[Gelesen] Shattered Blue

ShatteredBlueSkyscape hat mir mein Leseexemplar für eine ehrliche Bewertung über NetGalley zur Verfügung gestellt.

Rezensionsexemplar | Shattered Blue ist der erste Band in der The Light Trilogy von Lauren Bird Horowitz. Das Buch war eine rechte Achterbandfahrt … Bird Horowitz versucht unheimlich viel in ihr Erstlingswerk einzubringen, und verhaspelt sich dabei leider an einigen Stellen. Die Geschichte dreht sich um die sechszehnjährige Noa, die vor kurzer Zeit ihre ältere Schwester verloren. Der Verlust wirkt sich stark auf ihre familiäre als auch die schulische Situation aus. Dann kommt ein neuer mysteriöser Mitschüler in die Klasse, zu dem Noa sich sofort hingezogen fühlt – das Problem? Callum ist kein Mensch sondern Fae.

“But he couldn’t explain; how would she understand? Even Noa, with her poet’s imagination, could not possibly envision a creature as deadly as he: Fae.”

Ich mochte diesen Aspekt und wie Bird Horowitz ihre Welt aufbaut: Es gibt verschiedene Arten Fae, jeweils mit anderen Kräften ausgestattet, und im Laufe des Buches begegnen wir sowohl Clear Fae als auch Color Fae (Rot, Grün, Blau). Normalerweise leben Fae in einer Art Parallelwelt namens Aurora – wir erfahren hierüber nur durch Erzählungen der Charaktere, und es klingt nicht gerade nach einem netten Ort… Fae haben Kräfte, benötigen aber hierfür Light. Dieses stellen ihre Körper in Aurora selbst her, in unserer Welt haben nur Menschen es (es wird mehr oder weniger als unser Potential für Glück beschrieben). Lösung? Die Fae rauben es den Menschen mit fatalen Folgen.

Das stellt logischerweise ein Problem für die aufkeimende Beziehung von Noa und Callum dar, und es muss eine Lösung gefunden werden. Callum wehrt sich am Anfang zwar gegen seine Gefühle, aber trotzdem kommen beide recht schnell zusammen. Es werden zwar Mitschüler erwähnt, wirklich konzentrieren tun sich die Ereignisse dann aber mit auf Noa’s beste Freunde Olivia und Miles. Die beiden lockern die Geschichte immer wieder auf, und übernehmen die Rollen von Engelchen und ein Teufelchen auf Noa’s Schulter. Prinzipiell würde das fast schon reichen, um daraus ein solides Buch zu basteln, aber wie gesagt – Bird Horowitz stopft das Buch sehr voll.

“For no one else would she bend like this, be invisible like this. Keep quiet like this.”

Noa’s Familie ist nach dem Tod ihrer Schwester am zerfallen und besonders ihre Mutter ist kaum noch erreichbar. Der ganze Nebenstrang um die Familie ist herzzerreißend… alle Familienmitglieder trauern auf eine andere Art und Weise, und keine funktioniert besonders gut. Aus einem Grund, der sich mir nicht wirklich erschlossen hat, sieht Noa immer wieder den Geist ihrer Schwester.

Ab dem Moment, wo Callum’s kleiner Bruder Judah auftaucht, nehmen die Geschehnisse an Fahrt auf. Judah ist das krasse Gegenteil von seinem Bruder, und man weiß nie ganz genau, wie vertrauenswürdig er ist. Seine Hintergrundgeschichte ist viel interessanter und als Charakter wirkt er viel durchdachter als sein Bruder. Ich mochte die Chemie zwischen ihm und Noa zehntausendmal lieber als die zwischen Callum und Noa… das sollte (gerade da es sich um Brüder handelt) eine interessante Dreieckskonstellation ergeben! Es ist zum Ende des Buches auch einfach sehr schwer zu sagen, ob die Eindrücke, die man von beiden erhält, nun der Wahrheit entsprechen oder nicht.

