Booktube Treffen in Hamburg beim Carlsen Verlag

Die Booktuberin Jessy vom Kanal MelodyofBooks hat am 18. November 2017 zu einem Booktube Treffen nach Hamburg eingeladen, bei dem auch noch Jenny vom Kanal regenbogengarten und Franzi vom Kanal DieBücherseelen mit von der Partie waren. Eingeladen waren alle Buchbegeisterten, die Zeit und Lust hatten. Für das Treffen konnte ein unglaublich spannender Veranstaltungspartner/-ort gewonnen werden: Der Carlsen Verlag.

Booktube Treffen | 18.11.2017

Auf dem ein oder anderen Weg wird wahrscheinlich jeder von uns schon mal ein Buch aus dem Verlag in den Händen gehalten haben, denn der Carlsen Verlag hat sich in den über sechszig Jahren seiner Existenz zu einen der führenden deutschen Verlage entwickelt. Die Pixi Bücher sind hier genauso Zuhause wie ein berühmter Zauberlehrling und noch viele weitere beliebte Reihen und Figuren. An Genres findet man im Verlagsprogramm Kinderbücher, Jugendbücher, Comics, Graphic Novels, Manga sowie Humor, was sich auch teilweise in den Imprints wiederspiegelt. Zu diesen gehören unter anderem Nelson, Xenos, Chicken House, Terzio, Königskinder, Impress und Dark Diamonds.

Booktube Treffen | 18.11.2017Booktube Treffen | 18.11.2017

Die Fahrt zum Verlag hin war anfangs etwas chaotisch, aber am Bahnhof Altona hat sich die gesamte Meute dann doch getroffen und die leichte Verspätung dank Zugausfällen konnte gut wieder aufgefangen werden. Carlsen hat einen großen Konferenzraum toll für das Treffen hergerichtet und nach einer kurzen Begrüßung durch den Verlag sowie Jessy ging es auch schon los: Die Teilnehmer wurden auf zwei Gruppen verteilt und durch die Räumlichkeiten geführt. Wir konnten zwar nicht alle Abteilungen sehen und ein paar Bereiche befinden sich gerade im Umbau, aber es war super spannend einfach mal hinter die Kulissen zu blicken.

Booktube Treffen | 18.11.2017Booktube Treffen | 18.11.2017

Meine Gruppe wurde durch Ute Nöth geführt, die uns jede Abteilung mit den dort anfallenden Aufgaben vorgestellt hat – inklusive einiger tollen Buchtipps zwischendurch wie die Die Schule der magischen Tiere Reihe. Fragen waren absolut erwünscht und konnten jederzeit gestellt werden, und man hat sowohl bei Ute Nöth als auch Pia Cailleau später die Begeisterung für den Verlag und die Bücher gemerkt. Nachdem beide Gruppen wieder im Konferenzraum angekommen waren, gab es noch mal eine gemeinsame Fragerunde, in der sowohl Jessy als auch die Verlagsmitarbeiterinnen zu Themen wie ‚wie lange dauert die Produktion eines Videos?‘, ‚wie wird man LektorIn?‘ oder ‚wie handhabt Carlsen Rezensionsexemplare?‚ Rede und Antwort gestanden haben.

Gerade letzteres dürfte für den ein oder anderen ein interessantes Thema sein, daher möchte ich darauf kurz eingehen. Auf der Webseite des Carlsen Verlags gibt es Infos für Blogger, wo ihr alle Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit findet. Die größte Hürde wird vermutlich die gewünschte Followerzahl für viele sein: Carlsen wünscht sich mindestens 1.000 Follower, die ihr mit euren Social-Media-Kanal erreicht, egal, ob es sich hierbei um Facebook, Instagram, Twitter oder YouTube handelt. Es gibt allerdings auch ein sogenanntes „Willkommenspaket“. Hierfür bietet Carlsen drei wechselnde aktuelle Titel an, die sich neue Blogger anfordern dürfen, die noch nicht so eine große Leserschaft aufgebaut haben. Übrigens ist Carlsen auch bei NetGalley vertreten, wo ihr digitale Leseexemplare anfragen könnt.

Booktube Treffen | 18.11.2017

Pia Cailleau hat uns noch kurz die zwei digitalen Imprints von Carlsen vorgestellt: Impress und Dark Diamonds. Das besondere an diesen Imprints ist, dass die Bücher erstmal nur als E-Books erscheinen und nur sehr erfolgreiche Titel später auch als Taschenbücher veröffentlicht werden. Passend dazu wurden Goodie Bags verteilt, sodass jeder der Teilnehmer ein Impress Buch mit nach Hause nehmen konnte. Da nicht ausreichend Goodie Bags da waren, kann ich euch an dieser Stelle nur zeigen, was ich mitbekommen habe: Den ersten Band der BookElements Trilogie, Die Magie zwischen den Zeilen, von Stefanie Haase und eine kleine Wundertüte der Autorin Alexandra Carol bestehend aus einer Autogrammkarte, Bleistift und Lippenpflegestift. 

