[Gelesen] Spellcaster – Dunkler Bann

Es empfiehlt sich, bei der Spellcaster-Reihe keinen Band zu überspringen, sondern mit Düstere Träume in die Geschehnisse rund um Captive’s Sound einzusteigen. Wer den ersten Band noch nicht kennt, sollte hier nicht weiterlesen um Spoiler zu vermeiden!spellcaster-dunklerbann

Rezensionsexemplar | Dunkler Bann ist der zweite Band in der Spellcaster-Reihe von Claudia Gray, und setzt fast unmittelbar nach den Ereignissen in Düstere Träume ein. Dabei entpuppt sich der vermeintliche Sieg gegen Elizabeth und Jenen dort unten in der Nacht von Halloween gleich zu Beginn leider nur als Teilsieg: Die Freunde müssen sich fortan gegen eine sehr aktive Zauberin und den Dämon Asa in Menschengestalt zur Wehr setzen.

Nachdem wir im ersten Teil bereits alle Charaktere und die magische Welt mit ihren Regeln kennengelernt haben, vertieft Gray all diese Aspekte nun. Vorangegangene Geschehnisse werden höchstens kurz angesprochen, aber nicht ausführlich wiederholt, was ich als sehr angenehm empfand – gerade, da ich den zweiten Band direkt im Anschluss an den ersten gelesen habe. Der Fokus liegt nicht mehr länger primär auf Nadia, sondern verteilt sich auf alle wichtigen Charaktere gleichermaßen. Vor allem bei Verlaine und Asa macht sich das bemerkbar, aber auch Elizabeth erhält dadurch wesentlich mehr Tiefe. Es ist sehr spannend, jetzt neben den Geschehnissen rund ums Trio Nadia/Mateo/Verlaine auch die Gegenseite etwas verfolgen zu können. Asa gefällt mir dabei am meisten! Obwohl er Elizabeth zu Diensten sein muss, versucht er nach Kräften gegen sie zu intrigieren und den anderen zu helfen.

Während die Magie im ersten Teil zwar kurz erläutert wird, bekommt man doch sehr wenig davon zu lesen. Das ändert sich in Dunkler Bann Gott sei Dank, und ich finde das Konzept mit der Verknüpfung von Emotionen und Erinnerungen dahinter immer noch sehr originell. Allerdings zeigt sich in einigen Szenen auch wieder, wie unerfahren Nadia mit ihren Kräften noch ist – auch wenn sie immer gute Intentionen hat, geht es doch häufiger schief als wie geplant.

spellcaster-dunklerbann2.jpgDie Beziehung mit Mateo ist daher nicht nur auf der Ebene Hexe-Adjudant wichtig, sondern bietet Nadia auch so großen Rückhalt. Gray trifft dabei genau die richtige Balance, um die noch recht frische Beziehung der beiden realistisch erscheinen zu lassen.

Elizabeth verfolgt im zweiten Teil einen neuen Plan, um Jenen dort unten zu dienen und Nadia als Verbündete zu gewinnen. Dabei spielt Captive’s Sound und seine Einwohner eine größere Rolle als im Vorgänger, und das Tempo wird deutlich angezogen. Etwas mehr Hintergründe zu ihrer Motivation wären interessant, aber sie gefällt mir hier als Bösewicht deutlich besser als im ersten Teil.

Für mich hat Dunkler Bann so ziemlich alles für einen zweiten Band richtig gemacht. Es gibt einige Antworten auf Fragen, die sich nach Düstere Träume stellen, aber gefühlt kommen genauso viele neue auf. Gray hält konstant die Spannung aufrecht, und beendet Dunkler Bann auf einem Höhepunkt. Man kann mittlerweile zwar erahnen, wo in etwa die Reise im dritten Band hingehen wird, aber es liegen noch etliche Steine und Probleme für alle Charaktere auf dem Weg dorthin. Daneben gibt es über das gesamte Buch hinweg immer wieder überraschende kleine Wendungen, sodass man Dunkler Bann kaum aus der Hand legen mag. Ich bin jetzt schon sehr auf den dritten Band gespannt, und wie die Geschichte enden wird!

Vielen Dank an Blogg dein Buch und HarperCollins ya! für das Rezenssionsexemplar!


BUCHDETAILS | ANZEIGE

Verlag: HarperCollins ya!
ISBN: 978-3-95967-026-5
Erscheinungsdatum: 10.03.2016
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Rating: 5/5

[Gelesen] Lock & Mori vs. A Study in Charlotte

Manche literarische Figuren treffen einfach einen Nerv: Sherlock Holmes ist aktuell wieder erschreckend beliebt. Nach den Filmen mit Robert Downey Jr. und Jude Law sowie den beiden TV Serien, Elementary und Sherlock, gibt es eine ganze Reihe Buchtitel, die sich dem berühmten Detektiv aus der Baker Street annehmen… zwei aktuelle Bücher aus dem Jugendbuchbereich wären Lock & Mori und A Study in Charlottelock-study.jpg

In Lock & Mori begleitet man die Jugendlichen Sherlock Holmes und James Moriarty bei der Aufklärung eines Kriminalfalls in London. A Study in Charlotte dagegen lässt die Ururururenkel von Sherlock Holmes und John Watson Opfer eines Rachefeldzugs in Amerika werden.