„How dare you save me?“

Neben der Dreiecksgeschichte, Familien- und Schuldrama gibt es auch noch eine Handvoll Bösewichte. Die Zwillinge und der Jäger tun zwar schreckliche Dinge, kommen dabei aber überhaupt nicht furchteinflössend rüber. Da klingt Darius, der Vater von Callum und Judah, viel interessanter, und ich freue mich schon darauf, ihm später in der Trilogie zu begegnen!

Insgesamt hat Shattered Blue Spaß gemacht. Nach einem etwas holprigen Anfang wird es immer interessanter und ich glaube, dass der Schreibstil von Bird Horowitz immer besser wird. Da Noa eine Dichterin ist, finden sich in der Geschichte auch mehrerer ihrer Gedichte, die wunderschön geschrieben sind – The Lost Girls war mein absoluter Favorit! Es wäre zwar schon schön, wenn etwas weniger Tropen vorkommen würden, aber es ist ein solides Grundgerüst für die Trilogie mit einem völlig unerwarteten Cliffhanger. Auf der Homepage der Autorin kann man übrigens auch einen Test machen, was für eine Art Fae man selbst wäre – bei mir kommt dabei ein Mix aus Clear und Red Fae raus. Insgesamt ist der Blick auf die Seite sehr interessant, da Bird Horowitz einiges über ihren Schreibprozess und die Entstehung der Geschichte dort veröffentlicht.

rating: 3/5


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Verlag: Skyscape
ISBN: 9781503949973
Erscheinungsdatum: 15.09.2015

[Gelesen] The Rivers of London (Peter Grant #1)

theriversoflondonNouveaux millénaires, 14.03.2012 | dtv, 01.01.2012 | Del Rey, 01.02.2011 | Gollancz, 20.01.2011 | Wydawnictwo MAG, 19.03.2014

a book set somewhere you’ve always wanted to visit
Ben Aaronovitch – Rivers of London (Peter Grant #1)

In der sechsten Klasse haben wir uns ausführlich mit London und Großbritannien im Allgemeinen beschäftigt und seitdem bin ich von dieser Stadt fasziniert. Anfang des Monats war ich das erste Mal für ein paar Tage dort und habe vor und während dieser Zeit Rivers of London gelesen.

Could it have been anyone, or was it destiny? When I’m considering this I find it helpful to quote the wisdom of my father, who once told me, „Who knows why the fuck anything happens?“

Peter Grant ist ein junger Polizist, der kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung und der Zuteilung in eine Abteilung steht, in der er dann final eingesetzt wird und Karriere machen kann. Logischerweise ist dabei sowas wie die Mordkommission spannender als Verwaltungsarbeit – und nach der sieht es für Grant leider aus. Durch Zufall begegnet er am Rande eines Tatorts einem Geist und schlittert danach unter die Obdacht von Detective Chief Inspectors Thomas Nightingale, der sein Lehrmeister wird. Nightingale ist ein Magier, anscheinend viel älter als er aussieht, und für die Fälle mit Übernatürlichem Zusammenhang zuständig.

Im Prinzip hat diese Geschichte die perfekte Ausgangssituation, damit ich sie mögen müsste. Zusammen mit Peter wird man ins Übernatürliche London geschmissen, wo Flüsse unter anderem tatsächliche Personen/Götter sind. Ein Handlungsstrang beschäftigt sich alleine mit der Fehde zwischen Vater und Mutter Themse, und daneben gibt es eine Mordserie, die es zu lösen gilt.

Fuck me, I thought. I can do magic.

