[Gelesen] Targa – Der Moment, bevor du stirbst

Rezensionsexemplar | Viele Thriller leben davon, dass man lange Zeit nicht weiß, wer oder was hinter den Ereignissen des Buches steckt. Dieses Prinzip wird von dem Autorenduo B.C. Schiller direkt in dem Auftakt zur Reihe um die Undercover-Ermittlerin Targa Hendricks über den Haufen geworfen: In Targa – Der Moment, bevor du stirbst weiß der Leser und das BKA von Anfang an, wer der Täter ist. Um ihn aber als Serienkiller zu überführen, muss Targa hautnah ermitteln, womit ein interessantes Katz-und-Maus-Spiel gut 400 Seiten seinen Lauf nimmt.

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Distanz und Kühle

Ihr Name steht groß auf dem Cover, daher ist es wenig überraschend, dass Targa Hendricks die Hauptfigur in diesem Thriller ist. Ich musste bei ihrer Art die ganze Zeit unweigerlich an den Charakter Saga Norén aus Die Brücke – Transit in den Tod denken -die beiden Charaktere könnten Zwillinge sein, ha!- und ich schätze, ich soll mit ihr auch nicht wirklich warm werden beim Lesen. Targa hält jeden unweigerlich auf Distanz, der nicht Hund ist, und denkt sehr rational. Es wird angedeutet, dass dies der erste Fall nach einiger Pause ist, und seine eigenen Tücken für sie bereithält.

Der Gegenspieler zu Targa ist Falk Sandman, ein Hochschuldozent, der einen Blog mit makaberen Thema führt: In diesem hält er die letzten Augenblicke und Worte von Sterbenden fest. Was seine Leserschaft nicht ahnt? Eine ganze Reihe dieser Augenblicke hat Sandman selbst herbeigeführt und aufgezeichnet. Doch obwohl das BKA einige Hinweise hat, fehlen die stichfesten Beweise gegen ihn.

Das Blau des Ozeans und ihrer Augen

Ausgestattet mit einer gefälschten Vergangenheit, soll Targa sich Sandmans Vertrauen erschleichen und so die benötigten Beweise gegen ihn sammeln. Schiller lässt den Leser dabei so wohl mal durch Targas, mal aus Sandmans Augen blicken, wodurch man einen guten Eindruck für ihre jeweilige Motivation  und Denkweise bekommt. Es braucht natürlich etwas, bis eine gewisse Vertrauensbasis da ist, und selbst dann spielen beide immer noch miteinander. Gerade dieses hin und her fand ich fesselnd, ebenso den angerissenen Werdegang von Sandman. Teilweise wirkte es aber fast, als würde man den beiden durch ein Bullauge bei ihrem Spiel zusehen: Targa bleibt kühl und unzugänglich, Sandman ist besessen von seinem Kick – und ein riesiger Glückspilz. Es gab so unglaublich viele Momente, wo er sich elementare Patzer leistet und nur durch Zufall nicht viel früher von der Polizei geschnappt wird! Seine Motivation und angerissenes Trauma bleiben leider nur skizziert, und einige seine Spielchen mit Targa waren sehr leicht durchschaubar.

Die Geister der Vergangenheit

Neben dem Hauptfall wird noch ein weiteres Ereignis in Targa thematisiert: Ihre Herkunft. Als Baby vorm Krankenhaus ausgesetzt, weiß Targa nur, dass ihre Mutter kurz danach Selbstmord beginn und ihre Schwester neben ihr erfror. Wer dafür verantwortlich ist und wer ihr Vater war, versucht sie mit verschiedenen Mitteln herauszufinden. Tatsächlich fand ich diese kurzen Einschübe viel spannender als den eigentlichen Fall und hätte gerade auch von Schmidt gerne noch mehr gelesen!

Auf dieses Zeichen hat er gewartet. Jetzt ist er da, der Moment, bevor du stirbst, denkt er und legt sein Gesicht auf das Bullauge, um der Sterbenden ganz nahe zu sein. | Seite 61

Targa – Der Moment, bevor du stirbst ist alles in allem ein solider Thriller, der gut unterhält. Wer verschrobene Ermittler mag, die anders als normale Menschen denken, wird mit Targa sicherlich seine Freude haben. Ich hatte nicht das Gefühl, dass Schiller wirklich neues in dem Thriller schreibt, und bin gerade durch die letzten Seiten etwas verwirrt… aber in einen zweiten Teil würde ich gerne hineinlesen. Im Nachhinein finde ich es allerdings schade, dass der Verlag das Buchcover in Rot statt Blau gehüllt hat. Das hätte sehr gut auf das immer wiederkehrende Blaumotiv gepasst!

