[Gelesen] Rumble | 1. Lesenacht im Januar

Im Bücher Bahnhof wurde gestern die erste Lesenacht veranstaltet. Von dem Prinzip hatte ich schon gehört, aber noch nie an einer teilgenommen… umso mehr Spaß hatte ich gestern Abend dabei! Im Februar werden wir wahrscheinlich einen Titel gemeinsam lesen, gestern konnte jeder selber seinen Lesestoff auswählen. Bei mir hat das Los entschieden: Rumble von Ellen Hopkins.
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Wie alle Bücher von Hopkins ist auch Rumble nicht die leichteste Kost, unter anderem werden Homosexualität, Religion, Mobbing, Suizid, Waffenbesitz und PTSD thematisiert. Die Geschichte dreht sich um Matt, der vor kurzem seinen Bruder verloren hat, und mit viel Wut im Bauch überall aneckt.

Im Forum gab es jede Stunde eine Frage zu unserem Buch. Die Fragen sowie meine Antworten habe ich unten kopiert, danach möchte ich noch mal im Rückblick auf Rumble kurz eingehen:

20:00 Uhr – Es geht los!!! | Eure erste Frage: Was lest ihr heute Abend? Wie seit ihr zu den Buch gekommen?

Ich habe heute Mittag natürlich zuerst ein Buch gezogen, dass erst noch erscheint… im zweiten Anlauf wurde es dann Rumble :freu:
Ellen Hopkins schreibt in Versform und ich mag das total gerne – war irgendwann durch Zufall über Crank gestolpert, und hatte gerade im letzten Jahr eine ganze Reihe von ihren Büchern gekauft… Rumble ist netterweise auch einer ihrer wenigen Einzelbände, daher passt das super für heute Abend (:

21:00 Uhr – Wer stößt noch mit dazu? | Würdet ihr gerne mit eurem Hauptcharakter tauschen wollen? Wieso/wieso nicht?

Ich würde nicht gerne mit Matt tauschen wollen – sein Bruder ist vor noch nicht mal einem Jahr gestorben (wobei ich irgendwie das Gefühl habe, dass es kein Unfall wahr) und die ganze Familie ist am auseinander brechen.

22:00 Uhr – Schon im Bettchen? | Bist du bisher über eine Textstelle gestolpert, die dir gut gefallen hat, besonders war oder dich besonders bewegt hat?

Ich habe zwei Textstellen bisher markiert:

That’s the worst thing
about you, and the rest
doesn’t matter. You’re not
perfect, that’s a fact. But
your imperfections are
part of what makes you
you. And that’s who I fell
in love with.
Surprises.

She’s full of them.“

Matt’s Freundin hat ihm gestanden, dass sie seine Lieblingsmusik eigentlich gar nicht mag… und danach kam die Frage, was ihr denn noch nicht in ihm gefallen würde (die beiden sind FURCHTBAR zusammen!) und ich fand ihre Antwort einfach nur schön!

„Then I got scared. For him, and for me. But the thing was, nothing had changed. Luke was the same brother he’d always been. It took a little time to understand that, a little longer to accept it.“

Sein Bruder hat ihm gestanden, dass er schwul ist – und Matt ist irgendwie der einzige, der damit vernünftig umgeht.

23:00 Uhr – Die Zeit verrennt! | Glaubt ihr der Autor/die Autorin möchte mit dem Buch auf ein bestimmtes Thema/Problem aufmerksam machen oder etwas an unserer Gesellschaft kritisieren? Wenn ja was und wie? Und was ist eure Einstellung zu dem Thema?

Hopkins spricht eigentlich immer schwerwiegende Themen an und in Rumble wird das schon mit der Widmung klar:

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Es gibt mehrere Brennpunkte in dem Buch, sei es der Umgang mit Homosexualität, Mobbing, Trauerbewältigung, Glaube oder Partnerschaften, die längst beendet gehören… irgendwie werden total viele Probleme von den Charakteren einfach unter den Teppich gekehrt oder sie verstehen Dinge absichtlich falsch. Es gab gerade eine sehr krasse Szene zum Thema Suizid/Mobbing/Sexualität und für mich ist das so unverständlich… ich finde, so lange mir jemand etwas nicht aufzwingen will, kann er gerne sein wie er mag!

0:00 – Geisterstunde O.o | Wenn ihr den Autor eine Frage stellen könntet, welche wäre diese?