Aaronovitch versucht für meinen Geschmack zu oft zu zwanghaft lustig zu sein. Die popkulturellen Anspielungen wirken jedes mal deplatziert , genau so wie die ganze Liebesgeschichte um Lesley. Nightingale, Molly und das Folly finde ich zwar sehr faszinierend, aber leider machen diese Elemente viel zu wenig von der Gesamtgeschichte aus. Peter bleibt seltsam farblos für mich während des ganzen Buches, genau so wie die Magie: diese wird durch Peter in Bezug zu Naturwissenschaften gesetzt, was eher zu einer Entzauberung als allem anderen führt. Urban Fantasy funktioniert halt immer noch am besten, wenn man Erklärungen sein lässt.

Vielleicht ist The Rivers of London eine gute Einführung in die Serie, aber man wird nicht mit dem Bedürfnis zurückgelassen, sofort in Moon Over Soho weiterzulesen. Gefühlt könnte die Geschichte auch in irgendeiner anderen Großstadt spielen – viel ändern müsste man am Plot nicht.

rating: 1/5


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Verlag: Kindle Edition
ASIN: B004K1EC1S
Erscheinungsdatum: 20.01.2011

[Gelesen] Mary Shelley: Frankenstein

Frankensteina book more than 100 years old
Mary Shelley – Frankenstein

Frankenstein ist einer dieser Klassiker, die immer wieder auf „muss man mal gelesen haben“-Listen landen. Es gilt als eines der ersten Science-Fiction Bücher, teilweise wird Shelley sogar komplett die Begründung dieses Genres zugeschrieben. Es gibt unzählige Adaptionen und Anlehnungen an das Werk: Die Darstellung von Frankenstein’s Monster durch Boris Karloff in den dreißiger Jahren ist dabei vermutlich die bekannteste und neben Lugosi’s Dracula dazu eine der ikonischsten Horrorgestalten der Filmgeschichte.

Ich bin vor zwei Jahren eher zufällig über die National Theatre Übertragungen im Kino gestolpert – eines der gezeigten Stücke in dem Jahr war Frankenstein von 2011 mit Benedict Cumberbatch und Jonny Lee Miller in den Hauptrollen. Das besondere an dieser Adaption war, dass beide Schauspieler pro Vorstellung ihre Rollen tauschten: mal war Cumberbatch, mal Miller das Monster bzw. Frankenstein. Mittlerweile habe ich beide Fassungen sehen können, und liebe sie! Das Stück macht für eine moderne Interpretation für mich einfach alles richtig, und weckt die Lust, das Original noch einmal zu lesen und selbst zu entdecken.

Memory brought madness with it, and when I thought of what had passed, a real insanity possessed me; sometimes I was furious and burnt with rage, sometimes low and despondent.

Klassiker sind immer so eine Sache. Meist ist die Sprache gewöhnungsbedürftig und man muss sich immer die Zeit vor Augen halten, in der das Werk geschaffen und ursprünglich gelesen wurde. Frankenstein muss im Kontext seiner Zeit revolutionär und fortschrittlich gewirkt haben. Und die Idee, das Menschen selber menschenähnliches Leben kreieren könnten, ist auch heute noch faszinierend. Trotzdem hat mir das Buch nicht wirklich zugesagt. Frankenstein selber blieb mir während der ganzen Geschichte furchtbar unsympathisch, und von seinem Monster sieht und hört man leider viel zu wenig. Die ganze Geschichte ist sehr trostlos und deprimierend, und zum Ende hin musste ich mich zwingen, das Buch überhaupt noch in die Hand zu nehmen. So wenig ich mich leider mit Shelley’s Schreibstil und Ausführung anfreunden kann, desto mehr gefallen mir die Grundthemen – Erschaffen von Leben, Parallele Mensch/Gott, Verhältnis Kreatur=Schöpfer… Frankenstein ist für mich ein Klassiker, der mir zwar nicht sonderlich gefallen hat, dafür aber als wichtiger Denkanstoß gedient hat: Eben definitiv ein Buch, dass man mal in seinem Leben gelesen haben sollte!

rating: 2/5


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Verlag: Alma Books
ISBN: 9781847493507
Erscheinungsdatum: 01.09.2014