Vielen Dank an den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar!

Weitere Eindrücke zum Buch findet Ihr bei Laberladen und Die Bücherkrähe


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Verlag: Penguin
ISBN:  9783328101512
Erscheinungsdatum: 10.07.2017
Bewertung: 3/5

[Gelesen] Hans Christian Andersen: Die schönsten Märchen

Rezensionsexemplar | Märchen sind etwas wundervolles, und gerade jetzt wo der Herbst beginnt, eine schöne Lektüre für Zwischendurch. In dem neuen Sammelband, der bei Penguin erschienen ist, lässt sich eine Auswahl von Hans Christian Andersens schönsten Märchen in neuer Übersetzung entdecken, die nicht nur was für junge Leser sind.

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Lorenz Frölich hat ein wunderschönes Cover gestaltet, in dem sich bereits einige Hinweise auf die enthaltenen Märchen finden lassen. Da ist es direkt schade, dass die Märchensammlung im Innenteil keine weiteren Illustrationen aufweist… dafür finden sich aber insgesamt zwanzig Märchen im Buch, welche Floriana Storrer-Madelung neu übersetzt hat:

  1. Die Prinzessin auf der Erbse
  2. Des Kaisers neue Kleider
  3. Die kleine Meerjungfrau
  4. Däumelinchen
  5. Der Schmetterling
  6. Das hässliche Entlein
  7. Fünf aus einer Erbsenschote
  8. Die Schneekönigin
  9. Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen
  10. Es ist ganz gewiss
  11. Die Tochter des Schlammkönigs
  12. Der standhafte Zinnsoldat
  13. Der fliegende Koffer
  14. Die Teekanne
  15. Die Eisjungfrau
  16. Was Vater tut, ist immer recht
  17. Die schönste Rose der Welt
  18. Die wilden Schwäne
  19. Das Heinzelmännchen und die Madam
  20. Tante Zahnweh

Am meisten hat mir Der standhafte Zinnsoldat gefallen, wobei in jedem Märchen spannende Aspekte enthalten sind. Generell kann man bei den Märchen von Hans Christian Andersen in jedem eine Moral bzw. Parabel für etwas vorfinden, wodurch sie sich definitiv zum mehrmaligen (Vor-)Lesen eignen.

Insgesamt fand ich die Zusammenstellung gut, da hier neben den recht bekannten Werken ebenfalls viel neues zu entdecken ist. Und auch bei den bekannten Märchen bringt man diese nicht immer in Zusammenhang mit Andersen, wodurch man seinen Einfluss leicht unterschätzt. Gerade im Filmbereich wird doch ein ums andere Mal auf seine Märchen zur Inspiration zurückgegriffen!

Auch die Übersetzung selbst ist gut gelungen und die Märchen lesen sich angenehm und zeitlos. Was ich etwas schade fand, war, wie der Inhalt im Buch selbst angeordnet wurde: Dadurch, dass zuerst die bekanntesten und stärksten Märchen kamen, verlor die Sammlung beim Lesen immer mehr Boden. Gerade Die Tochter des Schlammkönigs in der Mitte des Buches war durch die Länge unglaublich schwerfällig und hätte besser an anderer Stelle gepasst.

Für die erste Annäherung an Hans Christian Andersen ist diese Märchensammlung allerdings bestens geeignet und lässt sich durch das Taschenbuchformat super überall mit hin nehmen. Zumindest ein, zwei Illustrationen hätten das ganze allerdings noch runder und stimmiger gemacht.

Vielen Dank an Penguin für das Rezensionsexemplar!

Weitere Eindrücke zum Buch findet ihr bei xobooksheavenLea Phelina und Mandys Bücherecke


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Verlag: Penguin
Übersetzer: Floriana Storrer-Madelung
Nachwort: Martin Bodmer
ISBN:  9783328101505
Erscheinungsdatum: 10.07.2017
Bewertung: 3/5

[Gelesen] Zeitkurier

Rezensionsexemplar | Früher war alles besser ist ein beliebter Ausspruch, der auch gut für die Ausgangssituation von Wesley Chus Zeitkurier passt: Dank Kriegen und Naturkatastrophen ist die Erde im 26. Jahrhundert wortwörtlich am Ende und die Menschheit mittlerweile zu großen Teilen im Sonnensystem verstreut. Ressourcenknappheit und Verlust von Technologien sind allerdings ein großes Problem, wofür eine etwas außergewöhnliche Lösung gefunden wird: Zeitreisen.

