[Gelesen] Assassin’s Creed, Vol. 1: Trial by Fire

Das Franchise um Assassin’s Creed ist groß: Neben den Hauptspielen wird das Universum in zahlreichen anderen Medien weiter gesponnen. Comics sind jetzt nicht die neueste Entdeckung für Ubisoft – die Hausmarke Ubiworkshop hat bereits zwei großartige Titel veröffentlicht und bei Titan Books läuft auch eine Serie – aber mit Assassin’s Creed Vol. 1: Trial by Fire liegt jetzt der erste Sammelband zu einer der drei neuen Reihen bei Titan Comics vor. Um es schon mal vorwegzunehmen: Wer keine Ahnung vom Assassin’s Creed Universum hat, wird diesen Comic sehr schnell wieder aus der Hand legen.ac-tbf.jpgDie neu eingeführte Protagonisten in Trial by Fire is Charlotte De La Crux. Sie verkörpert gut den Typ junger Amerikaner, der gerade mit dem Studium durch ist, einen Haufen Schulden deswegen hat, in keiner großen Firma einen Fuß in die Tür kriegt, und so in einem Job festhängt, den man gar nicht machen will. In ihrer Freizeit spielt sie mit der Abstergo-Konsole Helix, und nimmt es dadurch fast schon zu gelassen hin, als eines Tages zwei Assassinen in ihrer Wohnung stehen. Es greift wieder das bekannte Prinzip: Ein Vorfahr weiß etwas, deswegen muss man mit dem Animus in die Erinnerungen eintauchen, und dieses Wissen extrahieren. Charlotte’s Vorfahr nimmt sie und uns als Leser mit in das Salem des siebzehnten Jahrhunderts, wo die Templar hinter den Hexenprozessen stehen… Erfreulicherweise spielt in diesem Comic aber auch die moderne Zeitlinie eine wichtige Rolle, sodass die Seiten gut zwischen Jetzt-Zeit und Vergangenheit aufgeteilt sind. Bis auf Galina Voronina sind alle Charaktere neue Gesichter, sodass man nicht allzu viel Vorwissen in dem Bereich braucht.

Was das Vorwissen angeht, weiß der Comic teilweise einfach nicht, was er will. Einerseits werden Dinge halbherzig erklärt, dann wieder werden Sachen vorausgesetzt. Bestes Beispiel: Das Credo wird Charlotte nicht beigebracht. Natürlich kennt man es, wenn man das Universum selbst kennt, aber da Trial by Fire ja eigentlich einen Neueinstieg ermöglichen möchte, sollte es in den ersten paar Kapiteln schon noch mal vorkommen. Durch die Diskrepanz des Wissenstands wirken manche Seiten auch fast schon gestückelt und die Übergänge sind nicht ganz rund. Galina ist auch etwas merkwürdig getroffen – ihr Charakter hat wenig mit dem gemein, was man bisher von ihr in Syndicate und Initiates gesehen hat… Sehr gut gefallen hat mir aber, dass Charlotte in die Rolle eines männlichen Vorfahren schlüpft – bislang gab es so einen Geschlechtertausch noch nicht. Genauso finde ich es schön, dass es hier auch Ansätze in Richtung einer breiter gefächerten Charakterpalette gibt.

Der erste Handlungsbogen ist mit den ersten fünf Ausgaben, die sich in diesem Sammelband befinden, abgeschlossen. Es geht gefühlt an manchen Stellen etwas schnell, aber das ist auch etwas dem Medium geschuldet. Ich bin mir etwas unsicher, ob es nicht vielleicht klüger gewesen wäre, mehr Ausgaben in einen Sammelband zu fassen, um die Geschichte etwas runder zu fassen… aber ich bin für den zweiten Band noch recht optimistisch. Eine nette Ergänzung (vor allem für die Moderne Handlung), die noch Luft nach oben hat – aber definitiv kein Muss.


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Verlag: Titan Comics
ISBN: 9781782763055
Erscheinungsdatum: 07.06.2010
Rating: 3.5/5

[Gelesen] Berlin 1936

Rezensionsexemplar | Egal, ob man sie mag oder nicht, Sportgroßereignisse lässt sich schwer aus dem Weg gehen. Olympiaden und Fußball-Meisterschaften bestimmen in einem festen Turnus immer wieder die Berichterstattung und lassen Zuschauer verschiedenster Nationalitäten mit fiebern. In seinem Buch Berlin 1936 nimmt der Historiker Oliver Hilmes den Leser mit zu solch einem Großereignis: Den Olympischen Spielen in Berlin.berlin-1936.jpg

Warum sollte man sich mit einem Sportereignis beschäftigen, dass achtzig Jahre zurück liegt? Berlin ist 1936 eine Metropole der Gegensätze. Die Nationalsozialisten sind bereits seit drei Jahren an der Macht, Juden und andere Minderheiten werden zunehmend verfolgt und Vorbereitungen für einen Krieg getroffen. Durch die Olympischen Spiele bietet sich dem Regime nun die Möglichkeit einer Selbstinszenierung als friedliches, weltoffenes Deutschland. So schön die Vorstellung von „es geht nur um den Sport“ auch wäre – es steckt jede Menge Kalkül und politische Taktik dahinter.

