Im März sind sehr wenig neue Bücher eingezogen – so wie es eigentlich auch sein sollte. Beim Lesen von A Darker Shade of Magic kam schnell der Punkt, an dem ich den zweiten Band einfach bestellen musste, um ohne lange Wartezeit dazwischen weiter lesen zu können – bisher mein liebster Titel von V. E. Schwab!
Für Ostern und einen Geburtstag mussten ein paar Sachen bestellt werden, und die kleinen Penguin Klassiker sind einfach mit in den Warenkorb gehüpft, um den Versand zu sparen.
A Gathering of Shadows habe ich angefangen, On Murder Considered as One of the Fine Arts bereits gelesen. Ein paar nette Punkte, aber de Quincey verheddert sich etwas im Laufe des Vortrags und die Grundaussage ist etwas schwammig.
Die Armee ist in Österreich – und außer ein paar kleinen Scharmützeln passiert nichts. Dabei ist es sehr faszinierend, wie viel Zeit und Energie in das ganze Drumherum investiert wird, und wie kurz ´dann die tatsächlichen Gefechte sind. Die Zeit, die man als Leser zusammen mit Andrei Bolkonsky und Nikolai Rostov verbringt, ist geprägt von ihren unterschiedlichen Erfahrungen im Militär. Rostov ist Teil eines Gefechts und wird auch verwundet, Bolkonsky bewegt sich mehr auf der Führungsebene. Ich muss zugeben, dass mich diese Kapitel unglaublich gelangweilt haben… wirklich interessant war nur Bolkonsky Berichterstattung in Brün, wo ihm klar wird, dass der Sieg eines Gefechts gerade auch für die Moral der Truppe unglaublich viel bedeutet, in einem Krieg aber nur einen kleinen Anteil hat.
Die Abschnitte an der Front können mich noch nicht so wirklich begeistern, aber ich finde es gut, dass man durch die zwei Männer wenigstens verschiedene Seiten zu sehen bekommt. Da eine große Schlacht in Österreich bevorsteht, denke ich, dass die Geschichte im nächsten Monat auch verstärkt bei der Armee bleiben wird…
Spannender ist da schon, was gerade in Russland passiert: Pierre hat Titel und Reichtum von seinem Vater geerbt, und auf einmal hat jeder Interesse an ihm. Prince Vassily nutzt ihn dabei am meisten aus, und schafft es irgendwie, ihn zu einer Heirat mit seiner Tochter zu bewegen – mir tut Pierre jetzt schon Leid, eine besonders glückliche Ehe wird das sicherlich nicht.
Seinen Sohn möchte Vassily gerne mit Marya Bolkonsky verheiraten, und besucht deshalb mit ihm das Landgut der Familie. Anatole macht dabei aber eher Mademoiselle Bourienne schöne Augen… ich war froh, dass Marya die beiden dabei erwischt, und nicht auch noch in eine lieblose Ehe rein schlittert! Irgendwie mag ich ihren Charakter sehr gerne, und würde es ihr gönnen, einen Ehemann zu finden, der sie liebt und nicht so schikaniert wie alle anderen um sie herum.
Die Rostov Familie selbst erhält einen Brief von ihrem Sohn, was zu großer Aufregung führt. Da Nikolai verwundet wurde, muss seine Mutter erstmal von verschiedenen Seiten auf den Brief vorbereitet werden. Insgesamt freuen sich aber alle über ein Lebenszeichen von ihm und von seinem Rangaufstieg.
Die einzelnen Kapitel sind allesamt relativ kurz, und es mag nicht sehr viel für 29 Kapitel insgesamt geschehen – aber Tolstoy nimmt sich für all seine Charaktere genau die richtige Zeit um zu zeigen, wo sie sich gerade befinden und was gerade um sie herum geschieht.
1068, 1536, 1645… Krieg und Frieden von Tolstoy hat je nach Ausgabe eine andere Seitenanzahl, unstrittig ist aber, dass es ein sehr, sehr langer Klassiker ist. Was das Buch gerade zu perfekt für eine Jahresherausforderung macht? Es hat 363 Kapitel! Matthew Hodge hat dazu bereits vor mehreren Jahren einen interessanten Artikel geschrieben, und ich möchte es dieses Jahr einfach ausprobieren. Die Tatsache, dass die BBC eine neue Adaption des Werks produziert hat, hat mich ebenfalls neugierig gemacht.
