[Rückblick] November 2018

Ach ja, diese schöne Überraschung, wenn man durch seine Entwürfe scrollt und feststellt, dass der fertige Beitrag es irgendwie nicht in die Warteschleife geschafft hatte… argh! Der Vollständigkeit halber werde ich den Novemberrückblick jetzt nicht unterschlagen, sondern es gibt diesen Monat dann einfach beide, November und Dezember. Wobei der November jetzt eigentlich nicht berauschend war, aber egal!

Höhepunkt: Assassin’s Creed: Uprising, Vol. 3: Finale
Tiefpunkt: Nebelvermächtnis
Hörbücher: Survive. Du bist allein 
Gelesene Seiten: ca. 4.198
Ø Bewertung: 2,93
/ 5 

Vier Comics habe ich im November gelesen, wovon mir alle außer Green Monk super gefallen haben. Ist jetzt auch nicht schwer, schließlich waren es drei Comics zu Assassin’s Creed. Mit dem dritten Sammelband zu Uprising endet die Geschichte, die sich über drei Reihen –Assassin’s Creed, Assassin’s Creed: Templars, Assassin’s Creed: Uprising– gestreckt hat und ich vermisse diese Truppe jetzt schon. Vor allem, da das Ende wenig überraschend kein Friede, Freude, Eierkuchen Ende ist. Genauso könnte es gerne zu Origins noch einen Band geben, wobei ich daran nicht wirklich glaube.

RL-NOV-18
Zusammensetzung: 9 Printbücher; 1 Manga; 4 Comics; 1 Hörbuch; 1 abgebrochener Titel

The Elephant Vanishes ist endlich, endlich geschafft! Puh, das war ein wirklicher Krampf und gelohnt hat sich’s nicht. Vielleicht muss ich einfach endlich einsehen, dass Kurzgeschichtensammlungen und ich einfach keine Freunde sind? Jane Steele hat mich ebenfalls ziemlich enttäuscht, da es weniger ein Retelling zu Jane Eyre war als was komisch eigenes. Mir gefallen diese quasi Retellings nicht, wo das referenzierte Werk existiert und von den Protagonisten immer wieder erwähnt wird. Das ist sowas halbes und nichts ganzes, entweder schreib ich das Retelling oder meine eigene Geschichte, dieses Dazwischen funktioniert meiner Meinung nach nicht.

Fantastisch fand ich The Hazel Wood, das mich an einige Werke von Cornelia Funke erinnert hat. Teilweise hat es was von einem Roadtrip, der dann zwar recht merkwürdig endet, dabei trotzdem großen Spaß macht. Dazu die kleinen Illustrationen am Kapitelanfang und die düsteren Auszüge aus dem gleichnamigen Märchenband The Hazel Wood – ich bin echt gespannt, was von der Autorin als nächstes kommt. Ebenfalls gut gefallen hat mir der finale Band zur Future Shock Trilogie, Future Lost. Ja, man sollte über manche Dinge nicht zu sehr nachdenken, weil Logik bei Zeitreisen immer etwas eigen ist, jedoch mag Elena und Adam einfach so sehr als zentrales Pärchen, das hier wieder ordentlich mitgefiebert wurde.

Es gibt Bücher, wo man das Konzept bewundert, aber die Ausführung den eigenen Geschmack nicht ganz trifft: Muse of Nightmares war mal wieder so ein Fall. Ich bewundere den Aufbau dieser Dilogie sehr: Wo Strange the Dreamer der Traum mit düsteren Untertönen ist, ist Muse of Nightmares der Alptraum mit einem Streifen Licht am Horizont. So viel Trauma und Schmerz, so viele Parallelen zwischen den Charakteren und Ereignissen… Einige Erklärungen waren mir allerdings zu viel, ebenso hätte ich von bestimmten Szenen weniger und von anderen gerne mehr gesehen. Und ich kann es auf den Tod nicht ausstehen, wenn eine Geschichte eine krasse Wendung nimmt, nur damit der Autor danach wieder zurückrudert. MEHRFACH. Das schwächt nicht nur meine Nerven, sondern auch die Wirkung der Wendung enorm. Trotzdem macht es Lust auf mehr, und ich mag jetzt unbedingt die andere Trilogie von Taylor lesen! 

