[Gelesen] Rasputin

rasputinGrigori Rasputin ist eine historische Persönlichkeit, um die sich zahlreiche Legenden ranken. Allein seine Ermordung bietet da einiges: vergiftet, erschossen, ertränkt… und immer noch am Leben, als man ihn aus dem Wasser zog. Vieles davon lässt sich heute leicht wiederlegen, aber einiges an der Person Rasputin bleibt weiterhin im Dunkeln. Die Comics, die Alex Grecian zusammen mit Riley Rossmo geschaffen hat, spielen mit eben dieser Legendenbildung und einer spannenden Ausgangslage:

I’ve always known exactly what fate holds in store for me. For instance, tonight I’m going to be murdered by my closest friends in the world.

Es gibt in der Folge zwei wesentliche Handlungsstränge in The Road to the Winter Palace: wo kommt Rasputin her, und was passiert in der Nacht seines Todes. Dabei sprechen Grecian und Rossmo ihrem Hauptcharakter die nachgesagten übernatürlichen Fähigkeiten zu und streuen auch einiges an Mythologie mit ein. Natürlich entspricht das nicht den tatsächlichen historischen Gegebenheiten, aber es ermöglicht einige spannende Entwicklungen!

Was bei Rasputin gleich auffällt, ist die Gestaltung. Die wesentlichen Schauplätze werden durch Doppelseiten vorgestellt, auf denen in leicht transparenter Blockschrift die Ortsnamen stehen. Generell gibt es vor allem im ersten Volume viele Panels, die fast komplett illustriert sind ohne Worte. Die Cover sind in Schwarz, Weiß und Rot gehalten mit Zitaten, die am Ende von Volume Zwei inklusive Quellen aufgelistet sind. Diese Farben sind auch mit die Haupttöne, es gibt aber genauso viele Seiten in kalten Blautönen. Auch gibt es einiges an Blut und Gewalt auf den Seiten… der Trailer gibt einen guten ersten Eindruck dafür:

Rasputin ist eine Miniserie, die mit zwei Volumes bzw. zehn Einzelheften bereits abgeschlossen ist. Dadurch hat die Geschichte, die Grecian erzählen will, genau die richtige Länge und zieht sich nicht unnötig. Die Handlung selber ist in sich schlüssig und gut überlegt. Es hilft, etwas über die Slawische Mythologie, wie zum Beispiel Koschei, Bescheid zu wissen, da nicht viel erklärt wird, ist aber kein Muss. Zur Mitte der Reihe gibt es eine Wendung, die noch einmal unmittelbar deutlich macht, dass die Geschichte von Rasputin fiktiv ist und einem alternativen Geschichtsverlauf folgt. Wer das mag, wird sicher mit der Reihe ebenfalls Spaß haben!


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Verlag: Image Comics
ISBN: 1632152673 (Volume 1)1632156334 (Volume 2)
Erscheinungsdatum: 07.07.2015 | 02.02.2016
Rating: 5/5

[Gelesen] Never Never

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Von Colleen Hoover habe ich schon eine Menge Titel in der Buchhandlung gesehen, aber diese haben mich nicht wirklich angesprochen… die Beschreibung von Never Never hat mich dagegen sofort begeistert, und ich war unheimlich gespannt auf die Geschichte. Vorne weg: Never Never ist von Colleen Hoover und Tarryn Fisher gemeinsam geschrieben worden, und musste aufgrund von Vertragsbedingungen in drei Teile gesplittet werden. Die ersten beiden Teile gibt es bereits auch als schmale Taschenbücher, der dritte wird sicherlich auch noch in diesem Format folgen – bis dahin kann man die Geschichte aber nur als eBook komplett lesen.

Das Charaktere an Gedächtnisverlust leiden, ist nichts neues. Das besondere an Never Never? Beide Hauptcharaktere leiden an Gedächtnisverlust! Silas und Charlie sind seit Kindheitstagen befreundet und mittlerweile auch ein Paar. Rekonstruieren können sie das allerdings nur anhand von Briefen, Tagebucheinträgen oder Erzählungen anderer. Was hinter dem gemeinsamen Gedächtnisverlust steht, liegt im Dunkeln und die Klärung ist das Hauptanliegen der Beiden. Daneben wird auch relativ schnell klar, dass ihre Beziehung vor dem Verlust ihrer Erinnerungen nicht mehr allzu rosig war, und es gibt einiges zu klären.

