[Gelesen] Only Ever Yours

oey.jpg

I’m a good girl. I am pretty. I am always happy-go-lucky.

In einer dystopischen Zukunft werden Frauen nicht mehr geboren, sondern künstlich geschaffen. In Schulen lernen sie, wie man sich kleidet, schminkt und Männern gefällt, bevor sie mit 16, 17 Jahren ihren „Abschluss“ machen. Zu diesem Zeitpunkt entscheidet sich, was ihre zukünftige Rolle in der Gesellschaft ist: Entweder werden sie Ehemännern zugeteilt, zu Konkubinen oder Lehrkräfte innerhalb des Systems. Als Leser begleitet man freida durch ihr letztes Schuljahr, und lernt das Leben in der Schule sowie den Auswahlprozess für die Zuteilung am Ende kennen.

Gäbe es für Bücher Warnaufkleber, wäre Only Ever Yours vollgeklebt mit solchen. Body-, Fat- und Slutshaming, verschiedene Essstörungen, Sucht, Mysogynie, Mobbing… leichte Kost ist die Geschichte definitiv nicht. Ebenso wenig ist freida eine einfache Hauptperson. Zu Anfang gehört sie zu den Mädchen, die die obersten Bewertungen erhalten und somit fast automatisch zu Ehefrauen werden müssen, mit ihrer besten Freundin isabel stellt sie ein unzertrennbares Duo dar. Das ändert sich allerdings, und sie muss um ihre Position innerhalb des Rankings und der Schule kämpfen. Dabei trifft sie immer wieder Entscheidungen, die innerhalb dieser Gesellschaft Sinn ergeben, für den Leser aber klar falsch sind.

I’ve tried. I’ve waxed every last hair on my body. I have taken my pills. I have gone to bed hungry every night since I was four years old. I’ve done everything they have told me to do and here I am, ten days left, and I don’t know if it’s enough.

Die Gruppendynamik selbst ist sehr spannend, und natürlich will man als Leser auch erfahren, wie freida am Ende abschneidet. Es gibt einige Szenen mit isabel, die erst im nachhinein erklärt werden, und eigentlich wäre sie eine viel interessante Figur gewesen – umso spannender ist es, dass O’Neill  freida gewählt hat! freida ist keine klassische Heldin oder Anführerin, sondern halt eher die, die mit läuft und irgendwie durchkommt.

Mir war während des Lesens nicht klar, wohin O’Neill mit der Handlung möchte. Mal vergeht die Zeit sehr schnell, dann wieder sehr langsam, und das Ende ist sehr plötzlich und viel muss noch eben schnell erklärt werden. Ich könnte mir daher vorstellen, dass Only Ever Yours unter Umständen als Film besser funktioniert als Buch.

Auch wenn es natürlich sehr überspitzt dargestellt ist, findet man vieles unserer eigenen Gesellschaft innerhalb des Texts wieder, soziale Netzwerke allein spielen eine große Rolle innerhalb der Schule. Only Ever Yours ist definitiv ein sehr wichtiges Buch, bei dem man fast nicht von es gefällt einem reden kann. Für mich hat zum Schluss noch etwas gefehlt, aber die Reise mit freida und den anderen Mädchen möchte ich nicht missen.

Vielen Dank an Steffi, die das Buch über das TBPG zur Verfügung gestellt hat!


BUCHDETAILS | ANZEIGE

Verlag: Quercus
ISBN: 9781848664159
Erscheinungsdatum: 03.07.2014
Rating: 3/5

[Gelesen] The Wicked + The Divine, Volume 3: Commercial Suicide

Commercial Suicide ist der dritte Sammelband von The Wicked + The Divine, in dem die Hefte 12 bis 17 versammelt sind. Ich liebe die Idee hinter den Comics, und war schon sehr gespannt auf den dritten Handlungsbogen – gerade da die diese immer mit fiesen Cliffhangern enden! wcd.jpg

In Commercial Suicide geht es nicht direkt mit den Ereignissen aus Fandemonium weiter. Vielmehr gibt es gibt mehrere Hintergundgeschichten zu Göttern, die bisher zwar schon erwähnt aber nicht wirklich in Erscheinung getreten sind. Es ist eigentlich auch nicht schlecht, dass Charaktere wie Tara oder Sekhmet mehr Raum bekommen, nur die Aneinanderreihung nimmt den Geschichten etwas weg. Generell merkt man dem dritten Sammelband an, dass hier eine kurze Verschnaufpause ist. Gefühlt könnte man später diesen Band nach Fandemonium getrost überspringen, was unglaublich schade ist. Es werden zwar ein paar Grundsteine für den weiteren Verlauf gelegt, aber es gibt nur eine wichtige Erkenntnis für den Leser.