Alle verschlungenen Titel des Monats:
K. Ancrum: Wicker King Bewertung: 2/5
Brandon Dayton: Green Monk, Vol. 1 Bewertung: 2/5
Kat Howard: Schatten der Magie Bewertung: 2/5
Anthony Del Col; P. J. Kaiowa; Dijjo Lima: Assassin’s Creed: Origins Bewertung: 4/5
Alex Paknadel; Dan Watters; Jose Holder: Assassin’s Creed: Uprising, Vol. 2: Inflection Point Bewertung: 5/5
Dan Watters; Alex Paknadel; Jose Holder; Marco Lesko: Assassin’s Creed: Uprising, Vol. 3: FinaleBewertung: 5/5
Haruki Murakami: The Elephant Vanishes Bewertung: 1/5
Ichigo Takano: Dreamin‘ Sun 5 Bewertung: 3/5
Melissa Albert: The Hazel Wood Bewertung: 4/5
Holly Black: The Darkest Part of the Forest Bewertung: 3/5
Alexandra Olivia: Survive. Du bist allein Bewertung: 2/5
Arne Kilian: Nebelvermächtnis abgebrochen
Jo Nesbø: Macbeth. Blut wird mit Blut bezahlt Bewertung: 4/5 | Beitrag
Lyndsay Faye: Jane Steele Bewertung: 2/5
Elizabeth Briggs: Future Lost Bewertung: 4/5
Laini Taylor: Muse of NightmaresBewertung: 3/5

“The most irritating thing about cliches, I decided, was how frequently they were true.” 
― Diana Gabaldon, Voyager

 

[Gelesen] Macbeth – Blut wird mit Blut bezahlt

Rezensionsexemplar | Im Rahmen der Hogarth Shakespeare Reihe sind bereits einige Werke des Barden von bekannten Autoren neuinterpretiert worden, wobei ich mit am meisten auf Macbeth gespannt war.* Macbeth ist mein liebstes Stück von Shakespeare und birgt für jede Adaption eine große Herausforderung: Macbeth ist gleichzeitig Protagonist und Antagonist. Sein Weg vom Sympathie- und Hoffnungsträger hin zum kaltblütigen Mörder und schließlich Despoten ist faszinierend und abstoßend zugleich, dabei aber nachvollziehbar. Zu Beginn des Stücks ist Macbeth ein Feldheer, dem die schottische Krone prophezeit wird und ein Großteil der Handlung beschäftigt sich mit dem Weg dorthin und wie Macbeth dabei korrumpiert wird. Wie das am besten für ein modernes Publikum umsetzen?

* Eine Liste der Titel findet Ihr am Ende des Beitrags.

Macbeth
Vielen Dank an Penguin für das Rezensionsexemplar!

Es gibt viele ikonische Szenen in Macbeth von William Shakespeare, und eine davon ist definitiv in der ersten Szene des vierten Akts zu finden. Hier stehen die drei Hexen um ihren Kessel und werfen unter Beschwörungen allerlei Dinge zum brauen hinein. Einen dieser Verse könnte sich Jo Nesbø dabei besonders für seinen Macbeth zu Herzen genommen haben: „Spart am Werk nicht Fleiß noch Mühe, Feuer sprühe, Kessel glühe!“ (aus William Shakespeare: Macbeth, Reclam (2001), Übersetzung von Dorothea Tieck)

Eine Stadt für ein Königreich

Nesbø verlegt die Handlung in eine verkommene Industriestadt irgendwo im Norden in den 1970er Jahren. Die örtliche Polizei kämpft nach außen hin gegen den Drogenboss Hecate sowie die mit ihm konkurierende Bikergang Norse Riders. Innerlich reiben sich die diversen Behörden und Abteilungsleiter gegenseitig auf, das gesamte System ist korrupt hoch zehn. Inspector Macbeth passt da eigentlich nicht rein, ist er doch unbestechlich und will wirklich was verändern. Selber der Drogensucht entkommen zählt für ihn mittlerweile nur seine Partnerin Lady, welche mit dem Inverness ein gehobenes Casino in der Stadt betreibt, sowie sein väterlicher Freund Banquo und dessen Sohn. Ins Wanken gerät dies nach einem Einsatz und einer Wahrsagung der drei mysteriösen Schwestern, welche Macbeths kommende Beförderung vorwegnehmen.

„Der eine verliert, der andere gewinnt“, sagte Strega. „Dies sind die Gesetze des Dschungels. Mehr Tote, mehr Brot. Und wer bekommt wohl das Brot, frage ich mich, wenn Chief Commissioner Duncan stirbst?“ | Seite 95

Die Übertragung der Handlung in den Mikrokosmos einer Stadt ist Nesbø  außerordentlich gut gelungen, und ich mochte vor allem seine Einschübe zu Politik, Macht und die Natur des Menschen in diesem Zusammenhang sehr. Das verkommene äußere der Schauorte spiegelt sich direkt im verkommenen inneren der Charaktere, die alle eine gewisse Ambivalenz haben. Es gibt hier nicht die rein Guten oder Bösen, was vor allem in den Szenen aus der Sicht der Norse Riders offensichtlich wird.