Nur was geschieht, wenn man die strengen Regeln für Zeitreisen bricht? Wer hat überhaupt das Recht, die Vergangenheit zu manipulieren? Und wie genau funktioniert diese Technologie überhaupt? Fragen über Fragen (und noch längst nicht alle!), die sich nicht nur den Protagonisten im Verlauf von Wesley Chus Zeitkurier stellen… aber irgendwie macht das ja auch den Reiz an Zeitreiseabenteuern aus, oder?

zeitkurier
„‚Reisen in die Vergangenheit sind auf abgeschnittene Zeitlinien beschränkt und müssen so  kurz sein, dass sich der Chronostrom im Falle von Verwerfungen wieder glätten kann'“, zitierte sie. | Seite 18
Die Vergangenheit als Füllhorn

Die Gegenwart, in der der Zeitkurier James Griffin-Mars lebt, ist wirklich nicht rosig. Das er als Zeitkurier durch seine Sprünge in die Vergangenheit zu dem erlebt, wie es einst gut um die Menschheit und Erde bestellt war, macht es natürlich nicht besser. Der Leser begleitet James bei einigen Einsätzen und erhält einen Einblick, wie die ChronoCom* arbeitet. Chus Ansatz fand ich dabei sehr spannend, denn es werden nicht wahllos Ressourcen aus der Vergangenheit geholt, sondern nur solche, die theoretisch eh verloren war und kurz vor ihrem Verlust von den Kurieren geborgen werden. Damit ist man zwar auf Unfälle, Katastrophen, etc. angewiesen, aber die „Raubzüge“ fallen nicht auf und verändern den Lauf der Geschichte. Klingt vielleicht konfus, aber Chu erläutert das sehr schlüssig und glaubhaft. Einziges Manko? Je mehr man solche Vorfälle in der Vergangenheit ausnutzt, desto weniger verbleiben für weitere Sprünge…

*die Organisation, die die Zeitreisen koordiniert und kontrolliert und Zeitkuriere bzw. Chronauten ausbildet

Taten und ihre Konsequenzen

Damit der Lauf der Geschichte nicht beeinflusst wird, unterliegen die Zeitkuriere festen Regeln. Es kommt aber, wie es kommen muss: Bei einem Sprung, der eigentlich sein letzter hätte sein sollen, bricht James die elementarste aller Regeln: Er rettet eine Person und bringt sie mit in die Gegenwart. Das hat natürlich Konsequenzen, und die Geschichte folgt nach diesem Ereignis teils James und seinen Verbündeten auf ihrer Flucht, teils der ChronoCom, die versucht, diese Tat ungeschehen zu machen.

Chu gelingt es wunderbar, die Gegenwart dem Leser präsent zu machen, ohne dass über große Passagen Charaktere Geschichtsstunden geben. Vieles steckt zwischen den Zeilen und den Dialogen, und ich fand es toll, dass Chu dem Leser auch zutraut seine eigenen Schlüssel zu ziehen. Gerade der Aufbau der ChronoCom, über den man im Laufe des Buches immer wieder Bruchstücke erfährt, zeigt, dass hier pragmatisch erstmal nur an die Gegenwart und kaum an die Zukunft oder die Mitarbeiter gedacht wird – was wiederum ganz eigene Konsequenzen auf den Plan ruft.

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Wenn man es herunter bricht, dann ist die Handlung von Zeitkurier relativ simpel und deckt viele Punkte ab, die häufig in Zeitreisegeschichten Thema sind. Gefühlt macht Chu dabei aber alles richtig, sodass ich nur so durch die Seiten geflogen bin. Häufig werden Dinge angedeutet, die erst hunderte Seiten später wieder aufgegriffen werden, und ich denke, dass man bei einem zweiten Lesen noch viel mehr in der Richtung entdecken kann. Ein ums andere Mal hat die Handlung mich völlig überrascht und ich mochte die Charaktere in diesem Buch unglaublich gerne, allen voran Levin. Chu hat da seit seinem Erstlingswerk wirklich einiges dazu gelernt und ich bin sehr gespannt darauf, wie es im nächsten Band weitergeht!

Vielen Dank an Heyne für das Rezensionsexemplar!

Weitere Eindrücke zum Buch findet ihr bei Geschichtentaucher, Neue Abenteuer und German Bookish Blog


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Verlag: Heyne
Übersetzer: Jürgen Langowski
ISBN: 9783453317338
Erscheinungsdatum: 14.08.2017
Bewertung: 5/5