[Gesehen] Ruby Sparks – Meine fabelhafte Freundin

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Stell dir deinen Traumpartner vor.
Stell dir vor, dass du über diesen ein paar Sätze, im Extremfall ein ganzes Buch schreibst.
Und dann stell dir vor, dass du ihn auf einmal in deiner Küche vorfindest.

I had a dream about a girl. So I wrote it down.

Calvin Weir-Fields ist ein 27-jähriger Schriftsteller, der unter einer Schreibblockade leidet. Mit seinem Erstlingswerk hat er vor zehn Jahren ein Buch geschrieben, dass bereits als Literaturklassiker gilt, an den hohen Erwartungen scheitern seit dem all seine Schreibversuche. Calvin leidet unter dem Zerbrechen seiner Beziehung und hat neben seinem Bruder und Hund keine wirklichen Bezugspersonen. Nachdem er seinem Therapeuten von einem Traum erzählt (den man als Exposition am Anfang des Films sieht), gibt dieser ihm eine Aufgabe: er soll diesen niederschreiben, egal ob gut oder schlecht. Von da an hämmert Calvin die Worte nur so aus seiner Schreibmaschine raus – bis Ruby auf einmal tatsächlich in seiner Küche steht.

„Quirky, messy women whose problems only make them endearing are not real. Period.“

Was bedeutet es, wenn man seinen Traumpartner regelrecht ins Sein schreibt? Die Geschichte in Ruby Sparks mutet wie eine moderne Fassung von Pygmalion und seiner Skulptur an. Beim Schreiben verliebt sich Calvin in die erfundene Figur, und haucht ihr Leben ein. Der Film schafft es dabei sehr gut, trotz dieser Tatsache realistisch zu bleiben, und allein der Prozess bis Calvin akzeptieren kann, dass Ruby wirklich da ist und er nicht gerade den Verstand verliert, ist herrlich. Ruby weist die typischen Züge eines Manic Pixie Dream Girls auf, sie ist eine Fantasie – und außerhalb der Seiten handelt sie nicht immer wie Calvin es gern hätte.

I’m sorry I wasn’t acting like the platonic ideal of your girlfriend.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich diesen Film so lieben würde. Ruby Sparks hat etwas von einem Indie-Film, Zoe Kazan und Paul Dano spielen großartig! Zwischendrin musste ich an Her denken, allerdings ist in Ruby Sparks die Grundstimmung viel positiver. Calvin macht einer sehr interessante Entwicklung durch, und die Art, wie man andere Personen und ihr Verhalten wahrnimmt, spielt eine große Rolle. Einer dieser Filme, wo man Herz im Nachhinein darüber blutet, dass sie auf Grabbeltischen landen und viel zu wenig beachtet werden!

LIEBLINGSSZENE: „YOU’RE A GENIUS YOU’RE A GENIUS YOU’RE A GENIUS“ – pure Gänsehaut!

rating: 5/5

[Gesehen] KW 46 – Black Mass, Der Marsianer, The Hunger Games, American Ultra

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Black Mass
„Nicht was du tust ist wichtig, sondern wann und wo du’s tust und wem du was tust und wer dabei ist. Wenn niemand es sieht, ist es nie passiert.“

Whitey Bulger kontrolliert in den Siebziger Jahren mit seiner Gang South Boston. In Black Mass wird beleuchtet, wie er zum FBI Informant wird, und wie unterschiedliche Personen in seinem Umkreis davon mit betroffen sind. Ich kannte Bulger als Persönlichkeit vorher nicht und fand das Biopic recht interessant. Teilweise werden die Motivationen hinter den einzelnen Charakteren allerdings nicht klar, und viele gute Szenen werden schon im Trailer gezeigt. Nach den relativ vielen schlechten Rollen von Johnny Depp in letzter Zeit war die von Bulger allerdings recht gut gespielt.

rating: 3.5/5

Der Marsianer – Rettet Mark Watney (engl. The Martian)
„Das ist das Weltall, es kooperiert nicht. Ich garantiere Euch, an irgendeinem Punkt läuft einfach alles schief. Und dann sagt man: das war’s. Das ist mein Ende.“

Ich muss die Buchvorlage von Der Marsianer noch lesen… der Film selbst hat richtig viel Spaß gemacht! Es gibt lustige, tragische, traurige Szenen, und der Mix stimmt einfach. Watney ist ein sympatischer Charakter, der das beste aus einer schier ausweglosen Situation macht. Das Ende ist zwar absehbar, der Weg dahin schlägt aber noch genug Haken, dass es einen nicht zu arg stört. Und der Soundtrack war einfach klasse!

