[Gelesen] Quarter Life Poetry

Rezensionsexemplar | Samantha Jayne ist eine junge Mittzwanzigerin, die das Leben in genau dieser Periode in unter die Lupe nimmt. Sie verarbeitet dabei typische Alltagssituation in kurzen Versen und erstellt kleine Illustrationen dazu. Diese Kombinationen veröffentlicht sie regelmäßig auf Instagram – eine kleine Auswahl davon findet sich jetzt in Quarter Life Poetry: Warum meine Freunde Kinder bekommen und bei mir nicht mal ein Kaktus überlebt wieder.

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Ein Viertel Jahrhundert in 10 Kategorien: Willkommen zur Quarter Life Krise!

Quarter Life Poetry ist in mehrere Kategorien beziehungsweise Struggles unterteilt, die die Sorgen und wichtigen Themen der Mittzwanziger widerspiegeln: Alltag, Geld,  Essen, Sozial Life, Sex, Liebe, Hochzeiten, Fashion, Arbeitslosigkeit und Job. Man merkt an ein paar Stellen, dass die Texte eher auf amerikanische Frauen zugeschnitten sind, aber das stört nur minimal beim Lesen.

Jayne schreibt ihre Verse als knappe Vierzeiler, die sich mal mehr oder weniger reimen. Damit das in der Übersetzung ebenfalls weitestgehend klappt, wird bei einigen Versen Denglisch genutzt. Bei Wörtern wie Likes oder Skills ist das auch in Ordnung, aber bei manchen Begriffen hätte mich ein deutscher Begriff vielleicht noch mehr zum Schmunzeln gebracht.

„Mit Anfang zwanzig
nahm ich Gossip echt schwer,
jetzt können mich alle mal,
I don’t fucking care.“
– S.83

Ich kannte den Instagram-Account vorher nicht und war doch überrascht, dass wirkliche jede Seite eine eigene Illustration hat. Der Stil von Jayne gefällt mir dafür sehr! Es ist alles so schön reduziert und man versteht trotzdem die Anspielungen auf Anhieb. Die Reduktion bedeutet allerdings auch, dass man durch die 175 Seiten in kürzester Zeit nur so durchfliegt.

Da aber jeder Seite für sich stehen kann, lädt das Buch jederzeit zum Aufschlagen zwischendurch ein und man kann eigentlich keine schlechte Seite dabei erwischen. Mir hat die Kombination aus ihrer sehr simplen Poesie und den farbenfrohen Illustrationen von Jayne schon gefallen, aber es findet sich nichts direkt überraschendes zwischen den Buchdeckeln. Bei nur vier Zeilen spürt man dann doch eine gewisse Grenze.

Jayne spricht selber in ihrer Einleitung davon, dass es sich bei Quarter Life Poetry um ein „Klo-Buch“ handelt – für mich fällt es eher in die Kategorie Geschenkbuch, dass man Freunden im entsprechenden Alter einfach mal als kleine Aufmerksamkeit mitbringen kann, als das ich es im Bad liegen lassen würde (obwohl das schon irgendwie zu ihrem Humor im Buch passt).

VIELEN DANK AN BTB FÜR DAS REZENSIONSEXEMPLAR!


Weitere Eindrücke zu Quarter Life Poetry findet ihr bei
Buchstabenstadt | Eulenmatz | Ahus Books | Heidi’s Seite | Books and Cats


BUCHDETAILS | ANZEIGE

Verlag: btb
Übersetzerinnen: Anna Hickmann; Wiebke Vogt
ISBN:  9783442715374
Erscheinungsdatum: 13.06.2017
Bewertung: 3/5

[Gastrezension] Schluss mit Sorry!

Mal eine kleine Premiere hier auf dem Blog: Eine Gastrezension! Und zwar hat Elias von Captain Books über Rebecca Vogels Buch Schluss mit Sorry! geschrieben, was ihr nachfolgend lesen könnt. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Elias für die tolle und unkomplizierte Zusammenarbeit, sowie den spannenden Text! Vielleicht  mögt ihr ja auf seinem Blog auch etwas stöbern?


Hintergrund:

Ich habe mir noch nie Bücher online bestellt. Ich wollte immer das Buch in der Hand halten, welches ich kaufe. Es geht doch nichts darüber, den Geruch eines ungelesenen Buches zu erschnuppern, durch die Seiten zu blättern und sich vor Ort ein Bild davon machen zu können. Allerdings habe ich mich vor kurzem dazu entschieden auch bei Büchern das Onlineshopping auszuprobieren. Also habe ich mich durch die verschiedenen Verlagsseiten geklickt und bin so schließlich bei dem Eulenspiegelverlag gelandet. Und ich muss sagen, ich finde es gar nicht so schlimm Bücher online zu bestellen. So bekommt man nicht nur einen Eindruck von dem Buch, welches man sich holen möchte, sondern gleichzeitig auch noch von dem Verlag.

