[Gelesen&Gesehen] Und dann gabs keines mehr | And Then There Were None

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Poster: BBC One/Quelle: Poldarked.com | Buch: Agatha Christie: And Then There None (75th Anniversary Edition), William Morrow Paperbacks, 6.5.2014

Agatha Christie ist eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen aller Zeiten, die vor allem durch ihre zahlreichen Kriminalromane (insgesamt schrieb sie 66!) bekannt ist. Der erfolgreichste dieser Krimis ist And Then There None (dt.: Und dann gabs keines mehr).

Der Roman spielt 1939, was man ihm aber kaum anmerkt. Acht Personen werden auf eine Insel, die so genannte Indian Island, vor der Küste Devons eingeladen. Die geladenen Personen haben auf den ersten Blick nichts gemeinsam, daneben befinden sich noch Thomas und Ethel Rogers als Personal auf der Insel, die die Abwesenheit der Gastgeber  Mr. und Mrs. U. N. Owen entschuldigen. In allen Zimmern der Gäste findet sich eine eingerahmte Kopie des Zählreims Ten Little Soldier Boys, und zehn Figuren, die an diesen erinnern, stehen auf dem Esstisch.

“One little Indian left all alone, he went out and hanged himself and then there were none.”
Agatha ChristieAnd Then There Were None

Während des Abendessens ertönt eine Stimme, die jede einzelne Person eines Mordes bezichtigt – schnell ist klar, dass alle Anwesenden gezielt auf die Insel gelockt worden, eine Flucht ist erst am nächsten Morgen möglich, wenn das nächste Mal ein Boot vom Festland mit Vorräten eintrifft. Nach und nach werden die zehn Personen ermordet, wobei der Zählreim Hinweise auf den jeweiligen Mord gibt und jedes Mal eine der Figuren vom Esstisch verschwindet…

Ich hatte vorher noch nichts von Agatha Christie gelesen, und da bot die neue Inszenierung der BBC von And Then There None einen guten Anreiz, dies zu korrigieren. Die Geschichte ist unheimlich spannend, und es macht großen Spaß mit den Figuren mitzurätseln, wer der Mörder ist. Das hat auch sehr über den Schreibstil von Christie hinweggetröstet, der leider absolut nicht meins war – sehr reduziert und viele knappe Sätze hintereinander. Alle Figuren in dem Buch haben ihre guten und schlechten Seiten, und es ist sehr faszinierend, wie sie mit den Anschuldigungen und ihren Taten umgehen. Die Auflösung der Ereignisse am Ende ist sehr gut konzipiert und kaum im Vorfeld zu durchschauen. Im Vergleich zu den ganzen Ermittlerduos in aktuellen Krimis ein sehr erfrischender Roman, der dank der zahlreichen genutzten Methoden auch ein breites Spektrum ein möglichen Morden abdeckt (Vergiftung, Erschießen, Strangulation um nur ein paar aufzuzählen). Neben der langsamen Dezimierung der Charaktere spielt Schuld eine große Rolle: sind die zehn Personen schuldig, und wenn ja, in welcher Hinsicht? Wer hat das Recht über diese zu richten? Wie nimmt der Schuldige selbst die Schuld wahr und geht mit ihr um?

Die BBC Inszenierung von And Then There Were None wurde als Miniserie in drei Teilen à 60 Minuten über die Feiertage ausgestrahlt, und erscheint am 11. Januar 2016 auf DVD. Es gibt ein paar Änderungen, um Teile der Geschichte, die im Buch in den Gedanken der Charaktere erläutert werden, in Bilder fassen zu können – im Großen und Ganzen bleibt die Verfilmung aber nahe an der Vorlage.

„Perhaps we’re dead already and we just don’t realise it. And this is hell. We’re in hell. And we’re being punished for what we done.“ ― Detective Sergeant William Blore, Episode 3

Ich fand es etwas schade, dass der Zählreim nie im ganzen einmal vorgelesen wird… falls man das Buch nicht kennt, ist es so etwas schwierig an einigen Stellen die Hinweise aus dem Reim mit den Ereignissen zu verknüpfen. Dank ihrer Länge kann sich die Inszenierung ausreichend Zeit nehmen, die einzelnen Personen und ihre Hintergründe vorzustellen, sodass man nie den Überblick verliert und sich teilweise seine eigene Meinung bilden kann. Auch in der Inszenierung ist der Mörder im Vorfeld nicht zu erahnen, und mir hat die Auflösung gefallen, auch wenn sie den größten Unterschied zur Vorlage darstellt. Mit unter anderem Sam Neill, Aidan Turner und Charles Dance in den Hauptrollen ist And Then There Were None sehr gut besetzt und trotz 180 Minuten Lauflänge ein kurzweiliges Vergnügen!

[Gesehen] Ruby Sparks – Meine fabelhafte Freundin

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Stell dir deinen Traumpartner vor.
Stell dir vor, dass du über diesen ein paar Sätze, im Extremfall ein ganzes Buch schreibst.
Und dann stell dir vor, dass du ihn auf einmal in deiner Küche vorfindest.

I had a dream about a girl. So I wrote it down.

