[Gesehen] Ben X

benx

Ben ist ein Jugendlicher mit Asperger-Syndrom. In der Schule wird er gemobbt und von seinen Mitschülern nicht verstanden; vor allem zwei Mitschüler haben ihn dabei als „ihren besten Freund“ stark auf dem Kieker. Zuhause versinkt Ben in das MMORPG Archlord, in dem sein Charakter stark und alles ist, was er selbst im wahren Leben nicht ist. Dort trifft er sich auch mit einer seiner einzigen Bezugspersonen: der Heilerin Scarlite. Schleichend wird das Mobbing immer schlimmer und Ben plant immer mehr das ultimative Endgame.

Mobbing, Drogen, Autismus, Unverständnis, Suizid… Ben X aus dem Jahr 2007 von Nic Balthazar ist kein schöner Film, auch wenn er teilweise sehr schön anzusehen ist (vor allem die Einarbeitung der Spielelemente in den Film ist einfach gelungen!). Der Film ist so realistisch gedreht, dass vor allem die Szenen in der Schule und auf dem Weg hin und zurück sehr schwer anzusehen sind. Durch sein Asperger ist es für Ben sehr schwer verständlich, ob das, was passiert, eigentlich normal ist oder nicht – und so gehen einige Versuche, es allen recht zu machen, gründlich schief. Zu seiner Familie findet er genauso wenig Zugang wie zu seinen Mitschülern, nur zu Scarlite findet Ben Anschluss. Je mehr das Endgame in Bens Fokus gerät, desto stärker bietet sie ihm Halt. Vermischt Ben Spiel und Realität, um seinen Alltag zu bewältigen, so vermischt sich bei Scarlite ebenfalls wieder Spiel und Realität, als ein Treffen der Beiden im realen Leben im Raum steht.

Die Handlung von Ben X ist von wahren Gegebenheiten inspiriert, und vor der Filmumsetzung hat Nic Balthazar den Stoff bereits als Buch aufbereitet. Es lohnt, vor allem in Hinblick aufs Ende, an diesem Film dran zu bleiben – auch wenn es an manchen Stellen schwer fällt.

Trivia: Ben X klingt fast wie das Niederländische bennicks, was so viel wie „Ich bin Nichts“ bedeutet.

[Gesehen] Gänsehaut | Goosebumps

Ich weiß nicht mehr, ob ich zuerst einen der Bände geschenkt bekommen habe oder die Bücher in der Bücherei entdeckt habe… aber gefühlt bestand mein Lesestoff zwischen 12 und 14 lange Zeit nur aus Büchern der Fear Street Reihe von R. L. Stine. Die Bücher sind alle relativ gleich aufgebaut, aber ich konnte nicht genug davon kriegen: vor allem die Twists am Ende waren immer super gruselig!

„I’m Stephen King for kids, right? That’s me.“
R. L. Stine,  The Wrap Interview by Jeff Sneider, 13.10.2015

Die Reihe, die die meisten von R.L. Stine vermutlich kennen, ist Gänsehaut. Hier können Monster genauso auftauchen wie Übernatürliches, und es sterben auch deutlich weniger Leute (zumindest in der Handvoll Bände, die ich in der Reihe kenne). In den Neunzigern gab es eine Fernsehserie zu Gänsehaut, und jetzt auch eine Verfilmung!

Der Teenager Zach zieht mit seiner Mutter aus New York in die Kleinstadt Greendale. Während des Einzugs macht er Bekanntschaft mit dem sonderbaren Nachbar nebenan, kurz darauf lernt er auch dessen Tochter Hannah kennen. Hannahs Vater ist niemand anderes als R. L. Stine, der eine besondere Gabe hat: er kann seinen geschriebenen Wörtern leben einhauchen… was bei den diversen Monstern in Gänsehaut durchaus problematisch ist. Die Monster sind in den Original Manuskripten quasi eingesperrt – und durch einige Umstände passiert, was einfach passieren muss: die Jugendlichen setzen aus Versehen alle Wesen frei. Greendale versinkt in Chaos und irgendwie müssen sie zusammen mit Stine wieder alle Monster bannen…