Ich habe mich für das Buch „Schluss mit Sorry!“ entschieden, weil es nicht nur einen interessanten Titel hat, sondern auch ein ansprechendes Cover besitzt. „Schluss mit Sorry!“, das klingt für mich irgendwie nach einer persönlicher Revolution. Schluss mit Entschuldigungen und platz für persönlichen Freiraum und Ziele.

Inhalt:
9783359024934
Lisa ist glücklich. Auch wenn ihr Freund Alex eigentlich das komplette Gegenteil von ihr ist. Doch genau das bewundert sie an ihm – bis er kurzerhand den Heiratsantrag seiner Kindergartenfreundin annimmt, die mit gemeinsamer Wohnung, Medizinstudium, Spinat-Sellerie-Saft und Stöckelschuhe aufwartet. Das stellt Lisa vor schwierige Fragen: Ist Sex doch wichtiger als Schlafen? Welche Auswirkungen haben bekleckerte Erdbeernachthemden und Nackenkrausen, und hilft Rauchen auf dem Balkon, um endlich wieder den Durchblick zu bekommen? Und -verflixt-wie, bitte schön, wird man bindungsfähig?

Fazit:

Ja, ihr stellt euch die richtige Frage, Captain, warum ließt du ein Buch, welches ganz klar die weibliche Leserschaft anspricht? Dazu kann ich nur eines antworten – Wenn ein Buch schon mit dem Satz, „Schlaf ist der neue Sex.„, anfängt, verspricht es unterhaltsame Momente.

Und es waren unterhaltsame Momente. Das Buch ist witzig und zugleich auch spritzig. Durch sehr gegensätzliche Charaktere und Klischees führt das Buch durch die verschiedenen Phasen einer Liebesgeschichte. Ich habe mich köstlich amüsiert. Die Männer (in der Geschichte verkörpert durch Alex) werden als smart und organisiert dargestellt und die Frauen (in der Geschichte verkörpert durch Lisa) als zu nachdenklich und verwirrt. (Und sind wir mal ehrlich, liebe Frauen, es ist doch so :D).

Durch den flüssigen und lockeren Schreibstil der Autorin Rebecca Vogels lässt sich das Buch in einem Rutsch sehr gut durchlesen. Für manchen mag der Schreibstil zwar nicht passend oder fesselnd sein, doch in meinen Augen ist ihr so er sehr guter Roman gelungen.

Ebenso hat mich das Buch sehr zum Nachdenken über Beziehungen angeregt. Es liefert tolle Antworten auf Bindungsunfähigkeit und das Zusammenleben zweier Personen.

In meinen Augen hat das Buch durch ihren Unterhaltungswert 5 von 5 Sternen durchaus verdient.

Kommentar:

Rebecca Vogels, geboren 1984, ist Co-Founder und Editor-in-Chief der Medien-Agentur Pfiff Media. Sie schreibt u. a. Moderationstexte fürs Fernsehen, arbeitet als Autorin und twittert unter @schlussmitsorry aus dem Leben ihrer Protagonistin Lisa Haubenstädt.

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[Gelesen] Cavaliersreise – Die Bekenntnisse eines Gentlemans

Heute ist es soweit: Nachdem die Geschichte um Monty, Percy und Felicity bereits seit einigen Monaten auf Deutsch als Cavaliersreise erhältlich ist, erscheint jetzt auch die englischsprachige Ausgabe unter dem wundervollen Titel The Gentleman’s Guide to Vice and Virtue. Ich hatte diesen Monat das Vergnügen das Buch von Mackenzi Lee gemeinsam mit pingwingTV zu lesen und mich darüber austauschen zu können – und die Lesereise hat sich –mit kleinen Abstrichen- wahrlich gelohnt!

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„Das hier ist keine Cavaliersreise mehr, sondern ein Abenteuerroman.“ – S. 474
Cavalierswas?

Eine Tradition mit vielen Namen -Kavalierstour, Grand Tour, Bildungsreise um nur einige zu nennen- bildet die Rahmenhandlung von Cavaliersreise. Von der Renaissance bis zum 19. Jahrhundert an wurden junge Männer aus dem Adel (später auch aus dem Bürgertum) zum Abschluss ihrer Erziehung auf eine Reise durch Europa bis teilweise hin zum Heiligen Land geschickt. In dem Roman von Lee begleiten wir hierbei eine etwas ungewöhnliche Reisegesellschaft im 18. Jahrhundert: Den englischen Grafensohn Henry -genannt Monty- Montague, seine Schwester Felicity und Percy, Montys besten Freund.

