[Gesehen] Der junge Karl Marx

Wer sich Karl Marx lieber in beweglichen Bildern annähern mag, kann aus vielen verschiedenen Titeln und Formen auswählen. Dokumentationen, Arthouse Filme, Komödien, Serien… gefühlt für jeden Geschmack ist etwas dabei. Einer der jüngsten Titel ist dabei wohl der Historienfilm Der junge Karl Marx, welche 2017 auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin seine Premiere feierte.

1 - Der junge Karl Marx

Der junge Karl Marx, da ist der Name wahrlich Programm. Im Fokus stehen die fünf wechselhaften Jahre zwischen 1843 und 1848 im Leben von Karl Marx, in denen er eben noch nicht der alte weise Mann mit Rauschebart ist, denn man wohl am ehesten durch die Fotografien von E. Dutertre oder John Mayall vor Augen hat: Marx und seine Weggefährten sind zu dieser Zeit noch junge Männer, deren große Taten und Schriften noch vor ihnen liegen, Marx selber noch keine 30. Das ist definitiv einer der größten Reize des Films, den irgendwie hat es etwas faszinierendes diesen Werdegang und das davor zu sehen. In gewisser Weise sogar doppelt, den über große Strecken sieht man die zeitgleiche Entwicklung von Friedrich Engels, der über das Elend der Fabrikarbeiter in Die Lage der arbeitenden Klasse in England schreibt und Mary Burns begegnet. Es ist eigentlich schade, dass letztere nicht mit auf dem Cover ist, denn der Film zeigt unter anderem sehr gut, welche große Rolle die Frauen Jenny Marx und Mary Burns im Hintergrund für die beiden Männer Marx und Engels gespielt haben.

Das Leben von Marx in diesen fünf Jahren turbulent zu nennen, wäre vermutlich eine Untertreibung. Von Köln über Paris nach Brüssel hin zu London – immer wieder heißt es die Koffer zu packen, da die Familie aufgrund Marx‘ Arbeit des Landes verwiesen wird, und eine stete Arbeit, die die Familie ernähren könnte, ist quasi undenkbar. In diese Zeit fällt aber auch die wahrscheinlich mit bedeutsamste Fügung in Marx‘ Leben: In Paris kommt es zu einem Treffen mit Friedrich Engels, in dem beide erkennen, wie sehr sich ihre Ansichten ähneln. Diese Freundschaft mündet schließlich nach gut zwei Stunden im gemeinsamen Verfassen des Kommunistischen Manifests – vermutlich die stärkste Szene dieser Verfilmung.

„Marx – Das dein Name in Verbindung steht mit einem Marx! […] Schöne Freunde hast du da!“
„Ich habe keinen besseren. Und was er wert ist, das ahnen Sie noch nicht einmal.“

Obwohl durch das Szenenbild immer gut vermittelt wird, wenn sich die Schauplätze ändern, so ist diese Zeit des Umbruchs in Marx‘ Leben keine leicht darstellbare. Ich kann mir gut vorstellen, dass man ohne Vorwissen sich etwas verloren fühlt und die Szenen fast wahllos erscheinen, gerade zu Anfang. Namen werden in den Raum geworfen, Treffen finden statt, aber ohne erkennbaren Einfluss. Dass dieser zumeist in den Schriften und Artikeln von Marx sich findet, kann der Film nur schwer darstellen. Bis auf den Anfang und das Ende verzichtet Raoul Peck auf Voiceover, und teilweise könnte man fast vergessen, das Marx hauptsächlich geschrieben hat. Irgendwie lässt einen das unbefriedigt zurück, gerade zum Ende hin, wo der Film sich allmählich gefunden zu haben scheint und dann fast plötzlich vorbei ist. Bis auf ein paar Spielereien bleibt der Film aber massentauglich und driftet nicht ins zu künstlerische ab, sodass man ihn gut ansehen kann – nur vielleicht liest man im Vorfeld noch mal ein paar Eckdaten von Marx‘ Biografie.


Zum 200. Geburtstag von Karl Marx erscheinen mehrere Beiträge auf meinem Blog. Eine Übersicht über alle Beiträge findest du H I E R.


FILMDETAILS

Originaltitel: Le jeune Karl Marx | Produktionsland: Frankreich, Deutschland, Belgien | Studio: Indigo (2017) | Spieldauer: 113 Minuten | FSK: Freigegeben ab 6 Jahren | Regisseur: Raoul Peck  | Darsteller: August Diehl, Stefan Konarske, Vicky Krieps, Peter Benedict, Olivier Gourmet und weitere

[Gesehen] Filmtipps zu Halloween

Obwohl ich ein großer Angsthase in der Hinsicht bin, schaue ich doch ab und zu total gerne Horrorfilme. Zwar eher Zuhause, wo es sicher ist, aber gruseln kann definitiv auch mal Spaß machen. Und zu keinem anderen Datum habe ich automatisch mehr Lust dazu, als am 31. Oktober oder besser gesagt: Halloween! Es gibt unglaublich viele tolle Filme (und auch Serien) die sich für diesen besonderen Tag eignen, und jeder hat wahrscheinlich seine ganz eigenen Favoriten und Klassiker. Aber es kann ja nie schaden, sich diese nochmal vor Augen zu führen, oder? Ich habe deswegen einfach mal eine Reihe Filme herausgesucht, die ich allesamt für Halloween sehr mag… und es sind tatsächlich nicht nur Horrorfilme geworden!

