[Montagsfrage] Bist du jemand, der seinen Buchbestand regelmäßig ausmistet, oder behältst du lieber alle deine Bücher?

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Dank der Umzugsfreudigkeit meiner Familie weiß ich, wie wenig Spaß das mit Unmengen an Büchern macht… und wenn man wirklich weiß, dass man sie nie wieder lesen möchte, sehe ich keinen Sinn darin, Bücher zu behalten. Ich bin mittlerweile generell sehr eigen, was meine Büchersammlung angeht: ich möchte die Titel um mich haben, an denen mein Herzblut hängt. So kaufe ich auch schon mal Titel nach, die ich bereits als eBook gelesen und geliebt habe. Diese Titel bilden den harten Kern in meinen Regalen, und diese würde ich nie freiwillig wieder hergeben.

Bei Spontankäufen und potentiellen Herzblutanwärtern schaue ich dagegen, wie sehr ich das jeweilige Buch nach dem Lesen mochte, und gehe zusätzlich regelmäßig die Regale zwecks Aussortieren durch. Je nachdem, was für Titel es trifft, werden die Bücher wieder verkauft oder wandern in eines der öffentlichen Bücherregale (auch Regale von Freunden ;)).

[Ausgepackt] Illumicrate #2 | März 2016

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Es gibt für alle möglichen Sachen mittlerweile Boxen, die man als Abo in regelmäßigen Intervallen bekommen kann: sei es Kosmetik, Gerichte, Kleidung, Merchandise verschiedenster Art… und auch Bücher. Das Konzept ist bei den meisten Anbietern gleich. Meist gibt es ein Buch plus Kleinigkeiten, die zum Titel oder Lesen allgemein passen – und man weiß erst, was in der Box drin ist, wenn man sie aufmacht. Ich mag solche Überraschungstüten seit ich ein Kind bin, und hatte auch schon Boxen aus anderen Bereichen. Bislang hat mich immer der Preis etwas zurückgehalten, eine der Bücherboxen zu testen. Häufig bezahlt man den eigentliche Preis der Box noch mal an Versandkosten oben drauf, teilweise wird auch überhaupt nicht nach Europa geliefert. Dank Bookstagram bin ich auf eine ganz junge Bücherbox gestoßen, welche auch direkt geordert wurde: die Illumicrate.

Illumicrate kommt aus Großbritannien und erscheint vierteljährlich. Die Versandkosten variieren, je nachdem wo man lebt, zwischen 4,99 und 13,99 Pfund, die Box selber kostet 29,99 Pfund. Inklusive Bankgebühren habe ich für meine Box  im Januar knapp 48 Euro bezahlen müssen – da sie aber nicht jeden Monat erscheint, ist der Preis für mich okay.  Die spannendere Frage ist natürlich: was war drin?

Nachdem ich etwas länger auf die Box warten musste (mein Paketbote hatte leichte Schwierigkeiten in der Woche hier her zu finden…), war sie nach zwei Wochen endlich hier und die Aufregung natürlich groß! Umso glücklicher bin ich, dass ich auch auf keinen Fall enttäuscht wurde:

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Truthwitch war eine schöne Überraschung: ich hatte den Titel zwar in den Neuerscheinungen gesehen, aber es wäre kein Buch gewesen, dass ich mir selber gekauft hätte. Beim Durchlesen des Klappentextes kam aber doch sofort Lust auf die Geschichte auf. Und die UK Ausgabe selbst ist auch eine Augenweide und riesig! Die Goodies mit direktem Bezug zu Truthwitch – Lesezeichen, Karte und Book Plate – sind noch ein zusätzliches Plus.

Das kleine, magnetische I Ship It-Schiff ist der absolute Wahnsinn, und vielleicht mein Lieblingsgegenstand in der Box! So süß und wahr! Auch die kleine Kerze finde ich großartig. Es sind unterschiedliche Durftrichtungen in den Boxen gewesen: ich habe White London bekommen. Bei Duftbeschreibungen bin ich immer sehr schlecht, aber die Kerze richt frisch und herb zugleich, ein bisschen auch nach Holz…. auf jeden Fall angenehm. Und Stifte und Federmappen kann man auch immer gebrauchen, genauso wie Tragetaschen ;)

Alles war sehr gut im Inneren der Box verpackt, und unter knallig-gelben Füllmaterial versteckt. Das Buch lag ganz unten, sodass es wirklich die größte Überraschung darstellt. Mein Abo bleibt auf jeden Fall bestehen und ich freue mich schon auf die nächste Box im Mai!

[Leseprojekt] One Year War and Peace – Januar

1068, 1536, 1645… Krieg und Frieden von Tolstoy hat je nach Ausgabe eine andere Seitenanzahl, unstrittig ist aber, dass es ein sehr, sehr langer Klassiker ist. Was das Buch gerade zu perfekt für eine Jahresherausforderung macht? Es hat 363 Kapitel! Matthew Hodge hat dazu bereits vor mehreren Jahren einen interessanten Artikel geschrieben, und ich möchte es dieses Jahr einfach ausprobieren. Die Tatsache, dass die BBC eine neue Adaption des Werks produziert hat, hat mich ebenfalls neugierig gemacht.

