[Gelesen] Girlsplaining

Rezensionsexemplar | Eine Kolumne, dahinter steckt ein kurzer Meinungsbeitrag. Kolumnisten -also die, die Kolumnen schreiben- können dabei die unterschiedlichsten Themen abdecken oder sich auf eine Thematik konzentrieren, zu der sie meist aus ihrem Alltag berichten. Popkulturell gibt es dabei wahrscheinlich keine bekannte Kolumnistin als Carrie Bradshaw aus Sex and the City, und eben diese dient Katja Klengel ein wenig als Inspiration für ihre Online-Kolumne Girlsplaining. In dieser beschäftigt sie sich aus der Ich-Perspektive heraus mit feministischen Themen, in denen sich vermutlich so manche Leser*innen wiedererkennen werden.

Girlsplaining?

Den Begriff Mansplaining hat man vielleicht schon mal gehört, aber was genau ist den Girlsplaining? Bei beiden Begriffen vermischen sich Wörter: man is explaining (=Mansplaining) bzw. girl is explaining (=Girlsplaining). Grob umrissen beschreibt Mansplaining Männer, die Frauen die Welt erklären und ihrer Macht damit Ausdruck verleihen. Klengel nutzt diesen Begriff und lehnt Girlsplaining daran an: In ihrer Kolumne beschäftigt sie sich mit den Themen in ihrer eigenen Geschwindigkeit, findet Erklärungen oder Metaphern  ohne ge-mansplaint zu werden.

Von Kuchen und Kettensägenmassakern

In Girlsplaining werden die ersten sechs Kapitel der gleichnamigen Online-Kolumne plus ein Zusatzkapitel und ein paar Extras vereint, und allein die Kapitelüberschriften sind schon herrlich:

  1. Sex und die Stadt
  2. Der Geist der verrosteten Rasierklingen
  3. Das Baby-Kettensägenmassaker
  4. Superheldin mit Rotwein
  5. Viva La Vulva!
  6. Die Entdeckung der Klitoris
  7. Die Spielzeugfalle
Girlsplaining
Girlsplaining Leseprobe und Herbstprogramm vom Verlag

Verschiedene Anekdoten oder Alltagserlebnisse finden sich neben jeder Menge popkulturellen Anspielungen hierin wieder, wobei Klengel immer wieder gut herausarbeitet welche große Rolle Sprache eigentlich hat: „Sprache erzeugt Realität.“ (S. 118). Benutzen wir die richtigen Wörter nicht (oder kennen sie unter Umständen noch nicht mal), so wird das ‚Untenrum‘ beispielsweise viel zu schnell zum Tabuthema oder Sex nur mit Penetration gleichgesetzt. Ebenso werden Body Positivity oder Dinge wie Hair-Shaming von Sprache unterstützt, und auch hierzu findet sich etwas in der Kolumne.

Vielleicht muss ich ja gar nicht die Carrie Bradshaw der Comicszene sein. Es reicht, wenn ich die Katja Klengel der Comicszene bin und Comics mache, in denen ich ganz ich selbst bin, oder? | Seite 19

Mir hat an den Kapiteln immer wieder gefallen, wie leicht man eigene Erfahrungen darin wiederfinden konnte und wie gut geglückt der Mix aus Persönlichem, Humor und Wissensvermittlung doch ist. Wer hat nicht schon mal einen dummen Spruch abbekommen und keine schlagfertige Antwort sofort parat? Sammelleidenschaft stößt auch nicht immer auf Verständnis, genauso wenig, dass Kinder kriegen oder nicht kriegen keine leichtfertige Entscheidung ist. Alle Kapitel hatten dabei etwas für sich, wobei mein Favorit Superheldin mit Rotwein ist, indem es um weibliche Vorbilder geht und das das Motto „Gemeinsam stark sein und handeln“ (S. 89) sein sollte!

Viva La Comic

Egal, ob man Comic- oder feministisches Vorwissen mitbringt – der Comic ist super erschließbar. Die Zeichnungen sind durchgängig mit Bleistift gemacht und weisen ein Altrosa-Schwarz-Weiß-Schema auf, was sehr gut harmoniert und von den Texten ergänzt wird. Irgendwie schlicht und dabei doch detailreich! Zu Girlsplaining sollen noch weitere Kapitel folgen und ich bin gespannt, welchen Themen sich Klengel noch annehmen wird. Bis dahin heißt es einfach die bisherigen Kapitel nochmal zu lesen oder sich ihre anderen Projekte wie z. B. Blattonisch anzuschauen.


