[Gesehen] Gänsehaut | Goosebumps

Ich weiß nicht mehr, ob ich zuerst einen der Bände geschenkt bekommen habe oder die Bücher in der Bücherei entdeckt habe… aber gefühlt bestand mein Lesestoff zwischen 12 und 14 lange Zeit nur aus Büchern der Fear Street Reihe von R. L. Stine. Die Bücher sind alle relativ gleich aufgebaut, aber ich konnte nicht genug davon kriegen: vor allem die Twists am Ende waren immer super gruselig!

„I’m Stephen King for kids, right? That’s me.“
R. L. Stine,  The Wrap Interview by Jeff Sneider, 13.10.2015

Die Reihe, die die meisten von R.L. Stine vermutlich kennen, ist Gänsehaut. Hier können Monster genauso auftauchen wie Übernatürliches, und es sterben auch deutlich weniger Leute (zumindest in der Handvoll Bände, die ich in der Reihe kenne). In den Neunzigern gab es eine Fernsehserie zu Gänsehaut, und jetzt auch eine Verfilmung!

Der Teenager Zach zieht mit seiner Mutter aus New York in die Kleinstadt Greendale. Während des Einzugs macht er Bekanntschaft mit dem sonderbaren Nachbar nebenan, kurz darauf lernt er auch dessen Tochter Hannah kennen. Hannahs Vater ist niemand anderes als R. L. Stine, der eine besondere Gabe hat: er kann seinen geschriebenen Wörtern leben einhauchen… was bei den diversen Monstern in Gänsehaut durchaus problematisch ist. Die Monster sind in den Original Manuskripten quasi eingesperrt – und durch einige Umstände passiert, was einfach passieren muss: die Jugendlichen setzen aus Versehen alle Wesen frei. Greendale versinkt in Chaos und irgendwie müssen sie zusammen mit Stine wieder alle Monster bannen…

„Every story ever told can be broken down into three distinct parts: The beginning, the middle – and the twist!“

Gänsehaut ist ein recht schlichter Familienfilm, dessen grober Handlungsbogen schon vorhersehbar ist – aber ich hatte trotzdem großen Spaß beim Schauen! Die Dialoge sind teilweise wirklich urkomisch, und die Effekte wirken trotz der Fülle der Monster nicht zu schlecht. Insbesondere durch Slappy kommt auch das gleiche Gefühl wie bei den Büchern auf (finde ihn persönlich immer noch mega gruselig!). Ein paar Plotlöcher sind da, fallen aber nicht zu sehr auf bzw. stören nicht.

Muss man den Film im Kino oder sogar in 3D sehen? Eher nicht. Aber für einen Familienfilmabend oder die Lust auf eine Teeniekomödie mit etwas Grusel lohnt sich Gänsehaut später auf DVD oder per Streaming auf alle Fälle!

rating: 3.5/5

 

[Gesehen] Ich bin dann mal weg

2001 lebt Hape Kerkeling auf der Überholspur und hört nicht auf seinen Körper. Nach Hörsturz, Zusammenbruch, Gallenblasen-Operation und knappem Entgehen eines Herzinfakts lässt sich aber nicht mehr leugnen, dass eine Pause dringend nötig ist. Nachdem ihm Zuhause beinahe die Decke auf dem Kopf fällt, kommt schließlich die fixe Idee – er möchte den Jakobsweg bestreiten.

Gesagt, getan!

Ich bin dann mal weg ist die Verfilmung zum gleichnamigen Reisebericht von Kerkeling, der 100 Wochen in den Bestsellerlisten verharrte. Bisher hat es mich nicht gereizt, das Buch zu lesen, aber der Trailer hat mich neugierig genug gestimmt, es einmal mit dem Film zu probieren – bereut habe ich es nicht!

Die Wanderschaft von Hape bzw. Hans Peter nimmt den Großteil des Films ein. Es gibt immer wieder kleine Rückblenden in die Kindheit, die einem nicht nur Kerkelings Anfänge im Showgeschäft vorführen, sondern auch seine Beziehung zu Gott in jungen Jahren. Die Einstellung vom Jungen und vom Erwachsenen gehen auseinander, und wirklich sicher ist sich Hans Peter zunächst nicht, ob er überhaupt an Gott glaubt.Während seiner Reise schreibt er in einem Notizbuch seine Eindrücke und (mein persönliches Highlight!) Erkenntnisse des Tages nieder. Teilweise wird dies visuell dargestellt, teilweise hören wir seine Stimme aus dem Off plaudern, während er unterwegs ist. Unter den Pilgern gibt es einige, die man zusammen mit Hans Peter immer wieder auf dem Weg trifft, und deren Geschichte und Beweggründe verschiedener nicht sein könnten. Ob es wirklich realistisch ist, dass sie sich immer wieder begegnen sei mal dahingestellt, aber einige von ihnen wachsen einem wirklich ans Herz, und man drückt die Daumen, dass sie es schaffen. Denn: nicht jeder kommt am Ende in Santiago de Compostela an, nur etwa 20 Prozent der Pilger beenden ihre Reise.