Filmtipps zu Halloween

The Nightmare before Christmas (1993) | Trailer
↳ „Halloween! Hier wird nur geschrien! Jeder hier liebt Halloween!“

The Nightmare before Christmas ist das bester aus zwei Welten: Halloween- und Weihnachtsfilm zugleich! Dementsprechend bietet es sich auch direkt an, diesen Film zweimal im Jahr zu schauen. Jack Skellington, seines Zeichens der König von Halloween Town, entdeckt durch Zufall Christmas Town und versucht, in seiner Stadt daraufhin Weihnachten zu feiern… was eher weniger gut funktioniert. Dafür hat man aber fast garantiert nach dem Film einen Ohrwurm von einem der vielen tollen Lieder, und die Stop-Motion-Animation ist einfach zeitlos und ikonisch.

Jennifer’s Body (2009) | Trailer
↳ „Du tötest Menschen!“
„Nein, ich töte bloß Jungs!“

Etwas Grusel, viel Witz, großartige Musik und zwei tolle Hauptdarstellerinnen – ich schau Jennifer’s Body immer wieder gerne. Jennifer ist ein Cheerleader und eines der populärsten Mädels der Schule, während ihre beste Freundin Anita eher das genaue Gegenteil ist. Durch ein Ritual, das gehörig daneben geht, entwickelt Jennifer Appetit auf die männlichen Mitschüler, was Anita umzukehren versucht. Gefühlt hätte der Film auch super aus den Neunzigern stammen können, und wahrscheinlich mag ich ihn dadurch auch so.

The Craft – Der Hexenclub (1996) | Trailer
↳ „Tu was du willst, aber lass dich nicht mit denen ein.“
„Wieso nicht?“
„Das sind Hexen!“

Es gibt einige Filme mit bzw. über Hexen, aber Der Hexenclub ist einer meiner liebsten. Sarah kommt an eine neue Schule und freundet sich mit einer Gruppe  Dreier Mädels an, die sie in ihren Hexenclub aufnehmen. Die Vier experimentieren mit Magie und zuerst scheint das nur Vorteile mit sich zu bringen… bis dann doch die Ereignisse aus dem Ruder laufen.

Der Pakt – The Convenant (2006) | Trailer
↳ „Stell dir vor du hast die Fähigkeit alles zu tun, was du willst. Doch je mehr du diese Kraft benutzt, desto mehr schwächt sie dich.“ 

Noch ein Film mit Hexen, allerdings dieses Mal männlichen Hexen. Der Pakt geht ein bisschen mehr in Richtung Trash, aber ich mag ihn trotzdem: 5 Familien verfügen über magische Kräfte. Der Haken daran? Je mehr man sie nutzt, desto schneller alter man und wird süchtig danach. Eine der Familien ist bei den Hexenverbrennung in der Stadt vor knapp 300 Jahren ausgelöscht worden, die Söhne der restlichen Familien besuchen 2006 alle gemeinsam die Schule. Ein Mitschüler wird getötet und es steht die Frage im Raum, welcher der Jungs dafür verantwortlich ist.

The Frighteners (1996) | Trailer
↳ „We have got a Poltergeist!“ 

Frank Bannister kann Geister sehen und mit ihnen sprechen. Gemeinsam mit drei Geistern nutzt er dies aus, um Leuten vorzugaukeln, dass ihre Häuser heimgesucht werden und nur er als Geisterjäger ihnen helfen kann. Das geht einige Zeit lang gut, bis eine Reihe von Todesfällen Frank ziemlich schuldig aussehen lässt… es gilt seine Unschuld zu beweisen und dem Sensenmann ein Schnippchen zu schlagen. Die Effekte sind vielleicht nach über 20 Jahren nicht mehr ganz so erschreckend, aber die Handlung selbst macht viel Spaß!

Shaun of the Dead (2004) | Trailer
↳ „Sind Zombies da draußen?“ 

Eine „romantische Komödie mit Zombies“, das ist Shaun of the Dead. Die Zombies sind auf einmal in Großbritannien los und die beiden Freunde Shaun und Ed kriegen das erstmal gar nicht so richtig mit. Nachdem dann aber klar ist, dass die Untoten durch die Straßen irren, versuchen sie an einem sicheren Ort zu überleben: Ihrem Stammpub. Der Weg dorthin ist allerdings nicht ohne und es ist sehr, sehr lustig ihnen dabei zuzusehen.

The Final Girls (2015) | Trailer
↳ „Klar, laut Drehbuch stirbst du im Film. Aber wieso nicht die Geschichte verändern?“ 

Max‘ Mutter hat als Schauspielerin in dem Kult-Slasherfilm Camp Bloodbath mitgespielt, und ist drei Jahre vor Beginn von The Final Girls bei einem Unfall gestorben. Am Todestag besucht Max mit einigen Freunden eine Kinovorführung von Camp Bloodbath, bei welcher sie quasi durch die Leinwand mitten hinein in den Film schreiten. Da sie die Ereignisse im Film natürlich kennen, versucht die Gruppe Einfluss auf die Ereignisse zu nehmen… nur ob der Film da mitspielt?

Serientipp: Scream (seit 2015) | Trailer
↳ „Willkommen in Lakewood, wo dich niemand schreien hören kann.“ 

Scream ist eine richtig schöne Guilty-Pleasure-Serie, die zwischen Horror, Teeniedrama und Komödie hin- und herschwankt: Die Serie basiert auf den Scream-Filmen und spielt in der fiktiven Stadt Lakewood. Ein maskierter Killer begeht Morde und hat gerade die Clique rund um Emma auf den Kieker. Warum gerade diese Jugendlichen? Wer ist der Killer? Es gibt immer wieder Überraschungen und die ersten beiden Staffeln sind viel zu schnell geschaut.


Welche Filme oder Serien schaust du gerne zu Halloween?