Macht oder keine Macht?

Die Geschichte wird immer wieder aus verschiedenen Sichten erzählt, wodurch der Leser ein gutes Verständnis für die Handlungsweisen der Charaktere entwickelt. Macbeth, Lady und Duff bekommen dabei vermutlich die meiste Aufmerksamkeit, während die Strippenzieher im Schatten bleiben. Über Hecate und Swenjo hätte ich gerne noch mehr erfahren, wobei das unter Umständen zu viel des Guten geworden wäre – Macbeth ist mit 624 Seiten bereits ein echtes Schwergewicht! Trotzdem bleiben manche Szenen recht dünn, während andere zu sehr ausgeschmückt werden. Lady beispielsweise ist gerade zu Beginn die treibende Kraft hinter Macbeth, und besteht auf eine bestimmte Tat ihres Partners nach einem Gespräch. Warum sie so darauf pocht, ist mir nicht klar. Dafür weiß ich aber sehr viel über Lily nach der Lektüre… und diesen Charakter gibt es im ursprünglichen Stück nicht. Generell verrennt sich Nesbø sehr in den Hintergrundgeschichten der Charaktere, was es eigentlich gar nicht bräuchte um ihre gegenwärtigen Taten zu erläutern. Ebenso werden einige Nebencharaktere stark unter die Lupe genommen, von denen ich ebenfalls nicht so viel wissen wollte. Viel spannender ist über lange Strecken des Buches doch, wessen Kopf als nächstes rollen wird.

Heil dir, Macbeth!

Bei einer Neuinterpration wie Macbeth ist der Weg das eigentliche Ziel, denn den Ausgang der Geschichte kennt der Leser vermutlich schon. Die sich selbst erfüllende Prophezeiung der Schwestern bzw. Hecates Zusicherung haben einige Lücken, und das Stück ist aus gutem Grund eine Tragödie. Nesbø findet für so einige Thematiken optimale Entsprechungen (z. B. Zaubertrank brauende Hexen–Drogen brauende Schwestern, Hierarchie im Staat–Hierarchie in der Polizei; Palast–Casino), die beim Lesen nur umso mehr Spaß machen, wenn das Stück bekannt ist. Das führt mich aber auch zu einem Manko des Buchs: Für mich kam mit dem Wissen des Stücks Hecates Zusicherung an Macbeth zu kurz. Hieran beißt sich Macbeth unglaublich fest und vertraut deswegen auf seine Unberührbarkeit. Die Wirkung verpufft im Buch aber stark: Ein Wald ist etwas unbewegliches, ein Fortbewegungsmittel dagegen etwas sehr bewegliches, Sockel hin oder her. Duffs Erklärung geht im Finale dazu unter und wird durch die reißerischen Umstände überschattet… dabei ist Shakespeares Lösung doch so simpel wie genial! Die Geschichte muss nicht künstlich noch blutiger gemacht werden.

„Wir sind keine Helden. Wir sind vollkommen gewöhnliche Leute, die vielleicht davon träumen, Helden zu sein. Aber wenn wir uns entscheiden müssen zwischen unserem Leben und unseren Prinzipien, von denen wir so gerne reden, sind wir ziemlich gewöhnlich.“ | S. 561

Jo Nesbøs Macbeth ist etwas eigenwillig. Die Geschichte braucht am Anfang einiges an Zeit um ins Rollen zu kommen, da sowohl Stadt, Charaktere als auch die diversen Machtkämpfe etabliert werden müssen. Wer die Vorlage kennt, wird vermutlich etwas mehr Spaß an den Umsetzungen und Zusammenhängen haben als Nicht-Kenner, aber auch für die sollte der Roman gut nachvollziehbar sein. Warum die Handlung jetzt gerade in den 1970er Jahre spielen muss? Keine Ahnung, es würde auch in unserer Gegenwart solch eine Stadt funktionieren – vielleicht in Anbetracht der teilweise willkürlichen Polizeigewalt sogar gerade in unserer Gegenwart. Wer sich auf diesen dicken Schmöker einlässt, findet auf jeden Fall einen soliden Macbeth vor, der aber an einigen Stellen noch Luft nach oben hat.



In der Hogarth Shakespeare Reihe sind bisher folgende Werke bzw. Bände erschienen:

  • Das Wintermärchen
    Jeanette Winterson: Der weite Raum der Zeit (engl.: The Gap of Time) 
  • Der Kaufmann von Venedig
    Howard Jacobson: Shylock (engl.: Shylock is my name) 
  • Der Widerspenstigen Zähmung
    Anne Tyler: Die störrische Braut (engl.: Vinegar Girl
  • Der Sturm
    Margaret Atwood: Hexensaat (engl.: Hag-Seed)
  • Macbeth
    Jo Nesbø: Macbeth (engl.: Macbeth)
  • King Lear
    Edward St Aubyn: Dunbar und seine Töchter (engl.: Dunbar)
  • Othello
    Tracy Chevalier: Der Neue (engl.: New Boy)
  • Hamlet
    Die Neuinterpretation von Gillian Flynn ist für 2021 angekündigt.