Manchmal vielleicht etwas zu viel Pathos, aber im Großen macht die Verfilmung viel richtig. Die Aufnahmen sind herrlich, und Kerkelings Ringen an einigen Stellen mit sich selber wird gut transportiert. Es gibt komische Momente, aber auch bewegendes. Ich mochte vor allem, wie auf den religiösen Aspekt eingegangen wird. Kerkeling zweifelt an dem, was er da tut und dem warum. Seine Erkenntnis ist eine persönliche, keine allgemeine.

Ein ruhiger, nachdenklicher Film, der in schönen Bildern den Zuschauer auf die Reise mitnimmt.

Trivia: Sitzen bleiben am Ende lohnt! Im Abspann sind Originalbilder von Kerkelings Reise zu sehen.

rating: 4/5

[Gelesen&Gesehen] Und dann gabs keines mehr | And Then There Were None

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Poster: BBC One/Quelle: Poldarked.com | Buch: Agatha Christie: And Then There None (75th Anniversary Edition), William Morrow Paperbacks, 6.5.2014

Agatha Christie ist eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen aller Zeiten, die vor allem durch ihre zahlreichen Kriminalromane (insgesamt schrieb sie 66!) bekannt ist. Der erfolgreichste dieser Krimis ist And Then There None (dt.: Und dann gabs keines mehr).

Der Roman spielt 1939, was man ihm aber kaum anmerkt. Acht Personen werden auf eine Insel, die so genannte Indian Island, vor der Küste Devons eingeladen. Die geladenen Personen haben auf den ersten Blick nichts gemeinsam, daneben befinden sich noch Thomas und Ethel Rogers als Personal auf der Insel, die die Abwesenheit der Gastgeber  Mr. und Mrs. U. N. Owen entschuldigen. In allen Zimmern der Gäste findet sich eine eingerahmte Kopie des Zählreims Ten Little Soldier Boys, und zehn Figuren, die an diesen erinnern, stehen auf dem Esstisch.

“One little Indian left all alone, he went out and hanged himself and then there were none.”
Agatha ChristieAnd Then There Were None

Während des Abendessens ertönt eine Stimme, die jede einzelne Person eines Mordes bezichtigt – schnell ist klar, dass alle Anwesenden gezielt auf die Insel gelockt worden, eine Flucht ist erst am nächsten Morgen möglich, wenn das nächste Mal ein Boot vom Festland mit Vorräten eintrifft. Nach und nach werden die zehn Personen ermordet, wobei der Zählreim Hinweise auf den jeweiligen Mord gibt und jedes Mal eine der Figuren vom Esstisch verschwindet…

Ich hatte vorher noch nichts von Agatha Christie gelesen, und da bot die neue Inszenierung der BBC von And Then There None einen guten Anreiz, dies zu korrigieren. Die Geschichte ist unheimlich spannend, und es macht großen Spaß mit den Figuren mitzurätseln, wer der Mörder ist. Das hat auch sehr über den Schreibstil von Christie hinweggetröstet, der leider absolut nicht meins war – sehr reduziert und viele knappe Sätze hintereinander. Alle Figuren in dem Buch haben ihre guten und schlechten Seiten, und es ist sehr faszinierend, wie sie mit den Anschuldigungen und ihren Taten umgehen. Die Auflösung der Ereignisse am Ende ist sehr gut konzipiert und kaum im Vorfeld zu durchschauen. Im Vergleich zu den ganzen Ermittlerduos in aktuellen Krimis ein sehr erfrischender Roman, der dank der zahlreichen genutzten Methoden auch ein breites Spektrum ein möglichen Morden abdeckt (Vergiftung, Erschießen, Strangulation um nur ein paar aufzuzählen). Neben der langsamen Dezimierung der Charaktere spielt Schuld eine große Rolle: sind die zehn Personen schuldig, und wenn ja, in welcher Hinsicht? Wer hat das Recht über diese zu richten? Wie nimmt der Schuldige selbst die Schuld wahr und geht mit ihr um?

Die BBC Inszenierung von And Then There Were None wurde als Miniserie in drei Teilen à 60 Minuten über die Feiertage ausgestrahlt, und erscheint am 11. Januar 2016 auf DVD. Es gibt ein paar Änderungen, um Teile der Geschichte, die im Buch in den Gedanken der Charaktere erläutert werden, in Bilder fassen zu können – im Großen und Ganzen bleibt die Verfilmung aber nahe an der Vorlage.

„Perhaps we’re dead already and we just don’t realise it. And this is hell. We’re in hell. And we’re being punished for what we done.“ ― Detective Sergeant William Blore, Episode 3

Ich fand es etwas schade, dass der Zählreim nie im ganzen einmal vorgelesen wird… falls man das Buch nicht kennt, ist es so etwas schwierig an einigen Stellen die Hinweise aus dem Reim mit den Ereignissen zu verknüpfen. Dank ihrer Länge kann sich die Inszenierung ausreichend Zeit nehmen, die einzelnen Personen und ihre Hintergründe vorzustellen, sodass man nie den Überblick verliert und sich teilweise seine eigene Meinung bilden kann. Auch in der Inszenierung ist der Mörder im Vorfeld nicht zu erahnen, und mir hat die Auflösung gefallen, auch wenn sie den größten Unterschied zur Vorlage darstellt. Mit unter anderem Sam Neill, Aidan Turner und Charles Dance in den Hauptrollen ist And Then There Were None sehr gut besetzt und trotz 180 Minuten Lauflänge ein kurzweiliges Vergnügen!