[Gelesen] London Belongs to Me

Den Collegeabschluss frisch in der Tasche wagt die junge Alex Sinclair den Sprung über den großen Teich: Vom sonnigen Florida verschlägt es sie im Roman London Belongs to Me von Jacquelyn Middleton in die britische Hauptstadt. Der Start in den neuen Lebensabschnitt verläuft dabei aber nicht nur dank verlorenem Gepäck und einem Wolkenbruch ganz anders als erwartet… gut, dass Alex Freunde hat, auf die sie zählen kann! Und vielleicht kann sie London so ja doch noch im Sturm erobern?

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„I know, love, I know. It’s easy to feel like everything’s against you when something unexpected happens, but things will be okay. You’re doing great; I’m so proud of you“ | S. 11
Traumstadt und… Traumjob?

So lange sie denken kann, möchte Alex in London leben und dort als Theaterautorin arbeiten. Dank der Unterstützung ihres Vaters und dem Angebot eines Freundes, die erste Zeit in seiner Wohngemeinschaft unterzukommen, packt sie daher direkt nach dem Collegeabschluss ihren Koffer und fliegt nach Großbritannien. London ist alles, was sich Alex immer erträumt hat – aber die Probleme lassen nicht lange auf sich warten. Die Theaterszene ist hart umkämpft und Alex sieht sich neben den alltäglichen Problemen mit der Freundin ihres Mitbewohners konfrontiert, welche im selben Feld versucht Fuß zu fassen und der jedes Mittel dafür recht ist. Bevor Alex die Bühnen stürmen kann, liegt daher erst mal einiges an Arbeit vor ihr.

All the Fandoms!

Mit Alex hat Middleton eine tolle Protagonistin geschaffen, in die ich mich sehr gut hineinversetzen konnte. Generell hatte ich das Gefühl, dass London Belongs to Me recht realistisch geschrieben war, und ich mochte die thematisierten Konflikte wie nach der Ausbildung in ein Berufsfeld einzutreten, Ideenklau oder das sich vor den Eltern beweisen wollen. Dazu kommt noch die große Liebe zu Theater, Popkultur und London an sich, die in diesem Buch die ganze Zeit präsent sind – hach! Gerade nachdem Lucy und Freddie in Alex‘ Leben treten, gibt es einige tolle Momente, in denen über Fandoms, Serien, Schauspieler und Co. gefachsimpelt wird. Und diese Momente fügen sich dazu organisch in die Handlung ein und sind nicht einfach nur da, um alle möglichen Referenzen unterzubringen… in solchen Fällen reißt es einen auch nicht beim Lesen raus, wie es sonst so leicht passieren kann.

Über Umwege zum Glück

London Belongs to Me bewegt sich Genretechnisch irgendwo zwischen Contemporary und Chick Lit, und so gibt es natürlich auch eine Liebesgeschichte mit Irrungen und Wirrungen zwischen den Seiten. Glücklicherweise ist das aber nicht der Hauptfokus der Geschichte, sondern unterstützt diese nur. Tatsächlich hätte ich mir an einigen Stellen fast mehr von Mark gewünscht, aber vielleicht wird er im zweiten Teil –London, Can You Wait?– mehr auftreten? Erfrischend ist auf alle Fälle, dass die Freunde von Alex nicht plötzlich nach Auftauchen von Mark aus der Handlung raus fallen, und eigentlich alle Charaktere von Middleton mit eigener Hintergrundgeschichte ausgestattet sind.

Kann man sich vielleicht im Vorfeld schon denken, wie die Handlung grob verlaufen wird? Ja. Middleton sorgt aber dafür, dass der Weg zum Ende des Buches hin sich vollkommen lohnt und man mit Alex mitfiebert. Nach der letzten Seite hätte ich am liebsten sofort wieder von vorne angefangen, einfach, weil mich das Buch beim Lesen glücklich gemacht und das Fernweh nach London gestillt hat. Und was möchte man beim Lesen eigentlich mehr?

Life in London had been isolating and grim as of late, but this card and the efforts of her friends temporarily lifted the double-decker bus flattening her heart. | S. 194


Eine Playlist der Autorin zum Buch findet ihr übrigens hier bei Spotify 🎶


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Verlag: Kirkwall Books
ISBN:  9780995211711
Erscheinungsdatum: 14.10.2016
Bewertung: 5/5

[Gelesen] Am Abgrund des Himmels

Rezensionsexemplar | Klappentexte sind eine schwierige Sache, denn sie sollen einem das Buch schmackhaft machen und dabei gleichzeitig im Optimalfall nicht zu viel vorneweg nehmen. Das klappt mal besser, mal schlechter: Bei Am Abgrund des Himmels von Sue-Ellen Pashley erfährt man im Vorfeld tatsächlich herzlich wenig. Nick liebt Grace, Grace liebt Nick – aber eigentlich dürfen sie nicht zusammen sein. Was genau aber die beiden zu trennen droht, erfährt man erst im Laufe des Romans.