Die Comic-Kolumne ist zuerst bei Broadly erschienen, wo Ihr auch eine exklusive Leseprobe zu Girlsplaining HIER finden könnt. Auf der Seite von Reprodukt findet Ihr ebenfalls HIER Einblicke. Zu Girlsplaining gibt es darüber hinaus noch eine Lesereise mit diversen Terminen zwischen September und November 2018: 

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© Katja Klengel / Twitter (27.08.2018)

BUCHDETAILS | ANZEIGE

HARDCOVER: 160 SEITEN | VERLAG: REPRODUKT (12.09.2018) | ISBN: 978-3-95640-160-2 | FARBIG, 17 X 17 CM | KAPITEL 1-6 WURDEN IM ONLINE-MAGAZIN BROADLY ERSTVERÖFFENTLICHT | REPRODUKT HAT MIR FREUNDLICHERWEISE EIN DIGITALES REZENSIONSEXEMPLAR ZUR VERFÜGUNG GESTELLT, WAS MEINE MEINUNG NICHT BEEINFLUSST.| MEINE BEWERTUNG: 5/5

Bücher, Bücher! Neuzugänge im August 2018

Neuzugänge | August 2018Yoshitoki Oima: To Your Eternity 03Sean Lewis; Ben Mackey: Saints: The Book of Blaise / Mary E. Pearson: Dance of Thieves  / Ichigo Takano: Dreamin‘ Sun 04 / Lindsay Smith; Max Gladstone; Cassandra Rose Clarke; Ian Tregillis; Michael Swanwick: The Witch Who Came in from the Cold  / Stefanie Hasse: Magie aus ewigem Sand / Bianca Iosivoni: Für immer verboten / Melissa Albert: The Hazel Wood / Jo Nesbø: Macbeth. Blut wird mit Blut bezahlt / Mareike Allnoch: Jasmin: Orangenblütenzauber / Ubisoft Entertainment: Assassin’s Creed: Limited Edition Art Book / Sarah J. Maas: Catwoman. Soulstealer / Rick Barba: Assassin’s Creed: A Walk Through History (1189-1868)

Wenn auch gefühlt alles andere schief läuft, das Bücherkaufen tut’s nicht und so sind wieder einige neue Titel im August in meine Regale eingezogen. Erinnert Ihr Euch eigentlich, unter welchen Umständen Ihr Bücher gekauft habt? Ich finde es irgendwie ganz schön das Bild ansehen zu können und zu wissen, dass ich die zwei Titel in der Buchhandlung entdeckt habe als ich auf eine Freundin gewartet habe, während das andere hier drüben überraschend in einer Buchbox kam und diese zwei Stück habe ich als Belohnung nach einer sehr harten Woche auf der Arbeit bestellt. Unnütze Talente kann ich gut. Ein weiteres als Beispiel gefällig? Mir fällt immer erst beim Tippen solcher Beiträge auf, dass ich ein Buch fürs Foto vergessen habe…

  • Es sind erneut 13 Bücher eingezogen, darunter 2 Manga und 1 Comic.
  • 2 Titel sind davon bereits durchgelesen – ich bleibe dem Schnitt vom Vormonat echt treu!
  • Bei Dance of Thieves weiß ich nicht mehr genau, was mich zum Vorbestellen geritten hat? Ebenso habe ich keine Ahnung, ob ich die Remnant Chronicles im Vorfeld lesen sollte? Zumindest wurde es gerade in einem Vlog als Mafiafamilie Fantasystyle umrissen, das gibt mir Hoffnung!
  • Endlich ist in der Hogarth Shakespeare series Macbeth dran, mein liebstes Stück von Shakespeare. Hamlet wurde auch endlich mal angekündigt, bleibt nur noch die Frage, ob Coriolanus ebenfalls eine Adaption bekommt.
  • 3 Vorbestellungen kamen an sowie 2 Buchboxen mit ebenso vielen Büchern drin.
  • 6 Bücher sind auf Deutsch, 7 auf Englisch.
  • Es sind 6 Reihenauftakte, 3 Fortsetzungen und 4 Einzelbände eingezogen (46:23:31).