Hatten die jungen Männer (oder zumindest Monty) auf ein unabhängiges, feierfreudiges Jahr auf dem Kontinent gehofft, so macht Montague Senior ihnen gleich zu Anfang einen Strich durch die Rechnung: Er ist die Eskapaden seines Ältesten satt und stellt ihnen einen Tutor zur Seite. Statt auf Trinkgelage, Spielrunden und ähnlichem, soll sich lieber endlich auf das Knüpfen von Kontakten und die kulturellen Errungenschaften konzentriert werden.

„Mag sein, dass es das ist, was die Cavaliersreise mich lehren soll: wie andere Leute leben, die mit mir nichts gemein haben. Zum ersten Mal geht mir auf, dass ihr Leben nicht weniger erfüllt ist als meines, ohne dass es mit meinem in Berührung käme.“
– S. 165-166

Ein Trio wider Willen

Die Begeisterung hierüber hält sich in Grenzen und die Reisegemeinschaft muss erst miteinander warm werden. Dem Leser geht es nicht viel anders, denn zu Anfang ist vor allem Monty etwas schwierig. Umso schöner ist es zu sehen, wie jeder der Drei im Laufe der Reise an seinen eigenen Problemen wächst! Und genug Probleme gibt es tatsächlich, egal, ob von innen oder außen. Um nur ein paar unserer Helden zu benennen: Monty hadert mit seinem gesellschaftlichen Stand, Sexualität und der unerwiderten Liebe zu seinem besten Freund, Percy hat mit seiner Hautfarbe, einer Krankheit und eher düsteren Zukunftsaussichten zu kämpfen – und Felicity hadert mit dem Frauenbild ihrer Zeit. Viele dieser Thematiken lesen sich sehr zeitgemäß, wobei es Lee gelingt, sie angemessen in der Handlung einzubinden und nicht aus der Zeit zu fallen. Das unterstützt sie vor allem durch viele großartige Wörter, die in der Übersetzung von Gesine Schröder eine wahre Freude sind. Egal, ob eher bekanntes wie Wegelagerer, Taugenichts oder seltener genutztes wie greinen, gebenedeit und Häscher – die Sprache ist etwas gehobener ohne abzuheben. Dazu hat Monty ein absolut großartigen Humor, bei dem man das ein oder anderer mal am schmunzeln ist.

Die Sache mit der Bewertung

Die Bewertung von Cavaliersreise bereitet mir auch mit einigen Tagen Abstand immer noch Kopfzerbrechen. Das gemeinsame Lesen mit Austausch über die Abschnitte und Theorien aufstellen zum weiteren Verlauf hat mir großen Spaß bereitet und mein Lesevernügen deutlich erhöht. Nicht zuletzt, weil ich dadurch gefühlt auch das Buch viel intensiver gelesen und viel mehr über einzelne Abschnitte nachgedacht als normalerweise. Cavaliersreise ist auch ein Buch, dass ich gerne noch mehrfach lesen mag und bei dem es in jedem Lesedurchgang etwas zu entdecken oder anders wahrzunehmen geben wird, gerade weil es an einigen Stellen so plötzlich umschlägt.

„Es hat sich nichts verändert, und doch ist nichts, wie es war.“ – S. 196

Mackenzi Lee hat sich mit der Grand Tour ein tolles Thema als Rahmenhandlung ausgesucht und anstatt in einem typischen Jugendbuch befindet man sich plötzlich in einem Abenteuerroman, der unglaublich viele aktuelle Themen anspricht: Sexualität, Geschlechterrollen, Vorurteile und Unwissen, Epilepsie, Privilegien und und und. An keinem Punkt wirkt es dabei zu belehrend oder zu gewollt und allein dafür ist die Geschichte etwas besonderes. Dazu noch der tolle Humor von Monty und schöne Dialoge…

Warum also kann ich diesem Buch einfach nicht die volle Punktzahl geben?! Das hängt zum einen mit einem Handlungsstrang und zum anderen mit dem Schluss zusammen. Ich war der festen Überzeugung, dass Cavaliersreise nicht ins Fantastische geht – und nun, irgendwie tut es die Geschichte doch. Für mich passte das nicht so gut in die Geschichte, aber da ich es beim nächsten Lesen weiß, wird es mich nicht noch einmal so überrumpeln.  Zum Schluss kommt dann noch mal alles zuerst ganz anders als erwartet, dann auch viel zu plötzlich und ohne große Erläuterungen, auch im Nachwort nicht. Vielleicht wird das nächste Abenteuer da etwas Licht ins Dunkle bringen? Denn für Herbst 2018 wurde gerade erst das Spin-off The Lady’s Guide to Petticoats and Piracy rund um Felicity Montague angekündigt.


Weitere Eindrücke zu Cavaliersreise findet ihr bei
Kathrine Everdeen | Buchstabenstadt | May4la | Miss Foxy reads | Andrada’s Books


BUCHDETAILS | ANZEIGE

Verlag: Königskinder
Übersetzerin: Gesine Schröder
ISBN: 9783551560384
Erscheinungsdatum: 24.03.2017
Bewertung: 3,5/5