[Gelesen] Halloween

s-hMache Bücher beeindrucken – und bleiben. 2004 erschien Halloween (engl. The Night Country) von Stewart O’Nan in Deutschland, im selben Jahr produzierten WDR und SWR ein darauf basierendes Hörspiel. Ich hatte das Hörspiel damals durch Zufall gehört und bin später in der Bücherei über den Roman gestolpert… und es war direkt Liebe nach dem Lesen der ersten Seiten.

Also komm, Freund, Fremder, Geliebter, Nachbar. Komm aus deinem behaglichen Zimmer mit dem Großbildfernseher, komm aus deinem warmen Haus in die kühle Nacht hinaus. Riech die nassen, zermatschten Blätter in der Einfahrt, die moderige Mischung aus Staub und Koriander in der Luft. Es ist die beste Zeit des Jahres, die einzige Jahreszeit, in der du etwas von uns und unserer malerischen Vergangenheit wissen willst – von Hexenjagden und dem Rauch von Holzfeuern, den urigen Namen der Toten auf moosbedeckten Friedhöfen.

Stewart O’Nan hat einen ganz eigenen Schreibstil, welcher häufig auf lange Schachtelsätze baut. Gerade in der Einleitung zu Halloween vermittelt er auch herrlich das Gefühl, dass man als Leser selbst angesprochen, ja regelrecht in die Geschichte hineingezogen wird. Es gibt keine Kapitel im klassischen Sinne, sondern eher Überschriften für bestimmte Abschnitte des Romans – da man aber nur so durch den Text fliegt, stört das kaum.

Die Lebenden und die Toten

Halloween behandelt ein leider recht alltägliches Thema: Vor einem Jahr sind in einer amerikanischen Kleinstadt Avon fünf Jugendliche mit dem Auto verunglückt. Drei der Jugendlichen – Marco, Danielle, Toe – sind bei dem Unfall gestorben, Kyle und Tim haben überlebt. Der Unfall hat verschiedenste Folgen für die Überlebenden, die Familien und den Polizisten, der den Fall betreut hat. Zum ersten Jahrestag kommen die Geister der drei Verunglückten zurück in die Stadt, besuchen ihre Freunde und Familien und erzählen dem Leser die Geschehnisse. Es werden immer wieder Anspielungen gemacht, irgendetwas liegt in der Luft, aber die Geister können keinen großen Einfluss auf die Geschehnisse nehmen.

Hab ich dir’s nicht gesagt? Es gibt einen Grund, warum wir dich besuchen, warum diese Nacht immer wieder abläuft, ein Alptraum in einem Traum. Du hältst es für eine Qual, aber du weißt, dass es Gerechtigkeit ist. Du kennst den Grund. Du bist der Glückliche, weißt du noch? Du hast überlebt.

O’Nan führt uns viele Beispiele aus der Kleinstadt vor und wie sie mit dem Jahrestag umgehen, sei es der ehemalige Chef von Danielle’s Minijob oder der Schuldirektor, der sich nicht mal mehr an die Namen der Verunglückten erinnern kann… die meiste Zeit verbringt man als Leser aber mit Kyle, Tim und Brooks. Kyle hat zwar überlebt, aber ist geistig behindert und ein Pflegefall. Tim hat äußerlich keine Schäden davon getragen, ist dafür aber innerlich kaputt und am zerbrechen. Das Leben von Brooks steht seit dem Unfall Kopf und er geht diesen immer wieder und wieder durch.

Es wird ein sehr realistisches Bild der Wirklichkeit in Halloween gezeichnet, und wie die unterschiedlichen Personen bzw. die Kleinstadt als ganzes mit dem Unfall umgeht. Sicherlich keine klassische Horrorgeschichte, die man vielleicht hinter dem Titel vermuten mag, sondern eine ruhige, bedrückende Geschichte, in der erst nach und nach die Geschehnisse vom Vorjahr und ihre Folgen enthüllt werden.


BUCHDETAILS | ANZEIGE

Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag
ISBN: 3499240025
Erscheinungsdatum: Oktober 2005
Rating: 5/5

[Leseplan] Oktober 2015

okt15plan

Normalerweise lese ich ohne großen Plan einfach die Bücher, die mich gerade reizen. Für diesen Monat möchte ich mal etwas anderes ausprobieren: einen Leseplan. Für diesen habe ich mir fünf Bücher ausgesucht, die ich unbedingt im Oktober lesen möchte:

Dawn Kurtagich: The Dead House
„Twenty-five years ago, Elmbridge High School burned down. The blaze killed three and injured twenty, and one pupil, Carly Johnson, disappeared. For two decades, little was revealed about what became known as the ‚Johnson Incident‘. Until now.“   Klappentext

In The Dead House soll es unter anderem Polizeiberichte, psychologische Gutachten, Transkripte von Videomaterial und Tagebuchfragmente geben, die die Geschichte unterstützen. Mir gefällt das Cover unheimlich gut, und der Klappentext verspricht eine spannende Geschichte.

Stewart O’Nan: Halloween
„Halloween, Tag der lebenden Leichen. Die Geister dreier toter Teenager kehren aus dem Zwischenreich zurück nach Connecticut. Vor einem Jahr sind sie hier bei einem Unfall auf dem Highway gestorben. Nun sehen sie nach den Freunden, die überlebten: Kyle, entstellt und debil, und Tim, unverletzt, aber innerlich «längst tot». Sie merken, dass Tim etwas Schreckliches vorhat.“ –  Klappentext

Halloween ist mein liebstes Buch von Stewart O’Nan, und ein Reread ist schon lange überfällig. Und welcher Zeitpunkt könnte besser dafür geeignet sein, als kurz vor Halloween?

Moïra Fowley-Doyle: The Accident Season
„The accident season has been part of seventeen-year-old Cara’s life for as long as she can remember: a month of mysterious injuries and tragedies, which casts a constant shadow over Cara and her family. This year, the accident season will break more than just bones. Because Cara is starting to ask questions – and all her family’s secrets will rise to the surface.“   Klappentext

Der unheilvolle Monat, in dem The Accident Season stattfinden soll, ist Oktober… daher ist es nur natürlich, dass dieses Buch ebenfalls perfekt für diesen Monat geeignet ist. Ich bin mir nicht wirklich sicher, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird – ob es sich z. B. um einen Fluch oder ähnliches handelt, den es zu brechen gilt – daher habe ich keine besonders großen Erwartungen.

Kendare Blake: Anna Dressed in Blood + Girl of Nightmares
„Just your average boy-meets-girl, girl-kills-people story“   Klappentext, Band 1

In Blakes Duologie geht es um den Geisterjäger Cas und dem Geist Anna Dressed in Blood – warum das eine problematische Ausgangssituation für eine Liebesgeschichte ist, sollte klar sein. Wie Blake das Thema umsetzt, sollte interessant werden. Cas erinnert zudem ein wenig an die Winchester Brüder mit dem Familienunternehmen, und da ich Supernatural liebe, ist das ein großer Pluspunkt.

Neben diesen fünf Büchern stehen noch einige Wanderbücher an, und so oder so werde ich sicherlich noch weitere Titel lesen… aber ich glaube, dass mit einem konkreten Leseplan doch etwas mehr Struktur hinein kommt und ich mich mehr auf meine lange Leseliste konzentrieren kann.

Habt ihr feste Titel für diesen Monat geplant?