Beide Titel haben mehrere Gemeinsamkeiten, unter anderem:

  • sie spielen in der Jetztzeit
  • die Hauptcharakter sind Jugendliche
  • die Holmes Charaktere haben ihr eigenes Labor an der Schule
  • ein Charakter ist -entgegen dem Kanon- weiblich
  • es steht ein Fall im Mittelpunkt der Handlung

Neuerzählungen bzw. -interpretationen von Klassikern können immer sehr spannend sein, und gerade der letzte Punkt hat meine Neugier geweckt – gerade da ich die Geschlechterneuverteilung in Elementary sehr liebe. Bei A Study in Charlotte fand ich zudem den anderen Geschichtsverlauf, in dem es Holmes und Watson tatsächlich gegeben hat und die Familien immer noch miteinander verbunden sind, faszinierend.

Macht der Geschlechtertausch Sinn? 
Genderswap ist in den Fandoms eigentlich immer sehr beliebt, und kann einer Geschichte noch etwas mehr Würze verleihen. Als Verkaufsargument also super. Sinnvoll? In beiden Fällen leider nicht so ganz.

In Lock & Mori ist es James Moriarty bzw. Mori, die dieses mal als junge Frau dargestellt wird (James ist ein Familienvorname… warum auch immer). Sie lernt in der Schule den berüchtigten Sherlock Holmes kennen und ermittelt mit ihm zusammen in einer Reihe von Morden im Regent’s Park.Die Trilogie ist klar vor der Erzfeindschaft der Beiden angelegt, und ich würde damit rechnen, dass es genau in dieser mit dem dritten Band enden wird. Moriarty als Frau hat nicht viele Konsequenzen: Es können leichter Vergleiche zu ihrer Mutter gezogen und eine Liebesgeschichte konstruiert werden. Da Lock die ganze Zeit ein sehr platter Charakter bleibt, hat die Liebesgeschichte für mich nicht funktioniert… und damit hätte Mori auch wieder ein junger Mann sein können.

Bei A Study in Charlotte ist es etwas besser. Charlotte Holmes ist wie eine Wiedergeburt ihres Ahnen, mit sehr ähnlichen Verhaltensweisen und Charakteristiken. Damit geht auch einer der größten Pluspunkte dieses Titels für mich Hand in Hand: Charlotte ist kein sympathischer Charakter. Sie ist sperrig, kühl, kalkulierend, ja, aber nie sympathisch. Jamie flacht daneben in seiner Naivität stark ab. Um zu zeigen, dass dieser Archetyp genauso bei einem weiblichen Charakter funktioniert, hat Charlotte Holmes eine Daseinsberechtigung. Cavallaro stellt sich nur in dem Moment ein Bein, wenn Jamie sich (weil sie ist ein Mädchen!) in Charlotte verlieben muss…

Die Fälle
In Regent’s Park häufen sich Morde, die vielleicht miteinander  in Verbindung stehen, und am Internat in Amerika stellt jemand Morde aus den Erzählungen von Sherlock Holmes nach. Bei beiden gibt es haarsträubende Zufälle, was man aber verschmerzen kann – es sind primär Jugendbücher und keine ausgefeilten Krimis. A Study in Charlotte baut den Fall etwas raffinierter mit ein paar Ecken und Kanten auf, wohingegen man bei Lock & Mori gut ab der Hälfte weiß, wer der Mörder ist. In beiden Büchern finden sich zur Aufklärung des Falls Monologe der Täter, die ihre Motive noch einmal ausbreiten. Für mich immer ein Zeichen, dass dem Leser entweder nicht genug Stoff an die Hand gegeben wurde, um sich alle Zusammenhänge selber zu erschließen, oder der Bösewicht nicht genug Rampenlicht bekommen hat.

Muss man die Bücher gelesen haben?
Ich tendiere eher zu nein. Es gibt so viel zu dem Thema Sherlock Holmes im Moment, und beide Titel sind zwar nett, aber nicht bahnbrechend. Bei Lock & Mori muss man sehr viel Konstruktion in Kauf nehmen, und wirklich interessant dürfte es erst in der Reihe werden, wenn Mori in die Kriminalität abgleitet und sich von Lock entfernt. In den zweiten Band, der im Herbst erscheint, werde ich zumindest wegen diesem Gesichtspunkt rein lesen. A Study in Charlotte ist unterhaltsam geschrieben, hat aber Logiklöcher und einen furchtbar naiven Jamie Watson. Die Perspektive von Charlotte ist viel interessanter und hätte dem Buch besser getan! Nach Aufklärung des Falls bleibt auch kaum Anreiz übrig, noch einen weiteren Band mit diesem Duo zu lesen.