Im Januar habe ich Volume 1 sowie die ersten Kapitel von Volume 2 von Krieg und Frieden gelesen – viel wusste ich im Vorfeld nicht, außer, dass es zur Zeit von Napoléon spielt und einer der längsten Romane überhaupt ist. Nachdem wirklich niemand in meinem Freundes- und Familienkreis das Buch besitzt, habe ich mich nach langem Ringen für die Übersetzung von Louise Maude, Aylmer Maude und Amy Mandelker ins Englische aus der Oxford World’s Classics Reihe entschieden. Erst mal nur als eBook: je nachdem, wie gut es mir gefällt, möchte ich im März das physische Buch kaufen. Das schöne an dieser Ausgabe sind die Bemerkungen, seien es Übersetzungen von fremdsprachigen Passagen oder Anmerkungen zu historischen Hintergründen – die Übersetzer haben gute Arbeit geleistet und ersparen einem lästiges Nachschlagen.
Ich werde im folgenden ein bisschen über die Ereignisse in den ersten Kapiteln sprechen, daher kann es ab hier zu SPOILERN kommen!
Es ist das Jahr 1805… das langsame, tägliche Herantasten an Krieg und Frieden diesen Monat hat mir sehr gut gefallen: Es hat ein bisschen was von einem Fortsetzungsroman, der täglich in der Zeitung zu lesen ist. Tolstoy wirft den Leser gleich mittenmang ins Geschehen und Personengetümmel – der Großteil des ersten Volumes spielt an einem Abend, und wir lernen die wichtigsten Charaktere kennen. Grob die wichtigsten Schauplätze:
ein Soiree von Anna Pavlovna in St. Petersburg
die Festivitäten zu einem Namenstag im Haushalt der Rostovs in Moskau
der Haushalt des Grafen Bezuhov (ebenfalls in Moskau)
der Landsitz der Bolkonskys
Das Soiree ist wirklich verwirrend, und ich glaube, dass es mir wahrscheinlich jetzt mit dem Wissen um die einzelnen Personen besser gefallen würde. Neben einer Reihe der adligen Charaktere mit unterschiedlichen Hintergründen und politischen Überzeugungen wird aber eine gute Grundstimmung vermittelt: Napoléon ist mit seiner Kriegsführung präsent, aber hält noch keinen großen Schrecken für die Oberschicht (einige sympathisieren sogar mit ihm).
Zwischen dem Soiree und dem Namenstag vergeht etwas Zeit. Bei den Rostovs trifft sich alles, was Rang und Namen hat, und ist am klatschen was das Zeug hält: als Leser erfährt man so, was währenddessen mit Pierre Bezuhov passiert ist. Konträr zu den Festivitäten bei den Rostovs erleidet der reiche Graf Bezuhov einen weiteren Schlaganfall und liegt im Sterben… die Szenen in dem Haushalt waren bisher meine liebsten. Die Frage, wer den nun was erben wird, und wie die verschiedenen Parteien damit umgehen, ist spannend und teilweise urkomisch geschrieben. Gerade Anna Mihalovna war wundervoll! Sie ist zwar offensichtlich nur auf den Vorteil für sich und ihren Sohn bedacht, verstellt sich dabei aber nicht, und geht wunderbar mit Pierre um.
Tout Moscou ne parle que guerre. (engl.: All Moscow talks of nothing but war.)
Die Bolkonskys sind ein Fall für sich. Kein Mitglied der Familie wirkt im Moment auf mich sympathisch oder außerordentlich anziehend. Gefühlt sind alle unglücklich: der Vater, der sich aus dem sozialen Leben zurückgezogen hat, die Tochter, die duldsam die erniedrigenden Lehrstunden über sich ergehen lässt, der Sohn, der nichts für seine Ehefrau übrig hat, die wiederum nicht für das Leben auf dem Land geschaffen ist… spannend waren hier bisher nur die Briefe, die Marya mit Julie Karagin austauscht.
Zu Beginn von Volume 2 hat sich das russische Heer nach Österreich aufgemacht, und die Auseinandersetzung mit Frankreich dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die Art, wie Tolstoy von „unserer Armee“ spricht, wenn er von dem russischen Heer spricht, gefällt mir irgendwie.
Bisher macht das Leseprojekt mir großen Spaß, und erleichtert definitiv das Lesen des Buchs. Jetzt, wo sich der Fokus mehr aufs Heer schiebt, kommen viele neue Namen hinzu aber eigentlich kann man sich ganz gut zurechtfinden. Pierre finde ich gerade sehr tollpatschig und wie ein großes Kind, wie er mit seiner neuen Rolle umgeht, fasziniert mich jetzt schon. Der Personenmix allgemein mit Träumern, Atheisten, Realisten, alter und neuer Ordnung, jung und alt wirkt wie direkt aus dem Leben, und als könnte es sie tatsächlich gegeben haben. Mal sehen, wohin es im Februar geht…