rating: 4/5

Die Tribute von Panem – The Hunger Games
„Jeder will sich sofort ein Schwert schnappen, aber die meisten von euch sterben an natürlichen Ursachen. 10 Prozent an Infektionen, 20 Prozent an Dehydrierung. Schutzlosigkeit kann so tödlich sein wie ein Messer.“

Nachdem Buch 1 und 2 gelesen sind, ist auch der erste Film geschafft. Es gibt ein paar kleine Änderungen, die ich jetzt nicht ganz so schlimm fand (wie Katniss z. B. die Brosche erhält). Für eine Buchverfilmung war der erste Film sehr nah an der Vorlage, und die zusätzlichen Szenen, die eingefügt wurden, hatten definitiv ihre Berichtigung. Die Bedeutung der Rückblende mit dem Brot wird vielleicht für Nichtbuchkenner nicht ganz klar, ansonsten habe ich keinen wirklichen Kritikpunkt hier.

rating: 4.5/5

American Ultra
„Something very weird is happening to me: I keep killing people! There’s a chance I may be… a robot!“

Der Trailer zu American Ultra war schön lustig – und beinhaltet leider auch die besten Ausschnitte des Films. Ich mag Spionagefilme und Geschichten um Geheimagenten eigentlich sehr gerne, aber American Ultra zeigt nichts noch nie dagewesenes. Es gibt ein paar Szenen, die visuell ganz nett aussehen, was dem mageren Plot aber auch nicht hilft.

rating: 1/5

[Gesehen] Crimson Peak

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Die Farbe Blutrot zieht sich wie der sprichwörtlich rote Faden durch den neusten Film von Guillermo del Toro. Die Rahmenhandlung von Crimson Peak lässt sich leicht herunter brechen:
Eine reiche Amerikanerin verliebt sich Hals über Kopf in verarmten englischen Adligen, und folgt ihm auf das heruntergekommene Familienanwesen – man füge noch Geister, düstere Geheimnisse und eine bedrohliche Grundstimmung dazu, und fertig ist eine Hommage an Gothic Horror mit wundervollen Schauwerten.

Die Handlung kreist um die drei Hauptpersonen Edith, Thomas und seine Schwester Lucille. Edith hat schon in ihrer Kindheit Bekanntschaft mit Geistern gemacht und ist eine junge Autorin. In ihrer Geschichte kommen Geister vor, es handelt es sich aber nicht um eine Geistergeschichte: Genau dasselbe gilt auch für den Film. Die Geister unterstreichen die Handlung lediglich und könnten auch komplett hinaus gekürzt werden; ihre Wirkung ist immer am besten, wenn man sie nur im Schatten herum huschen sieht. Die Sharpe Geschwister sind teilweise sehr schwer einzuordnen. Jessica Chastain spielt Lucille mit ihren Nuancen wirklich großartig, und wer Tom Hiddleston mag, wird mit seiner Rolle als Thomas Sharpe auf seine Kosten kommen. Edith dagegen möchte man manchmal wirklich schütteln. Ist sie am Anfang noch ein sehr starker Frauencharakter, verliert sie nach und nach an Kraft und Farbe. Mia Wasikowska sieht allerdings wie immer großartig in den aufwendigen Kostümen aus.

Hüte dich vor Crimson Peak!

Die Erklärung für diese Warnung kommt relativ spät, dass es aber generell mit dem Anwesen der Sharpes nicht recht zu geht, wird gleich beim Eintreffen klar. Allerdale Hall ist ein finsterer Kasten, der seine besten Tage längst hinter sich hat, und langsam in die rote Tonerde hinab sinkt. Das Haus hat seinen eigenen Charme und ist wunderschön gestaltet. In der Haupthalle fallen teils Blätter, teils Schnee durch das Loch im Dach und ich musste mehrfach an Die Schöne und das Biest Adaption von 2014 denken. Generell kann man Inspirationen und Anspielungen an andere Filme und Literatur zuhauf im Film finden. Am direktesten ist dabei wohl die Erwähnung von Mary Shelley und Jane Austen, andere Anspielungen wie die Zusammensetzung von Edith Cushing aus den Namen von Edith Wharton und Peter Cushing sind versteckter.

Crimson Peak erfindet das Rad nicht neu – wer mit dem Genre vertraut ist, wird große Teile der Handlung voraussehen können. Trotzdem hat mir der Film furchtbar gut gefallen, da die drei Hauptdarsteller die Handlung gut tragen und auch aus dem teils sehr mageren Dialog viel herausholen; das Setdesign und Kostüme sind wunderschön und detailreich. Zu Beginn der dunklen Jahreszeit ist solch ein klassischer Horrorfilm sehr, sehr passend und einfach mal wieder was anderes zu zum Beispiel den vielen Found Footage Horrorfilmen in letzter Zeit.

rating: 4/5