Im Januar habe ich Volume 1 sowie die ersten Kapitel von Volume 2 von Krieg und Frieden gelesen – viel wusste ich im Vorfeld nicht, außer, dass es zur Zeit von Napoléon spielt und einer der längsten Romane überhaupt ist. Nachdem wirklich niemand in meinem Freundes- und Familienkreis das Buch besitzt, habe ich mich nach langem Ringen für die Übersetzung von Louise Maude, Aylmer Maude und Amy Mandelker ins Englische aus der Oxford World’s Classics Reihe entschieden. Erst mal nur als eBook: je nachdem, wie gut es mir gefällt, möchte ich im März das physische Buch kaufen. Das schöne an dieser Ausgabe sind die Bemerkungen, seien es Übersetzungen von fremdsprachigen Passagen oder Anmerkungen zu historischen Hintergründen – die Übersetzer haben gute Arbeit geleistet und ersparen einem lästiges Nachschlagen.

Ich werde im folgenden ein bisschen über die Ereignisse in den ersten Kapiteln sprechen, daher kann es ab hier zu SPOILERN kommen!
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Es ist das Jahr 1805… das langsame, tägliche Herantasten an Krieg und Frieden diesen Monat hat mir sehr gut gefallen: Es hat ein bisschen was von einem Fortsetzungsroman, der täglich in der Zeitung zu lesen ist. Tolstoy wirft den Leser gleich mittenmang ins Geschehen und Personengetümmel – der Großteil des ersten Volumes spielt an einem Abend, und wir lernen die wichtigsten Charaktere kennen. Grob die wichtigsten Schauplätze:

  • ein Soiree von Anna Pavlovna in St. Petersburg
  • die Festivitäten zu einem Namenstag im Haushalt der Rostovs in Moskau
  • der Haushalt des Grafen Bezuhov (ebenfalls in Moskau)
  • der Landsitz der Bolkonskys

Das Soiree ist wirklich verwirrend, und ich glaube, dass es mir wahrscheinlich jetzt mit dem Wissen um die einzelnen Personen besser gefallen würde. Neben einer Reihe der adligen Charaktere mit unterschiedlichen Hintergründen und politischen Überzeugungen wird aber eine gute Grundstimmung vermittelt: Napoléon ist mit seiner Kriegsführung präsent, aber hält noch keinen großen Schrecken für die Oberschicht (einige sympathisieren sogar mit ihm).

Zwischen dem Soiree und dem Namenstag vergeht etwas Zeit. Bei den Rostovs trifft sich alles, was Rang und Namen hat, und ist am klatschen was das Zeug hält: als Leser erfährt man so, was währenddessen mit Pierre Bezuhov passiert ist. Konträr zu den Festivitäten bei den Rostovs erleidet der reiche Graf Bezuhov einen weiteren Schlaganfall und liegt im Sterben… die Szenen in dem Haushalt waren bisher meine liebsten. Die Frage, wer den nun was erben wird, und wie die verschiedenen Parteien damit umgehen, ist spannend und teilweise urkomisch geschrieben. Gerade Anna Mihalovna war wundervoll! Sie ist zwar offensichtlich nur auf den Vorteil für sich und ihren Sohn bedacht, verstellt sich dabei aber nicht, und geht wunderbar mit Pierre um.

Tout Moscou ne parle que guerre. (engl.: All Moscow talks of nothing but war.)

Die Bolkonskys sind ein Fall für sich. Kein Mitglied der Familie wirkt im Moment auf mich sympathisch oder außerordentlich anziehend. Gefühlt sind alle unglücklich: der Vater, der sich aus dem sozialen Leben zurückgezogen hat, die Tochter, die duldsam die erniedrigenden Lehrstunden über sich ergehen lässt, der Sohn, der nichts für seine Ehefrau übrig hat, die wiederum nicht für das Leben auf dem Land geschaffen ist… spannend waren hier bisher nur die Briefe, die Marya mit Julie Karagin austauscht.

Zu Beginn von Volume 2 hat sich das russische Heer nach Österreich aufgemacht, und die Auseinandersetzung mit Frankreich dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die Art, wie Tolstoy von „unserer Armee“ spricht, wenn er von dem russischen Heer spricht, gefällt mir irgendwie.

Bisher macht das Leseprojekt mir großen Spaß, und erleichtert definitiv das Lesen des Buchs. Jetzt, wo sich der Fokus mehr aufs Heer schiebt, kommen viele neue Namen hinzu aber eigentlich kann man sich ganz gut zurechtfinden. Pierre finde ich gerade sehr tollpatschig und wie ein großes Kind, wie er mit seiner neuen Rolle umgeht, fasziniert mich jetzt schon. Der Personenmix allgemein mit Träumern, Atheisten, Realisten, alter und neuer Ordnung, jung und alt wirkt wie direkt aus dem Leben, und als könnte es sie tatsächlich gegeben haben. Mal sehen, wohin es im Februar geht…


BUCHDETAILS

Verlag: OUP Oxford
ASIN: B005X3S9J8
Erscheinungsdatum: 14.10.2010