[Gelesen] Die Krone der Sterne

Als das erste Programm von FISCHER Tor erschienen ist, hatte ich mir direkt Die Krone der Sterne von Kai Meyer angestrichen: Die Beschreibung hat mich einfach sofort angesprochen, nicht zuletzt, da ich die Bibliomantik-Reihe des Autors bereits sehr mag. In diesem neuen Roman nimmt Meyer den Leser mit auf eine Reise zu den Sternen in einer Galaxie, in der Hexen, uralte Technik, Piraten und die Religion der STILLE eine wichtige Rolle spielen.
diekronedersterneDas galaktische Reich Tiamande wird von einem Hexenorden regiert, an dessen Spitze die Gottkaiserin steht. Alle zehn Jahre werden aus den adligen Töchtern des Reiches Bräute für die Gottkaiserin erwählt, die fortan nie wieder gesehen werden. Zu Beginn des Buches wird der fünfundzwanzigjährigen Iniza die zweifelhafte Ehre zuteil, genau hierfür ausgewählt zu werden. Gemeinsam mit Glanis, ihrem Geliebten, und Kranis, einem Kopfgeldjäger mit ganz eigener Motivation flieht sie und wird fortan in ganz Tiamande gejagt, da neben den Hexen auch noch andere Fraktionen ein Interesse an ihr haben.

Sie trage die Sterne in den Augen, hatte einmal jemand gesagt. Iniza spürte den Sog des Universums, seit sie zum ersten Mal hinauf in die Nacht geblickt hatte. Für sie war der Himmel keine Grenze, sondern ein Tor. Sie hatte den Tag kaum erwarten können, an dem es ihr endlich offen stand. – S. 15

Kai Meyer schmeißt den Leser zu Beginn gleich in die Geschichte, was ich gar nicht schlecht fand. Die Erklärung der Galaxie, in der sich das Buch abspielt, wird immer mal wieder unterwegs eingestreut und kommt dadurch nicht als langweiliger Textbrocken gleich zu Beginn. Im Buchumschlag und auf den ersten Seiten des Buches finden sich zudem tolle Illustrationen von Jens Maria Weber sowie eine Karte von Tiamande, wodurch man auch gleich einen optischen Eindruck bekommt. Und auch, wenn man noch nie was im Science Fiction beziehungsweise Science Fantasy Bereich gelesen haben sollte: Dem Leser wird kein großes (technisches) Vorwissen abverlangt.

Iniza sammelt bei ihrer Flucht allerhand spannende Charaktere auf, unter anderem noch die Alleshändlerin Shara Bitterstern und eine sprichwörtliche Muse. Gerade Shara und Kranis lesen sich teilweise in ihren Interaktionen wie ein altes Ehepaar, was großen Spaß macht. Die Gruppe ist im großen ganzen zwar aufeinander angewiesen, aber die Charaktere verfolgen alle ihre eigenen Ziele, wodurch man als Leser auch immer wieder durch manche Entwicklungen überrascht wird. Mir hat diese Konstellation super gefallen, wobei die Seiten wirklich nur so verfliegen. Gott sei Dank hat Meyer schon angekündigt, dass es noch mindestens zwei Bände geben wird und die erste Fortsetzung von Die Krone der Sterne für Frühjahr 2018 geplant ist. Daran knüpft allerdings einer meiner wenigen Kritikpunkte: Es war im ersten Moment nicht ersichtlich, dass es kein Einzelband sein wird. Beim Lesen fällt bei der Entwicklung der Handlung zwar schnell auf, dass es als Einzelband nicht funktionieren kann, aber man sollte schon mit der entsprechenden Erwartungshaltung an das Buch ran. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf den zweiten Band und bin gespannt, wie es dann mit den ganzen Personen weitergeht!


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Verlag: FISCHER Tor
ISBN: 9783596035854
Erscheinungsdatum: 26.01.2017
 Rating: 4/5

[Gelesen] Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten

Was für eine unglaubliche Reise, die man als Leser mit der Wayfarer unternimmt! Auch mit mehreren Tagen Abstand bin ich immer noch hin und weg von diesem Buch und könnte mich sofort wieder in diese Geschichte stürzen. Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten, das ist der Debütroman von Becky Chambers, was man im ersten Moment gar nicht glauben mag, so gut ausgearbeitet ist das Universum und die Charaktere.img_3110Weiterlesen »