Booktube Treffen | 18.11.2017

Ich war nicht ganz bis zum Schluss da, aber nach diesem mehr oder weniger offiziellen Teil wurden noch Fotos mit den Booktubern gemacht und sich untereinander ausgetauscht. Es war eine sehr informative und lockere Veranstaltung, für die ich der lieben Jessy und dem Carlsen Verlag an dieser Stelle noch einmal herzlich danken möchte!

Habt Ihr schon mal einen Verlag besucht? Falls nein, welchen würdet Ihr am liebsten einmal besuchen?

[Gelesen+Gesehen] Mord im Orientexpress

Agatha Christie ist eine der erfolgreichsten Autorinnen weltweit, die vor allem durch ihre Kriminalromane bekannt ist. Bisher hatte ich nur Und dann gabs keines mehr von ihr gelesen (wie bitte ist das schon zwei Jahre her?!), aber der Titel war schon unglaublich genial aufgebaut. Mord im Orientexpress ist mit einer der bekanntesten ihrer Romane und ich wollte ihn schon seit Ewigkeiten lesen… Glücklicherweise habe ich das Buch dieses Jahr zum Geburtstag geschenkt bekommen und konnte nach der Lektüre gleich noch die neue Verfilmung im Kino sehen.

Mord im Orientexpress

Eine Zugfahrt in den Tod

Der Titel Mord im Orientexpress gibt schon viel Aufschluss darüber, was einem in diesem Buch erwartet: Der belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot reist mit dem legendären  Orientexpress von Istanbul nach London. Mitten auf der Strecke bleibt der Zug in Jugoslawien im Schnee stecken und es ereignet sich ein Mord in der Nacht. Wer der Fahrgäste ist der Täter? Oder war noch jemand unbekanntes an Bord? Poirot wird um Hilfe bei der Aufklärung des Mordes gebeten und gemeinsam mit dem Meisterdetektiv rätselt auch der Leser.

Mit Raten und Nachdenken zur Wahrheit

Mord im Orientexpress ist 1934 erschienen und ist daher etwas anders aufgebaut als zeitgenössische Kriminalgeschichten. Mir hat diese klassische Whodunit-Geschichte aber  gerade dadurch sehr gut gefallen. Poirot geht sehr logisch und nüchtern vor in seiner Untersuchung: Den Großteil des Buches interviewt er die einzelnen Fahrgäste und prüft ihre Geschichten auf Herz und Nieren. Es ist eine willkürliche Schar an Charakteren aus den verschiedensten Schichten, Berufen und Ländern, die einen interessanten Einblick in die damalige Zeit und ihre Gepflogenheiten bietet. Obwohl dies hier nicht der erste Fall von Poirot ist, kommt man gut in die Geschichte hinein und ich mochte seine Art unglaublich gern. Er ist trocken und nimmt teilweise kein Blatt vor den Mund, aber bleibt dabei trotzdem höflich und fair. Das zeigt sich auch bei der Auflösung des Falls, die ich im Verlauf der Geschichte absolut nicht erahnen konnte. Christie löst den Mord genial auf und bietet gleichzeitig viel Raum für Diskussionen, da die Lösung doch kontrovers ist.

„Lügen denn alle in diesem Zug?“
„Genau das werden wir in Kürze herausfinden“, sagte Poirot.“ | Seite 326

Inspiriert ist die Geschichte übrigens zum einen von Christies eigenen Reisen im Orientexpress, zum anderen von einem wirklichen Kriminalfall: Der Entführung des Lindbergh-Babys 1932. Dieser Fall war zum Erscheinungsdatum des Romans noch nicht aufgeklärt und es ist faszinierend, wie Christie in ihrem Roman so ein aktuelles Thema der Zeit mit eingebunden hat.

Buch vs Film

Ich war von dem Buch komplett begeistert und war nur wenige Tage nach beenden des Buches im Kino, um die neue Verfilmung von und mit Kenneth Branagh zu sehen. Vielleicht war es ein Fehler, so wenig Zeit zwischen Buch und Film verstreichen zu lassen? Visuell ist der Film einfach wunderbar geglückt, allein der Zug sieht einfach nur wunderschön aus und die Besetzung ist hochkarätig. Branagh zwingt Poirot allerdings seinen eigenen Stempel auf und so wirkt der Meisterdetektiv über weite Teile des Films fast lächerlich wie Monk. Die Handlung wird um einige Actionelemente ergänzt, die nicht Not tun, und von Anfang an weist einen der Film sehr offensichtlich auf gewisse Tatsachen hin. Teilweise hatte ich das Gefühl, dass Branagh dem Zuschauer hier nicht zutraut, der Handlung genug folgen zu können, um am Ende die Auflösung zu verstehen. Ich mag mir gerne noch einige der älteren Adaptionen des Buches ansehen, aber die 2017er Version hat mich sehr enttäuscht aus dem Kino entlassen und meine Empfehlung gilt ganz klar der Lektüre des Buches.