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Ein Augenblick, der alles verändert

Grace ist eine junge Frau, die gemeinsam mit ihrer Großmutter zu Beginn von Am Abgrund des Himmels von Sydney auf die kleine Insel Bruny zieht. Diese Insel in der Nähe von Tasmanien gibt es übrigens wirklich, und ich hatte große Freude daran während des Lesens Bilder dieser anzusehen… Australien hat einfach so schöne Landschaften! Gleich zu Beginn lernt sie ihren neuen Nachbarn Nick kennen: Für ihn ist es Liebe auf den ersten Blick, während Grace sich ihre Gefühle nicht eingestehen will. Zu sehr belasten sie die Gründe, die zu dem Umzug auf Bruny geführt haben, und am liebsten will sie von dem Thema Liebe die nächsten hundert Jahre nichts mehr wissen. Und auch Nick darf seinen Gefühlen eigentlich nicht freien Lauf lassen. Was also tun?

Mehrere Blickwinkel

Am Abgrund des Himmels ist ein Liebesroman, der sehr von dem hin und her zwischen den Liebenden lebt. Mit jedem Kapitel wechselt die Sichtweise des Lesers zwischen Nick und Grace, später im Buch gibt es noch Eindrücke eines anderen Charakters. Diese Entscheidung hat mir sehr gefallen, da man dadurch die Beiden gut verstehen konnte und nicht von manchen Dialogen oder Handlungen sofort genervt ist. Obwohl Nick und Grace beide um die 18 Jahre alt sind, richtet sich das Buch doch eher an etwas jüngere Leser und das zeigt sich in manchen Szenen einfach. Sympathisch fand ich, dass die Charaktere ihre spontane absolute Verliebtheit selbst auch etwas reflektieren – dadurch hatte ich nicht dieses ablehnende Gefühl, was mir mittlerweile häufig bei Insta-Love hochkommt.

Geheimnisse über Geheimnisse

Das knifflige beim Schreiben über Am Abgrund des Himmels ist, dass man wirklich mit so wenig Vorwissen wie möglich an die Geschichte gehen sollte. Die Handlung lebt lange Zeit von dem Geheimnis, dass Nick vor Grace geheimhalten muss, und verleitet einen als Leser selbst zum Dranbleiben. Es ist teils etwas kitschig, aber für meinen Geschmack war es genau das richtige Maß an Kitsch. Pashley bindet neben der Liebesgeschichte und leicht fantastischen Elementen zudem zwei Nebenstränge ein, die ich gut umgesetzt und wichtig fand: Gewalt in der Partnerschaft und Konflikte mit dem Umfeld bezüglich der Partnerwahl. Vor allem ersteres wird sehr gut behandelt und man fühlt mit den Charakteren in ihrer Ohnmacht und Wut mit. An manchen Stellen bewegt sich die Handlung zwar etwas schnell vorwärts, aber dafür bekommt man auf 377 Seiten einen tollen Jugendliebesroman, bei dem mal kein Badboy oder das Mauerblümchen der Schule im Mittelpunkt steht.

„Alles geht irgendwann zu Ende, Grace. Selbst die schönsten Dinge. Die Entscheidung liegt bei dir, ob du hier im Bett herumliegen, Trübsal blasen und vor Selbstmitleid zerfließen willst oder ob du Nick wiedersehen und dein Zeit mit ihm genießt. Wie lange sie auch dauern mag.“ | Seite 254

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Vielen Dank an Beltz & Gelberg und für das Rezensionsexemplar!

Weitere Eindrücke zum Buch findet ihr bei Skyline of Books, Luna’s LeseeckeDer Bücherwald und mem·o·ries


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Verlag: Gulliver / Beltz & Gelberg
Übersetzerin: Claudia Max
ISBN: 9783407749239
Kaufen? Hier entlang
Erscheinungsdatum: 17.07.2017
Bewertung: 4/5

[Gelesen] Targa – Der Moment, bevor du stirbst

Rezensionsexemplar | Viele Thriller leben davon, dass man lange Zeit nicht weiß, wer oder was hinter den Ereignissen des Buches steckt. Dieses Prinzip wird von dem Autorenduo B.C. Schiller direkt in dem Auftakt zur Reihe um die Undercover-Ermittlerin Targa Hendricks über den Haufen geworfen: In Targa – Der Moment, bevor du stirbst weiß der Leser und das BKA von Anfang an, wer der Täter ist. Um ihn aber als Serienkiller zu überführen, muss Targa hautnah ermitteln, womit ein interessantes Katz-und-Maus-Spiel gut 400 Seiten seinen Lauf nimmt.