“How odd to be made of flesh, balanced on bone, and filled with a soul you’ve never met.”  – aus Never Never: Part One

Never Never ist am Anfang sehr spannend und baut dann leider von Teil zu Teil ab. Im zweiten Part wird dem Gedächtnisverlust noch eine originelle Komponente hinzugefügt, aber die beiden Autorinnen nehmen sich kaum Zeit, um damit zu spielen.  Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass sich Hoover und Fisher nicht sicher waren, wie weit sie sich aus dem Fenster legen wollen, was Übernatürliche Elemente anbelangt und ein bisschen mehr Mut hätte viel gerettet. Selbst der Auflösung hätte ich vermutlich noch etwas abgewinnen können, wenn die Hinführung dazu nicht holterdiepolter erfolgt wäre. Die Geschehnisse werden ordentlich in den ersten beiden Teilen aufgebauscht und die Auflösung wird dem absolut nicht gerecht. Wirklich schade, Silas und Charlie als Charaktere selbst haben mir sehr gut gefallen und die Geschichte hat Potential!

Die drei Teile lesen sich schnell weg, und man merkt die knapp 409 Seiten kaum. Für leichte Unterhaltung zwischendurch und Fans der beiden Autorinnen sicherlich geeignet, wirklich empfehlen mag ich es aber nicht.

Ein wirklich schöner Fantrailer zum ersten Teil von Never Never!


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Verlag: Hoover Ink
ASIN: B00RZVNDSS | B00TUXIF9G | B01A2COA88
Erscheinungsdatum: 07.01.2015 | 17.05.2015 | 19.01.2016
Rating: 4/5 | 3/5 | 1/5 = 2,6

[Gelesen] Today Means Amen

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Rezensionsexemplar | Today Means Amen ist bereits der vierte Gedichtband von Sierra DeMulder, für mich allerdings die erste Begegnung mit ihrem Werk – und ich bin absolut begeistert!  Was man ihren Gedichten sofort anmerkt, ist ihr Hintergrund in Spoken Poetry bzw. Slam Poetry: der schönste Weg, die Texte in Today Means Amen zu entdecken, ist es, sie sich selbst laut vorzulesen. Klingt im ersten Augenblick vielleicht merkwürdig, aber so entfalten die einzelnen Gedichte eine unheimlich starke Wirkung!

Dear you:
Whoever you are,
However you got here,
This is exactly where you are supposed to be.
This moment has waited its whole life for you.
– aus „Today Means Amen“

DeMulder hat Gedichte zu verschiedenen Themen zusammengestellt: verschiedene Formen von Liebe werden ebenso beleuchtet wie Beziehungen innerhalb der Familie oder das eigene Selbst… aber auch Missbrauch oder Essstörungen werden angesprochen. Als Leser kann man sehr gut mit empfinden oder wird teilweise direkt angesprochen. Die Sprache ist gerade heraus und versteckt die Bedeutung der Gedichte nicht hinter unnötigen oder missverständlichen Metaphern und Bildern. Der Aufbau der Gedichte variiert innerhalb des Bandes, was sehr angenehm ist, und DeMulder verfällt kaum in altbackene Reimschemata.

Wer bereits Clementine von Radics kennt und mag, wird auch mit Sierra DeMulders Texten viel anfangen können. Die Gedichte passen einfach gut zum Zeitgeist und wirken durch ihre nicht gekünstelte Art offen und ehrlich. Bei Button Poetry kann man eine ganze Reihe von DeMulders Auftritten ansehen, und einen guten Eindruck von ihren Werken bekommen. Diese beiden Texte finden sich auch in Today Means Amen, und sind meine bisherigen Favoriten von ihr:

Vielen Dank an Andrews McMeel Publishing und NetGalley für das Leseexemplar!


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Verlag: Andrews McMeel Publishing
ISBN: 9781449474119
Erscheinungsdatum: 02.02.2016
Rating: 4.5/5