[Gelesen] Ihr letzter Sommer

Rezensionsexemplar | Die namenlose Protagonisten in Anna Snoekstras Roman Ihr letzter Sommer sitzt sprichwörtlich in der Klemme: Sie wurde beim Diebstahl erwischt und kann sich partout nicht raus reden. Keine ihrer Maschen zieht bei dem Ladendetektiv und so kommt sie dazu, einen sehr unüberlegten Satz zu äußern:

„Mein Name ist Rebecca Winter. Ich wurde entführt.“

ihrletztersommerRebecca Winter, dahinter steckt eine eigentlich recht typische Sechszehnjährige, die den Sommer zwischen Schwimmbadbesuchen, Sommerjob, Liebeleien und Zeit mit ihrer besten Freundin verbringt. Dieses Bild wird nur durch ihr plötzliches Verschwinden im Sommer 2003 gestört und dementsprechend groß ist die Aufregung als sie nach elf Jahren vermeintlich wieder auftaucht. Was wir als Leser von Beginn an aber wissen ist, dass die Frauen sich zwar ähnlich sehen, aber mehr auch nicht. Die Doppelgängerin drängt sich unfreiwillig mit ihrer Aussage in die nächste Ecke, denn sowohl die Polizei als auch Rebeccas Familie haben natürlich großes Interesse daran zu erfahren, was in jenem Sommer geschehen ist und sie all die Zeit gesteckt hat.

Wie erzählt man so eine Geschichte? Snoekstra löst es eigentlich sehr gut, in dem sie immer wieder von Kapitel zu Kapitel zwischen den beiden Zeitlinien hin und her springt: Als Leser erlebt man sowohl die letzte Woche vor dem Verschwinden, als auch die aktuellen Geschehnisse im Jahr 2014 mit Rebecca. Es ist dabei faszinierend, wie leicht teilweise die Grenzen zwischen den beiden Frauen hier verwischen und wie spannend beide Teile doch sind! So weiß man zum Beispiel zwar, dass Rebecca verschwinden wird, aber nicht, wie es passiert. Ebenso ist klar, dass die Maskerade der Doppelgängerin auf furchtbar wackligen Füßen steht und einfach mit dem Umfeld des Mädchens elf Jahre später noch etwas ganz und gar nicht stimmt.

Mir hat es unglaublich viel Spaß gemacht mitzurätseln, was sich in dieser einer Woche in Rebeccas Leben ereignet hat. Von den gegebenen Hinweisen her wäre ich auch nicht auf die Auflösung vorzeitig gekommen und konnte das Buch so auch kaum aus der Hand legen. Die Verortung in Australien fand ich ebenfalls interessant, wenn es auch nur einen kleinen Einfluss auf die Handlung selbst nimmt. Was man aber für den Handlungsstrang in 2014 auf alle Fälle anmerken sollte, ist, dass an einigen Stellen etwas realitätsfern agiert wird. Es hat schon seine Gründe, warum es der Doppelgängerin gelingt, so leicht in Rebeccas Rolle zu schlüpfen, aber nur so kann die Geschichte auf eben diese Art erzählt werden. Für mich waren das auch die einzigen kleinen Stolpersteine, da der Rest der Geschichte danach sehr konsequent und schlüssig aufgebaut ist. Obwohl wir nie den Namen der Doppelgängerin erfahren, wird ihr Charakter von Snoekstra gut im Laufe des Buches entwickelt und fast so etwas wie sympathisch, wenn sie auch mal hinterfragt, was es zum Beispiel bedeutet, wenn den Eltern von Rebecca klar wird das eben nicht ihre Tochter zurückgekehrt ist.

Ihr letzter Sommer ist ein Thriller, der gerade für jemanden wie mich, der sehr selten zu diesem Genre greift, sehr gut funktioniert. Snoekstra hält gut die Balance bei den etwas heftigeren Szenen und baut die Geschichte für den gesetzten Fokus gut auf. Das die australische Polizei nicht so arbeiten würde, ist dabei ein Logikfehler, den man in Kauf nehmen muss. Ich könnte mir vorstellen, dass passionierte Thrillerleser auch schneller die Ereignisse durchschauen könnten… mir macht es erst mal gehörig Lust auf mehr in diese Richtung!

Vielen Dank an und HarperCollins für das Rezenssionsexemplar!