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Distanz und Kühle

Ihr Name steht groß auf dem Cover, daher ist es wenig überraschend, dass Targa Hendricks die Hauptfigur in diesem Thriller ist. Ich musste bei ihrer Art die ganze Zeit unweigerlich an den Charakter Saga Norén aus Die Brücke – Transit in den Tod denken -die beiden Charaktere könnten Zwillinge sein, ha!- und ich schätze, ich soll mit ihr auch nicht wirklich warm werden beim Lesen. Targa hält jeden unweigerlich auf Distanz, der nicht Hund ist, und denkt sehr rational. Es wird angedeutet, dass dies der erste Fall nach einiger Pause ist, und seine eigenen Tücken für sie bereithält.

Der Gegenspieler zu Targa ist Falk Sandman, ein Hochschuldozent, der einen Blog mit makaberen Thema führt: In diesem hält er die letzten Augenblicke und Worte von Sterbenden fest. Was seine Leserschaft nicht ahnt? Eine ganze Reihe dieser Augenblicke hat Sandman selbst herbeigeführt und aufgezeichnet. Doch obwohl das BKA einige Hinweise hat, fehlen die stichfesten Beweise gegen ihn.

Das Blau des Ozeans und ihrer Augen

Ausgestattet mit einer gefälschten Vergangenheit, soll Targa sich Sandmans Vertrauen erschleichen und so die benötigten Beweise gegen ihn sammeln. Schiller lässt den Leser dabei so wohl mal durch Targas, mal aus Sandmans Augen blicken, wodurch man einen guten Eindruck für ihre jeweilige Motivation  und Denkweise bekommt. Es braucht natürlich etwas, bis eine gewisse Vertrauensbasis da ist, und selbst dann spielen beide immer noch miteinander. Gerade dieses hin und her fand ich fesselnd, ebenso den angerissenen Werdegang von Sandman. Teilweise wirkte es aber fast, als würde man den beiden durch ein Bullauge bei ihrem Spiel zusehen: Targa bleibt kühl und unzugänglich, Sandman ist besessen von seinem Kick – und ein riesiger Glückspilz. Es gab so unglaublich viele Momente, wo er sich elementare Patzer leistet und nur durch Zufall nicht viel früher von der Polizei geschnappt wird! Seine Motivation und angerissenes Trauma bleiben leider nur skizziert, und einige seine Spielchen mit Targa waren sehr leicht durchschaubar.

Die Geister der Vergangenheit

Neben dem Hauptfall wird noch ein weiteres Ereignis in Targa thematisiert: Ihre Herkunft. Als Baby vorm Krankenhaus ausgesetzt, weiß Targa nur, dass ihre Mutter kurz danach Selbstmord beginn und ihre Schwester neben ihr erfror. Wer dafür verantwortlich ist und wer ihr Vater war, versucht sie mit verschiedenen Mitteln herauszufinden. Tatsächlich fand ich diese kurzen Einschübe viel spannender als den eigentlichen Fall und hätte gerade auch von Schmidt gerne noch mehr gelesen!

Auf dieses Zeichen hat er gewartet. Jetzt ist er da, der Moment, bevor du stirbst, denkt er und legt sein Gesicht auf das Bullauge, um der Sterbenden ganz nahe zu sein. | Seite 61

Targa – Der Moment, bevor du stirbst ist alles in allem ein solider Thriller, der gut unterhält. Wer verschrobene Ermittler mag, die anders als normale Menschen denken, wird mit Targa sicherlich seine Freude haben. Ich hatte nicht das Gefühl, dass Schiller wirklich neues in dem Thriller schreibt, und bin gerade durch die letzten Seiten etwas verwirrt… aber in einen zweiten Teil würde ich gerne hineinlesen. Im Nachhinein finde ich es allerdings schade, dass der Verlag das Buchcover in Rot statt Blau gehüllt hat. Das hätte sehr gut auf das immer wiederkehrende Blaumotiv gepasst!

Vielen Dank an den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar!

Weitere Eindrücke zum Buch findet Ihr bei Laberladen und Die Bücherkrähe


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Verlag: Penguin
ISBN:  9783328101512
Erscheinungsdatum: 10.07.2017
Bewertung: 3/5