Calvin Weir-Fields ist ein 27-jähriger Schriftsteller, der unter einer Schreibblockade leidet. Mit seinem Erstlingswerk hat er vor zehn Jahren ein Buch geschrieben, dass bereits als Literaturklassiker gilt, an den hohen Erwartungen scheitern seit dem all seine Schreibversuche. Calvin leidet unter dem Zerbrechen seiner Beziehung und hat neben seinem Bruder und Hund keine wirklichen Bezugspersonen. Nachdem er seinem Therapeuten von einem Traum erzählt (den man als Exposition am Anfang des Films sieht), gibt dieser ihm eine Aufgabe: er soll diesen niederschreiben, egal ob gut oder schlecht. Von da an hämmert Calvin die Worte nur so aus seiner Schreibmaschine raus – bis Ruby auf einmal tatsächlich in seiner Küche steht.

„Quirky, messy women whose problems only make them endearing are not real. Period.“

Was bedeutet es, wenn man seinen Traumpartner regelrecht ins Sein schreibt? Die Geschichte in Ruby Sparks mutet wie eine moderne Fassung von Pygmalion und seiner Skulptur an. Beim Schreiben verliebt sich Calvin in die erfundene Figur, und haucht ihr Leben ein. Der Film schafft es dabei sehr gut, trotz dieser Tatsache realistisch zu bleiben, und allein der Prozess bis Calvin akzeptieren kann, dass Ruby wirklich da ist und er nicht gerade den Verstand verliert, ist herrlich. Ruby weist die typischen Züge eines Manic Pixie Dream Girls auf, sie ist eine Fantasie – und außerhalb der Seiten handelt sie nicht immer wie Calvin es gern hätte.

I’m sorry I wasn’t acting like the platonic ideal of your girlfriend.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich diesen Film so lieben würde. Ruby Sparks hat etwas von einem Indie-Film, Zoe Kazan und Paul Dano spielen großartig! Zwischendrin musste ich an Her denken, allerdings ist in Ruby Sparks die Grundstimmung viel positiver. Calvin macht einer sehr interessante Entwicklung durch, und die Art, wie man andere Personen und ihr Verhalten wahrnimmt, spielt eine große Rolle. Einer dieser Filme, wo man Herz im Nachhinein darüber blutet, dass sie auf Grabbeltischen landen und viel zu wenig beachtet werden!

LIEBLINGSSZENE: „YOU’RE A GENIUS YOU’RE A GENIUS YOU’RE A GENIUS“ – pure Gänsehaut!

rating: 5/5

[Gesehen] KW 46 – Black Mass, Der Marsianer, The Hunger Games, American Ultra

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Black Mass
„Nicht was du tust ist wichtig, sondern wann und wo du’s tust und wem du was tust und wer dabei ist. Wenn niemand es sieht, ist es nie passiert.“

Whitey Bulger kontrolliert in den Siebziger Jahren mit seiner Gang South Boston. In Black Mass wird beleuchtet, wie er zum FBI Informant wird, und wie unterschiedliche Personen in seinem Umkreis davon mit betroffen sind. Ich kannte Bulger als Persönlichkeit vorher nicht und fand das Biopic recht interessant. Teilweise werden die Motivationen hinter den einzelnen Charakteren allerdings nicht klar, und viele gute Szenen werden schon im Trailer gezeigt. Nach den relativ vielen schlechten Rollen von Johnny Depp in letzter Zeit war die von Bulger allerdings recht gut gespielt.

rating: 3.5/5

Der Marsianer – Rettet Mark Watney (engl. The Martian)
„Das ist das Weltall, es kooperiert nicht. Ich garantiere Euch, an irgendeinem Punkt läuft einfach alles schief. Und dann sagt man: das war’s. Das ist mein Ende.“

Ich muss die Buchvorlage von Der Marsianer noch lesen… der Film selbst hat richtig viel Spaß gemacht! Es gibt lustige, tragische, traurige Szenen, und der Mix stimmt einfach. Watney ist ein sympatischer Charakter, der das beste aus einer schier ausweglosen Situation macht. Das Ende ist zwar absehbar, der Weg dahin schlägt aber noch genug Haken, dass es einen nicht zu arg stört. Und der Soundtrack war einfach klasse!

rating: 4/5

Die Tribute von Panem – The Hunger Games
„Jeder will sich sofort ein Schwert schnappen, aber die meisten von euch sterben an natürlichen Ursachen. 10 Prozent an Infektionen, 20 Prozent an Dehydrierung. Schutzlosigkeit kann so tödlich sein wie ein Messer.“

Nachdem Buch 1 und 2 gelesen sind, ist auch der erste Film geschafft. Es gibt ein paar kleine Änderungen, die ich jetzt nicht ganz so schlimm fand (wie Katniss z. B. die Brosche erhält). Für eine Buchverfilmung war der erste Film sehr nah an der Vorlage, und die zusätzlichen Szenen, die eingefügt wurden, hatten definitiv ihre Berichtigung. Die Bedeutung der Rückblende mit dem Brot wird vielleicht für Nichtbuchkenner nicht ganz klar, ansonsten habe ich keinen wirklichen Kritikpunkt hier.

rating: 4.5/5

American Ultra
„Something very weird is happening to me: I keep killing people! There’s a chance I may be… a robot!“

Der Trailer zu American Ultra war schön lustig – und beinhaltet leider auch die besten Ausschnitte des Films. Ich mag Spionagefilme und Geschichten um Geheimagenten eigentlich sehr gerne, aber American Ultra zeigt nichts noch nie dagewesenes. Es gibt ein paar Szenen, die visuell ganz nett aussehen, was dem mageren Plot aber auch nicht hilft.

rating: 1/5