Lock & Mori | ANZEIGE
Verlag:
Simon & Schuster Books for Young Readers
ASIN:  B00TBKYK9M
Erscheinungsdatum: 15.09.2015
Rating: 2/5

A Study in Charlotte
Verlag: Katherine Tegen Books
ISBN:  9780062398901
Erscheinungsdatum: 01.03.2016
Rating: 2.5/5

 

[Gelesen] Station Eleven

Ein wenig hat mich Station Elven an den Film Contagion und seine Ausgangslage erinnert: Ein tödlicher Virus verbreitet sich dank Reisenden auf der ganzen Welt, und löst einen Zusammenbruch der Zivilisation, so wie wir sie kennen, aus. Tatsächlich ist das aber nur ein kleiner Teil der Fragmente, die sich schlussendlich zu dem Romangebilde Station Eleven von Emily St. John Mandel zusammenfügen.station-eleven.jpg

In Station Eleven passiert viel gleichzeitig, aber auch sehr wenig. Im Zentrum steht der Schauspieler Arthur Leander: er stirbt auf der Bühne während einer Vorstellung von King Lear, kurz bevor die Georgia Flu eine Pandemie auslöst. Die Charaktere, die man während des Romans kennen lernt, stehen alle irgendwie in Verbindung zu ihm oder wurden von ihm beeinflusst. Mandel springt in den Kapiteln immer wieder zwischen verschiedenen Zeitpunkten in der Vergangenheit und der Gegenwart dieser Charaktere hin und her. Die Gegenwart ist dabei nicht besonders rosig: zwanzig Jahre danach gibt es kleine, verstreute Siedlungen aller Art, aber keine wirkliche Technologie. Als ein kleiner Lichtpunkt reist die Travelling Symphony von Siedlung zu Siedlung, und führt Musik und Theaterstücke (hauptsächlich Shakespeare) für die Überlebenden auf. Dabei ist immer etwas Gefahr mit im Spiel, da es auch fanatische Siedlungen gibt – und die selbsternannten Propheten lassen nicht mit sich diskutieren.

Ich habe mich sehr schwer getan mit dem Buch. Der Zusammenbruch der Zivilisation – sei es jetzt durch eine Pandemie wie eine Grippe oder einem Zombievirus – ist ein spannendes Thema, aber nicht neu. Sowohl im Bereich der Jugendbücher findet sich dazu einiges, als auch in anderen Abteilungen, von Serien und Filmen braucht man gar nicht erst anfangen. Während des Romans bleibt die Handlung fast konstant in der Gegend um Lake Michigan in Nordamerika/Kanada, sodass auch das Setting nichts vollkommen neues birgt.Warum also diese große Begeisterung und zahlreiche Auszeichnungen für Station Eleven? Die Frage blieb mir beim Lesen immer im Hinterkopf, und nach 336 Seiten kann ich sie immer noch nicht beantworten.

The beauty of this world where almost everyone was gone. If hell is other people, what is a world with almost no people in it?

Mir waren so gut wie alle Charaktere und ihre Geschichten in diesem Buch egal. Es gibt immer wieder kurze, unabhängige Passagen, die Mandel unheimlich schön schreibt (zum Beispiel eine Auflistung, was alles verloren ging), genauso wie einige berührende Sätze. Mein größtes Problem war der pure Stillstand der Überlebenden: selbst wenn viele Menschen durch die Pandemie sterben, es gibt kein kollektives Vergessen von Wissen (und selbst in dem Fall existieren durch Bibliotheken). Warum kann mit den vorhandenen Ressourcen nicht Aufbau betrieben werden?

Eine weitere wichtige Komponente sind die Comics, die Station Eleven seinen Namen geben. Während der Vergangenheitspassagen erfährt man als Leser, wie diese Comics geschaffen wurden, und wie sie Jahre später für Kirsten eine Rolle spielen. Ich hätte es toll gefunden, wenn hier auch die tatsächlichen Panels im Buch aufgetaucht wären – so liest man immer nur von den Comics, und ich fand es schwer, diese zu visualisieren. Die Geschichte von Dr. Eleven spiegelt dabei die tatsächlichen Ereignisse wieder, und versucht, diese mit mehr Tiefe zu füllen.

Als Gedankenexperiment zu einer Pandemie und ihrer Folgen ist Station Eleven nicht schlecht – aber kein Titel, der in dem Meer von anderen Medien, die sich mit der gleichen oder ähnlichen Thematik beschäftigen, sonderlich heraussticht.

Vielen Dank an Steffi, die das Buch über das TBPG zur Verfügung gestellt hat!


BUCHDETAILS | ANZEIGE

Verlag: Picador
ISBN: 9781447268970
Erscheinungsdatum: 01.01.2015
Rating: 2/5