„Ein Redakteur des Berliner Lokal-Anzeigers beweist vermutlich eher unfreiwillig feinen politischen Humor, als er seinem Artikel über die aktuelle Scala-Saison eine Überschrift voranstellt, die auch auf die gesamten Olympischen Spiele gemünzt sein könnte: „Herrliche Welt des Scheins.““ – S. 132

Hilmes teilt sein Buch in die sechzehn Augusttage der Spiele ein und lässt sie anhand verschiedener Anekdoten und Persönlichkeiten Revue passieren. Das Text ist episodenhaft, einigen Personen wie dem Schriftsteller Thomas Wolfe begegnet man als Leser aber immer wieder. Eine große Stärke des Buchs ist es, dass nicht nur bekannte Persönlichkeiten aufgegriffen werden, sondern auch normale Bürger, die teilweise ganz andere Sorgen und Nöte haben als das Abschneiden der Deutschen im Medaillenkampf. Hier gibt es den Jungen, der dem Stadionbesuch mit seinem Vater entgegenfiebert, genauso, wie den Transvestiten, der in ständiger Angst vor Denunziation und Verfolgung lebt. Natürlich wird auch von einigen Wettkämpfen berichtet, aber Hilmes Hauptaugenmerk liegt tatsächlich eher auf dem Leben in der Stadt.

Ergänzend gibt es neben den einzelnen Episoden den täglichen Wetterbericht, Anweisungen der Reichspressekonferenz, Meldungen der Staatspolizeistelle Berlin, einige Fotografien sowie Auszüge aus Goebbels Tagebuch. Zum Schluss erläutert Hilmes in einem weiteren Kapitel, wie es mit einigen der vorgestellten Personen nach den Spielen weiterging.

Mich hat das Buch direkt von der ersten Seite an gefesselt. Ich wusste im Vorfeld nicht besonders viel über die Spiele, aber Hilmes schafft es gut, einen direkt in den August 1936 mitzunehmen.Durch die verschiedenen Episoden ergibt sich nach und nach ein spannendes Ganzes: Vor allem die Ambivalenz zwischen dem, was die Ausländer und die Deutschen selber wahrnehmen, fasziniert dabei ungemein. Genauso fasziniert haben mich die Beschreibungen des Nachtlebens und der verschiedenen Parties in der Stadt, gerade, da sowas meist nicht in Sach- und Geschichtsbücher Einzug hält. Obwohl schon unheimlich viel Material zum Dritten Reich existiert, wirkt Hilmes Buch frisch und vermittelt noch nicht gehörtes. An ein paar Stellen hätte ich mir vielleicht mehr Bildmaterial gewünscht, aber dieses kleine Manko wäre auch mein einziger Kritikpunkt.

Wer ein Buch sucht, dass die Olympischen Spiele von 1936 im kleinsten Detail Revue passieren lässt, wird mit Berlin 1936 nicht gut bedient – wer sich dagegen mehr für das Drumherum interessiert, und wie durch Propaganda ein schöner Schein aufgebaut wird, ist bei Hilmes Buch genau richtig.

Vielen Dank an den Siedler Verlag für das Rezensionsexemplar! 


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Verlag: Siedler Verlag
ISBN: 9783827500595
Erscheinungsdatum: 02.05.2016
Rating: 5/5

[Gelesen] Faust + Don Quijote

Das Romane gestückelt als Fortsetzungsromane in Zeitungen abgedruckt werden, kennt man ja – und manchmal gibt es das ganze halt auch mit Comicstrips. Die  Frankfurter Allgemeine Zeitung hat 2009 Faust – Der Tragödie erster Teil und 2011/12 den Don Quijote von Flix inszenieren lassen, mittlerweile sind beide Werke auch bei Carlsen erschienen.

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Faust der Gelehrte wird zu Faust der ewige Student – und fährt Taxi in Berlin. Wie im Original führt auch hier eine Wette zwischen Gott und Teufel dazu, dass die ganze Handlung ins Rollen kommt. Don Quijote dagegen kämpft nicht mehr gegen Windmühlen, sondern eine drohende Verschandlung seiner geliebten Heimat durch einen Windpark. Neu inszeniert, dann noch in einem anderen Format – sowohl der Faust als auch Don Quixote sind klassische Werke, von denen man zumindest vom Namen her schon mal gehört haben kann. Funktionieren sie auch als Comics?

Comics sind gefährlich! Denn sie haben nichts mit der Realität zu tun. Darum fordere ich im Namen aller Leser und klar denkenden Menschen: Dieser Unsinn muss e n d l i c h aufhören!!! – Flix: Don Quijote

Ich würde das mit einem ganz klaren Ja! beantworten. Flix arbeitet die Geschichten clever in das neue Format um, und unterstreicht den Humor sowohl mit seinem Text als auch seinen Zeichnungen. Man muss also keine Bange haben, dass einem hier Goethes oder Cervantes Sprache um die Ohren gehauen wird – das bringt nicht nur frischen Wind in den Stoff, sondern baut vielleicht auch Hemmungen ab. Denn: Es ist nicht erforderlich die Klassiker gelesen zu haben, bevor man die Comics in die Hand nimmt (außer man möchte die ganzen Referenzen suchen und finden).

Einen Crashkurs in Sachen Comics bedarf es im Vorfeld auch nicht, die Panels sind sehr klar strukturiert und erklären sich intuitiv. Beide Comics lassen sich relativ schnell lesen, laden aber gerade durch die vielen kleinen Details zum wiederholten aus dem Regal nehmen ein. Von außen erinnert die Gestaltung der Bände an Reclam-Hefte, eine wirklich herrliche Idee! Ist das doch das Format, in dem die meisten von uns Klassiker kennen lernen :)

Mit Münchhausen hat sich Flix jüngst übrigens auch mit dem berühmten Lügenbaron beschäftigt!

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Faust: Der Tragödie erster Teil
Verlag:
Carlsen
ISBN: 9783551713742
Erscheinungsdatum: Mai 2014

Don Quijote
Verlag:
Carlsen
ISBN: 9783551713803
Erscheinungsdatum: 30.05.2016

Rating: 5/5