[Gelesen] Belgravia

Rezensionsexemplar | Manche Epochen faszinieren ungemein und das viktorianische Zeitalter gehört da definitiv zu. Sei es wegen der Kleidung, dem industriellen Wandel, der Standesunterschiede, die sich allmählich verringern… das 19. Jahrhundert ist voll mit spannenden Facetten. Genau in diese Zeit nimmt Julian Fellowes den Leser in seinem Roman Belgravia mit, der hauptsächlich im gleichnamigen Londoner Stadtteil angesiedelt ist. Die Geschichte folgt zwei Familien, den Trenchards und Brockenhursts. Beide Familien könnten nicht unterschiedlicher sein: Die Trenchards sind eine im Aufstieg begriffene Kaufmannsfamilie, während die Brockenhursts eine alte britische Adelsfamilie sind. Das erste Mal kreuzen sich die Geschicke der beiden Familien beim legendären Ball der Herzogin von Richmond am 15. Juni 1815, der nur wenige Tage vor der Schlacht bei Waterloo gegeben wird. Die Ereignisse an diesem Tag holen die Familien gut fünfundzwanzig Jahre später bei einer zufälligen Begegnung von Anne Trenchard und Lady Brockenhurst beim Tee wieder ein und stellen vieles auf den Kopf.

belgravia
Diese Geschichte handelt von Menschen, die vor zweihundert Jahren lebten, aber wonach sie sich sehnten, womit sie haderten, die Leidenschaften, die in ihren Herzen wüteten, das alles gleicht nur zu oft den Dramen, die wir in unserer Zeit, auf unsere Art durchleben… – S. 7

Sechs Staffeln lang habe ich unheimlich gerne die Schicksale der Crawley Familie sowie ihrer Bediensteten in Downton Abbey verfolgt und war doch traurig, als die Serie beendet wurde. Umso schöner, dass von Fellowes ein Roman mit ähnlichen Thematiken erschienen ist! Belgravia geht dabei zwar etwas weg von der Formel, die Geschehnisse in der Familie und im Dienstbotentrakt zu zeigen, aber die beiden Familien reichen so bereits für ordentliches Drama aus. Denn: Der ganze Roman dreht sich um ein Geheimnis, dass eigentlich keines ist. Nur dank falschen Entscheidungen, Missverständnissen, Intrigen und und und bauscht es sich unnötig auf und braucht einiges an Seiten, um wieder entwirrt zu werden. Als Leser ist das teilweise sehr anstrengend, weil man die ganze Zeit über mehr weiß als die Protagonisten.

Für mich ist das mit einer der größten Minuspunkte an Belgravia, denn es kommt einfach keine Spannung auf. Die Geschichte bleibt konstant vorhersehbar und ich wollte die meiste Zeit die Protagonisten nur schütteln. Die beiden Frauen, Anne Trenchard und Charlotte Brockenhurst, machen da Gott sei Dank mit ihrer herrlichen Art wieder einiges wett. Allgemein machen die weiblichen Charaktere in diesem Roman viel mehr Spaß als die männlichen! Denn obgleich die sozialen Gegebenheiten ihnen häufig die Hände binden, finden sie trotzdem eine Möglichkeit sich zu behaupten und ihren eigenen Weg zu gehen.

Fellowes‘ Schreibstil wirkt auf den ersten paar Seiten vielleicht noch etwas sperrig, aber ist der beschriebenen Zeit absolut angemessen und man gewöhnt sich schnell daran. Vor allem die Standesunterschiede werden durch die gewählte Sprache noch einmal deutlich verstärkt, ebenso wie die unterschiedlichen Generationen innerhalb der Familien.

Belgravia bietet zwar keine großen Überraschungen, der Einblick in diese ganz eigene Welt innerhalb der 1840er ist Fellowes dennoch gut geglückt und man fiebert mit den Protagonisten dem glücklichen Ende entgegen. Ich hätte mir gewünscht, dass man vielleicht noch etwas mehr vom sozialen Leben außerhalb der Familie sieht und die Dienstboten etwas mehr in den Hintergrund treten… Tatsächlich glaube ich fast, dass diese Geschichte als Film besser funktionieren würde. Für einen grauen Sonntag ist diese kurze Reise ins viktorianische Belgravia aber absolut perfekt.

Vielen Dank an C. Bertelsmann für das Rezensionsexemplar!


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Verlag: C. Bertelsmann
ISBN: 9783570103241
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Erscheinungsdatum: 14.11.2016
Rating: 2/5