BUCHDETAILS | ANZEIGE

 Verlag: FISCHER
Übersetzer: Otto Bayer
ISBN: 9783596511136
Erscheinungsdatum: 13.10.2009
Rating: 5/5

[Gelesen] Six Stories

Kriminalfälle faszinieren – vor allem, wenn es sich um ungelöste Fälle handelt. In Matt Wesolowskis Thriller Six Stories steht eben solch ein ungelöster Fall aus den Neunzigern im Vordergrund: Ein Jugendlicher verschwindet bei einem Ausflug, ein Jahr später wird sein Leichnam gefunden. Was ist mit Tom Jeffries geschehen? Gut zwanzig Jahre später spricht der Podcaster Scott King mit den Personen, die in den Fall involviert waren. Jeder erzählt ihm seine Sicht auf die Dinge, jede Geschichte entspricht dabei später einer Podcastepisode. Nach und nach ergibt sich so über sechs Episoden hinweg ein Bild der Ereignisse, und es ist am Zuhörer bzw. Leser, seine eigene Meinung zu bilden. War es ein Mord? Unfall? Selbstmord? Oder vielleicht etwas Widernatürliches?

Welcome to Six Stories. I’m Scott King. In the next six weeks, we will be looking back at the Scarclaw Fell tragedy of 1996. We’ll be doing so from six different perspectives; seeing the events that unfolded through six pairs of eyes. Then, as always, it’s up to you. | Seite 7-8

Six Stories erinnert in seinem Format an bekannte Podcasts wie Serial, S-Town oder Up and Vanished, was sich gerade in der Hörbuchfassung gut zeigt: Hier wird jeder Charakter von einem anderen Sprecher gesprochen. King ist unser roter Faden und hilft, die Ereignisse und Aussagen in die richtige Reihenfolge zu bringen. Er lässt seine Interviewpartner viel sprechen, stellt nur an manchen Stellen Nachfragen. Und was zuerst wie ein simpler Fall aussieht, entpuppt sich dann doch schnell als ein großes Geflecht an widersprüchlichen Aussagen und Eindrücken.

Ich höre sehr gerne die Art von Podcasts, die Wesolowski hier als Vorbild gedient haben, und fand die Herangehensweise für diesen Thriller daher unglaublich faszinierend. Natürlich handelt es sich hier um eine fiktive Geschichte und es gibt den Ort Scarclaw Fell in Northumberland überhaupt nicht, aber die Geschichte ist so gut aufbereitet, dass es trotzdem glaubhaft und realistisch wirkt. Jeder Charakter unterscheidet sich allein sprachlich voneinander und im Laufe der Episoden kommen immer wieder Wendungen, mit denen man nicht rechnet. Gerade die letzten Episoden haben es dabei absolut in sich und Gänsehautpotential.

Der Charme von Six Stories liegt klar in der Aufbereitung als Podcast, wobei man als Leser nicht zwingend dieses Format im voraus kennen muss: Es liest sich teilweise wie eine Art Interview, wobei natürlich durch die Hörerschaft und die Rolle von Scott King ganz andere Konsequenzen für die involvierten Personen auftreten. Ende der Neunziger war das Internet noch nicht so groß wie heute und ein Fall wie der von Tom Jeffries hat zu dem Zeitpunkt nicht die gleichen Wellen geschlagen, wie es heutzutage der Fall wäre.

Six Stories ist vielleicht in den ersten Episoden noch etwas zu gradlinig, aber da jede Episode auf die vorangegangene aufbaut, ist das zu verschmerzen. Es ist etwas herrlich neues im Thrillerbereich und ich bin jetzt schon sehr gespannt auf den nächsten Fall in Hydra, welches im Januar 2018 erscheint.

Matt Wesolowski: Six Stories

Before the events of 1996, Scarclaw Fell was largely unknown. And today, most people have forgotten its name once more […]. Most people have forgotten the name Tom Jeffries too. Maybe that’s about to change. | Seite 7


BUCHDETAILS | ANZEIGE

Verlag: Orenda Books
ISBN: 9781910633625
Erscheinungsdatum: 30.03.2017
Bewertung: 5/5