Was würde ich fragen wollen… finde das schwer, weil so viel schon durch das Buch klar wird. Wahrscheinlich etwas ganz banales à la wie baut sie die Verse auf? Warum hat sie dieses Format für sich entdeckt? Kann sie eines meiner Bücher signieren? Sowas halt ^^‘

1:00 – es wird schon langsam spät… :P | Regt euch das Buch an noch mehr von der/dem Autor/in zu lesen oder dem Genre?
Oder sagt ihr lieber erstmal nicht mehr?

Wie schon erwähnt: ich mag Ellen Hopkins und ihre Art zu schreiben! Das Ding ist nur, dass sie halt keine leichte Kost schreibt… ich könnte jetzt nicht alle acht Bücher, die ich von ihr hier habe, hintereinander weg lesen. 11 ihrer Bücher kenne ich bisher nicht, aber irgendwann möchte ich sie alle gelesen haben.

2:00 Uhr – Ist noch einer da?? | Wie weit seit ihr heute mit eurem/euren Buch/Büchern gekommen? Habt ihr neue Anregungen von den anderen Lesern bekommen? Wie hat euch die Lesenacht gefallen?

Rumble habe ich heute Abend komplett durchgelesen, und 88 Seiten von The Night of Elisa – so viel habe ich ununterbrochen (Bad/Küchengänge zählen nicht wirklich) seit Ewigkeiten nicht mehr gelesen! Mir hat die Lesenacht sehr gut gefallen, vor allem, weil es einen wirklich mit den Interaktionen hier im Forum motiviert, dran zu bleiben… ich freue mich jetzt schon auf die nächste Runde :herz:

Zwischendrin ist Rumble anstrengend, gerade da es teilweise sehr extreme Standpunkte zu einzelnen Themen gibt: Im großen und ganzen lässt es sich aber gut runter lesen. Matt schreibt unter anderem ein Essay, welches sehr wichtig für die Handlung ist, und dadurch wird immer wieder aus der Versform ausgebrochen. Klar könnte man die gesamte Geschichte auch in einem Fließtext erzählen – aber dann wäre es halt kein Ellen Hopkins Buch!

Die Geschichte war immer nachvollziehbar geschrieben, auch wenn ich Matt immer mal wieder gerne geschüttelt hätte. Generell haben einige Charaktere sehr wenig Empathie… gerade was die Trauerbewältigung angeht. Bis auf den letzten Handlungsstrang, der absolut unnötig ist (außer man mag kein hundertprozentiges Happy End am Ende seiner Lektüre) hat Rumble mich absolut begeistert. Hopkins schafft es sehr gut, vor allem ihren jugendlichen Charaktere glaubhaft Leben einzuhauchen, und bereitet die Problematiken in dem Buch gut auf.


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Verlag: Margaret K. McElderry Books
ISBN: 1442482842
Erscheinungsdatum: 26.10.2014
Rating: 4.5/5

[Gelesen] Carry On

carryon

Fanfiction sind eines der schönsten Phänomene von Fandoms für mich – und eigentlich gilt hier wirklich die Regel 34: wenn man es sich vorstellen kann, gibt es auch eine Fanfiction dazu. In den letzten Jahren haben es einige dieser Geschichten mit leichten Überarbeitungen auch in die Bestsellerlisten geschafft (Fifty Shades of Grey, After Passion..). Carry On von Rainbow Rowell hat einen ähnlichen Ursprung: in ihrem Buch Fangirl schreibt die Hauptperson eine Fanfiction, die im Simon Snow Universum angesiedelt ist:

I intentionally set up the Simon Snow story so that it would take up the same place in Cath’s world as the Harry Potter series does in ours. (That let me make lots of fandom jokes and references.) But the characters and plots are different. Simon isn’t Harry, and Baz isn’t Draco or Snape (or Edward). – Rainbow Rowell [x]

In Fangirl kann man immer wieder Ausschnitte aus Cath’s Fanfiction lesen – tatsächlich mochte ich diese nicht besonders – und die Charaktere haben Rowell nicht losgelassen. Carry On ist ihre Version der Geschichte von Simon, Baz, Penelope, Agatha und co., und auch wenn man Fangirl nicht zwingend vorher gelesen haben muss, hilft es, um in diese Geschichte einzutauchen.

