[Gesehen] Crimson Peak

crimsonpeak

Die Farbe Blutrot zieht sich wie der sprichwörtlich rote Faden durch den neusten Film von Guillermo del Toro. Die Rahmenhandlung von Crimson Peak lässt sich leicht herunter brechen:
Eine reiche Amerikanerin verliebt sich Hals über Kopf in verarmten englischen Adligen, und folgt ihm auf das heruntergekommene Familienanwesen – man füge noch Geister, düstere Geheimnisse und eine bedrohliche Grundstimmung dazu, und fertig ist eine Hommage an Gothic Horror mit wundervollen Schauwerten.

Die Handlung kreist um die drei Hauptpersonen Edith, Thomas und seine Schwester Lucille. Edith hat schon in ihrer Kindheit Bekanntschaft mit Geistern gemacht und ist eine junge Autorin. In ihrer Geschichte kommen Geister vor, es handelt es sich aber nicht um eine Geistergeschichte: Genau dasselbe gilt auch für den Film. Die Geister unterstreichen die Handlung lediglich und könnten auch komplett hinaus gekürzt werden; ihre Wirkung ist immer am besten, wenn man sie nur im Schatten herum huschen sieht. Die Sharpe Geschwister sind teilweise sehr schwer einzuordnen. Jessica Chastain spielt Lucille mit ihren Nuancen wirklich großartig, und wer Tom Hiddleston mag, wird mit seiner Rolle als Thomas Sharpe auf seine Kosten kommen. Edith dagegen möchte man manchmal wirklich schütteln. Ist sie am Anfang noch ein sehr starker Frauencharakter, verliert sie nach und nach an Kraft und Farbe. Mia Wasikowska sieht allerdings wie immer großartig in den aufwendigen Kostümen aus.

Hüte dich vor Crimson Peak!

Die Erklärung für diese Warnung kommt relativ spät, dass es aber generell mit dem Anwesen der Sharpes nicht recht zu geht, wird gleich beim Eintreffen klar. Allerdale Hall ist ein finsterer Kasten, der seine besten Tage längst hinter sich hat, und langsam in die rote Tonerde hinab sinkt. Das Haus hat seinen eigenen Charme und ist wunderschön gestaltet. In der Haupthalle fallen teils Blätter, teils Schnee durch das Loch im Dach und ich musste mehrfach an Die Schöne und das Biest Adaption von 2014 denken. Generell kann man Inspirationen und Anspielungen an andere Filme und Literatur zuhauf im Film finden. Am direktesten ist dabei wohl die Erwähnung von Mary Shelley und Jane Austen, andere Anspielungen wie die Zusammensetzung von Edith Cushing aus den Namen von Edith Wharton und Peter Cushing sind versteckter.

Crimson Peak erfindet das Rad nicht neu – wer mit dem Genre vertraut ist, wird große Teile der Handlung voraussehen können. Trotzdem hat mir der Film furchtbar gut gefallen, da die drei Hauptdarsteller die Handlung gut tragen und auch aus dem teils sehr mageren Dialog viel herausholen; das Setdesign und Kostüme sind wunderschön und detailreich. Zu Beginn der dunklen Jahreszeit ist solch ein klassischer Horrorfilm sehr, sehr passend und einfach mal wieder was anderes zu zum Beispiel den vielen Found Footage Horrorfilmen in letzter Zeit.

rating: 4/5

[Gesehen] #unfriended

UnfriendedSource: Unknown User | IMDb | Horror | 83 Minuten | USA 2014 | Universal

Horrorfilm über sechs Freunde, die während eines Online-Chats eine Nachricht eine Mitschülerin bekommen, die sich vor einem Jahr das Leben nahm.

Unknown User bzw. Unfriended wie er im englischen Raum auch genannt wird, ist kein gewöhnlicher Horrorfilm. Alles, was man die 83 Minuten lang im Prinzip sieht, ist der Desktop von Blaire Lilly. Blaire und ihre Freunde haben einen Videochat am Laufen, daneben gibt es noch Chats und Nachrichten in diversen sozialen Netzwerken. In den Videochat gesellt sich ein unbekannter Teilnehmer, der sich nicht entfernen lässt, und bald die Nacht zum Alptraum für die Clique werden lässt. Man lernt langsam, wie die Gruppe in den Selbstmord einer Mitschülerin verstrickt war, und das es in der Gruppe selbst allerlei Geheimnisse und Intrigen gibt.

Klingt erstmal 08/15 aber die Macher verstehen es sehr gut, den begrenzten Spielraum optimal zu nutzen und einen in die Geschehnisse hineinzuziehen. Die Charaktere und wie sie die Medien nutzen, ist sehr realistisch und zeitgemäß. Bis zum Schluss gibt es dazu immer wieder Wendungen, die man nicht vorhersieht. Der Horror wird mehr suggeriert als das man viel sieht – eigentlich gibt es nur eine richtige grafische Szene, die man in ähnlicher Form auch schon in der Serie Luther sehen konnte. Für nebenher gucken eignet sich Unfriended allerdings nicht: man muss sehr viel lesen um der Geschichte folgen zu können. Gerade wenn es zum ‚Spiel‘ am Ende kommt verpasst man ansonsten die Hälfte.

Posts ► können dich irgendwann einholen

Mobbing und Cyberbullying ist schlecht und hat Konsequenzen, und das wirklich traurige ist wahrscheinlich, dass sich jeder mit einer der beiden gezeigten Seiten identifizieren können wird. Der Film ist nur eine Möglichkeit, dieses Thema aufzubereiten. Wer Lust hat, einen leichten Horrorfilm mit modernen Medien zu sehen, der auch ein bisschen nachdenklich macht, wird bei Unfriended voll auf seine Kosten kommen.

LIEBLINGSSZENE: Bei diesem Film sehr schwer abzugrenzen aber am Anfang kann man Val’s Ton nicht hören, sie hört aber die anderen – nachdem sie ihren Ton anschaltet, gibt es erstmal Antwort auf die Kommentare der Gruppe. Ich mochte ihre zickige Art richtig gerne!

rating: 4.5/5