Weitere Eindrücke zum Buch findet Ihr bei BritLitScout, Literaturbühne und protagonist places. Wenn Ihr Lust auf eine Adaption von Macbeth habt, die der von Jo Nesbø am nähsten kommt, schaut Euch Macbeth (2006) mit Sam Worthington an: Hier spielt die Handlung im Melbourner Gangmilieu und Macbeth steigt vom Drogendealer zum Gangboss auf.


BUCHDETAILS | ANZEIGE

HARDCOVER: 624 SEITEN | ORIGINALTITEL: MACBETH | TEIL DER HOGARTH SHAKESPEARE REIHE | ÜBERSETZT AUS DEM ENGLISCHEN VON ANDRÉ MUMOT | VERLAG: PENGUIN (27.08.2018) | ISBN: 978-3328600176 | PENGUIN HAT MIR FREUNDLICHERWEISE EIN REZENSIONSEXEMPLAR ZUR VERFÜGUNG GESTELLT, WAS MEINE MEINUNG ALLERDINGS NICHT BEEINFLUSST. | MEINE BEWERTUNG: 4/5

Bücher, Bücher! Neuzugänge im August 2018

Neuzugänge | August 2018Yoshitoki Oima: To Your Eternity 03Sean Lewis; Ben Mackey: Saints: The Book of Blaise / Mary E. Pearson: Dance of Thieves  / Ichigo Takano: Dreamin‘ Sun 04 / Lindsay Smith; Max Gladstone; Cassandra Rose Clarke; Ian Tregillis; Michael Swanwick: The Witch Who Came in from the Cold  / Stefanie Hasse: Magie aus ewigem Sand / Bianca Iosivoni: Für immer verboten / Melissa Albert: The Hazel Wood / Jo Nesbø: Macbeth. Blut wird mit Blut bezahlt / Mareike Allnoch: Jasmin: Orangenblütenzauber / Ubisoft Entertainment: Assassin’s Creed: Limited Edition Art Book / Sarah J. Maas: Catwoman. Soulstealer / Rick Barba: Assassin’s Creed: A Walk Through History (1189-1868)

Wenn auch gefühlt alles andere schief läuft, das Bücherkaufen tut’s nicht und so sind wieder einige neue Titel im August in meine Regale eingezogen. Erinnert Ihr Euch eigentlich, unter welchen Umständen Ihr Bücher gekauft habt? Ich finde es irgendwie ganz schön das Bild ansehen zu können und zu wissen, dass ich die zwei Titel in der Buchhandlung entdeckt habe als ich auf eine Freundin gewartet habe, während das andere hier drüben überraschend in einer Buchbox kam und diese zwei Stück habe ich als Belohnung nach einer sehr harten Woche auf der Arbeit bestellt. Unnütze Talente kann ich gut. Ein weiteres als Beispiel gefällig? Mir fällt immer erst beim Tippen solcher Beiträge auf, dass ich ein Buch fürs Foto vergessen habe…

  • Es sind erneut 13 Bücher eingezogen, darunter 2 Manga und 1 Comic.
  • 2 Titel sind davon bereits durchgelesen – ich bleibe dem Schnitt vom Vormonat echt treu!
  • Bei Dance of Thieves weiß ich nicht mehr genau, was mich zum Vorbestellen geritten hat? Ebenso habe ich keine Ahnung, ob ich die Remnant Chronicles im Vorfeld lesen sollte? Zumindest wurde es gerade in einem Vlog als Mafiafamilie Fantasystyle umrissen, das gibt mir Hoffnung!
  • Endlich ist in der Hogarth Shakespeare series Macbeth dran, mein liebstes Stück von Shakespeare. Hamlet wurde auch endlich mal angekündigt, bleibt nur noch die Frage, ob Coriolanus ebenfalls eine Adaption bekommt.
  • 3 Vorbestellungen kamen an sowie 2 Buchboxen mit ebenso vielen Büchern drin.
  • 6 Bücher sind auf Deutsch, 7 auf Englisch.
  • Es sind 6 Reihenauftakte, 3 Fortsetzungen und 4 Einzelbände eingezogen (46:23:31).

“All of us are lonely at some point or another, no matter how any people surround us. And then, we meet someone who seems to understand. She smiles, and for a moment the loneliness disappears.” ― Helene Wecker: The Golem and the Jinni