 Simon Snow ist der Auserwählte in einer magischen Welt, die vor einigen Problem steht. Es gibt den Insidious Humdrum, der Löcher in die Magie reißt, politische Spannungen zwischen den alten Familien und dem Mage, und regelmäßige Angriffe auf die Schule Watford. Simon hat einen Vampir zum Zimmergenossen, dem er nicht über den Weg traut, eine Freundin für die er ein furchtbarer Partner ist und so gut wie keine Kontrolle über seine magischen Fähigkeiten. Die Geschichte spielt im letzten Schuljahr von Simon und es gibt immer wieder Anklänge an vorherige Abenteuer. Da vieles an schon bekannte Erzählmuster angelehnt ist, muss Rowell nicht viel erläutern und man taucht als Leser sehr leicht in diese Welt ein.

Ich mochte die unterschiedlichen Perspektiven, aus denen diese Geschichte erzählt wird, vor allem Agatha ist erfrischend. Man kann alle Charaktere und ihre Handlungen gut nachvollziehen, und für ein Jugendbuch sind sie teilweise sehr komplex. Es gibt Referenzen an Popkultur und Homosexualität (auch wenn Rowell leider nicht auf Bisexualität eingeht), daneben spielen Brainstorming, Geister, falsche Ambitionen und Freundschaft eine große Rolle.

Ein bisschen liest sich Carry On tatsächlich wie eine Fanfiction (der Einfluss von Harry Potter lässt sich wirklich nicht leugnen), aber es ist die Art von origineller Geschichte in einem bekannten Rahmen, von der es gerne mehr geben darf!


BUCHDETAILS | ANZEIGE

Verlag: St. Martin’s Griffin, Kindle Edition
ASIN: B00V35U13W
Erscheinungsdatum: 06.10.2015
Rating: 5/5

Popsugar Reading Challenge 2015 – eine Auswertung

2015 klingt erst in ein paar Stunden aus, meine große Leseherausforderung für dieses Jahr ist allerdings schon beendet: Die Popsugar Reading Challenge 2015 war mit 52 Titeln wirklich eine Herausforderung! Die Auflistung im einzelnen würde den Rahmen etwas sprengen, aber alle meine gelesenen Bücher findet ihr sich samt Wertung hier.

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Popsugar hat eigentlich sehr interessante Aufgaben zusammengestellt, damit man auch mal andere Genres lesen muss. Meine liebsten Aufgaben waren a book that scares you und a book set somewhere you’ve always wanted to visit, bei anderen wie a book with antonyms in the title oder a book written by an author with your same initials musste ich sehr lange überlegen und nach Titeln suchen. Zu großen Teilen habe ich trotzdem Titel gelesen, die sowieso schon auf meiner Leseliste standen oder die durch Freunde beziehungsweise das Traveling Book Project zu mir kamen… ich muss auch gestehen, dass ich  zwischenzeitlich die Herausforderung auch fast vergessen habe – einfach weil die Bücher in mein normales Schema gefallen sind.

Was die Leseherausforderung wirklich positives für mich erreicht hat, ist, dass die Hemmschwelle für dicke Wälzer gesenkt wurde. Obwohl sie eigentlich kein Problem für mich darstellen sollten, schreckt mich eine Seitenzahl über 400 immer ab, und meistens nehme ich die Bücher in der Buchhandlung gar nicht erst in die Hand, wenn sie so dick sind… mit Wolf Hall, Lair of Dreams und White Space hat sich diese Scheu aber gebessert, und mein liebstes Buch dieses Jahr ist tatsächlich 1Q84 mit 925 Seiten. Dank diesem Buch habe ich Haruki Murakami generell als Autor für mich entdeckt, und lese mich jetzt langsam durch all seine Titel.

Würde ich die Herausforderung rückblickend noch mal machen wollen? Eher nicht. Umgerechnet ein Buch pro Woche ist zwar machbar, aber wirklich Spaß gemacht hat sie mir einfach nicht… entweder waren die Titel wirklich sehr gut oder sehr schlecht, und ohne die Herausforderung dahinter hätte ich vieles vorzeitig abgebrochen (Siddhartha zum Beispiel war absolut kein Buch für mich).

Trivia zum Schluss: Die Bücher aus der Herausforderung haben gut 21 Prozent meiner gelesenen Titel in diesem Jahr ausgemacht.


Für 2016 ist die Aufgabenauswahl etwas spannender, auch wenn sich einige Aufgaben aus dem Vorjahr auch wieder auf der Liste finden. Falls ihr Interesse an dieser Leseherausforderung habt, findet ihr sie hier. Einige andere Leseherausforderungen neben der von Popsugar für 2016 habe ich hier vorgestellt.