BUCHDETAILS | ANZEIGE
Verlag: HarperCollins
ISBN: 9783959670357
Erscheinungsdatum: 10.03.2016
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Rating: 4/5

[Gelesen] Der Sommer, der uns trennte

Rezensionsexemplar | NM4eva- das ist die Losung von Nate und Middie. Seit gut zehn Jahren kennen die beiden sich, fünf davon haben sie als Paar verbracht. Die beiden sind das absolute Traumpärchen und haben ihr gemeinsames Leben bereits durchgeplant, inklusive gemeinsamen Studium, Heirat und Kindern. Während Middie noch ihr Abschlussjahr vor sich hat, will Nate für ein Jahr als Entwicklungshelfer in Honduras arbeiten, bevor es gemeinsam an die Uni geht. Kurz nach seiner Ankunft kommt es dort zu einem Zwischenfall und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Nate diesen nicht überlebt hat. Middies Welt stürzt daraufhin in Der Sommer, der uns trennte zusammen und nur Nates bester Freund Lee scheint sie noch zu verstehen.
catjordan-dersommerderunstrennteIn ihrem Debüt beschäftigt sich Cat Jordan sehr behutsam mit diesem schrecklichen Verlust eines geliebten Menschen, der ihre Protagonistin Middie (kurz für Meredith) da trifft. Schon vor der Abreise von Nate nach Honduras ist die Vorstellung, nach zehn Jahren den anderen nicht einfach sehen oder zu jeder Zeit erreichen zu können, für Meredith kaum möglich. Jordan schafft es in wenigen Kapiteln dieses Paar mit seinem Wir-Gefühl gut zu vermitteln. Dass Meredith der Boden unter den Füßen weggezogen wird, als aus dem Wir auf einmal ein Ich wird, ist für mich auch definitiv der spannendste Aspekt im Buch!

Ihre Umwelt hat zwar anfangs Verständnis, aber natürlich gehen Außenstehende schnell wieder zur Tagesordnung über und so ist Meredith relativ schnell allein mit ihrer Trauer. Der einzige, mit dem sie wirklich offen über alles reden kann, ist der beste Freund von Nate – Lee. Obwohl sie nur Nate gemeinsam haben und ansonsten grundverschieden sind, funktionieren die Interaktionen zwischen ihnen sehr gut. Lee ist ein sehr direkter Charakter, der einen auch schon mal vor den Kopf stößt und ist mal ein etwas anderer Jugendbuchprotagonist. Mir hat sowieso gefallen, wie glaubhaft Jordan ihre Hauptcharaktere und Dialoge geschrieben hat.

Atme
War es wirklich so einfach? Ich atmete tief ein und spürte einen Schluckauf in meiner Brust. Dann atmete ich langsam aus. Ich dachte an die Fahrt auf Lees Vespa, an den Wind, der meine Tränen weggetragen hatte.
Und ich atmete. – S. 69

Wenn man den Klappentext von Der Sommer, der uns trennte liest, kann man sich sicherlich schon einen Teil der Handlung denken und es kommen auch nicht viele Überraschungen auf einen zu. An einem Punkt hatte ich kurz die Hoffnung, dass Jordan eine andere Richtung einschlägt, finde die Geschichte aber insgesamt in sich stimmig. Es ist ein Buch, bei dem man gut den Kopf etwas ausschalten und die Geschichte genießen kann. Das ist gerade bei Merediths Umwelt auch nötig, denn durch den Fokus der Geschichte wirkt diese doch sehr passiv und reagiert in einigen Situationen etwas fragwürdig. Zum Ende hin hätten es gerne noch ein paar mehr Seiten sein dürfen, da es auf einmal alles sehr schnell geht… Für ein Erstlingswerk muss sich Der Sommer, der uns trennte aber definitiv nicht hinter anderen Titeln verstecken.

Vielen Dank an Blogg dein Buch und HarperCollins ya! für das Rezenssionsexemplar!


BUCHDETAILS | ANZEIGE

Verlag: HarperCollins ya!
ISBN: 9783959670371
Kaufen? Hier lang.
Erscheinungsdatum: 15.08.2016
Bewertung: 3/5

Gelesen | The Graces von Laure Eve

Schönes Cover, interessant klingender Klappentext – aber ich war mir trotzdem nicht ganz sicher, ob ich The Graces von Laure Eve lesen mag. In der letzten illumicrate war die Taschenbuchausgabe enthalten, sodass mir die Entscheidung netterweise abgenommen wurde… Generell bin ich bei The Graces von Laure Eve aber immer noch hin und her gerissen, was meinen Gesamteindruck anbelangt.
thegraces

“At first, I’d thought moving to this town was punishment for what I’d done.”

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