„Every story ever told can be broken down into three distinct parts: The beginning, the middle – and the twist!“

Gänsehaut ist ein recht schlichter Familienfilm, dessen grober Handlungsbogen schon vorhersehbar ist – aber ich hatte trotzdem großen Spaß beim Schauen! Die Dialoge sind teilweise wirklich urkomisch, und die Effekte wirken trotz der Fülle der Monster nicht zu schlecht. Insbesondere durch Slappy kommt auch das gleiche Gefühl wie bei den Büchern auf (finde ihn persönlich immer noch mega gruselig!). Ein paar Plotlöcher sind da, fallen aber nicht zu sehr auf bzw. stören nicht.

Muss man den Film im Kino oder sogar in 3D sehen? Eher nicht. Aber für einen Familienfilmabend oder die Lust auf eine Teeniekomödie mit etwas Grusel lohnt sich Gänsehaut später auf DVD oder per Streaming auf alle Fälle!

rating: 3.5/5

 

[Gesehen] Ich bin dann mal weg

2001 lebt Hape Kerkeling auf der Überholspur und hört nicht auf seinen Körper. Nach Hörsturz, Zusammenbruch, Gallenblasen-Operation und knappem Entgehen eines Herzinfakts lässt sich aber nicht mehr leugnen, dass eine Pause dringend nötig ist. Nachdem ihm Zuhause beinahe die Decke auf dem Kopf fällt, kommt schließlich die fixe Idee – er möchte den Jakobsweg bestreiten.

Gesagt, getan!

Ich bin dann mal weg ist die Verfilmung zum gleichnamigen Reisebericht von Kerkeling, der 100 Wochen in den Bestsellerlisten verharrte. Bisher hat es mich nicht gereizt, das Buch zu lesen, aber der Trailer hat mich neugierig genug gestimmt, es einmal mit dem Film zu probieren – bereut habe ich es nicht!

Die Wanderschaft von Hape bzw. Hans Peter nimmt den Großteil des Films ein. Es gibt immer wieder kleine Rückblenden in die Kindheit, die einem nicht nur Kerkelings Anfänge im Showgeschäft vorführen, sondern auch seine Beziehung zu Gott in jungen Jahren. Die Einstellung vom Jungen und vom Erwachsenen gehen auseinander, und wirklich sicher ist sich Hans Peter zunächst nicht, ob er überhaupt an Gott glaubt.Während seiner Reise schreibt er in einem Notizbuch seine Eindrücke und (mein persönliches Highlight!) Erkenntnisse des Tages nieder. Teilweise wird dies visuell dargestellt, teilweise hören wir seine Stimme aus dem Off plaudern, während er unterwegs ist. Unter den Pilgern gibt es einige, die man zusammen mit Hans Peter immer wieder auf dem Weg trifft, und deren Geschichte und Beweggründe verschiedener nicht sein könnten. Ob es wirklich realistisch ist, dass sie sich immer wieder begegnen sei mal dahingestellt, aber einige von ihnen wachsen einem wirklich ans Herz, und man drückt die Daumen, dass sie es schaffen. Denn: nicht jeder kommt am Ende in Santiago de Compostela an, nur etwa 20 Prozent der Pilger beenden ihre Reise.

Manchmal vielleicht etwas zu viel Pathos, aber im Großen macht die Verfilmung viel richtig. Die Aufnahmen sind herrlich, und Kerkelings Ringen an einigen Stellen mit sich selber wird gut transportiert. Es gibt komische Momente, aber auch bewegendes. Ich mochte vor allem, wie auf den religiösen Aspekt eingegangen wird. Kerkeling zweifelt an dem, was er da tut und dem warum. Seine Erkenntnis ist eine persönliche, keine allgemeine.

Ein ruhiger, nachdenklicher Film, der in schönen Bildern den Zuschauer auf die Reise mitnimmt.

Trivia: Sitzen bleiben am Ende lohnt! Im Abspann sind Originalbilder von Kerkelings Reise zu sehen.

rating: 4/5