“All of us are lonely at some point or another, no matter how any people surround us. And then, we meet someone who seems to understand. She smiles, and for a moment the loneliness disappears.” ― Helene Wecker: The Golem and the Jinni

[Gelesen] Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden

Rezensionsexemplar | Eigentlich geht der junge Briefträger in Genki Kawamuras Roman Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden nur wegen einer Erkältung mit stehenden Kopfschmerzen zum Arzt, die Diagnose stellt dann aber etwas ganz anderes fest: Er hat einen Gehirntumor und wird nicht mehr lange leben. Wie geht man mit solch einer Mitteilung um? Was stellt man mit der verbleibenden Zeit an? Und welche Dinge wären überhaupt noch wichtig, worauf könnte man verzichten?

Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden
Vielen Dank an C. Bertelsmann für das Rezensionsexemplar!
Eine teuflische Woche

Geschichten über Krankheiten wie Krebs oder den Tod allgemein sind keine leichte Kost, und auch in den kaum zweihundert Seiten starken Roman von Kawamura steckt jede Menge drin. Als Leser begleitet man den Briefträger für eine Woche, wobei am Anfang die bittere Diagnose steht. Auf diesen ersten Schrecken folgt aber gleich ein zweiter als er nach dem Arztbesuch nach Hause kommt: Dort wartet er selbst auf sich. Der Doppelgänger stellt sich als der Teufel vor, welcher einen Handel im Gepäck hat. Der Briefträger darf weiterleben, aber für jeden weiteren Tag muss eine Sache vollends von der Welt verschwinden. Klingt zuerst simpel, entpuppt sich aber schnell als äußert schwierig… und verlangt jeden Tag aufs neue eine Entscheidung.

Von der Vergangenheit, Reflexion und Weißkohl

Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden ist mit den Hinweis Roman versehen, wobei die Geschichte mehr in Richtung einer Parabel geht. Die Geschehnisse im Laufe der Woche halten einem den Spiegel vor und bieten Denkanstöße, angefangen mit der Frage, ob man selbst diesen Handel mit dem Teufel eingehen würde. Auch der Protagonist selbst denkt dank der Ereignisse viel über sein Leben nach, was er bereut oder vielleicht noch in Ordnung bringen sollte. So erfährt der Leser nach und nach einiges über seine Vergangenheit, wobei die Geschichte immer wieder dank skurrilen Momenten mit Humor aufgelockert wird ohne das dies unangebracht wird. Gerade den Kater Weißkohl fand ich dabei großartig, wobei auch der Teufel einige tolle Momente hat.

Die Ereignisse, die ich Ihnen hier schildere, sind mir in den letzten sieben Tagen tatsächlich zugestoßen. Es waren äußerst seltsame sieben Tage. Und ich werde bald sterben. Warum? Das erzähle ich Ihnen jetzt. | Seite 5

Es ist eine sehr ruhige, in sich gekehrte Geschichte, welche zwar schnell gelesen ist, aber noch lange im Leser nachklingt. Kawamura schafft es dabei wirklich gut seine Geschichte angemessen zu erzählen, ohne das einen zum Beispiel der Humor je aufstößt. Auch der Schluss ist fantastisch geglückt, irgendwie offen und traurig, dabei gleichzeitig froh und hoffnungsvoll. So ist es zwar eine ernste Geschichte, die man in Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden vorfindet, jedoch zu keinem Zeitpunkt eine niederschmetternde oder erdrückende. Wenn ich einen Kritikpunkt nennen müsste, dann wäre dieser, dass die Erkenntnis, welche man zwischen den Seiten finden soll, etwas zu stark und offensichtlich durchscheint – ich glaube, da könnte man seinen Lesern mehr zutrauen. Gerade für seine Thematiken aber ein wichtiges kleines Buch, nicht nur für Katzenliebhaber!


Weitere Eindrücke zum Buch findet Ihr unter anderem bei Buchstabenstadt, It’s VonkSternenbrise und Leselaunen.


BUCHDETAILS | ANZEIGE

HARDCOVER: 192 SEITEN | ORIGINALTITEL: SEKAI KARA NEKO GA KIETA NARA / 世界から猫が消えたなら | ÜBERSETZT AUS DEM JAPANISCHEN VON URSULA GRÄFE |  VERLAG: C. BERTELSMANN VERLAG (23.04.2018) | ISBN: 978-3570103357 | MEINE BEWERTUNG: 4/5