im Hinblick auf das Ende des Films. Für mich eigentlich auch bisher das Beste, was er seit Harry Potter filmisch abgeliefert hat.

Irgendwie hat es der Film geschafft, einen zweiten Teil zu bekommen – The Woman in Black 2: Angel of Death. Grundsätzlich klingt die Ausgangslage schon ganz interessant. Kinder werden während des Krieges mit ein paar Lehrkräften in Eel Marsh House untergebracht, um vor Luftangriffen in den Städten sicher zu sein. Dumm nur, dass die Frau in Schwarz dort immer noch ihr Unwesen treibt! Falls man ein Fan von Jumpscares ist, kommt man hier voll auf seine Kosten. Viel mehr, sei es Handlung, Stimmung, Schauspielkunst, ist leider nicht drin. Wenn man die Wahl hat, wirklich lieber zum ersten Teil greifen!


BUCHDETAILS | ANZEIGE

Verlag: Vintage
ISBN: 9780099288473
Erscheinungsdatum: 1998
Rating: 2/5

 

[Gesehen] Ben X

benx

Ben ist ein Jugendlicher mit Asperger-Syndrom. In der Schule wird er gemobbt und von seinen Mitschülern nicht verstanden; vor allem zwei Mitschüler haben ihn dabei als „ihren besten Freund“ stark auf dem Kieker. Zuhause versinkt Ben in das MMORPG Archlord, in dem sein Charakter stark und alles ist, was er selbst im wahren Leben nicht ist. Dort trifft er sich auch mit einer seiner einzigen Bezugspersonen: der Heilerin Scarlite. Schleichend wird das Mobbing immer schlimmer und Ben plant immer mehr das ultimative Endgame.

Mobbing, Drogen, Autismus, Unverständnis, Suizid… Ben X aus dem Jahr 2007 von Nic Balthazar ist kein schöner Film, auch wenn er teilweise sehr schön anzusehen ist (vor allem die Einarbeitung der Spielelemente in den Film ist einfach gelungen!). Der Film ist so realistisch gedreht, dass vor allem die Szenen in der Schule und auf dem Weg hin und zurück sehr schwer anzusehen sind. Durch sein Asperger ist es für Ben sehr schwer verständlich, ob das, was passiert, eigentlich normal ist oder nicht – und so gehen einige Versuche, es allen recht zu machen, gründlich schief. Zu seiner Familie findet er genauso wenig Zugang wie zu seinen Mitschülern, nur zu Scarlite findet Ben Anschluss. Je mehr das Endgame in Bens Fokus gerät, desto stärker bietet sie ihm Halt. Vermischt Ben Spiel und Realität, um seinen Alltag zu bewältigen, so vermischt sich bei Scarlite ebenfalls wieder Spiel und Realität, als ein Treffen der Beiden im realen Leben im Raum steht.

Die Handlung von Ben X ist von wahren Gegebenheiten inspiriert, und vor der Filmumsetzung hat Nic Balthazar den Stoff bereits als Buch aufbereitet. Es lohnt, vor allem in Hinblick aufs Ende, an diesem Film dran zu bleiben – auch wenn es an manchen Stellen schwer fällt.

Trivia: Ben X klingt fast wie das Niederländische bennicks, was so viel wie „Ich bin Nichts“ bedeutet.