Neben spannenden Geschichten ist bei Comics natürlich auch immer die Optik wichtig. Gerade bei The Wicked + The Divine sind die Illustrationen von Jamie McKelvie einfach unglaublich schön. Leider wird für die Hefte in Band 3 komplett auf Gastkünstler gesetzt – eine Tatsache, die irgendwie komplett an mir vorbeiging, bis ich mit dem Lesen angefangen habe. Einige waren gar nicht schlecht, nur bei weitem nicht das, was man von der Serie gewohnt ist. Gott sei Dank sehen die Pläne für die nächsten Hefte wieder anders aus… wobei ich die Idee mit den früheren Pantheons durchaus spannend finde!

The plan is not guest artists from now on in the main series (with one exception, which really is a very strange issue, so barely counts). We’ll be doing specials at the end of arcs (in what would be a gap month) where we show an earlier pantheon, and that’s where we’ll be having guests. They’ll be collected in their own trade towards the end of the run. First is planned to be after issue 22, and will be the 1830s pantheon.- Kieron Gillen: Writer Notes: The Wicked + the Divine #17

Wie die anderen Bände, endet auch Commerical Suicide wieder mit einem Cliffhanger. Wer so ein löchriges Gedächtnis für Namen hat wie ich, sollte im Vorfeld zumindest den zweiten Band noch mal lesen, damit diese auch klar wird. Je nachdem, wie hiermit umgegangen wird, sollte der nächste Handlungsbogen sehr aufregend werden. Denn wie Ananke es so treffend prophezeit:

I fear there will be war. Be ready.


BUCHDETAILS | ANZEIGE

Verlag: Image Comics
ISBN: 1632156318
Erscheinungsdatum: 09.02.2016
Rating: 2/5

[Gelesen] How to Live Safely in a Science Fictional Universe

Zwei der wichtigsten Regeln beim Reisen durch die Zeit:

I. Man kann die Vergangenheit nicht ändern.
II. Man darf nie sich selbst begegnen.howtolivesafelyinasciencefictionaluniverse

Zeitreisen und Zeitreisemaschinen sind im Minor Universe 31 vollkommen normal. Als Servicetechniker reist Charles Yu in seiner eigenen Zeitmaschine umher und hilft Gestrandeten, deren Maschinen es verschiedensten Gründen nicht richtig funktionieren. Dabei hält er sich außerhalb seiner eigenen Zeitlinie auf, und wird nur von seinem leicht depressiven Boardcomputer und Hund begleitet. Charles hat ein erst mal einfach klingendes Ziel: seinen Vater wiederfinden. Dieser ist selbst irgendwo in der Zeit unterwegs, und könnte so nicht nur überall, sondern theoretisch jederzeit sein. Am Anfang des Buches ist Charles bereits zehn Jahre ununterbrochen unterwegs – nur leider müssen auch Zeitmaschinen irgendwann zur Wartung in die Werkstatt, womit die richtigen Probleme für Charles anfangen.

Wenn Bücher eine Persönlichkeit haben, dann ist How to Live Safely in a Science Fictional Universe ein klarer Introvert. Die Handlung tritt häufig für wunderbare Gedankengänge von Charles in den Hintergrund, und ist so simpel wie gut ausgeführt. Dabei verläuft die Geschichte in mehreren Zeit-, Erzähl- und Stilebenen: Der Textfluss wird immer wieder durch Kapitel aus dem titelgebenden Ratgeber unterbrochen, dazu kommen noch ein paar Grafiken zur Visualisierung des Zeitwirrwarrs.

Living is a form of time travel. Time travel is a physical process. […] A house can be a time machine. A room. Our kitchen, this garage, this conversation, anything can be a time machine. Just sitting there, you are. So am I.

Ich hatte schon nach ein paar Kapiteln das Gefühl, dass How to Live Safely in a Science Fictional Universe eines meiner Lieblingsbücher werden könnte – und genauso ist es auch. Je weniger man im Vorfeld über die eigentliche Handlung weiß, desto besser: man möchte einfach immer weiterlesen. Es gibt nachdenkliche Momente, aber auch sehr komische Szenen, und Charles ist zwischendrin wirklich wunderbar sarkastisch. Der Ratgeber spielt eine entscheidende Rolle und die Metaelemente sind einfach genial! Ein bisschen hat How to Live Safely in a Science Fictional Universe etwas von einem Murakami Titel, nur, dass es mit einer viel positiveren Stimmung endet. Sehr überrascht hat mich immer wieder TAMMY. Dafür, dass sie nur der Boardcomputer der Zeitmaschine ist, wird sie ihr eigener kleiner Charakter und im Laufe der Handlung sehr sympathisch.

Harte Science Fiction sucht man in dem Buch von Charles Yu vergebens. Der Hauptfokus liegt auf der inneren Entwicklung von Charles und wie er zu diesem Punkt in seinem Leben kommt, an dem man ihm als Leser begegnet. Es fallen zwar auch ein paar Sätze über technische Aspekte, und es gibt einen kleinen Eindruck von der Gesellschaft in diesem Universum, aber man vergisst über weite Zeit beim Lesen einfach, dass es überhaupt in einem anderen Universum spielt.


BUCHDETAILS | ANZEIGE

Verlag: Pantheon
ISBN: 9781848876811
Erscheinungsdatum: 2011
Rating: 5/5